Gedanken zum Sonntag Invokavit

(Unter "Gottesdienste" oder "download" erleben Sie die Gottesdienste der letzten 4 Sonntage.)

 


 

Predigt für INVOCAVIT

                             über Matthäus 4, 1-11,

                                                          gehalten am 9.3.2003

                                                                               in Augsburg, St. Jakob

 

 

Jesu Versuchung:

„ Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.« Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm. “

 

 

                                                                        A.

Wer nur noch in Kalorien rechnet, ahnt auch, was „Versuchung“ ist: „süße Versuchung“, um Beispiel. Da widersteht man:“sieben Wochen ohne“,- oder „sündigt“ zwischenein, schmunzelnd. Aber ´der Mensch lebt nicht von Kalorien allein.`- Wir sind ständig in Versuchung.

Gott versucht zwar niemand ( Joh 1,13 ). Aber Er ´führt in Versuchung`.

Und die Frage ist, wie wir ihr standhalten können.

Was Gao Xingjian aus China zur Zeit der Kulturrevolution berichtet, gilt unter veränderten Vorzeichen auch hier: „Damals wollte meine kleine Nichte bei den Mahlzeiten immer fernsehen, wie hätte sie wissen können, dass die Programme nur aus...Propaganda“ „bestanden, Propaganda der Führung, an alle Schichten der Gesellschaft gerichtet. Bekannte Persönlichkeiten aus dem Bereich der Kultur legten einer nach dem anderen ihren Standpunkt dem gemeinen Volk gegenüber dar, indem sie die Floskeln aus den offiziellen Dokumenten wiederholten“. ( „Der Berg der Seele“, Fischer 2001, 229 f ).- Hier herrschen Werbung und demokratische Meinungsvielfalt vor.- Gao schreibt: „Ich hatte genug von den Nachrichten aus Radio, Presse und Fernsehen, ich wollte einfach nur zu meinem eigenen Leben zurück“ 8230).

 

                                                                      B.

Im Leben gerät man in Verlegenheiten. Da fehlt einem, was man bräuchte. Oder, wie man sagt: „Es ´fehlt einem etwas`. Man ´ist nicht gut beisammen`.- Was ist die „Versuchung“ in dieser Lage? Und wie begegnet man ihr?

Oder man gelangt an einen Punkt, wo man enorme Chancen sieht.

Aber auch die Gefahr: die Gefahr, abzustürzen.- Was ist die „Versuchung“ auf solchen Gipfelpunkten? Worauf muss man da achten?

Oder man steht vor einer Entscheidung. Soll ich zugreifen? Die Gelegenheit nutzen? Das Angebot ´steht`.- Was ist die „Versuchung“ in diesem Moment?

Die Versuchung besteht grundsätzlich darin, dass man mit Gott nicht richtig umgeht: dass man Ihn entweder außer Acht lässt, sich ohne ihn behilft oder eigenmächtig entscheidet; oder dass man ihn für das, was man sich selbst in den Kopf gesetzt hat, einzuspannen versucht. „Instrumentalisieren“ nennt man das heute: Gott sozusagen wie ein Instrument, ein Werkzeug, benutzen, mit Hilfe dessen man bewerkstelligen will, was einem selber gut scheint.

Wir sind ständig in Versuchung.

 

I.

Und nun führt „der Geist“, der Geist Gottes, Jesus in die Wüste.“, „damit er vom Teufel versucht werde“. Gott versucht zwar niemand.

Aber Er führt in Versuchung. Diese Versuchung Jesu durch den Teufel ist eine Veranstaltung des Geistes Gottes. Was für uns ständig in stärkerem oder schwächerem Maß eine Versuchung bedeutet, greift nun auch nach ihm. Der Geist liefert Jesus sozusagen dem Teufel aus. Der führt ihn dann auch nach vierzigtägigem Entbehrungen in der Wüste in den Trubel der „heiligen Stadt“, und schließlich „auf einen sehr hohen“, sagenhaft hohen „Berg“.

Wir wissen, wer Jesus ist.

 

Und dass Er, laut diesem Bericht im Evangelium, mit ähnlichen Anfechtungen zu kämpfen hatte, wie wir, soll uns Mut machen.

Das Evangelium des 1. Sonntags der Passionszeit ist wirklich „Evangelium“, gute Nachricht für uns. In die üblichen Verlegenheiten, wo einem fehlt, was man braucht, ist auch Jesus geraten,- Er in gesteigertem Maß.

Auch Er erlebte den Moment, wo sich schwindelerregende Chancen boten,- aber auch die Gefahr des Absturzes.-Auch Jesus wurden verlockende Angebote gemacht, allerdings, wie gewöhnlich, unter bedenklichen Bedingungen.

Jesus-, einen Vers vorher hatte „eine Stimme vom Himmel herab“ ihn hervorgehoben: Er ist wie Gott in der Welt-, Gott, anwesend in den Verlegenheiten, die wir erleiden,- in den Risiken, die wir eingehen oder vermeiden,- in den Entscheidungssituationen, Gott-, in unserer Lage. Gott,- sozusagen, „Gottes Sohn“, hier bei uns. „Mein lieber Sohn“, sagt die Stimme vom Himmel. Und bei Ihm ist alles so, wie es Gott gefällt. „Wie im Himmel, so auf Erden“. Wo Er ist, wird auf der Erde möglich, woran Gott „Wohlgefallen“ hat.

Und zwei Verse vorher hatte es geheißen: „Da tat sich der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen“. Jesus, aus dem offenen Himmel mit dem Geist Gottes ausgerüstet, schreitet in der Kraft dieses Geistes in die auf Erden allgegenwärtigen Versuchungen ein.

 

Unser Alltägliches ist bei Ihm sozusagen auf die Spitze getrieben. Wo wir in Versuchung sind, „allenthalben“, wie die Epistel sagt, da dürfen wir Ihn siegreich neben uns wissen und können mit Paulus zuversichtlich sagen: „In dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat“ (Römer 8, 37). Denn Er hat überwunden. Er hat dem Teufel Contra gegeben, bis er ´sich schleichen` musste. Das war ein Triumph Gottes auf dieser Erde. Da konnte Gott mit „Wohlgefallen“ hinschauen. So etwas ist also möglich auf der Welt. Jesus hat es ermöglicht. Er war dann einen Moment lang von Boten Gottes umringt, die ihm ihre Dienste anboten. „Da traten die Engel zu ihm und dienten ihm“.

Wenn Gao, der penetranten Propaganda überdrüssig,- nicht nur überdrüssig, sondern unfähig, sie länger zu ertragen-, wenn er seufzte: „Ich wollte einfach nur zu meinem eigenen Leben zurück“ (230), dann kann man ihm sagen: Das ist möglich. Man kann zurück zu Gott. Jesus hat es ermöglicht. Wir haben sein Wort. Und aus Gott erneuert sich das ursprüngliche, widerstandsfähige, unverfälschte eigene Leben.

Der portugiesische Schriftsteller José Saramago hat dem 18-jährigen Jesus Phantasien angedichtet, wie junge Leute sie haben: ´Ein Hauch irrer Hoffnung und unwiderstehlichen Stolzes umweht...die Stirn des Zimmermannssohns, er sieht sich für die Dauer eines jähen Schwindels als Hauptmannn, General, oberster Feldherr, das Schwert in die Höhe gereckt, schon sein Erscheinen versetzt Roms Legionen in Panik, wie Herden vom Teufel besessener Schweine stürzen sie sich in die Abgründe, senatus populusque romanus, fürwahr. Aber weh uns, im nächsten Augenblick fiel Jesus ein, dass ihm Macht und Ruhm versprochen sind, allerdings für die Zeit nach seinem Tod“ ( „Das Evangelium nach Jesus Christus“, rororo 22306, 350 f ).

In dem allem überwindet Er weit,- und wir, wenn wir uns an Ihn halten, mit Ihm.

 

II.

Wie geht das im einzelnen vor sich?

Der Geist führt Jesus in die Wüste. Da ist man Unbilden ausgesetzt. Es fehlt an allem.

Paulus hat unter anderen Umständen Vergleichbares erlebt. Er kam ins Gefängnis. Schlafentzug. Er wurde geprügelt; geriet in ein Handgemenge. „In allen Dingen erweisen wir uns als Diener Gottes: in...Trübsalen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Mühen, in Wachen, in Fasten“ ( 2. Korinther 4, 4-5 )-. Verleumdungen kommen hinzu. Rufschädigung.- Bei anderen ist es ein unabwendbares Leiden.

Da kommt einem der Gedanke: Gott könnte das doch abwenden. Ich bekenne mich zu Gott; ich bin gläubig. Das müsste sich jetzt auswirken.- Wenn du ein Kind Gottes bist, müsste diese missliche Situation doch abzustellen sein.- „Wenn du Gottes Sohn bist“, genügt doch ein Wort, und die Steine werden Brot. Und die Schlafstörungen werden behoben. Und der Krankheitsverlauf nimmt eine glückliche Wendung. Die Schicksalsschläge bleiben dir erspart. Die Verfolger ziehen sich zurück.- „Wenn du“ Gottes Kind bist-.

 

Das ist die Versuchung, zu meinen, dass der Glaube an Gott einem beheben müsse, was einem fehlt; dass Gott einen bewahren müsse vor dem, was einen bedrückt und plagt.

Dem hält Jesus entgegen, dass Gottes Wort etwas anderes sagt. Das Überleben, wozu man das tägliche Brot braucht, ´vor allem Gesundheit`-, ist uns nicht auf Dauer garantiert. An irgendetwas, wie mein Arzt sagt, werden wir alle früher oder später sterben. Es kommt darauf an, dass wir mit Gott in Verbindung bleiben. Sein Wort trägt auch durch Leidenszeiten, und es trägt, so ist verheißen, auch durch den Tod. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern“ auch wenn er hungern oder sonstwie darben muss, „von“ dem „Wort,  das aus dem Mund Gottes kommt“.- „Herr, dein Wort, die edle Gabe,/ diesen Schatz erhalte mir“.-“Dein Wort ward meine Speise“, sagte Jeremia in seiner Not.- Und Verfolgte und Erkrankte wussten, dass Gott sie bewahren kann. So dass  sie entkommen oder gesunden. Aber er bewahrt uns auch, wenn wir umkommen. Er bewahrt uns zum ewigen Leben.

 

Ob es ein Werbe-Gag war, den der Versucher Jesus im Gedränge der „heiligen Stadt“ nahe legte: Ein Sprung von der Tempelzinne im Vertrauen auf die Verheißung, dass Engel das Gotteskind „auf Händen tragen“ werden-? Unter ernsteren Umständen kehrte diese Anregung in der letzten Stunde wieder: „Bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuz“ (Mt 27,40). ´Spring herunter! Es wird gehen.`Die Engel sind zu Diensten.

Natürlich könnte ich, sagte Jesus, „mehr als 12 Legionen Engel“ zu meinem Schutz herbei bitten. Aber was täte ich damit? Ich würde versuchen, den Vater im Himmel und seine Engel für meine Sicherheit in Anspruch zu nehmen. Eine „Versuchung“ wäre das, weil ich nicht danach fragen würde, was Gott mir zumuten will, sondern nur, wie ER mir behilflich sein kann, zu erreichen, was mir vorschwebt. Jesus sagte zu Petrus, der ihn schützen wollte: „Wie würde dann aber die Schrift erfüllt? Es muss so geschehen“( Mt 26, 53 f ).

Es kann der Versucher sein, der einem Verheißungen Gottes in Erinnerung ruft, so dass man meint, auf ihre Erfüllung Anspruch erheben zu können,- während er mir verschweigt, wozu Gott mich einsetzen will.

„Gott versuchen“, heißt, Gott einzuschalten für eigene Anliegen, ohne zu fragen, was Sein Anliegen ist.

 

Schließlich scheint das „Reich Gottes“ eine reale Möglichkeit auf der Erde zu werden. Jesu Botschaft war, das Reich Gottes breche nun an. Aber das schienen nur Worte zu sein. Die rücksichtslosen Machtmenschen blieben im Sattel. Und die Menschenmassen ´fielen auf` die Propaganda ´herein`.

Da kommt jemand zu Hilfe. Eine Kleinigkeit, sagt er, habt ihr nicht beachtet. Der hilfsbereite Versucher bietet an: ´Lasst mich das machen. Ich verstehe mich besser auf die Menschen und auf- die Macht.`

Wir durchschauen das oft nicht. Die Kirche ist mehrfach auf den Teufel hereingefallen. Wie gut, dass wir uns an Jesus halten können! Er erwidert: Aus deiner Hand nehme ich nichts! Verschwinde, Satan! Wenn mir „alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben“ wird, dann von meinem Vater im Himmel.

Nein, danke! Das Reich Gottes braucht ´deine Hilfe` nicht! Gottes Wort sagt: „Du sollst Gott, deinen Herrn, anbeten und Ihm allein dienen“.

Mit diesem Bibelwort lässt sich, angelehnt an Jesus, jede Versuchung überwinden.

 

Amen!

 

Pfr. Dr. Wolfhart Schlichting

 

 


 
 

LUKAS 22,31-34;  PREDIGT:

 

       „ Jesus: Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder. Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst. “

 

        Auch im Glauben gibt es einen Lebenskampf, den wir siegreich bestehen dürfen. Gerade als Christen wissen wir um den ganzen Ernst des Lebens. Da bleibt auch uns nichts erspart. Aber wir sind darin nie alleine gelassen. Gottes Geleit und Schutz bedeutet uns sehr viel. Da werden wir in positiver Art und Weise Schritt für Schritt durchs Leben geführt und geleitet. Schön ist es, wenn wir da liebe Menschen zur Seite haben, die uns helfen und beistehen. Was immer möglich ist und was uns Christen sehr viel bedeutet, das ist der Beistand des Dreieinigen Gottes, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

       Gottes Kraft und seine Möglichkeiten sind nie am Ende, sondern immer vorhanden und am Wirken. Weil wir uns dafür öffnen, spüren und erleben wir diese positive Kraft. So bildet sich in unserem Leben bei allem Auf und Ab etwas sehr Kostbaren und Wertvolles, das wir nie mehr vermissen wollen. Das wissen wir zu schätzen und zu lieben. Das lassen wir uns nie mehr nehmen oder rauben. Darauf bauen wir. Damit rechnen wir. Da entsteht eine Vertrauensbasis, die für uns etwas sehr Wertvolles ist. Damit haben wir viele Vorteile, die die anderen Menschen nicht kennen.

       Zum rechten Bestehen des Lebenskampfes will uns Jesus Christus zubereiten. Man kann folgenden Satz auch geistlich verstehen: „Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch stärker!“ Als Christen haben wir ja keine selbst zusammen gezimmerte Lebensziele, sondern solche, die uns Gott zeigt und eröffnet. Damit gibt er uns das Geschick, in rechter Weise alle Lebenssituationen zu durchgehen, zu bestehen und zu meistern.

       Wir alle werden sehr stark vom Leben geprägt. Diese Prägung kommt von außen, vom Elternhaus, von der Schule und Ausbildung, von den Freunden und Arbeitskollegen, von den Medien und dem Zeitgeist, von der Kirche und deren Vertreter. Gerade in unserem Predigttext erwähnt Jesus noch eine andere ganz starke Prägung, die von Gott oder dem Satan kommt. Als Christ ist unsere Entscheidung für Gott gefallen. Ihm haben wir unser Leben unterstellt und übergeben. Ihm öffnen wir unser ganzes Leben, dass er uns führt und leitet, dass er das Steuer und Ruder unseres Lebens übernimmt.

       Und Gott tut das auch. Weil er unsere Bereitschaft erkennt, ist er nicht mehr zu bremsen und aufzuhalten. Er kommt mit Macht und Willen zu uns und handelt an uns und durch uns. Ihm macht sogar unser Unvermögen nichts aus. Denn seine Kraft ist in uns Schwachen mächtig. Er ruft dem, was nicht ist, dass es sei!

       So ist unser Lebenskampf eine starke Lebensüberwindung. Nie müssen wir unterliegen. Es darf und kann immer positiv in guter Weise weiter gehen. Dazu nennt unser Predigttext dreierlei: 1) In unserer Umwelt geschieht viel Satanisches. 2) Mit der Fürbitte und Fürsorge Jesu erleben wir die Macht der Gottesliebe, des Guten und Erfreulichen. 3) Jeder Christ bekommt von Gott seine ganz bestimmte Aufgabe zugeteilt.

 

       1) In unserer Umwelt geschieht viel Satanisches. Jesus nennt ganz eindeutig die Macht des Satans. Wir müssen nun dafür keine Spezialisten sein. Aber wir sollen wissen, dass es diese Macht gibt, dass sie vorhanden ist und dass wir mit ihr rechnen müssen. Das gilt auch dann, wenn wir eindeutig unser Leben der Macht Gottes unterstellt haben. Jesus wurde des Öfteren in seinem Leben vom Teufel versucht. Und das bekommt auch jeder Christ zu spüren. Deshalb sagt Jesus zu den Jüngern: Siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.

       Aber wir sind nie hilflos dieser Macht ausgeliefert. Paulus nennt in Epheser 6 die geistliche Waffenrüstung, deren Gebrauch und Anwendung wir erlernen dürfen. So gibt uns Gott alles zur Hand, dass wir das Feld des Sieges Jesu nie verlassen müssen. Immer unterstehen wir dem Schutz und Segen Gottes. Wir sind ja die von Jesus Versiegelten.

       Aber der Satan versucht immer wieder, uns anzugreifen und uns vom Weg der Nachfolge Jesu abzubringen. Er ist ja gerade an uns interessiert, die wir durch die Erlösung Jesu seiner Macht entrissen worden sind. Er wirft uns die Goldenen Kugeln der Versuchung auf unseren Weg, damit wir von Jesus und unserer Nachfolge wegkommen.

       1. Petrus 5,8 heißt es: Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben. Am besten ergeht es uns, wenn wir im Zentrum Jesu stehen und damit fest im Glauben an ihn verwurzelt sind. Dann hören wir zwar das Brüllen dieses Löwen und sehen und erleben auch sein grausames Spiel mit den Menschen. Aber wir selbst stehen in der Obhut Jesu. Denn er hat siegreich gegen den Satan gekämpft. Das tat er ja für uns. Diesen grausamen Kampf müssen wir nicht noch einmal durchgehen. Jesu Sieg gilt ein für allemal. Wir haben andere Kämpfe zu bestehen, dass wir als Gemeinde der Neuschöpfung Gottes dienen. Da gibt es so viele Aufgaben, mit denen wir nie an ein Ende kommen.

       Natürlich ist es uns leid, dass so viele Menschen viel Leid erleben, das sie zu tragen haben; dass so viel Unrecht auf dieser Erde geschieht; dass der Satan, der Böse, an vielen Orten wütet und sein grausames Spiel treibt. Aber wir haben den Auftrag und auch das innerste Verlangen, die Frohe Botschaft des Evangeliums, der Erlösung Jesu zu bringen. Dann ist es immer wieder ein großes Geschenk Gottes, wenn Menschen aus den grausamen Fängen des Satans gerissen werden und sie davon frei werden.

       Es ist nur der Kraft Jesu zu verdanken, dass wir nicht mehr dem Bösen und Vernichtenden, sondern dem Guten und Aufbauenden dienen. Wir unterstehen seiner Macht und seinem Einfluss. Allein durch ihn ist es uns möglich, dass immer wieder Menschen für unseren Gott gewonnen werden. So bildet sich das Reich Gottes immer weiter durch alle Generationen und Nationen. So dienen wir nicht mehr dem, was sowieso dem Untergang gewidmet ist, sondern dem, das ewigen Bestand hat. Das ärgert den Satan am meisten. Aber dagegen kann er nichts unternehmen. Der Sieg Jesu ist endgültig geschehen.

 

       2) Mit der Fürbitte und Fürsorge Jesu erleben wir die Macht der Gottesliebe, des Guten und Erfreulichen. Jesu Hauptaufgabe besteht darin, uns Menschen in rechter Weise zu führen und zu leiten, uns die Segensquellen Gottes zu öffnen und uns die Augen, die Ohren und das Herz für die Anliegen Gottes zu öffnen.

       Kurz nach diesem Gespräch mit Jesus haben die Jünger die Schrecken  des Karfreitags erlebt. Da sah für sie das Wirken Gottes wie ein großes Scheitern aus. Die Gegner feierten ein Fest ihres Triumpfes. Und die Jünger waren restlos am Boden zerstört. Der Boden ihres Glaubens war ihnen unter ihren Füßen weggezogen. Sie fielen in große Tiefen. Sie fragten sich; „Was nun? Was soll nun geschehen? Was sollen wir nun tun? War nicht alles umsonst? Soll das nun alles gewesen sein?“

       Gerade in solchen Situationen gibt es die Fürbitte Jesu: Ich habe für euch gebetet, dass euer Glaube nicht aufhöre. Nach Ostern setzt Jesus alles dafür ein, dass seine Jünger wieder auf die Füße kommen und sie neue Hoffnung und Zuversicht haben. Und das gelingt ihm auch. Diese Fürbitte Jesu ist nicht nur ein frommer Wunsch, sondern eine wahre Realität. Da geschieht etwas zur Stärkung unseres Glaubens. Da bekommen wir wieder die nötige Kraft zum Weitermachen und Weiterleben.

       An jedem Sonntag feiern wir Ostern. Jeder Sonntag ist ein Protesttag gegen die Sünden, gegen den Tod und gegen den Teufel. Die Kraft des Auferstandenen begleitet uns durch die ganze Woche, jeden Tag neu. Das ist für uns die größte Realität unseres Lebens.

       Im sog. Hohepriesterlichen Gebet Jesu, Johannes 17, wird uns aufgezeigt, was mit der Fürbitte Jesu alles geschieht. Da wird unter anderem genannt: Jesus vermittelt und schenkt uns das ewige Leben. Er zeigt und verherrlicht uns den Vater, seine ganze himmlische Welt. Er schließt uns die Macht des Wortes Gottes auf, die gleichzeitig Taten bedeuten. Er heiligt uns in der Wahrheit, sodass nichts mehr schief laufen kann. Er schenkt uns die Einheit mit ihm und dem Vater und den Glaubensgeschwistern. Er lässt uns die Herrlichkeiten Gottes zukommen. Vor allem gibt er uns die Liebe Gottes in unser Herz und Leben. Er bereitet uns zu für seine Ewigkeit. Mehr können wir nie bekommen. Das ist die Erfüllung all unserer Sehnsüchte im Leben.

       Jesus weiß, was wir bedürfen und was gut für uns ist. Dafür setzt er sich ein und setzt alle Hebel in Bewegung. Gottes Segen und Frieden begleitet uns jeden Atemzug. Nie sind wir alleine gelassen. Da schickt er uns seine Boten und Engel. Da sind wir von seiner lichten Atmosphäre umgeben. Da trägt unser Leben seine Schriftzüge und Unterschrift. Nur deshalb rührt sich auch etwas in unserem Leben. Deshalb ist unser Leben Gold wert. Wir wissen und erleben seine Macht und seinen Einfluss und wollen dies auch nie mehr vermissen. Als die Kinder Gottes sind wir bei ihm daheim und kennen wir uns bei ihm aus. Dafür sind wir ihm sehr dankbar und erweisen ihm unsere ganze Ehrerbietung.

 

       3) Jeder Christ bekommt von Gott seine ganz bestimmte Aufgabe zugeteilt. Jesus sagt zu Petrus, und das gilt für alle seine Jünger: Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder.

       Als Christen gelten natürlich für uns auch alle anderen Aufgaben und Verpflichtungen, die alle Menschen haben. Aber darüber kennen wir auch die Aufgaben der Gemeinde, des Leibes Christi. Gerade diese Aufgaben befähigen uns zur rechten Gestaltung des ganzen Lebens. Gerade damit können wir positiv im Leben stehen. Damit ist kein Tag umsonst durchlebt und keine Situation umsonst durchgangen. Alles bekommt seinen rechten Sinn und Inhalt.

       Dass Petrus, gerade er, Jesus verleugnete und Jesus ihm das nicht nachtrug, sondern vergab, das war ein großer Einschnitt in seinem Leben. Dies hat er wahrscheinlich sein Leben lang nie vergessen. Das war eine Lehre für ihn, die große Auswirkungen auf seinen gesamten weiteren Lebensweg hatte. Alle Überheblichkeit, alle falsche Selbstsicherheit und alles Besserdünken wurden ihm da gründlich genommen. Das war für ihn eine besondere Schule für seinen weiteren Dienst und Auftrag, den er von Gott bekommen hatte.

       Unser Leben, auch unsere Jesus Nachfolge ist kein Sparziergang und kein Honiglecken. Sondern es ist ein Kampf dafür, dass unser Leben geläutert, bewährt und auch gestärkt wird. Es finden eben Schmelzprozesse statt, die etwas Edles bewirken. Durch Lebensdrücke entstehen Kostbarkeiten von großem Wert. Oft kostet uns das das Eigenleben, aber wir bekommen dafür etwas viel Herrlicheres als das, das wir vorher hatten. Letztlich verlieren wir damit unseren Untergang und gewinnen das ewige Leben.

       Gerade das, was wir selbst erlebt haben, das können wir am besten vor unseren Nächsten bezeugen. Und das nehmen uns auch die anderen ab, weil es keine leeren Worte sind, sondern Vollmacht dahinter steht. So dürfen wir unseren Nächsten den Weg aufzeigen, der durchs Dunkel zum Licht führt, durch die Wüste ins Gelobte Land, durch gelebte Treue zu den Schätzen und Herrlichkeiten Gottes, durch den Zerbruch zu einem ganz neuen Aufbruch. Diese Aufgaben bekommen wir von Gott zugeteilt und diese führen wir auch aus.

 

       So gibt es auch für unseren Glauben einen Lebenskampf, den wir siegreich durchstehen dürfen und können. Dabei sind wir nie alleine gelassen. Gottes Geleit und Schutz bedeutet uns sehr viel. Da werden wir in positiver Art und Weise Schritt für Schritt durchs Leben geführt und geleitet. So bildet sich in unserem Leben bei allem Auf und Ab etwas sehr Kostbaren und Wertvolles, das wir nie mehr vermissen wollen. Das wissen wir zu schätzen und zu lieben. Das lassen wir uns nie mehr nehmen oder rauben. Darauf bauen wir. Damit rechnen wir und wir dürfen darüber für andere ein wertvolles Zeugnis ablegen.

 

Bruder Georg

 


 

2.  KORINTHER  6, 1-10;     PREDIGT:

 

" Als Mitarbeiter ermahnen wir euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt. Denn er spricht: Ich habe dich zur Zeit der Gnade erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen. Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! Und wir geben in nichts irgendeinen Anstoß, damit unser Amt nicht verlästert werde; sondern in allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Verfolgungen, in Mühen, im Wachen, im Fasten, in Lauterkeit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, im Heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, in Ehre und Schande; in bösen Gerüchten und guten Gerüchten, als die Verführer und doch wahrhaftig; als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht getötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben, und doch alles haben. "

 

In diesem Text wird die Dynamik eines Christenlebens ersichtlich. Wir bekommen für unser tägliches Leben eine große Spannkraft, ein Durchhaltevermögen für alle Situationen und bewähren uns darin. Gerade mit unserem Glaubensleben sind wir mit der unversiegbaren Energiequelle Gottes verbunden. Somit können wir die Herausforderungen unserer Tage bewältigen. Es steht zwar tagtäglich unser Glaube auf dem Prüfstand und wir entfliehen nicht den Schwierigkeiten und Ängsten. Aber wir bewältigen sie.

Nehmen wir Gott ernst, dann kann in unserem Leben nichts schief gehen. Wenn dann auch der äußere Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Zu unserem Glück wissen wir nicht nur um dieses diesseitige Leben, sondern auch um das jenseitige, das uns Gott eröffnet und das uns Jesus Christus zeigt und erleben lässt.

Über diesen Versen liegt ein Triumph, den uns Gott gibt, ein Sieg über all die Unannehmlichkeiten und Verkehrtheiten dieses Lebens. Die Wege, die Gott uns gibt, sind seine Schleichwege, auf denen wir durchs ganze Leben kommen. Sie sind deshalb Schleichwege, weil nur wir Christen darum wissen. Sie sind aber letztlich die geradesten Wege, die uns im Wirrwarr dieser Zeit zum Sieg und Ziel führen. Sie sind jedenfalls nicht die Trampelpfade, auf denen sich sonst dieses Leben abspielt. Sie sind nicht die breiten Straßen dieses Lebens, auf denen sich die Menschen tummeln und fortbewegen. Sie sind mehr die schmalen, steinigen und steilen Pfade des wahren Lebens. Und Gott gibt uns die innere Kraft und den inneren Frieden, damit wir diese Wege gehen können.

Wer Gott ernst nimmt, der nimmt auch den Menschen ernst, auch und gerade dann, wenn die Menschen in den größten Nöten stecken. Als die wahren Diener Gottes und die rechten Mitarbeiter dürfen wir Hilfe, Abhilfe, Bewältigung und Lösung bringen, weil wir uns auf dem Triumphweg der Überwinder befinden.

In diesem zweiten Korintherbrief ging es Paulus um die rechte Orientierung der Gemeinde in Korinth. Diesen wollte es nicht mehr einleuchten, dass man die schweren Wege erwählt, auf denen man das Kreuz tragen soll. Nein, sie wollten viel lieber spektakuläre Erlebnisse und sensationelle himmlische Erfahrungen. Sie standen in der Gefahr, die Euphorie der Erlösten zu leben, die aber letztlich keine Lösung, sondern eine Art Krankheit ist.

Solche rechte Orientierung ist auch heute dringender denn je. Wer heute so leben will, wie es damals die Korinther wollten, der bedenkt dabei nicht, dass es dann niemals zur Versöhnung mit Gott gekommen wäre. Und diese Versöhnung ist immer noch die Hauptbotschaft, die wir als Christen haben und tragen. Zwei Verse vor unserem Text sagt Paulus: So sind wir nun Botschafter an Christi Statt mit der Hauptbotschaft: Lasst euch versöhnen mit Gott.

So geht es nun nicht um die Ideale eines Christen, sondern um unsere Bewährung. Dazu gibt uns Gott eine große Spannkraft und Dynamik. Diese Verse stellen ein großes Medienpaket dar, das wir Christen bekommen und das wir uns erarbeiten dürfen. Es ist unmöglich im Rahmen einer Predigt auf die einzelnen Punkte dieser Aufzählung einzugehen. So möchte ich das Ganze in folgende drei Teile bringen: 1) Gott gibt uns seine Gnade zu unserem Heil. 2) Als die Diener Gottes durchgehen wir viele kritische Phasen. 3) Die inneren verborgenen Werte unseres Christenlebens stehen den äußeren Werten entgegen.

 

1) Gott gibt uns seine Gnade zu unserem Heil. Er gibt uns seine gewaltigen Gelegenheiten und Chancen. Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade. Siehe, jetzt ist der Tag des Heils. Durch seinen Heiligen Geist gibt uns Gott seine Lauterkeit, Erkenntnis, Langmut, Freundlichkeit, ungefärbte Liebe, sein Wort der Wahrheit, seine Kraft und seine Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken. Empfangen wir doch diese seine Gnade nicht vergeblich, sondern zu unserem ewigen Leben.

Die Chancen Gottes für unsere Tage im Sinne der Heilsgeschichte Gottes sind keine statischen Größen in sturen Gesetzen und Gesetzmäßigkeiten. Sondern es sind Glaubensgrößen, die immer wieder im Werden sind. Deshalb ist uns Christen das Gesetz Gottes ins Herz geschrieben. Deshalb haben wir als Christusbruderschaft keine feststehend geschriebene Regel, weil sie uns ins Herz geschrieben sein darf. Es gibt die Gnade Gottes zu unserem Heil, die wir heute an diesem Tage und in dieser heutigen Zeit ergreifen und erfassen dürfen. Nach Luther ist zwar diese Gnade wie ein fahrender Platzregen, der heute hier und morgen dort niedergeht. Aber das ist wieder nicht statisch gemeint, sondern mehr dynamisch. D.h. nicht ich bestimme, wie die Heilsgeschichte abzulaufen hat, sondern ich darf mich in seine Bewegung mit hinein nehmen lassen, so wie er es schenkt und lenkt. Es hat vor Gott alles seine Zeit. Er hat nicht immer und zu jeder Zeit alles für uns parat und bereit. So gilt es, das zu erkennen und wahrzunehmen, was vor Gott gerade dran ist. Dann haben wir als Christen das große Vorrecht, mit Gottes Hilfe unser Leben meistern zu dürfen.

Ist uns allezeit bewusst, dass wir dem Gott leben, der alles geschaffen und gemacht hat, dem in unserem Leben wahrhaftig alles möglich ist? Ihm haben wir diese ganze Welt mit dem riesigen Weltall zu verdanken. Er schuf den faszinierenden Makrokosmos und Mikrokosmos. Wie sollten wir mit ihm nicht alles haben, das wir zum Leben benötigen? Erobern wir uns immer wieder dieses Vertrauen in die treue Fürsorge Gottes. Dazu gibt er uns die Erlaubnis. Leben wir immer wieder im Einklang mit dem, durch den alles geworden ist. Vertun, verplempern wir nicht unsere Tage, Stunden, Augenblicke, Kräfte, Zeit, Chancen, Möglichkeiten und Begegnungen, sondern nützen wir sie in rechter Weise. Gott hilft uns früh am Morgen, auf der Höhe des Tages, spät am Abend und auch im Dunkel der Nacht. So haben wir keinen Grund, unser Leben und unsere Hoffnung aufzugeben. Wir brauchen nur der Leuchtspur Gottes folgen, dann finden wir auch täglich seine Schleichpfade, die uns manchmal auch unerhofft weiterführen.

Auf diesem Wege dürfen wir echte Mitarbeiter Gottes unter den Mitchristen sein, auch dann, wenn wir ermahnen müssen. Echte Ermahnung ist weniger der erhobene Zeigefinger, sondern wesentlich mehr die Bereitschaft, die Lasten mit zu tragen, die meinem Nächsten aufgebürdet sind.

Weil uns Gottes Gegenwart gewiss ist, gibt er uns seine Gnade zu unserem Heil.

 

2) Als die Diener Gottes durchgehen wir viele kritische Phasen. Das bleibt nicht aus. Wer das leugnet, ist kein Mitarbeiter Gottes. Auch an unser Christenleben brandet viel Unrat an; sei dies nun für unsere Herzen, oder für unseren Glaubensweg gesehen. In großer Geduld erweisen wir uns als die Diener Gottes: in Trübsal, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Verfolgung, in Mühen, im Wachen, im Fasten, in Ehre und Schande, in bösen und guten Gerüchten. In all diesen Situationen ist es unsere Aufgabe, uns als die Diener Gottes zu erweisen. Wundern wir uns nicht, dass an den Stellen, an denen Jesus gehasst wurde, auch wir gehasst werden. Es gab aber auch Menschen, die Jesus geachtet und geehrt haben. Auch wir kennen solche Menschen.

Es geht immer wieder durch viel Leid und Dunkelheit zur Herrlichkeit Gottes. An anderen Stellen kann sich Paulus ereifern für das Wort vom Kreuz, daran wir als Christen festhalten dürfen, dadurch wir allein unsere Seligkeit bekommen. Wir sind gerüstet und befähigt für alle Lebenslagen. Was ist eigentlich die letzte Befähigung, die wir bekommen? Es sitzt derjenige im falschen Dampfer, der meint, dass er selbst schon richtig lebt, aber die anderen alle falsch leben. Denn wer im richtigen Dampfer sitzt, der weiß, dass Jesus gerade auch für ihn gestorben ist und viel durchlitten hat, ja immer noch viel durchleidet. Damit kann er in rechter Weise Buße tun, in der Umkehr leben und damit die neuen Wege Gottes erleben. Als ein Diener Gottes steht er dann nicht mehr über den anderen, sondern unter ihnen und kann in Geduld den Auftrag Gottes ausführen. Bedenken wir allezeit die Aussage Jesu: Wer unter euch der Größte sein will, der sei euer aller Diener. Der wahre Diener Gottes hat Zugang zu den Mühseligen und Beladenen, die die Lasten des Lebens zu tragen haben. Er darf die Hilfen Gottes, die er selbst erlebt hat, auch weitergeben.

Nur weil wir selbst in all den Anforderungen des Lebens die Kraft Gottes erfahren, können wir in den Wogen dieses Weltmeeres bestehen, ohne unterzugehen; und dürfen die Menschen erretten, die in Seenot geraten sind. Nur durch die beiden Haupttaten Jesu: Vergebung und Erlösung, bekommen wir zum Leid der Menschheit das rechte Verhältnis und können die göttliche Hilfe bringen. Nur weil wir selbst von der Botschaft Jesu ergriffen sind, wir uns ganz von ihm erfassen und durchglühen lassen, dürfen wir manchen Menschen entscheidend helfen. Gott hat hierbei ein individuelles Programm für den einzelnen Menschen. Er will keine Gleichmacherei und Gleichschalterei. Seine Gerechtigkeit kann in den einzelnen Fällen und Situationen ganz verschieden aussehen und Auswirkungen haben. Aber das Große ist darin zu sehen, dass er dies uns zeigt und öffnet, jedem Einzelnen unter uns.

So dürfen wir wahrhaftig für alle Lebenslagen gerüstet und befähigt sein; als seine Diener darin leben, auch und gerade in den kritischen Phasen dieses Lebens. Da zeigt er uns seine Schleichwege des Evangeliums.

 

3) Die inneren verborgenen Werte unseres Christenlebens stehen oft den äußeren Werten entgegen. Wir werden verschrien als die Verführer und leben doch wahrhaftig; oft treten wir als die Unbekannten auf und werden doch schnell bekannt. Wir werden als die Sterbenden angesehen, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten und werden doch nicht getötet; als die Traurigen und sind doch allezeit fröhlich; als die Armen, die aber doch viele reich machen; als die nichts haben und letztlich doch alles haben. Es sind die sog. „7“ Antithesen, die sich rein menschlich widersprechen. In den Augen der Menschen sind solche Aussagen paradox und niemals erstrebenswert. Aber als Christen erleben wir diese zwei ineinander verschränkten Existenzen: den äußeren und den inneren Menschen, den alten und den neuen Menschen. Sie sind die zwei Gleise, auf denen unser Lebenszug der echte Jesus- Nachfolge fährt.

Die Zahl "7" verdeutlicht die Gemeinde, in der Gott lebt. Sie setzt sich zusammen aus der Zahl "4" und "3": der Schöpfung mit den "4" Himmelsrichtungen, und dem Schöpfer in der "3"-erlei Gestalt Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist. Wenn es nun "7" Antithesen sind, dann will das verdeutlichen, dass man dieses Paradoxe: Gott in uns Menschen, in allen Lebenslagen wahrnehmen und ausleben kann. Für uns Christen kommt zu dem sichtbaren, greifbaren äußeren Leben das unsichtbare, nicht beweisbare innere Leben dazu. Aber gerade dieses innere Leben beeinflusst alle unsere Lebensgebiete. Da ist kein einziges ausgenommen. Und gerade das ist ja auch das Spezielle unseres Christseins. Wir nennen uns deshalb Christen, weil Christus in uns lebt. Wer das leugnet, kann kein Christ sein.

Als Jünger Jesu, Schüler Jesu stehen wir in der Schule des Glaubens. Und je beständiger unser Glaube, unser Vertrauen zu Jesus ist, desto mehr erfahren wir in unserem Alltag den großen Gott. Da kann der Druck des Alltags noch so groß sein, die Hilfen Gottes sind noch größer. Da können die Anfechtungen der Sünde noch so wüten, die Führungen Gottes lassen uns auch das bewältigen. Da können uns die Menschen viel zusetzen und anhaben, aber die Seele können sie uns nicht nehmen.

So wie eine Münze zwei Seiten hat, so hat auch das Christenleben zwei Seiten. Es ist nicht ein bisschen von dem einen und ein bisschen von dem anderen, sondern das eine leben wir ganz im andern. Wir stehen total fest mit beiden Beinen auf dieser Erde inmitten allen Forderungen und Aufgaben. Und doch sind wir wie Pilger unterwegs und wissen heute schon um unsere Staatsbürgerschaft Gottes.

Wer nur nach dem Äußeren geht, nach dem äußeren Erscheinungsbild eines Menschen, einer Gemeinde, der hat nicht das rechte Einschätzungsvermögen und Urteil. Als Christen dürfen wir hinter die Fassade blicken und zwischen den Zeilen lesen. Und somit können wir mit den inneren Nöten und Problemen der Menschen fertig werden.

Auch wenn unsere Wissenschaft große Leistungen vollbringt, so wird damit dennoch kein einziges Problem unserer Menschheit gelöst. Im Gegenteil vertut man damit viel Geld und Zeit. Als Christen haben wir andere Aufträge bekommen. Wir dürfen die eigentlichen Probleme der Menschen anpacken und lösen. Beides dürfen wir erkennen: Die Probleme und die rechte Art der Lösung. Und beides steht oft im Gegensatz zum äußeren Erscheinungsbild des Menschen.

Letztlich phantasiert der Mensch, der nur das Schöne will. Als Christen weichen wir dem Unschönen nicht aus, denn wir wissen, dass dies Flucht vor der Verantwortung wäre. Aber wir wissen um die Schleichpfade der inneren Werte, die uns Gott gibt und öffnet; um diese inneren verborgenen Werte, die oft den äußeren Werten entgegenstehen.

 

So wird im Christenleben eine gewaltige Dynamik ersichtlich, mit der wir im täglichen Leben eine große Spannkraft bekommen, ein Durchhaltevermögen in allen Situationen. Und wir dürfen uns darin bewähren. Wir sind mit der unversiegbaren Energiequelle Gottes verbunden und können deshalb durchhalten und alle Herausforderungen bewältigen.

 

 Bruder Georg


 

Weitere Predigten finden Sie auf der Homepage von Bruder Georg:     Hier!