Gedanken zum zweiten Sonntag in der Passionszeit - Reminiszere

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Predigt für REMINISCERE

                                über Markus 12, 1-12,

                                                  gehalten am 16.3.2003

                                                                           in Augsburg, St. Jakob

 

Von den bösen Weingärtnern:

„ Jesus fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes. Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil an den Früchten des Weinbergs hole. Sie nahmen ihn aber, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den Kopf und schmähten ihn. Und er sandte noch einen andern, den töteten sie; und viele andere: die einen schlugen sie, die andern töteten sie. Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn; den sandte er als letzten auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Sie aber, die Weingärtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein! Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg. Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben. Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen (Psalm 118,22-23): »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen«? Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon. “

 

                                                                         A.

 

„Elisabeth, dieses kleine Mädchen, so mager, so blass, die Augen weit...“ (36). „Frau Tietze spürte eine neue unfassbare Bosheit des Kindes.“ „Der Tag kam, da Gott strafen würde. Frau Tietze hasste die Unbotmäßigkeit. Frau Tietze würde wieder zur Kirche gehen. Nur auf die Hölle war Verlass“. (4o)

Aus einer Erzählung von Wolfgang Koeppen ( „Trümmer oder wohin wandern wir aus“. Das deutsch-deutsche Lesebuch, Heyne 7818, 1989 ).-

So ähnlich scheint die Geschichte auszugehen, die Jesus als Gleichnis erzählt hat. „Was wird der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen“. ´Der Tag kommt, da Gott strafen wird`.

Aber bei Jesus kommt noch jemand anderes hinzu, auf den Verlass ist: Er. Daher kann die Geschichte einen anderen Ausgang nehmen.

 

                                                                         B.

Ein „Gleichnis“. Pachtverträge.  Die Pächter dürfen ein Stück Land nutzen,  das ihnen nicht gehört. Es handelt sich um einen Weinberg. Er ist bestens angelegt und mit allem ausgestattet, was man sich wünschen kann. Die Pflanzen sind gesetzt. Ein Zaun schützt das Gelände. Für die Ernte ist eine Kelter gegraben. Sogar ein Turm wurde gebaut, von dem aus ein Wächter gegebenenfalls das ganze Anwesen überblicken kann. An alles war gedacht.- Eine Gemeinschaft von Pächtern teilt sich das Grundstück. Der Besitzer lebt im Ausland, wie es bei den Latifundien in Galiläa zur Zeit Jesu häufig der Fall gewesen sein soll.

Die Pächter sind die Nutznießer dieses Weinbergs. Sie bringen die Ernte ein. Aber selbstverständlich sieht der Pachtvertrag vor, dass ein Teil des Ertrags an den Besitzer abzuführen ist. Das ist ja nur recht und billig. Das Land gehört ihm. Und er hat sich die Ausstattung viel kosten lassen.

Es ist sein gutes Recht, jemand vorbei zu schicken, der den Pachtzins einheben soll.

 

I.

Ein Gleichnis: Es ist einem etwas anvertraut, was einem jedoch nicht gehört. Selbstverständlich erwartet der, der es einem anvertraut hat, dass davon etwas zu ihm zurück kommt. Wenn nichts zurück kommt,- wie wird er reagieren?

„Frucht“-; wenn man vom Weinberg-Gleichnis Abstand nimmt und zur Sache kommt-, woran kann man dabei denken?

Denkt man da nicht auch z.B. an „Leibesfrucht“, wie die Rechtssprache sich ausdrückt? Kinder. Das Erstaunliche, dass Leben entsteht. Dass, was manche sich vergeblich wünschen, was ihnen versagt bleibt, andern geschenkt wird.- Leben-, menschliches Leben. Wir,  die Pächter. Gott, der Eigentümer. Unsere Kinder, uns von Gott anvertraut. Bestens ausgestattet; begabt. Ein Wunder der Schöpfung. Und da soll ´etwas` zu Gott ´zurückkommen`.-Aber dann werden sie vorzeitig abgesaugt, mit blutigen Köpfen zurückgeschickt, weggeworfen; misshandelt, missbraucht; umgebracht. Oder immerhin vernachlässigt. Oder vielleicht in jeder Hinsicht gefördert, aber nicht auf die Begegnung mit dem vorbereitet, dem sie gehören. Nicht an Ihn gewöhnt. Nicht an Ihn erinnert.

Fragt man nach dem, was uns anvertraut ist, und nach den Verpflichtungen, die damit verbunden sind, so sind z.B. Kinder etwas wunderbar Ausgestattetes, was einem von Gott übergeben ist, woran man zu arbeiten hat, und was den Anspruch in sich trägt, dass Gott ´etwas davon haben` soll. Sie gehören Ihm. Und unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass von ihnen ´etwas zu Ihm zurückkommt`.

Wenn Eltern also, um ihren Kindern ´viel bieten` zu können, mehr Wert darauf legen, angemessen- und dann eben beide- zu verdienen, und deshalb notgedrungen die religiöse Erziehung vernachlässigen, sich jedenfalls nicht selbst darum kümmern können,- dann könnte das so etwas sein, wie das Verhalten der Pächter im Gleichnis.

Dass Gott einen Anspruch auf unsere Kinder hat, und dass sie das erfahren und beigebracht bekommen müssen, und dass das zu den Elternpflichten gehört,- daran denken sie nicht. Dafür haben sie leider keine Zeit. Und wenn man an Pflichten erinnert wird, die zu erfüllen man weder Zeit noch Kraft hat, wird man unwillig: ´Was soll ich denn noch alles tun!`

Aber wird Gott oder sein Bote damit nicht wie ein lästiger Bittsteller abgefertigt, der hier keine Ansprüche zu stellen hat?

Wenn man vom Gleichnis ´zur Sache` kommen will, könnte man möglicherweise an so etwas denken.

Aber auch sonst ist unser Leben auf der Erde derart, dass man es mit einer Pacht vergleichen kann. Eigentlich ist uns alles nur verliehen und auf Zeit anvertraut. Nichts ist uns völlig eigen.

Aber wir denken oft nicht daran. Im Gleichnis hält sich der Besitzer außer Landes auf. Er läuft einem also nicht über den Weg. Man wird nicht dauernd an ihn erinnert. - Und in unserer Wirklichkeit kann man Gott unbeachtet lassen. Er fällt nicht besonders auf. Daher können Seine Ansprüche in Vergessenheit geraten. Und wir verplanen unsere Lebenszeit, ohne dass für ihn etwas übrig bleibt. - Zum Thema 'Kirchensteuer' kann man zwar verschiedenes sagen. Aber wenn man sein Einkommen restlos anderweitig benötigt und für die Ausgaben, die es verursacht, wenn an Gott und Sein Wort erinnert werden soll, nichts übrig hat, kommt auch das dem Verhalten der Pächter im Gleichnis nahe.

Wer 'einem mit Ansprüchen Gottes kommt', kann durchaus erleben, dass ihm Spott und Unwille entgegen schlagen. Unter Umständen kann die Reaktion heftiger werden. Man wird, wenn man 'in Sachen' Gottes kommt, nicht hereingelassen oder hinausgeworfen. In Israel wurden manche Propheten sehr schlecht behandelt. Amos erhielt im Tempel Redeverbot. Jeremia wurde auch körperlich angegriffen. Und soeben erst, zur Zeit Jesu, war Johannes der Täufer umgebracht worden, Weil er den Anspruch Gottes auf das Privatleben, konkret die Missbilligung des Ehebruchs, eines Politikers geltend gemacht hatte. Wie wird Gott darauf reagieren?

 

II.

„Frau Tietze... glaubte..., dass Elisabeth aus Bosheit ihre Geduld strapazierte“ (36). „Der Tag kam, da Gott strafen würde. Frau Tietze hasste die Unbotmäßigkeit. Frau Tietze würde wieder zur Kirche gehen. Nur auf die Hölle war Verlass“ (40).

Der „Herr des Weinbergs“ in diesem bizarren Gleichnis muss sehr erbittert sein. Mit übermenschlicher, fast unbegreiflicher Geduld, hat er sich die Abweisung und Misshandlung seiner Boten gefallen lassen, ja, es sogar stillschweigend hingenommen, dass ihm nicht nur vorenthalten wurde, worauf er Anspruch hatte, sondern tatsächlich Personal ermordet wurde. Schließlich - , 'der Gipfel', - sein eigener Sohn, der „geliebte Sohn“. „Was wird nun der Herr des Weinbergs tun?“ Klar, „er wird kommen und die Weingärtner umbringen“.

Diese „Drohkulisse“ 'steht'. Bewaffneter Einmarsch und Besetzung des Geländes. Das ist 'lebensecht', wenn es einmal soweit gekommen ist.

Nicht 'lebensecht' war die Geduld des Weinbergbesitzers. So viel „Unbotmäßigkeit“ und „Bosheit“ lässt sich kein Mensch gefallen. Und das mit dem „Sohn“, dem „geliebten“ einzigen Sohn - , niemand würde wohl nach solchen Erfahrungen so unvorsichtig sein.

Ein „Gleichnis“ für das Verhalten Gottes - . Aber eigentlich gibt es dafür kein Gleichnis. So etwas kommt nicht vor. Gottes Verhalten ist unvergleichlich. Daher erscheint einem dieses Gleichnis nicht als 'lebensecht'. Und Jesus bricht es ab und greift zur Ergänzung ein Zitat auf. Es stammt aus einem bekannten, oft gebeteten Psalm. Auch das ist ein Gleichnis, allerdings in äußerster Kürze zusammengerafft zu einer Art Sprichwort.-

Wir blicken zurück. Das Gleichnis hatte darauf aufmerksam gemacht, dass wir Gott etwas schuldig sind, und dass er beharrlich drauf zurückkommt. Man kann nicht darüber hinweg gehen. Und es hatte aufgedeckt, dass wir Ihm schuldig bleiben, was Er von uns erwartet, und wie das auf Ihn wirkt. Das darf man nicht verharmlosen. Gottes 'Geduld' ist aufs äußerste 'strapaziert'. Er wird strafen. „Auf die Hölle“ ist „Verlass“, wie Frau Tietze überzeugt war. Das wollte sie in der Kirche bestätigt hören.

Aber Jesus hat eine andere Perspektive.

„Habt ihr nie“ den 118. Psalm „gelesen“ ?, fragt Jesus Leute, die selbstverständlich diesen Introitus kennen. Das Gleichnis vom Bauplatz: Baumaterial liegt bereit. Steine. Naturstein. Die maßgeblichen Bauarbeiter begutachten das Material, das zur Verfügung steht. Sie markieren die Steinblöcke, die Verwendung finden können, und mustern andere aus, die ihnen als unbrauchbar erscheinen. Und nun die spaßige – und für die Beteiligten peinliche Geschichte, dass ein Steinblock, den sie einhellig als unbrauchbar „verworfen“ hatten, von jemand anders, wohl dem Leitenden Architekten, als Eckstein ausersehen wurde, sich also für das ganze Bauvorhaben in außerordendlichem Maße eignete, ganz im Gegensatz zu ihrer Bewertung.

Das heißt, dass sich die Situation in völlig unerwarteter Weise total verändern kann. Das sieht man an dieser sprichwörtlich gewordenen Story: „Der Stein den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden“. Aus dem Verworfenen kann also noch etwas werden.

Das kann man in zwei Richtungen deuten. Einmal von den Weingärtnern her. Die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten, also die maßgeblichen Amtsträger in Israel, denen Jesus im Rahmen einer Diskussion im Tempelbereich das Gleichnis erzählt hat, „verstanden“, dass er dabei von ihnen geredet hatte. Sie fühlten sich bloßgestellt und zugleich machtlos. Sie hatten – ein Kapitel vorher – die Diskussion damit begonnen, dass sie ihn nach seiner Legitimation, seiner „Vollmacht“, fragten. Nun hatte das ganze so geklungen, als wollte er sagen: Ich stehe Gott so nahe, wie der „geliebte Sohn“ dem Weinbergbesitzer, und ihr habt vor, mich zu beseitigen. Da waren sie durchschaut. „Sie trachteten danach, ihn festzunehmen“, trauten sich nur im Augenblick noch nicht, wandten sich grußlos ab „und gingen davon“.  - Er hatte gesagt: „Sie nahmen ihn und töten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg“.  Und „habt ihr nicht gelesen“: „Der von den Bauarbeitern weggeworfene  Stein“, der beseitigte, „ist zum Eckstein geworden? Der Getötete wird auferweckt werden, und nach Ihm wird sich alles ausrichten. An den Eckstein werden alle anderen Steine angereiht und so in den Bau eingegliedert werden. Sein Anliegen wird sich also durchsetzten.

Und was ist sein Anliegen? - Da wendet sich der Blick wieder vom Sohn auf die Weingärtner. Der Inhaber will den Weinberg weiter verpachten. Er glaubt, Pächter zu finden, von denen 'etwas zu ihm zurückkommt'. Die Geschichte endet nicht mit dem Strafgericht. Frau Tietzes „Hölle“ ist nicht der Schlusspunkt. „Andere“ Pächter, - 'veränderte' Menschen kommen nun zum Zuge. „Habt ihr nie gelesen“, fragt Jesus: „Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unseren Augen“? Eigentlich heißt es: „Dieser“, - nämlich der Verworfene,  ist durch Gott zum Eckstein geworden. Gott hat ihn dazu gemacht. Wir sehen, wie wunderbar dies ist. Wir glauben, dass der Sohn, der „geliebte Sohn“, an dessen Tötung wir mitschuldig sind, für uns zum  Halt wird, dass, an Ihn angefügt, auch wir für das Vorhaben Gottes brauchbar werden können. Mit anderen Worten: Wir glauben, dass diese brutalen Weingärtner, in denen, wie die ersten Hörer, in gewissem Maße auch wir uns selber erkennen, nicht unbedingt umgebracht werden, sondern, wenn sie an den Auferstandenen glauben, „andere Weingärtner“ werden können, die nun dankbar für dieses „Wunder“, von Herzen gerne Gott geben wollen, was ihm zusteht.

 Amen!

 

Pfarrer Dr. Wolfhart Schlichting

  


 

MARKUS 12,1-12;  PREDIGT:

 

Von den bösen Weingärtnern:

„ Jesus fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes. Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil an den Früchten des Weinbergs hole. Sie nahmen ihn aber, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den Kopf und schmähten ihn. Und er sandte noch einen andern, den töteten sie; und viele andere: die einen schlugen sie, die andern töteten sie. Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn; den sandte er als letzten auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Sie aber, die Weingärtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein! Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg. Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben. Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen«? Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon. “

 

Jesus sagte dieses Gleichnis den Führern des Volkes Israels, dem Hohenpriester, den Ältesten und Schriftgelehrten. Diese fragten Jesu, - das steht vor unserem Predigttext -, nach seiner Vollmacht. Das erklärte er ihnen anhand dieses Gleichnisses. Es war keine direkte Antwort auf ihre Frage. Aber sie haben verstanden, was Jesus damit sagen wollte, dass sie diese bösen Weingärtner wären. Und das schürte noch mehr ihre Wut auf ihn.

Das Gleichnis fängt an: „Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner.“ Dies erinnert an den wesentlichen Teil der Schöpfungsgeschichte: Gott schuf das Paradies und übergab ihn den Menschen. Nun, dieses Paradies haben wir verloren. Aber mit dem Weinberg ist in der Heiligen Schrift der Lebensbereich der Gemeinde Gottes angesprochen. Dieser Lebensbereich ist vorhanden. Es gibt die lebendige Gemeinde Jesu Christi. Von Gott her ist da alles weislich geordnet, gegeben und vorhanden. Das stellt überhaupt kein Problem dar.

Das Problem sind wir Menschen. Hier nennt Jesus die Führer der Gemeinde Gottes. Sie stellen dann ein Problem dar, wenn sie über sich nicht mehr Gott akzeptieren und sich wie die Herren aufführen. Diener der Gemeinde sollten sie sein, immer in dem Bewusstsein, dass sie nur Verwalter sind. Sie können nicht aus eigenen Stücken herrschen. Sondern sie sollen das in rechter Weise nach den Geboten und Aufträgen Gottes verwalten, was ihnen anvertraut worden ist. Da haben sie eine besondere Verantwortung, die für viele zur Gefahr wird. Wer besondere Gaben anvertraut bekommen hat, der hat auch immer besondere Grenzen und Gefahren. Wenn er diese nicht beachtet, dann wird er seiner Verantwortung nicht mehr gerecht und sie wird ihm wieder genommen.

Was aus diesem Gleichnis heraus sticht, ist die große Geduld Gottes, die er aufbringt. Sogar seinen Sohn gibt er hin, der von den bösen Weingärtnern getötet wird. Dass unsere Welt noch nicht zugrunde gegangen ist, das ist nicht das Verdienst der Menschheit. Sondern das zeugt von der großen Geduld Gottes, die er uns gegenüber aufbringt. Wären wir Gott, dann hätten wir schon längst mit der Faust drein geschlagen. Aber Gott bringt diese Geduld auf, bis er seine Neuschöpfung zur Vollendung führt.

Dieses Gleichnis hat sich mit dem Tod Jesu schon einmal erfüllt: Da ging das Reich Gottes, das Volk Gottes von den Juden auf die Heiden über. Es wurde von den Judenführern genommen und den damaligen Jüngern übergeben. Aber dieses Gleichnis erfüllt sich immer wieder, auch heute in unserer Zeit. Gott setzt hier andere Maßstäbe, als sie die Institution der Kirche gerne setzen möchte.

Was ist wesentlich, wenn es um den Weinberg Gottes, um die Gemeinde Jesu Christi geht? 1) Gott investiert in seinen Weinberg sehr viel. 2) Wir, die wir darin stehen, sind Verwalter! 3) Es geht um unsere ewige Existenz, die heute schon erlebbar ist.

 

1)   Gott investiert in seinen Weinberg sehr viel. Damit haben wir eine echte, feste Existenzgrundlage. Was mit Gott zu tun hat, ist ja nicht nur eine Dreingabe, ein Beigeschmack. Sondern das ist das Wesentlichste, das es überhaupt gibt. Wer ein Christ geworden ist, für den ändert sich alles. Was ihm vorher wichtig war, wird sehr unwichtig. Und Gott tritt an die erste Stelle seines Lebens. Er vernachlässigt zwar nicht ein einziges Lebensgebiet. Aber über allem stehen doch die Anliegen Gottes, die er uns aufgetragen hat. Gerade diese Anliegen befähigen uns, alle anderen, irdischen Anliegen in rechter Weise anzupacken und zu erledigen.

Man kann es einmal auch so sagen: Gott investiert auch in uns seinen Weinberg. In jedem Menschen ist da vom Ansatz her gesehen etwas vorhanden. So wird einmal kein Mensch Gott einen Vorwurf machen können, dass er davon nichts hätte oder wüsste. Auch Paulus sagt, dass jeder Mensch, wenn er mit offenen Augen durchs Leben geht, auf Gott stößt. Jeder bekommt hier seine Chance. Es liegt nun an uns, ob und wie weit wir diese Chance nützen und gebrauchen. Lassen wir Gott mit seiner Geduld nicht zappeln, sondern nützen wir diese lebendige Beziehung zu ihm aus. Wir dürfen uns bei ihm auskennen, bei ihm daheim sein und uns daheim fühlen. Damit erleben wir Sinnvolles, Erfreuliches, Herrliches und Ewiges. Da wissen wir, warum wir auf dieser Erde sind, was unser Leben für einen Sinn hat. Da reiht sich eine Führung Gottes an die andere. Da führen wir ein zielstrebiges Leben. Da gibt es keine Langeweile oder Stumpfsinn. Und es funktioniert auch unser Zusammenleben.

Es gibt diesen Weinberg Gottes. Seine Existenz ist zwar im Verborgenen, im Unsichtbaren. Aber sie ist größer, wahrer, reeller, zukunftsträchtiger und ewiger als alles Sichtbare und Greifbare. Und dazu kommt, dass dieser Weinberg immer der Regie Gottes unter-steht; auch dann, wenn zeitenweise solche bösen Weingärtner vorhanden sind. Als Christen entdecken wir all das, das Gott in uns investiert. Weil das immer große Geschenke und Wohltaten sind, haben wir ein Lob Gottes auf unseren Lippen. Das ist unsere Antwort auf diese Investitution Gottes.

 

2) Wir, die wir im Weinberg Gottes stehen, sind die Verwalter und nicht die Besitzer. Als Verwalter ist uns vieles anvertraut. Obwohl auch vieles für uns persönlich abfällt, ist doch die eigentliche Aufgabe eines Verwalters a) das uns Anvertraute im Sinne unseres Herrn einzusetzen und b) darauf zu sehen, dass jeder Mensch, der uns anvertraut ist, auch das bekommt, was ihm zusteht. Da hat der Geiz keine Berechtigung. Da ist der fehl am Platze, der nur auf seinen eigenen Vorteil sieht. Auch Hartherzigkeit, Brutalität und Unterdrückung ist hier unmöglich.

Wenn hier der Besitzer seinen Pacht verlangt, einen Teil des Ertrages, - in der Bibel wird das oft mit dem „Zehnten“ bezeichnet -, dann meint Jesus damit unsere Spenden und Fürsorge für andere Menschen. Beim Gleichnis vom Weltgericht sagt Jesus, Matthäus 25,40: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan!“ Was könnten wir auch sonst Gott geben, dem sowieso alles gehört?! Und Paulus sagt: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb!“ So ist jede Gabe, Hilfe, Spende falsch, die wir zähneknirschend oder berechnend geben.

Letztlich ist unser ganzes Leben ein Dienen. Es ist ein Dienen aus Dank und Liebe. Weil uns Gott so vieles anvertraut, geben wir das weiter, was uns möglich ist. Und wir machen immer die Erfahrung: Je mehr wir weiter geben, umso mehr gibt uns Gott, teilt er uns zu. Deshalb steht Lukas 6, 38: „Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben. Denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen!“

Von Gott her gesehen ist das gemeinsame Wohl, das rechte Miteinander, unsere große Aufgabe. Ohne Gott ist da immer vieles im Argen. Mit Gott geschieht da sehr viel. Und weil durch die Medien die Völker sehr zusammen gerückt sind, gibt es hier weltweite Aufgaben, denen wir uns nicht entziehen dürfen. Das ist unsere Aufgabe als Verwalter.

 

3) Es geht um unsere ewige Existenz, die heute schon erlebbar ist. Viele Stellen aus der Bibel, auch unser Gleichnis, deuten darauf hin, dass unsere ewige Existenz von unserem jetzigen Verhalten abhängt. Wir können sie uns zwar nie verdienen. Sie ist immer ein Geschenk Gottes an uns. Aber wir können sie uns verscherzen, sie ablehnen und uns ihr verweigern.

Anders herum gesagt, gibt uns der Heilige Geist vom Zukünftigen einen gewaltigen Vorschuss, eine enorme Erstlingsgabe, Vorauszahlung. Wer nicht heute schon um den Himmel Gottes weiß, der wird auch nach seinem Tod nie den Himmel Gottes erleben.

So gesehen ist es nie egal, wie wir uns täglich verhalten, sondern das ist von ewiger Bedeutung. Leben wir nie leichtfertig, verantwortungslos oder eigenmächtig. Gott vertraut uns das ewige Leben an. Da gilt seine Erlösung, die in Kraft tritt. Es ist oft schon sehr eigenartig: Alle wollen ewig leben, aber nicht das „Ewige Leben“. Alle suchen und fragen nach den Lösungen und nicht nach der „Erlösung Jesu“, darin alle Lösungen enthalten sind. Letztlich leben wir als Christen zwar ein sehr konsequentes, aber doch ein sehr einfaches Leben. Da ist nichts kompliziert. Da müssen wir keine geistlichen Kraftanstrengungen aufbringen. Es genügt unser Vertrauen, unser einfältiger Glaube an die Gegenwart und Führung Jesu.

Wie sieht als Christen unser Verhalten aus, wenn daran unsere Ewigkeit hängt? Wir nehmen Gottes Wort ernst, weil es uns Jesus zeigt und Brot und Speise ist. Wir befolgen die Gebote Gottes, weil uns darin die wahren Verhaltensweisen aufgezeigt sind. So weit wir es erfassen können, leben und handeln wir nach dem Vorbild Jesu und den Vorbildern der Heiligen Schrift  und der Kirchengeschichte.

Wie sieht als Christen unser Verhalten nicht aus, wenn wir damit unsere Ewigkeit verlieren? Nach 2. Timotheus 4,3 laden wir uns nicht Lehrer und Lehren auf, nach denen uns die Ohren jücken; Lehren, die uns zwar imponieren, aber nicht die wahren Wege enthalten. Wir gehören nicht zur Spaßgesellschaft, wie es Peter Hahne in einem Buch treffend beschreibt. Solches Verhalten rächt sich, weil wir getäuscht werden und an der wahren Lebensbewältigung vorbei gehen.

Als Christen führen wir ein zielgerichtetes Leben. Das Globalziel ist die Ewigkeit Gottes. Unter diesem Globalziel gibt es sehr viele Nahziele, die uns die nächsten Schritte zeigen, darin auch die Bewältigung aller irdischen Angelegenheiten enthalten sind. Unser Leben will bewältigt sein. Es ist kein Honiglecken. Es kommen manche Krisen und Lebensprüfungen. Aber wir haben die Zusagen Gottes, dass wir in der Nachfolge Jesu stehen dürfen. Er nimmt uns an der Hand. Er zeigt uns die wahren Wege und Entscheidungen. So können wir getrost und froh unsere Wege gehen, weil nichts umsonst ist und wir auf ewig Angenommene von Gott sind.  

 

Wir dürfen im Weinberg Gottes leben und erleben damit die große Geduld Gottes. Da investiert Gott sehr viel, sodass wir eine echte Existenzgrundlage haben. So können wir als die Verwalter des uns Anvertrauten auf das rechte Miteinander und Füreinander sehen. Und Gott belohnt uns mit seiner herrlichen Ewigkeit, von der wir zu unseren Lebzeiten schon vieles abbekommen. 

 

Bruder Georg


 

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