Gedanken zum 13. Sonntag nach Trinitatis

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Gedanken zum Wochenspruch für die Woche des 13. Sonntags  nach dem Dreieinigkeitsfest, 14. September 2003:

 

Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Matthäus 25,40)

 

Wer sind die Geschwister Jesu?

Als einmal die Mutter Jesu mit den Geschwistern zu ihm kommen wollte, aber wegen der Menschenmenge keinen Zugang zu ihm fand, und man Jesus davon sagte, blickte er in die Runde und sah die Menschenmenge um sich, die ihm gespannt zuhörte, wies auf sie und sagte: „Alle, die den Willen meines Vaters im Himmel tun, sind mir Bruder und Schwester und Mutter“ (Markus 3, 35). In seinem Beispiel vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,25-37), das für den 14. September auch als Text für die Verkündigung vorgeschlagen wird, leistet ein von den „rechtgläubigen Juden“ damals verachteter Samaritaner den Bruderdienst, den Gott von seinen Leuten erwartet. In diesem Beispiel wird nicht nur der Samaritaner, der dem hilflosen Menschen hilft, sondern auch der hilflose Mensch selbst zum Bruder Jesu, weil sich an ihm der Wille des himmlischen Vaters erfüllt.

 

ER schämte sich nicht, sie Brüder zu heißen

Wie oft bin ich schon an der Not von Schwestern oder Brüdern vorübergegangen, wo ich eigentlich um Jesu willen hätte helfen sollen? Wie oft waren meine Prioritäten von der –im Normalfall immer wesentlich stärkeren- Eigenliebe bestimmt, anstatt von der Liebe zu dem Menschen, der „unter die Räuber“ gefallen war?
Dieser Frage muß sich heute ein jeder Christ stellen, der von ganzem Herzen Gottes Willen tun möchte; denn sie wird am Ende unserer Zeiten, wenn Gott abrechnet, gestellt werden; wenn sie dann vom Weltenrichter negativ beantwortet wird, wird es zu spät sein. So ist es gnädig, daß Jesus uns schon heute dieses Gericht vor Augen stellt. Ich bin gefragt: In welcher Gruppe wäre ich? Bei denen, die Jesus kennt, also seinen Brüdern und Schwestern, die in vollendeter Gemeinschaft mit ihm für immer bleiben dürfen? Oder bei denen, die für ihn Fremde sind und hinaus müssen?

Für alle, die erkennen, wie sie schuldig geworden sind an den Ärmsten und Geringsten, indem sie an ihrer Not und Hilfsbedürftigkeit vorübergegangen sind, die angesichts der Worte Jesu erschrecken über ihre Hartherzigkeit, kann das Gericht heute schon vollzogen werden: Jesus richtet, in dem er alles krumme und falsche, alles Unterlassen „zurecht-richtet“. Das heißt, wenn mir mein Versagen bewußt ist und mir leid tut, wenn ich um Vergebung bitte, dann darf ich neu anfangen. Noch mehr, wenn ich um Seine Kraft bitte, in Zukunft „die geringsten Brüder und Schwestern Jesu“ zu sehen, dann stellt sich Jesus wieder neu zu mir. Er stellt sich eben zu Versagern, die neu anfangen wollen. So leben die Angehörigen der Großfamilie Jesu davon, daß sie immer wieder ihr Versagen zugeben und um Kraft für einen Neuanfang bitten. Und Jesus? Er stellt sich zu solchen Versagern und schämt sich nicht, Bruder solcher Versager zu werden, indem ER ihr Versagen auf sich nimmt und einen Neuanfang in Seiner Kraft schenkt. Indem wir davon leben. In diesem Sinn leben wir Christus-Bruderschaft, Gemeinschaft von Menschen, die beständig von der Vergebung und der Kraft des unsichtbaren Christus leben, der uns nahe ist.
Im weiteren Sinn sind alle Christen auf der Erde, die davon leben Christus-Bruderschaft, die Familie derer, die mit Gottes Hilfe sich immer wieder neu die Augen öffnen lassen für die „geringsten Schwestern und Brüder“.

 

Die geringsten Brüder und Schwestern Jesu heute

Einer unserer Freizeitteilnehmer bedankte sich überschwenglich für einen Spaziergang, den ich mit ihm machte „es tat so gut, daß jemand einfach mal Zeit für mich hatte...“

Einer unserer Brüder, der sich um Strafgefangene kümmert, sagte einmal: „so viele der Gefangenen haben keinen Menschen, der sie besucht.“

Es bedrückt mich, daß es ein Heer von depressiven Menschen gibt, dem wir hilflos gegenüberstehen, weil wir uns nur um den einen oder anderen kümmern können und so viele leer ausgehen.

Sehen vielleicht nicht manche von Ihnen jemand von den geringsten Schwestern oder Brüdern Jesu in Ihrem unmittelbaren Umkreis?

„Wie kann ich wissen, daß bei Spenden für notleidende Menschen in anderen Ländern, die Spende wirklich ankommt, oder in falsche Kanäle geht?“ Diese Frage kann leicht zur Ausrede dafür werden, letztlich nichts zu tun. An diesem Punkt bin ich froh und dankbar für eine Organisation, die nicht in erster Linie um Spenden bittet, sondern zuallererst um Fürbitte. Sie vertraut darauf, daß über dem Gebet für ihre Hilfsprojekte in der Welt Gott selbst den Fürbittenden Herz und Geldbeutel öffnen wird, weil Jesus dann einem die „geringsten Brüder und Schwestern“ selbst vor Augen stellen wird.

Hilfe für die Nächsten ohne Gebet macht mich stolz und hochmütig. Aus dem Gebet heraus wird mir aber deutlich, daß was ich selbst habe, nur anvertrautes Gut ist.

So wird jede Gabe für nahe und ferne notleidende Nächste nicht zum Almosen, sondern zur „innerfamiliären Umschichtung“, denn wer ist denn der Geber, der mir meinen Überfluß an materiellen Möglichkeiten, aber auch seelischer Kraft gegeben hat?

 

HERR Jesus Christus, ich kann nur bei mir selbst anfangen zu erkennen, wie oft ich Dich in meinen geringsten Brüdern und Schwestern übersehen habe. Du kennst alle offene und verborgene Eigenliebe. Vergib mir und schenke mir einen neuen Anfang in Deiner Kraft, daß ich freudig all das Anvertraute Gut, das Du mir gegeben hast, einsetzte für Dich und Deine weltweite Familie, meine Geschwister.

Amen.

  

(Gerhard Muck)

 


 

 

Matthäus 6,1-4; Predigt: 

 

„ Habt acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. “

 

Als Christen haben wir im täglichen Leben eine ganz besondere Verantwortung. Deshalb fängt dieser Text an mit: Habt acht auf eure Frömmigkeit! Somit leben wir achtsam. Wir zeigen uns für alles und für alle verantwortlich. Wir wissen, was wir zu tun und was wir zu lassen haben. Und das halten wir auch in spannungsgeladenen Zeiten ein. Das können wir nur, weil wir eine starke innere Faszination unseres Lebens mit Christus kennen, sodass wir sogar die größten Durststrecken des Lebens durchgehen und in rechter Weise bewältigen können. Als Christen sind wir immer im Dienst, weil wir einen lebendigen Draht zu Gott haben. Wir sind ganzheitlich in Gott gegründet und gefestigt.

Mit unserem Glaubensleben schenkt uns Gott eine Lebensgrundlage, eine Lebensbasis, auf der wir unser gesamtes Leben in rechter Weise aufbauen, bewältigen und zur Vollendung bringen können. Damit wird unser Leben qualitativ und quantitativ besser ausgefüllt. Damit können wir sogar noch das bewältigen, was sonst keiner mehr tun und anpacken will. Damit kommen wir aus dem falschen Dreh dieses Lebens heraus und stehen in einem sinnvollen, erfüllten Leben.

In dem größeren Textabschnitt geht es hier um das rechte Miteinander von uns Christen. Obwohl Gott ganz für den Einzelnen da ist, so geschieht damit doch eine gemeinsame Prägung. Denn Gott ist für alle da. Nur was wir gemeinsam in rechter Weise anpacken, hat einen Sinn, gelebt zu werden. Alles andere ist sinnlos und umsonst gelebt. Gerade unser Weg in der Nachfolge hat ein gemeinsames Ziel, das alle verfolgen. So sollten wir immer das Gemeinsame im Blickfeld haben, unterstützen und fördern.

Achten wir allezeit darauf, diese rechte Frömmigkeit auszuleben und durchzuhalten. Achten wir darauf, dass sich keine falsche Motivation einschleicht und aufmacht. Gehen wir mit dem uns gegebenen Leben und Aufgaben sehr achtsam um. Verhalten wir uns nie wie ein Elefant im Porzellanladen. Gehen wir keinem betrügerischen Leben auf den Leim. Gott will uns davor bewahren.

Es wäre schofel von uns, wenn wir auf irgend einem Gebiet uns unverantwortlich verhalten und aufführen würden. Denn die Botschaft Jesu vermittelt uns eine Prägung, mit der wir alles in rechter Weise angehen und bewältigen können. Damit werden wir nirgends untergebuttert. Damit gehen wir nicht in der Arbeit auf oder unter, auch wenn es viel zu tun gibt. Damit sind wir nicht Sklaven der Menschen, auch wenn wir ganz für sie da sind.  Und zusätzlich gilt, dass sich unser aller Leben in rechter Weise in den Plan Gottes einfügt und es auch in dieser Richtung alles zielstrebig voran- und weitergeht. Gott darf die Hauptsache unseres Lebens sein und bleiben. Davon brauchen wir uns nicht abbringen zu lassen. Dann verwechseln wir auch nicht die Anliegen Gottes mit unseren Wunsch- und Trugbildern. Damit sind wir auf dem rechten Weg.

Habt acht auf eure Frömmigkeit, auf euer tägliches Leben und Wirken als Christen. Darin stecken drei Anliegen. 1) Unser vorrangiger Lebensbezug ist auf Gott ausgerichtet. 2) Gott hat dann Arbeit für uns, die für unsere Nächsten gedacht ist. 3) Daraus erwächst ein rechtes Miteinander, Füreinander und Ineinander.

 

1) Unser vorrangiger Lebensbezug ist auf Gott ausgerichtet. Unsere höchste Achtsamkeit besteht darin, dass wir für Gott offen sind; für seine Gesinnung, für seine Ziele, für sein Leben, für seine Erziehung und Führung. Wir achten sehr darauf, was zur Zeit von Gott her dran ist. Das nehmen wir nicht auf die leichte Schulter, sondern ganz ernst. Gerade hierfür kennen wir einen zielstrebigen Weg, der unsere ganze Aufmerksamkeit erfordert. Im Text steht: Unsere Frömmigkeit üben wir nicht vor den Menschen, sondern vor Gott. Denn der Vater im Himmel gibt uns den rechten Lohn. Unser Gott sieht gerade ins Verborgene unseres Lebens. 

Es ist immer verdächtig, wenn ein Mensch vor Menschen imponieren will. Und wie viele Spielarten davon gibt es, bis hinein in die frömmsten Bereiche unseres Zusammenlebens. Davon kommen wir nur dann los, wenn wir mit Gott engsten Kontakt haben.

Es gibt für jeden von uns das sonst nach außen hin verborgene Leben mit Gott. Aber für uns persönlich darf das eine sehr lebendige und reale Beziehung sein, die sich in unserem Gebetsleben, in unseren Gottesdiensten und mit unserer Bibellese verlebendigt. Darin erleben wir eine Faszination Gottes, die unser gesamtes Leben überstrahlt und bestimmt. Damit kommen wir zielstrebig weiter und voran.

Solch ein Leben hat nie etwas mit Illusionen zu tun. Im Gegenteil nehmen wir von allen Arten der Illusionen einen weiten Abstand. Denn Gott führt uns die wahren Wege des Lebens, auf denen wir alles in rechter Weise bearbeiten, verarbeiten und bewältigen können.

Es gibt viele Situationen, in denen alles aus den Nähten zu platzen droht, wir aus dem Häuschen geraten und wir auf die Palme gebracht werden sollen. Was ist unsere Reaktion darauf? Platzen wir? Sind wir dem hilflos ausgeliefert? Oder haben wir es gelernt, hiermit uns zuerst an Gott zu wenden und ihn um Rat zu fragen? Eine alte Lebensweisheit sagt, dass wir über solchen Situationen zuerst einmal schlafen sollen, bevor wir darauf reagieren. Für uns Christen heißt das, dass wir das zuerst einmal mit Gott besprechen dürfen. Damit kommen wir dann in Gott zur Ruhe und können in rechter Weise darauf reagieren. Wer das gelernt hat, der kann dann auch oft aus dem Stand heraus sich recht entscheiden, das Rechte sagen und tun. Üben wir uns darin, denn auch hierfür gilt, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Auch hierfür ist unsere tägliche Jesus-Nachfolge gefragt.

Es darf das Geheimnis Gottes zu unserem Geheimnis werden. Dann steht über unserem Leben die Regie Gottes. Dann gibt er uns alles, was wir zum Leben benötigen. Dann heilt er alle unsere Selbstsüchte, Krankheiten und Verschrobenheiten. Dann nimmt er uns alles falsche Vergleichen mit Menschen und alle falschen Bindungen sachlicher und menschlicher Art. Solches Gottes- und Christusverhältnis, dem unser vorrangiger Lebensbezug gilt, prägt gewaltig unser gesamtes Leben und damit natürlich auch unseren Alltag.

 

2) Gott hat Arbeit für uns, die immer für unsere Nächsten gedacht ist. Hier im Text sind dafür die Almosen genannt. Wie oft nehmen wir eine Lebenshaltung ein, die sich gegen unsere Nächsten richtet. Das beginnt schon bei Kindern im Elternhaus und in der Schule und zieht sich durchs ganze Leben hindurch. Das kann sehr schreckhafte und üble Formen annehmen, die uns alle sehr bekannt sind. Gott will uns davon befreien und uns eine Lebensweisheit geben, die für unsere Nächsten eingestellt ist. Und das dürfen wir praktizieren, unser ganzes Leben darauf einstellen. Und wir brauchen uns niemals von den Menschen imponieren und bestimmen lassen, die gegen uns eingestellt sind. Denn solche sind die ärmsten Tröpfe, die herumlaufen. Sie fressen sich in ihrem Trotz so fest, sodass ihnen nicht zu helfen ist.

Als praktizierende Christen lernen wir, darauf zu sehen, was momentan möglich und nötig ist; wo offene Menschen sind, die gerne unsere Hilfe annehmen. Und damit sind wir nicht die Bosse und die Chefs. Sondern Jesus sagt nicht umsonst an anderer Stelle: Wer unter euch der Größte sein will, der sei euer aller Diener. Es sind echte Dienste, selbstlose Dienste für unsere Nächsten. Das hat etwas mit dem geistlichen Fasten und Sterben zu tun. Und wenn überhaupt eine Würde damit verbunden ist, dann ist diese mehr eine Bürde als eine Ehre.

So wie die Liebe Gottes grenzenlos ist und viel Leid aushalten kann, weil Gott mit einer gewaltig großen Sehnsucht für uns eingestellt ist; so verhalten wir uns auch unserem Nächsten gegenüber. Gerade vor diesem Gott dürfen wir erkennen, was momentan unsere Aufgaben und Dienste sind, wie wir uns in der momentanen Situation zu verhalten haben.

Gott schickt uns nicht nur eine ABM-Maßnahme, eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, damit es uns nicht langweilig wird. Sondern er lässt uns seine Botschafter sein. D.h. wir dürfen seine Mitarbeiter sein, bei seinem Projekt mitarbeiten und damit lässt er uns Sinnvolles tun. Dafür geben wir alles dran und setzen wir alles ein. Sein Eifer packt uns. Seine Gesinnung prägt uns. Was er uns sagt, das tun wir. Was er uns gibt, das ergreifen wir gerne. Was er uns rät, darauf achten wir gewissenhaft.

Denn wir wissen, dass dadurch letztlich Gott selbst in uns und durch uns am Werke ist. Denn wir wissen, dass er uns ein sinnvolles und vollmächtiges Wirken schenken kann. Denn wir wissen, dass er uns das Ewige und den Sieg vermitteln kann. Gott hat Arbeit für uns, die immer für unsere Nächsten gedacht ist. Deshalb geben wir unsere Almosen gerne und ohne Berechnung.

 

3) Gott schenkt ein rechtes Miteinander, Füreinander und Ineinander. Das gilt auch für die Situationen unseres Lebens, in denen keine Harmonie zu spüren und zu erleben ist.

Es wird immer welche geben, die sich gerne vor anderen in Szene setzen, imponieren wollen und sich damit lautstark in den Mittelpunkt stellen. So steht es auch in diesem Predigttext. Jesus sagt aber zwei Mal, dass solche Menschen bei Gott keinen Lohn mehr zu erwarten und zu bekommen haben. Denn sie kassieren ihren Lohn selbst ein. Sie brauchen dazu Gott gar nicht. Damit haben sie sich von ihm abgekoppelt. Das ist eine harte, aber wahre Beurteilung, die uns vieles zu bedenken aufgibt.

Gottes Wege sind für uns Menschen immer gemeinsame Wege. Gottes Aufträge gelten allen, die in einer Gemeinde oder Gemeinschaft zusammenleben. Gottes Wille schließt alle ein und keinen aus. Wer sich da etwas herausnimmt, was den anderen nicht gilt, der stellt sich selbst aus der Gemeinschaft hinaus. Wer etwas praktiziert, das nicht alle auch tun dürfen und können, der ist damit ein Einzelgänger, der nicht mehr dem gemeinsamen Ziel dient.

D.h. aber nicht, dass Gott alle gleichschaltet. Es darf schon jeder ein eigenes Original sein. Es gibt die verschiedensten Arten von Aufträgen und Aufgaben. Aber es gilt, am gleichen Strang zu ziehen. Es gibt die verschiedensten Pflanzen und Blumen, aber alle stehen im Garten Gottes. Ein Rad hat viele Speichen, aber nur eine Nabe, eine Mitte.

Zusätzlich gilt, dass Gott selbst über seine Gemeinde wacht. D.h. wenn jemand einer Gemeinschaft Gift einschenkt, der schadet damit letztlich nur sich selbst. Das gilt für alle Arten, mit denen jemand eine Gemeinschaft hintergehen und zerstören will. Gott selbst lässt das nicht zu. So gilt für uns, allezeit die Treuen, die Gewissenhaften, die Vorbilder, die Zielgerichteten, die Liebenden zu sein; und wo es uns gegeben ist, auch die Ausgleichenden. Gehen wir in aller Stille treu die Wege Gottes. Und hüten wir uns davor, gegen irgend welche Menschen vorzugehen; auch wenn sie sich noch so gehässig und schofel verhalten.

Letztlich können wir Menschen keine Gemeinschaften aufbauen. Das müssen und dürfen wir Gott überlassen. Aber wir können uns in eine von Gott gewirkte Gemeinschaft ganz hineinstellen. Bedenken wir dabei allezeit, dass es Gott nie um die Masse oder um den Erfolg geht. Er hat da andere Maßstäbe, bei denen sein Segen auch auf Wenigen ruhen kann, deren Leben Früchte tragen darf. Darauf liegt die Qualität des geistlichen Lebens. Diese kann schon dann vorhanden sein, wenn sich zwei oder drei in Jesu Namen versammeln, denn da ist er mitten dabei.

Weil Jesus, dem im Himmel und auf Erden alle Macht gegeben ist, im Kommen ist, baut er etwas auf, was nie mehr vergeht. Jeder Christ darf an seiner Stelle Gottes Werkzeug, Handlanger, Lautsprecher, Bote und Zeuge sein. Damit baut sich Gott eine Gemeinde auf, die auch dann, wenn sie in den größten Strapazen steht, vor Gott eine Einheit bildet. Der eifrige Gott ist ihre Mitte und gleichzeitig das Zugpferd. Weil dieser immer Mittel und Wege hat, er keine Energiekrise und Energieknappheit kennt, darf es auch für den einzelnen Christen eine Fülle von Gaben und Aufgaben geben, bei denen er nie an ein Ende kommt. Und doch weiß er um die Vollendung seines Lebens, die ihm Gott einmal schenken wird. So brauchen wir keine Angst zu haben vor dem rechten Miteinander, Füreinander und Ineinander. Denn dafür leben und sterben wir. Denn daraus entsteht die sog. Neuschöpfung Gottes, die in der Ewigkeit das neue Paradies darstellt.

 

So kennen wir als Christen eine starke innere Faszination von unserem Gott. Damit können wir sehr verantwortlich und achtsam mitten im Leben stehen und auch alle spannungsgeladenen Zeiten recht durchgehen. Auch wenn wir immer im Dienst sind und viele Almosen, viele Dienste von uns verlangt werden; so haben wir auch immer den lebendigen Draht zu Gott. Damit sind wir ganzheitlich in Gott gegründet und gefestigt und können uns für unsere Nächsten einsetzen. Damit wird qualitativ und quantitativ unser gesamtes Leben ausgefüllt und finden aus allem falschen Dreh des Lebens heraus. Wir stehen in einem sinnvollen und erfüllten Leben. So haben wir acht auf diese unsere rechte Frömmigkeit.

Bruder Georg


 

1. Johannes 4,7-12; Predigt:

 

" Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben, denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht, denn Gott ist die Liebe. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebore­nen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden. Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen. "

 

Die hier genannte Liebe ist wie ein dreifach ver­schlungenes Seil: Es ist die Liebe Gottes zu uns, unsere Liebe zu ihm und unsere Liebe zum Nächsten. Wobei von uns aus gesehen diese zuletzt genannte Liebe immer die problematischste ist. Des­halb ist sie sehr entscheidend; so sagt es Johannes.

Gerade als praktizierende Christen bekommen wir zu dieser Liebe Gottes Zugang. Alles andere, das wir Menschen sonst als Liebe an­prei­sen, verblasst unter dieser Liebe Gottes. Wir sind von Gott Überwältigte und damit von dieser Liebe Überwältigte. Wer dem­nach aus Hass etwas tut, der hat diese Liebe noch nicht begriffen und noch weniger ergriffen. Er lebt noch im finsteren Loch des fal­schen Vergeltungsdenken und zahlt vielfach seinem Nächsten all das Böse zurück, das ihm angetan wird. Diese Liebe hat das nicht mehr nötig. Da können wir wahrhaftig das Böse mit Gutem vergel­ten und über­winden.,

Diese Liebe hat nichts mit einer weichen Welle zu tun, denn sie ist zum größten Opfer bereit und gibt alles, was uns möglich ist. Auch hat sie nichts mit Gefühlsduselei zu tun, denn wie oft verlässt uns gerade in wichtigen Situationen unser Gefühl. Ebenso hat sie nichts mit irgend­welchen von uns erbrachten Leistungen zu tun, auch dann nicht, wenn wir sehr vieles leisten und erbringen. Sie ist dem über­geordnet.

Diese Liebe ist nur dann in unserem Leben vorhanden, wenn wir die Verbindung zu Gott kennen und praktizieren. Denn nur Gott kann sie uns vermitteln. Und er tut das auch, wenn wir ihm den Raum und die Zeit unseres Lebens überlassen. "Als von Gott Geliebte lasst uns un­ter­einander lieben!" Diese Liebe ist das Programm für unse­re Liebe zum Nächsten. In unsrem Predigttext wird 11 Mal von Gott geredet und 15 Mal von dieser Liebe. Schon das verdeutlicht, dass Gott und Liebe zu­sammen gehören. Sie sind nicht zu trennen. Wer Gott irgendwelche Hässlichkeit in die Schuhe schieben will, der meint einen anderen Gott, den Gegengott; aber niemals den Gott, den uns Jesus Christus vermit­telt.

Ich möchte diesem Text folgende drei Teile geben: 1) Johannes stellt die These der Liebe auf. 2) Er bringt dafür eine Begründung. 3) Diese Liebe ist auch unsere Lebensaufgabe.

 

1) Johannes stellt die These der Liebe auf. Verse 7 + 8: "Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben, denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe!"

Im Johannes Evangelium bezeichnet sich Johannes des öfteren als den Jünger, den Jesus lieb hatte. Das soll nun nicht heißen, dass Jo­hannes der Lieblingsjünger Jesu war. Sondern er war in besonderer Weise für die Liebe Jesu empfänglich und offen. Gerade er hat diese Liebe stark empfunden. Er wurzelte darin besonders tief ein. Er empfand das in seinem persönlichen Leben als eine ganz große Hilfe zur Bewältigung aller anstehenden Aufgaben und Probleme. So wurde für ihn diese Liebe zum eigentlichen Thema seines Le­bens und somit auch zum Hauptthema seiner Briefe. Immer wieder kommt er darauf zurück. Bei jeder Angelegenheit, die er nennt, kommt er auf die Lösung mit dieser Liebe.  Ihm ist nichts lieber, als dass die Angeredeten auch alles mit die­ser Liebe Gottes bewältigen. Das will er auch uns heute vermitteln. Es ist noch keine veraltete Bewältigungsart, wenn wir ebenfalls diese Liebe als das für uns übergeordnete Thema und Hauptanliegen anse­hen.

Johannes sagt: Wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott! Auch darauf kommt Johannes des öfteren zurück und erwähnt die­ses "von Gott geboren sein!" Je inniger unsere Gotteserlebnisse sind, desto stärker kann diese Liebe Gottes in uns landen. Gott will eine ganz star­ke Beziehung zu uns aufbauen. Er will unser Leben als die Opera­tions­basis für sein Werk gebrauchen und benützen. Allezeit dürfen wir uns als von Gott Geborene ansehen. Das bein­haltet sehr praktische Themen unseres Lebens.

Das heißt, dass normalerweise in uns und unter uns nie diese Liebe vor­handen ist. Was wir oft mit Liebe bezeichnen, z.B. das Begeh­ren nach Anerkennung, das hat nichts mit dieser hier genannten Liebe zu tun. Wundern wir uns nie darüber, wenn wir in uns und unter uns nie diese Liebe erfahren. Das ist das Normale, wenn wir ständig gefor­dert, aus­genützt und missbraucht werden.

Nur wer von Gott geboren ist, erfährt in Gott diese echte Liebe. Neh­men wir diese geistliche Geburt aus Gott ernst. Pflegen wir sie und le­ben wir sie total aus. Gott ist für uns Christen keine unbe­kannte Größe mehr. Wir dürfen ihn kennen, erkennen und erleben. Jesus Christus weist uns dazu den Weg.  Der Heilige Geist öffnet uns dazu das Ver­ständnis. Und es ist dann die Gnade Gottes, die uns dieses echte Ver­ständnis der Liebe gibt uns vermittelt. Wir dürfen uns höchstens da­rüber wundern, dass es so wenige Christen gibt, die diese Liebe tragen und vermitteln können. Aber auch die­ses Wun­dern wäre nicht mehr in der Liebe. Die echte Liebe wun­dert sich in dieser Weise nie mehr, son­dern sie versucht, so gut das geht, diese Liebe anzunehmen und auszu­leben. Die Wunder erle­ben wir in un­serer Beziehung zu Gott, dass er es fertig bringt, uns zu lieben. Wer sich darüber wundert, der kann dieses Geschenk der Liebe anneh­men und sich ihr ganz ausliefern. Das gilt auch gerade für die kriti­schen Phasen unseres Lebens. Dann wird unser Alltag davon geprägt und bestimmt sein. Alle ehrgeizigen Pläne verlie­ren sich und sind nicht mehr der Antrieb oder Urtrieb unseres Verhal­tens.

Der Urtrieb der Schöpfung ist diese Liebe. Der Urtrieb des Sünden­falls ist der Hass. Beides ist in dieser Welt noch vorhanden. Welcher Seite verschreiben wir uns? Welche Intension ist unsere treibende Kraft? Worauf legen wir das Hauptgewicht unseres Lebens und Wir­kens? "Wer von Gott geboren ist, der kennt Gott und kann des­halb nur lie­ben!" Johannes stellt diese These der Liebe auf.

 

2) Als Begründung dafür bringt er die Verse 9 + 10: "Darin ist er­schie­nen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden!"

Gott will nicht unsere Vereinsamung. Und wie viele Menschen füh­len sich einsam und verlassen.  Er will zweierlei echte Arten von Verbin­dung und Gemeinschaft. Hier in diesem Punkt ist die erste Art genannt: Unsere Gemeinschaft mit ihm. Und beim nächsten Punkt der Predigt ist die zweite Art genannt: unsere Gemeinschaft mit den Menschen. Nur wenn unsere erste Art funktioniert, dann funktioniert auch die zweite Art. Und beide sind von der Liebe ge­prägt.

Die erste Seligpreisung der Bergpredigt heißt: Selig sind, die da geist­lich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich! Für die Liebe Gottes dür­fen wir offene Gefäße sein. Das ist aber nur möglich, wenn wir uns selbst ausleeren, leer machen, damit Gottes Liebe überhaupt hinein passt. Und das verdanken wir nur Jesus. Er ermög­licht es, dass die In­halte, man kann auch sagen die Ketten des Bö­sen und des Hasses zer­brochen und unwirksam werden. Und nur er er­möglicht es, dass das Band der Liebe und des Friedens für uns be­stimmend wird. Unser Le­ben fließt dann nicht mehr von Gift und Galle über, sondern nur noch von dieser Liebe, die uns Ströme le­bendigen Wassers vermitteln.

Das A und O unseres Lebens, der Urtrieb und das Uranliegen unse­res Lebens und Wirkens darf zuerst einmal unsere persönliche Be­ziehung zu Jesus Christus sein. Denn nur er ermöglicht uns, dass wir von der Gottesferne zur Gottesnähe geraten. Wesentlich in unserem Leben ist diese vertikale, senkrechte Verbindung zu Jesus. Nur von daher be­kommen wir die nötige Kraftzufuhr. Nur dann kennen wir unsere Überlebenschancen.

Das geht so weit, dass nicht mehr wir selbst der Mittelpunkt unseres Lebens sind. Wir haben es nicht mehr nötig, uns selbst zu leben. Son­dern wir lernen, unser Leben getrost an Gott abzugeben und es ihm zu überlassen. Gleichzeitig lernen wir, unser Leben getrost aus Got­tes Hand anzunehmen. Und damit bleiben wir immer auf dem rech­ten Weg. Solches Leben ist nie langweilig, sondern sehr interes­sant. Auch wenn wir vor Überraschungen nie sicher sind, so dürfen wir doch um den klaren Weg Gottes wissen. Denn es gehört dazu, dass wir mit Gott im Gebet ringen dürfen, bis uns wieder der nächste Schritt klar wird, der immer von der Liebe Gottes geprägt sein wird.

Zum Erlösungswerk Jesu gäbe es natürlich sehr viel zu sagen. An die­ser Stelle nennt sie Johannes als die Schleuse zur Liebe Gottes. Gott selbst hat sie uns geöffnet.

 

3) Diese Liebe ist auch unsere Lebensaufgabe, Verse 11 + 12: "Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinan­der lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns unter­einander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen!"

Hier steht nun die horizontale, waagerechte Verbindung zu unseren Nächsten im Mittelpunkt.. Auch diese soll von dieser Gottesliebe ge­prägt sein.

Wie oft stecken wir in falschen Aktionen und verhindern damit das Handeln Gottes. Wie oft verrennen wir uns in eigenen Aktionen und lassen dadurch Gott nicht zum Wirken kommen. Wie oft drücken wir unsere eigene Meinung durch und sind dann doch sehr unglück­liche Menschen.

So ist es für uns wichtig zu wissen, was Gott von uns will; wo er un­se­ren Einsatz haben will; wo für uns momentan der gangbare Weg liegt. Denn die Wege Gottes haben nichts mit dem zu tun, was wir normaler­weise gerne tun würden. Sie sind von ganz anderer Natur und von ganz anderem Inhalt. Es geht letztlich um die Rettung des Menschen. Und dazu bahnt er unsere Wege, die er uns dann auch vorangeht und uns zum Ziel führt. Alle anderen Wünsche und Ziele sind von untergeordne­ter Größe und Bedeutung.

Wer den heißen Draht zu Gott hat, der kann auch seinem Nächsten echte Lösungen mitteilen und anbieten, ohne dass er dadurch auf­dring­lich wird. Wir haben damit die Möglichkeit, unserem Näch­sten in echter Weise zu helfen und beizustehen, wenn er es will. Diese Liebe, die uns Gott gibt, kann unterscheiden, wo wir Men­schen loslassen und damit Gott überlassen dürfen, und wo jetzt un­ser Beitrag und unsere Hilfe gefordert ist. Solches Leben hat große Verheißung. Diese Liebe wertet unseren Alltag gewaltig auf. Da können wir über sonst unüberwindbare Mauern springen. Da dürfen wir Sinnvolles tun und Sinnloses lassen. Da schreiben wir keinen einzigen Menschen ab, den uns Gott mit auf den Weg gestellt hat. Weil letztlich Gott dahinter steht, setzt er uns an unserer Stelle für den Bau seines Reiches ein. Ist das nicht etwas Wun­derbares und Herrliches?!! Wir leben nicht mehr umsonst! Nur diese Liebe be­wirkt das in unserem persönlichen und gemeinsamen Leben. Lassen wir das allezeit unsere Lebensaufgabe sein.

 

Dieses dreifach verschlungene Seil der Liebe Gottes ist für uns Chris­ten sehr wesentlich.: Weil Gott uns liebt, dürfen wir diese Liebe zu ihm und zu unseren Nächsten praktizieren. Lassen wir uns davon überwältigen und bestimmen, dann stehen wir positiv im Le­ben und können sogar das Böse mit Gutem vergelten und überwin­den. Wer von dieser Gottes­liebe geprägt ist, der kann mit dem Kir­chenvater Augustin sprechen: >Liebe! Und dann tue, was du willst, du kannst nichts falsch machen!< Es gibt den Ausstieg aus der Hassspirale, die gleichzeitig die Todesspi­rale ist; und den Einstieg in diese Liebesspirale, die gleichzeitig die Le­bensspirale darstellt.   

 

Bruder Georg


 

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