Gedanken zum Misericordias Domini

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Predigt für MISERICORDIAS DOMINI

                                     über Johannes, 10, 11-16 (27-30),

                                                                            gehalten am 4.5.03

                                                                                                  in Augsburg, St. Jakob

 

 

„ Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht - und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

 (Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins.) “

 

                                                                            A.

Es war in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ein Regensburger Dekan plauderte im Kollegenkreis aus der Familie.  Er wunderte sich selbst: Seine Tochter, die längst alles Kindliche als kindisch abtat, über Spiele und Spielzeug von früher erhaben war und sich wie eine kleine junge Dame gab-, an ihrem Geburtstag morgens im Familienkreis gefragt, welches Lied sie sich wünsche-, wünschte sich: „Weil ich Jesu Schäflein bin.“ Im alten Gesangbuch stand es unter „Kinderlieder“. Und das war ihr also nun nicht zu kindisch. Der Vater wunderte sich. Man sang es.

 

                                                                             B.

Dieses Lied aus dem 18. Jahrhundert, das eine Antwort auf das Evangelium dieses Sonntags ist, war früher sehr beliebt. Aber wer erwachsen wurde, zumal in einer Nachkriegszeit, wer die Erinnerung an Kriegserfahrungen mit sich herum trug, empfand es als allzu idyllisch. So problemlos und glücklich verläuft das Leben doch in Wirklichkeit nicht. Eben ein „Kinderlied“. Wer das Leben realistischer sieht, bringt es nicht mehr über die Lippen.

 

I.

Aber es ist ja wahr, was dieses Lied sagt .- Jesus hat behauptet: ´Den „guten“ Hirten gibt es. Der bin ich.`Wenn das glaubwürdig ist, kann ich „froh“ sein, dass ich mit ihm in Verbindung stehe. „Weil ich Jesu Schäflein bin,/ freu ich mich nur immerhin“ ( d.h. auf alle Fälle), „über meinen guten Hirten“ (593,1).- Ja, warum denn nicht? Wenn ich ´glaube`, was Jesus gesagt hat-, „sollt ich dann nicht fröhlich sein,/ ich beglücktes Schäfelein?`(v.3). Wenn ´der Herr mein Hirte`ist, brauche ich mir auch „im finstern Tal“ keine Sorgen zu machen; „denn Du bist bei mir“ (Ps 23).- „Unter seinem sanften Stab/ geh ich ein und aus und hab/ unaussprechlich süße Weide,/ dass ich keinen Mangel leide“ (v.2). Das Lied endet mit dem Ruf: „Amen! Ja, mein Glück ist groß“ (v.3).

 

Ich muss mich doch dieses Glücks nicht schämen. Glaube schenkt wirklich Geborgenheit,- „Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Römer 14,17).,wie der Apostel Paulus schreibt. Und sooft ich seine Stimme höre,- die Worte Jesu, des guten Hirten, in der Bibel, kehrt etwas von Friede und Freude in mein Leben ein.

 

„Meine Schafe hören meine Stimme“, sagt er.- Wir ´haben` ja Jesu Wort. Es ist uns zugänglich. Wir können jeden Tag darauf zurückgreifen.

Und „meine Schafe“ „folgen mir“, sagt Jesus. Wir brauchen nur darauf einzugehen, was ER sagt,- uns darauf einzustellen;- davon auszugehen, dass es wahr ist. Man kann Ihm „glauben“.

„Und ich gebe ihnen das ewige Leben“, sagt Er; und sie werden nimmermehr umkommen“; auf keinen Fall gehen sie unter.

„Amen! Ja, mein Glück ist groß“.

Als Studenten fragten wir-, meine Kommilitonen und ich,- 1961 einen sehr berühmten Theologieprofessor in Basel, der sich aus Auseinandersetzungen nicht heraushielt, und auch umstrittene politische Ansichten verfocht, wie er denn zum Glauben gekommen sei. Er sagte: ´Ich war wohl noch ziemlich klein; da sang mir meine Mutter das Lied von Jesus und den Schäflein vor. Das hat mir eingeleuchtet. Und dazu stehe ich bis heute`.

`

 

II.

Aber trotzdem besingt dieses einst sehr beliebte Kinderlied nur die halbe Wahrheit. Es schlägt vor allem einen völlig anderen Ton an, als Jesus im Evangelium. Insofern muss man sagen: Es ist nicht ganz biblisch.

Von der Idylle mit dem „sanften Stab“ und der „unaussprechlich süßen Weide“ ist bei Jesus keine Rede.

Als „gut“ erweist sich der Hirte nicht dadurch, dass er gutmütig, wohlmeinend und auf die´wellness` der ihm Anvertrauten bedacht ist. Jesus entwirft ein völlig anderes Szenario. Er spricht vom Ernstfall. Ob ein Hirte „gut“ ist, zeigt sich bei Gefahr. Es gibt auch schlechte Hirten. Sie bringen, wenn Gefahr droht, sich in Sicherheit.

Bei Jesus springen nicht „beglückte Schäfelein“ über die Weide, sondern die Tiere stieben angstgesträubt auseinander. Denn der „Wolf“ ist unter sie gefahren. Da zeigt sich, wer der „gute Hirte“ ist. Er ´geht auf das Raubtier los`.  Er nimmt den Kampf auf. Das ist gefährlich. Er riskiert sein  Leben. Ja, Jesus sagt: Er verliert es dabei. „Er gibt“,- „er lässt sein Leben für die Schafe“.

So sieht Jesus die Wirklichkeit. Das Leben ist äußerst bedroht.

Da wird ein Kind schon mit Schäden geboren, und leidet und wimmert von einem Eingriff zum andern.

Dort lebt man in einer Atmosphäre des Hasses und der Feindseligkeit und ist keinen Augenblick vor Übergriffen sicher,- gehört vielleicht einer Minderheit an: Christ unter solchen, die das Christentum verabscheuen.

„Wie Schafe unter den Wölfen“ seid ihr, sagt Jesus.

Wo ist da der „sanfte Stab“ und die „unaussprechlich süße Weide“-?

´Aber ich bin da`, sagt Jesus. „Der gute Hirte“. „Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ ´Der Lohnarbeiter, „der Mietling“, dem die Schafe nicht gehören, dem nichts an ihnen liegt, sieht den Wolf kommen, und bringt sich in Sicherheit, läuft davon. Und das Raubtier reißt die verlassenen Schafe.- Aber ich bleibe bei euch`.

Der gute Hirte ist der Gekreuzigte „geschlagen und gemartert“ (Jes 53), „verwundet“, mit Narben, leidend, wie nur je ein Kranker zu leiden hatte.

Wer das Kreuz nicht sehen will, sondern es lieber durch vermeintlich sanftere Bilder ersetzt, wie die Krippe oder den Regenbogen oder die Arche Noah, scheint im Begriff, aus Jesus einen „Mietling“ zu machen, dessen Stimme einen nicht mehr erreicht, sobald man ´unter die Räder kommt`.

Und wenn man unverzeihliche Fehler macht, die einen für immer disqualifizieren?

Das eigentliche Raubtier ist das Böse, ´der Böse`: „Der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe“. Er schnappt nach jedem. Dabei kann man gesund bleiben, Erfolg haben und zu Ehren kommen. Aber man ist freudlos, friedlos, lieblos, rücksichtslos, unversöhnlich. Und Erbitterung geht einem nach.

Wie in einem Roman von Böll: „´Aber es ist doch mehr als zehn Jahre her, und sie bereut es`; und ich sagte: ´Es gibt Dinge, die man nicht bereuen kann`“ ( Billard um halbzehn, dtv 991,1974,179).

Aber der gute Hirte steht immer noch da,- der gute Hirte, der sein Leben lässt für die Schafe,- der Gekreuzigte, und sagt: Ich „kenne“ dich; ich gebe dir das ewige Leben; du sollst auf keinen Fall  zugrundegehen.

Das Kreuz erinnert daran,-  wie es in einem Passionslied heißt-, „wieviel es Dich gekostet,/ dass ich erlöset bin“. (82,5).

Der „gute Hirte“ ist unter den vielen, die sich nach einem Hirtenamt drängen, der, der sich nicht schont, dem so viel an den von dem Wolf überfallenen Schafen liegt, dass er sein Leben einsetzt- und es dabei verliert.

„Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen.“. „Er hat die Sünde der Vielen getragen.“

 

Wolfgang Borchert erzählt von einem Unterarzt im Seuchenlazarett Smolensk bei 40 Grad Kälte. Der Oberfeldarzt fragt: „Wie viele sind es jeden Tag?“ „Ein halbes Dutzend“. „Scheußlich“, sagte der Oberfeldarzt. „Ja, scheußlich“, sagte der Chefarzt. Schwester Elisabeth schrieb an ihre Eltern: „Ohne Gott hält man das gar nicht durch.“- „Der Unterarzt ging von Bett zu Bett. Jeden Tag. Tag und Nacht. Tagelang. Nächte durch. Krumm ging er“. „Er ging so krumm, als trüge er ganz Russland durch den Saal“ ( Das deutsch-deutsche Lesebuch, Heyne 7818, 1989, 30 f ) „Fürwahr, er trug unsere Krankheit“.-

„´Soll ich ihm noch was geben?`fragte die Schwester.- ´Nein`, sagte der Unterarzt. Er sagte das so leise, als ob er sich schämte.- Dann trugen sie“ den Toten „hinaus“(31).-

So ähnlich sieht der gute Hirte aus,- nur, dass er nicht kapitulieren muss vor dem Unglück und dem Unrecht, das wie ein Raubtier über die Menschen hergefallen ist. Er muss nicht „leise“ reden, weil er sich „schämt“, nicht helfen zu können. Er, der den Vater im Himmel kennt und Ihm bekannt ist,- Er, der „eins“ ist „mit dem Vater“, welcher „größer ist als alles“,- Er, der sein Leben gibt für die Schafe,- Er kann den Mund aufmachen und laut sagen: „Ich kenne“ die, die „meine Stimme hören“ und „mir folgen“. Der Vater hat sie mir gegeben. „Und niemand kann sie aus meiner Hand reißen“. „Und ich gebe ihnen das ewige Leben. Und sie werden nimmermehr umkommen.“

 

III.

Dann fügte Jesus, drittens, einen ´ökumenischen` Satz hinzu. Er erscheint fast wie ein Fremdkörper in diesem Evangelium. ´Ökumenisch` heißt: Man schaut über das eigene Gehege oder den eigenen „Stall“, oder wie immer man das nennt, hinaus,- dorthin, wo auch noch Menschen leben.

Jesus sagt: „“Ich habe auch noch andere Schafe.“

Daran haben wir nie gezweifelt. Selbstverständlich leben Christen nicht nur hier, sondern auch in der Ukraine, und in Indien, wohin am Donnerstag Familie Lawrence zurückgekehrt ist; und in Korea,- dort vielleicht sogar mehr als hier.

Aber die haben wir ja kennengelernt. Mit ihnen wissen wir uns verbunden. Sie gehören im weiteren Sinne auch zu „diesem Stall“.

Aber Jesus sagt: „nicht“ nur „aus diesem Stall“. Mir gehören auch Schafe, die euch völlig fremd sind; die ihr nicht kennt-, vielleicht nicht kennen wollt; die nicht hierher gehören,- nicht zu euch passen: „andere“,- anders als ihr.

Nicht, wie ihr euch „meine Schafe“ vorstellt.

Und es ist geboten,- es ist notwendig,- es ist ein „Muss“ für mich, auch sie zu „führen.“

D.h., Jesus ruft auch die, die sich nicht hier versammeln: nicht in dieser Kirche; nicht in Kirchen, wie dieser. Er erhebt Anspruch auch auf die anderen. Sein Wort gilt auch ihnen. Er ruft sie. Und auch sie können Ihn hören.

Er zweifelt nicht, dass sie seine Stimme hören und ihr folgen werden.

 

Wir planen eine gemeinsame Freizeit mit evangelischen und orthodoxen Jugendlichen in der Ukraine,- aus ganz verschiedenen ´Ställen`. Der gute Hirte sagt: Mir gehören die einen ebenso wie die andren.- Und wir wollen lernen, gemeinsam auf Seine Stimme zu hören.

Und Er sagt: Nachdem es nur einen einzigen Hirten gibt, werden auch die verschiedenen Herden in den unterschiedlichen Ställen eines Tages zu einer einzigen Herde werden; und wenn seine Schafe seine Stimme hören und ihr folgen, dann bildet sie sich bereits.

Nur darauf kommt es an: Seine Stimme zu hören.

 

„Die Kirche“, schrieb Martin Luther in einem Vorbereitungspapier zu einem ökumenischen Konzil, das dann nicht zustandekam,- „die Kirche-, das sind die Schäflein, die ihres Hirten Stimme hören.“

Und jeden Versuch, sie abzulenken, von Ihm wegzulocken, ´aus Seiner Hand zu reißen`, bekämpft Er bis zum letzten-, und siegt dabei. Man kann nur staunen, wie Jesus auch nach Menschenaltern atheistischer Propaganda, brutaler Verfolgung und mitten in der Verflachung des Denkens durch übermäßigen Medienkonsum da und dort wieder in jungen Menschen eine Aufmerksamkeit für sein Wort erweckt.

Der gute Hirte gibt freiwillig keinen von denen verloren, für die er sein Leben eingesetzt hat.

 

                                                                       C.

Das gilt dann wohl auch für solche, wie Awdij Kallistratow in der Sowjetzeit, von dem Dschingis Aitmatow erzählt ( Der Richtplatz 1988 ). In die sibirische Steppe zwangsverschickt, widersetzte er sich der rücksichtslosen Treibjagd auf Antilopen, durch die diese Tiere ausgerottet würden. „Er hatte all die zu Gott hinlenken wollen, die wegen der paar Rubel hierher gekommen waren...Hatte die kolossale Ausrottungsmaschine aufhalten wollen“ (293). „Fünf passionierte Alkoholiker“ (292) schütteten ihm Wodka ins Gesicht. „Mit den Glasrändern“ , die in ihrer „Hand knirschten“, schnitten sie ihm in „Gesicht und Lippen“ (295). „Du Lump hast uns...mit Gott erschrecken und in Angst versetzen wollen, uns Gott zum Vorwurf machen“. „Ein Volksfeind, ein Staatsfeind bist du“. „Volksfeinde gehören mit der Wurzel ausgerottet!“ (297)

„Schwöre Gott ab! Sag, es gibt keinen Gott!“

„´Gott gibt es!`stöhnte Awdij schwach .“(298).

Sie wollten ihn umbringen und sagen: „Den haben ...  die Wölfe gerissen“ (296).

Aber der gute Hirte sagt: „Niemand wird dich aus meiner Hand reißen. Und ich gebe dir das ewige Leben. Und du wirst nimmermehr umkommen.“

 

„Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen.“

 

Amen!

 

Pfarrer Dr. Wolfhart Schlichting

 


 

Johannes 10,11-16.27-30; Predigt:

 

„ Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht - und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.  Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins. “

 

Heute ist das Wort Schaf ein Schimpfwort, z.B. „Du dummes Schaf!“ Und sehr selten trifft man heute eine Schafherde an. Im Alten Testament war das Schaf der Sündenbock, der für die Sünden der Menschen geschlachtet und ein weiterer in die Wüste geschickt wurde. Zur Zeit Jesu war das Bild des Hirten vertraut. In jeder Siedlung war er anzutreffen. Das Schaf war ein wertvolles Haustier. Es lieferte Milch, Wolle und Fleisch. Aus dem Fell wurden Kleider hergestellt, aus der Haut Zeltplanen. Schafe können ausgezeichnet hören und haben einen besten Orientierungssinn.

So ist die Bezeichnung des Guten Hirten das Idealbild eines besten Vorgesetzten, der sehr verantwortlich für die Seinen handelt. Auch heute ist für uns Christen Jesus Christus dieser Gute Hirte. Er hat für uns eine starke Ausstrahlungskraft. Er bewirkt die größte Bewegung, die es auf Erden gibt. Und alle praktizierende Christen, die wahre Gemeinde, vertrauen sich ihm an. Damit befinden sie sich im wahren Zug des Lebens, auf dem wahren Dampfer des Lebens. Das gilt auch dann, wenn sie im Verhältnis zu den Menschenmassen eine kleine Minderheit darstellen. Denn bei Gott zählen die Menschenmassen nur wie ein Tropfen am Eimer (Jes 40,15). Aber der Inhalt des Eimers ist die bewahrte Gemeinde Jesu Christi.

Wohl denen, - selig sind - , die Gott und ihre Jesus Nachfolge als das Größte und Höchste ihres Lebens ansehen. Sie geben auch ihr Äußerstes für dieses Höchste. Gott bezieht ihr Leben in seinen Plan mit ein. Und ihr Leben bekommt den von Gott verordneten Lebensablauf.

Wollen wir das Größte tun, dann übergeben wir Gott unser gesamtes Leben. Das war auch der Sinn unserer Konfirmation. Bei Christus bleibt keiner auf der Strecke. Da ist jeder gerne gesehen, voll dabei, voll beschäftigt und innerlich stark erfüllt.

Obwohl alles ganz anders ist, als wir es uns normalerweise vorstellen und denken, so geschieht auf geistlichem Gebiet die höchste Erfüllung unseres Lebens. Das pulsierende, wahre Leben finden wir nicht in dieser Welt mit ihren großen Versprechungen und Werbungen. Denn es ist ja doch nur eine Welt der Lüge, des Betruges und des Untergangs. Sondern wir finden es einzig und allein bei Jesus Christus. Er ist der einzig wahre Lebensfürst, der uns auch das wahre Leben finden und erleben lässt. Der Kopf der Gottesbewegung ist kein Mensch und keine Kirche, sondern der zu Ostern auferstandene Jesus. Er ist auch heute unter uns. Er ist in unserer Zeit unterwegs und baut seine Neuschöpfung, die er auch zur Vollendung führt.

Jesus hat drei Ausstrahlungskräfte: 1) Er ist der gute Hirte, der uns einen behüteten Raum schenkt und für uns kämpft. 2) Seine Prägung geht auf uns über, weil er uns kennt und wir ihn kennen. 3) Er führt alle zu einer Herde zusammen und schenkt ewiges Leben.

 

1) Jesus ist der Gute Hirte, der uns einen behüteten Raum schenkt und für uns kämpft. Die Aussage des Guten Hirten beinhaltet heute sehr vieles: Er ist der gute Baumeister oder Architekt; der gute Arzt oder Chirurg; der gute Chef oder Dirigent; bestimmt fallen uns noch mehr Vergleiche ein. Nicht nur vom Himmel Gottes her ist er die entscheidende Größe, der Bevollmächtigte. Sondern auch von uns Menschen her gesehen ist er der kompetente Sachverständige für alle unsre Lebensfragen. Gerade mit der Auferstehung Jesu geschah in Bezug auf die Heilsgeschichte Gottes ein gewaltiger Sprung nach vorne. Da macht es nichts aus, dass inzwischen schon 2000 Jahre vergangen sind. Das damalige Geschehen gilt heute noch genauso. Jesus ermöglicht uns den behüteten Raum, in dem wir ganz bei Gott sein dürfen. Nicht wir, sondern er kämpft dafür, dass die zerfleischenden Wölfe keinen Zugang haben.

Kommen Gefahren, Hindernisse oder Abgründe, er nimmt uns an der Hand und führt uns den rechten Weg, zeigt uns die rechten Entscheidungen und beseitigt alles, was uns stören oder hindern könnte. Darauf dürfen wir vertrauen, dass Jesus unsere Situation und Lage recht einschätzt. Er sieht, was momentan möglich ist. Er weiß, was er von uns verlangen kann. Er schätzt es recht ein, was allen dienlich ist. Und darüber hat er auch noch den rechten Überblick über den Gesamtplan Gottes. Weil er im Himmel und auf Erden alle Macht hat, und er natürlich als der Sohn Gottes einen Super- Intelligenzquotienten besitzt, führt er uns den rechten Weg. So dürfen wir von ihm unsere Schicksale und Zufälle erwarten.

Jesus setzt sich nicht dafür ein, dass er uns aus dieser Welt nimmt, sondern dafür, dass er uns vor dem Bösen bewahrt. So sind in unserem Leben die Leckerbissen sehr selten. So quält und beschäftigt uns noch sehr vieles. Es gibt immer wieder einmal Engpässe, Probleme, Nöte, Schwierigkeiten und Unleidlichkeiten. Das gehört zum Leben dazu.

Jesus schenkt uns den behüteten Lebensraum und Arbeitsraum. Aber er überlässt es uns, wie wir uns darin bewegen. Er schenkt uns viele Gaben. Aber er überlässt es uns, wie wir mit unseren Gaben diese Gottesgaben einsetzen und gebrauchen. Und alles, was wir nicht schaffen, das überlassen wir getrost Gott. Denn Gott will nicht, dass wir uns kaputt machen, zu Tode absorgen und uns das Leben erdrückt. Er ist der Gute Hirte, der uns einen behüteten Raum schenkt und für uns kämpft.

 

2) Jesu Prägung geht auf uns über, weil er uns kennt und wir ihn kennen. Es reift in uns die Christusbeziehung, die nur wir Christen erfahren. Und das sind keine Pauschal- Erfahrungen, sondern sie sind von ganz persönlicher Art und Natur.

Jesus ist zwar unsichtbar und er handelt im Verborgenen. Aber wer für ihn ein offenes Herz hat, für den reift eine Beziehung, die er nie mehr vermissen möchte und die über allem steht. Es entwickelt sich das sog. Geistliche Leben, der gelebte Glaube, bei dem wir offene Augen und Ohren für die Anliegen und Vorhaben Gottes bekommen. Nur ein Beispiel aus 2. Könige 6: Israel war wieder einmal von einem großen, fremden Heer umlagert. Der Diener des Propheten Elisa bekam große Angst. Da sprach der Prophet zu ihm: Fürchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, als derer, die bei ihnen sind. Da wurden dem Diener die Augen geöffnet und er sah die Umgebung voll feuriger Rosse und Wagen, die Gott zum Schutze aufgestellt hat.

Es wird zwar seltenst geschehen, dass wir ins Verborgene sehen können. Und doch bekommen wir von Gott geöffnete Augen und Ohren für seine Handlungen und Führungen. Und davon wird unser Leben stark geprägt. Wir kennen uns bei Gott aus und wissen, dass er unsere Situation kennt.

Damit verbunden sind keine Utopien, kein überspanntes Leben oder keine falschen Vorstellungen. Aber wir leben anders, als wir vor unserer Gottesbegegnung gelebt hatten und als die Menschen normalerweise leben. Jesus sagt an anderer Stelle: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ „Wo mich die Menschen gehasst haben, da werden sie auch euch hassen!“ „ Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren, wer es aber um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, der wird’s finden.“ Aber er sagt auch: „Was ihr auf Erden binden und lösen werdet, das gilt auch im Himmel!“

Man könnte auch zu diesem 2. Punkt sagen: Wie der Hirte, so die Herde! Wir wissen um diesen behüteten Raum und benützen diesen auch. Nichts und Niemand kann uns das rauben oder streitig machen. Wir dürfen immer auf der Seite des Siegers und des Sieges stehen. Gerade das befähigt uns, mitten im Leben zu stehen, wie es uns Jesus vorgelebt hatte. Wir können sehr vieles verkraften und aushalten. Weil unsere Verbindung zu Christus nie abreißt, bekommen wir allezeit von ihm wertvoll Impulse, Ratschläge und richtungweisende Entscheidungen. Da sind wir bereit, uns wie ein Weizenkorn in das Erreich dieses Lebens einsenken zu lassen, weil wir wissen, dass nur dadurch neues Leben entstehen kann. Alle Seligpreisungen zeugen von diesem Lebensgeheimnis, das nur wir Christen kapieren und ausleben. Da geht die Prägung Jesu auf uns über, weil er uns kennt und wir ihn kennen.

 

3) Jesus führt alle zu einer Herde zusammen und schenkt ewiges Leben. Heute schon gilt diese eine Herde. Wohin wir Christen auch kommen, mit den Gläubigen habe wir sehr schnell Kontakt, egal welcher Konfession sie auch angehören. Die Zusage des ewigen Lebens ist keine Vertröstung, sondern schon zu Lebzeiten bekommen wir davon einen gewaltigen Vorschuss, eine enorme Erstlingsgabe. Und deshalb wissen wir, dass dies nach unserem Tode vollkommen sein wird: diese eine Herde und unser ewiges Leben.

Als Christen wissen wir, dass das Werk Gottes seinen Lauf nimmt. Für die Neuschöpfung Gottes gibt es kein Aufhalten mehr. Bei Gott geht alles zielstrebig weiter, da gibt es keinen Missgriff. Er legt eine Präzisionsarbeit an den Tag, darüber wir das Staunen lernen. Er führt alles, was von ihm kommt, und all die Seinen zur Vollendung.

Es ist wesentlich, dass wir in unsrem Alltag das nie vergessen. So kümmerlich es auch in unserem Leben zugeht, den Glanz und die Vollmacht bekommen wir nur von Gott. Und er will, dass es auch bei uns zielstrebig weiter geht. Dann reiht sich auch alles in rechter Weise in den Plan Gottes ein. Wissen wir um seinen Plan für unser persönliches Leben? Christus will es uns offenbaren. Das sind zwar zeitlich gesehen ganz kurze Erlebnisse, die aber über unserem gesamten Leben stehen. Maria, die Mutter Jesu, erlebte dies bei der Ankündigung der Geburt Jesu durch einen Engel. Paulus erlebte es vor Damaskus, aber auch später. Er bekannte, dass er sich dabei im dritten Himmel befand, entrückt in das Paradies und unaussprechliche Worte hört, die kein Mensch sagen kann. Auch wir haben ähnliche Erlebnisse. Und es ist nicht nötig, dass wir darüber mit anderen Menschen sprechen. Sie erden es sowieso nicht verstehen. Es sind eben unaussprechliche Erlebnisse. Aber für uns persönlich haben sie sehr viel zu bedeuten.

Wie oft wird in der Schrift betont, dass wir uns nicht deshalb einsetzen, um vor Menschen gut dazustehen und von ihnen geehrt zu werden. Wir tun es allein Gott zuliebe. Und Gott, der in das Verborgene sieht, wird es uns vielfach öffentlich vergelten. Das bewirkt der Glanz Gottes, der über unserem Leben liegt.

Jesus ist der Gute Hirte! Was ist „gut“ für unser Leben? Menschen streben oft Streit und Krieg an. Und sie meinen darüber noch, im Auftrage Gottes zu handeln. Der Hohepriester meinte dies in Bezug auf Jesus. Der Präsident von der USA meint dies in Bezug auf den Irak. Aber gut ist, was dem Leben dient, dem Frieden und der Liebe. Jeder Schöpfungsakt war gut. Das Geschaffene konnte von dem Bösen ergriffen werden. Aber durch Ostern geschieht eine Neuschöpfung, die dem Zugriff des Bösen verschlossen bleibt. Dafür ist Jesus der Gute Hirte, der die Seinen kennt und auch von den Seinen erkannt wird. Was er uns zu tun heißt, das ist immer gut.

 

Jesus hat für uns eine starke Ausstrahlungskraft. Er bewirkt die größte Bewegung, die es auf Erden gibt. Ihm vertrauen wir uns an. So verfallen wir nicht den Lügen, dem Betrug und dem Untergang. Sondern wir kennen den wahren Lebensfürst, der auch heute unter uns ist. Er nimmt uns in seine Neuschöpfung mit hinein, die er zur Vollendung führt.



Bruder Georg

 


 

1. Petrus 2,21b-25;  Predigt:

 

„ Christus hat uns ein Vorbild hinterlassen, dass wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollen. Er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug befand; der nicht wieder schmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt, er stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet; der unsere Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden sind wir heil geworden. Denn wir waren wie die irrenden Schafe; aber wir sind nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof unserer Seelen. “ 

 

Auch an diesem Sonntag liegt das Gewicht aller Aussagen noch auf Ostern. Jesus, der Auferstandene, ist zwar für uns kein Idol, wohl aber das Vorbild. Er ist kein Superstar, wohl aber der Gerechte, Er ist kein Held nach unseren allgemeinen Vorstellungen, wohl aber der Wohltäter, der uns das Heil bringt.

Das Wesentliche tat Jesus. Nun liegt es an uns, ob wir ihn als unser Vorbild annehmen und ob unser Leben all die Vorzüge ausstrahlt, die er für uns erworben hat. In Jesus Christus haben wir eine starke Bezugsperson. Er zeigt uns die rechte Art der Lebensbewältigung, die rechten Wege und Umgangsformen.

Als Menschen sind wir immer Lernende, Nachahmer und Nachfolger. Sehr wohl halten wir nach denen Ausschau, die uns das wahre Leben vorleben. Wo finden wir diese? Sind es die Politiker, die Wirtschaftsbosse, die Showmaster, die Sportler, die Bischöfe oder was man da noch alles nennen mag? Oft verwirrt uns das Leben. Da kennen wir uns nicht mehr aus, was Wahrheit und was Lüge ist. Am schlimmsten wird das für die, die in den Nervenkliniken landen.

Es stellt sich auch uns immer wieder die Frage: Wohin fährt das Schiff unseres persönlichen Lebens? Wer bietet uns das wahre Leben an, die wahren Lösungen und Antworten? Wer sind unsere rechten Vorbilder? Von wem können wir uns leiten und führen lassen?

Als Christen wissen wir die rechte Antwort. Leben wir so, sodass unser Leben das auch ausstrahlt? Unser Christsein geben wir ja nicht an der Kirchentüre ab. Es ist sehr wesentlich, das im Gottesdienst Erfahrene auch in der ganzen Woche zu leben. Das Evangelium ist für uns keine abgedroschene Wahrheit. Jesus Christus ist für uns keine süßliche Gestalt. Es lohnt sich wahrhaftig, diesem Auferstandenen zu leben und nachzufolgen. Durch unser Wagnis des Glaubens werden wir befähigt, in dieser Welt in rechter Weise zu stehen. Und zusätzlich gebraucht uns Gott für sein Reich, für seine Sache. Da leben wir nicht mehr umsonst. Da wissen wir, was wir zu tun haben. Da finden wir heraus aus dem falschen Dreh dieses Lebens, aus allen Miseren und Teufelskreisen. Es sind keine eigenen Wege, sondern von Gott geführte und gewollte Wege. Unser Leben bekommt ein höheres Ziel. Und das befreit uns zu einem segensreichen, erfüllten Leben. Gott holt uns aus der Kleinkariertheit dieses Lebens heraus und stellt uns in seine göttliche Großzügigkeit. Das ist damit gemeint, wenn es heißt, Vers 21b: Christus hat uns ein Vorbild hinterlassen, dass wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollen. Seien auch wir solche ideale, christliche Vorbilder, denen man gerne nachfolgt.

Diese Verse haben drei wesentliche Aussagen: 1) Das Vorbild Jesus Christus zeigt und führt uns Wege, die sich lohnen. 2) Dadurch kennen wir im Gegensatz zu den Teufelskreisen die Gotteskreise, in denen es Gerechtigkeit und Heil gibt. 3) Jesus bleibt allezeit der Chef der wahren Gemeinde. Wer das akzeptiert, der irrt nicht mehr.

 

1) Das Vorbild Jesus Christus zeigt und führt uns Wege, die sich lohnen. Vers 22b + 23: Er hat keine Sünde getan und in seinem Munde fand man keinen Betrug. Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht zurück. Als er litt, drohte er nicht. Er stellte aber alles dem anheim, der gerecht richtet. Warum lohnt sich denn das? Normalerweise bezeichnet man solche, die so leben, als die Dummen. Und wir sagen: Ich bin doch nicht so blöd. Das fällt mir nicht im Schlaf ein, mich so zu verhalten.

Aber es bekommt einen anderen Sinn, wenn wir bedenken, dass Jesus das alles um unsretwillen auf sich nahm. Er, als der Sündlose, durchging das im starken Vertrauen zum Vater, damit wir es leichter und schöner hätten.

All das, das wir als Menschen kaum verkraften können, das tat Jesus für uns. In ihm haben wir so viele Vorgaben und Vorteile, sodass die Nachteile, die es auch gibt, leicht zu verkraften sind. Mit unserer Aufmerksamkeit und Offenheit für ihn geraten wir in rechter Weise auf die Wege des Lebens, die sich lohnen. Alle täglichen Anforderungen dürfen wir damit bewältigen, ohne selbst zu unterliegen oder gar unterzugehen.

Gerade als Christen erleben wir zwei Bereiche des Lebens: Unsere Alltagswelt und das Reich Gottes. Deshalb leben wir nicht schizophren. Es spaltet nicht unser Dasein, sondern ergänzt es. Was wir vergeblich im Alltag suchen und nie finden, das bekommen wir von Christus. Und gerade das befähigt uns, uns im Alltag viel besser zurechtzufinden. Damit sind ganz klare Lebensweisen verbunden, die uns wesentlich mehr erlauben, als wir es ohne Gott tun könnten. Gerade der Petrusbrief sagt uns in dieser Richtung sehr vieles, 1 Pt.2,9: Ihr seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums Gottes. 2 Pt.1,4: Wir bekommen Anteil an der göttlichen Natur. Ag 17,29: Wir dürfen göttlichen Geschlechts sein. Jh 17,16-18: Wir sind nicht mehr von dieser Welt, aber wir sind in diese Welt gesandt.

Jesus hat es sehr viel gekostet, damit wir Christen solch wertvolle Inhalte des Lebens haben. Das sollte uns sehr kostbar sein. Das sollten wir heilig hüten und unser Leben danach ausrichten. Gerade weil wir im Gebet allezeit Rücksprache mit Gott halten dürfen, sind wir sehr fähige Menschen. Wir kennen uns bei Gott aus. Wir wissen, wie wir uns zu verhalten haben. Im Alltag können wir das sehr wohl gebrauchen und anwenden.

Weil wir der Macht der Liebe Gottes leben, ist die Macht der Sünde gebrochen. Das ist die Realität unseres Christseins. Wer in Jesus Christus gefasst ist, der ist nicht mehr aus der Fassung zu bringen. Er findet immer das Loch zum Leben. - Das Vorbild Jesus Christus zeigt und führt uns Wege, die sich lohnen.

 

2) Dadurch kennen wir im Gegensatz zu den Teufelskreisen die Gottes   kreise, in denen es Gerechtigkeit und Heil gibt. Vers 24: Der unsere Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, der befähigt uns, dass wir der Sünde abgestorben sind und der Gerechtigkeit leben dürfen. Durch seine Wunden sind wir heil geworden. Wir Menschen wollen allezeit ein gerechtes Leben und suchen das Heil. Deswegen haben die Rechtsanwälte und Psychologen Hochkonjunktur.

Für mich ist hier ein ganz wesentlicher Punkt, den wir nicht genügend beachten können, dass Jesus das alles für uns getan hat und nie gegen uns. Ag 3,16: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Lassen wir es unsere Hauptaufgabe sein, uns für die Sache Gottes und für unsere Nächsten einzusetzen; und nie gegen irgend etwas oder jemanden. Wer das Angebot Jesu annimmt, für den hat Jesus das Böse und Falsche überwunden. Deswegen schlagen wir das Kreuz über uns und unterstellen uns dem Schutz und der Fürsorge Gottes.

Jesu Art in seinem Dienst und Einsatz ist, dass er alles um unsretwillen tut. Und diese Art geht auf uns Christen über. Das befruchtet und fördert gewaltig unser Miteinander. Wir dürfen unseren Nächsten helfen. Natürlich sind wir auch oft auf die Hilfe unserer Nächsten angewiesen.

Der Gerechte leidet für uns Ungerechte, damit wir der Gerechtigkeit leben dürfen. Das befähigt und verpflichtet uns, die Ungerechtigkeit dieser Welt nicht zu vermehren, sondern zu mindern und sie wenigstens teilweise aus der Welt zu schaffen.

Damit sind Aufgaben über Aufgaben verbunden, die unser Leben lang nie aufhören. Mit Gottes Hilfe dürfen wir sie alle angehen und bewältigen. Er schenkt uns dazu das Gelingen.

Jesus schenkt uns das Heil. Das bedeutet, dass unser Leben einem übergeordneten Ziel dient. Letztlich dienen wir dem Reich Gottes. Wir dürfen seine Botschafter und Zeugen sein. Ohne Jesu Beistand und Vorgabe wären wir da auf verlorenem Posten. Im 1 Ko 15 schildert uns Paulus eindrücklich, was für unseren Alltag die Auferstehung Jesu für eine wesentliche Sache ist. Für uns ist es immer wieder erstaunlich, wie Gott seine Wege mit uns geht und er immer wieder alles zum Besten wendet. Haben wir den rechten Blick für die Gotteskreise, in denen es Heil und Gerechtigkeit gibt. Dann stimmen wir nicht mehr in den Katzenjammer menschlichen Zusammenlebens ein, sondern in das Lob Gottes.

 

3) Jesus bleibt allezeit der Chef der wahren Gemeinde. Wer das akzeptiert, der irrt nicht mehr. Vers 25: Wir sind wie die irrenden Schafe; aber nun sind wir bekehrt zu dem Hirten und Bischof unserer Seelen. Heute wissen wir, dass unser Seelenleben, unser inneres Leben ein starkes Gewicht hat. Wer aus dem seelischen Gleichgewicht fällt, dessen Leben ist gewaltig gestört. Dafür ist Jesus der rechte Chef. Deswegen heißt es: Wir sind bekehrt zu dem Hirten und Bischof unserer Seelen. Wenden wir uns an ihn, dann ist kein Irren mehr möglich, denn er schenkt uns eine innerste Erfüllung, die uns das seelische Gleichgewicht ermöglicht. Jesus hat dazu alle Vollmacht und allen Sachverstand. Er schenkt die von uns lang ersehnte Wende zum Guten. Er gibt uns die bestmögliche Art zur Bewältigung aller anstehenden Arbeiten und Anliegen.

Ein großes Thema des Neuen Testamentes ist die Bekehrung, Neugeburt oder Wiedergeburt im biblischen Verständnis. Deswegen kennen wir die Feste der Taufe und der Konfirmation. Denken wir nur an das Gespräch Jesu mit Nikodemus, Jh 3: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, sonst kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Alle biblisch wesentliche Weltbewegungen waren Bußbewegungen, bei denen Menschen eine Umkehr zum Guten erlebt haben. Dabei wendet sich der Einzelne wieder Gott zu und erlebt etwas total Neues für sein Leben, das er vorher nie für möglich gehalten hätte.

Letztlich ist allein Jesus die wahre Amtsperson unserer Kirche. Da macht es nichts mehr aus, ob wir Evangelisch oder Katholisch sind. Denn Christus ist die Mitte unseres Lebens. Und das vereint uns zur wahren Gemeinde. Alles, was uns sonst stört, ist nicht mehr so wesentlich. Es bekommt eine untergeordnete Stellung, die natürlich auch bewältigt sein will, die uns aber nicht mehr aus der Bahn wirft.

Deshalb sind wir nicht bessere Menschen, aber andere Menschen. Wir kennen eine neue Richtung unseres Lebens, der wir leben und für die wir uns einsetzen. Wohl dem, der sich dafür die Augen öffnen lässt. - Jesus bleibt dann allezeit der Chef der wahren Gemeinde. Wer das akzeptiert, der irrt nicht mehr.

 

Die Osterbotschaft hat für unser Leben ein starkes Gewicht. Jesus, der Auferstandene, ist unser Vorbild. Er ist der Gerechte und Heilbringer. Mit unserer Nachfolge dürfen wir das ausleben und auch ausstrahlen. Unsere Gottesdienste vermitteln uns das. Wenn wir unser Christsein nicht wieder an der Kirchentüre abgeben, dann dürfen wir ein segensreiches Leben unter der göttlichen Großzügigkeit leben. Gerade in unserem Alltag erleben wir die Gotteskreise, die große Ausstrahlungskräfte haben.   

   

Bruder Georg

 


 

 

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