Gedanken zum 16. Sonntag nach Trinitatis

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Predigt für den 16. Sonntag nach Trinitatis

                                                        über 2. Timotheus 1, 7-10,

                                                                                gehalten am 26.9.2004

                                                                                                             in Augsburg, St. Jakob

 

„ Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes. Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium. “

 

                                                                        A.

 

Was von Gott ausgeht-, dafür soll man sich öffnen; das sollen wir aufnehmnen Denn das brauchen wir. Es tut uns gut. Es ist unsere Rettung.

Was dagegen mit Sicherheit nicht von Gott kommt,- davor soll man sich hüten. Es führt zu nichts. Es schadet einem vielmehr.

Aber lässt sich das feststellen? Kann man im täglichen Leben unterscheiden, was von Gott ausgeht, und was aus anderen Quellen stammt?

Sind das nicht nur sehr persönliche Empfindungen und Vermutungen?-, eigentlich ´Zuschreibungen`: der eine ´schreibt es Gott zu`, der andere nicht?

Kann man da nicht mit einiger Sicherheit urteilen?

 

Paulus tut es. Er sagt: Es ist klar, was auf keinen Fall auf Gott zurückgeführt werden kann, und was auf der anderen Seite sicher von Ihm kommt.

Dabei ist vorauszuschicken, dass Paulus hier nicht, wie Petrus in der Epistel des letzten Sonntags ,von Schicksalsschlägen spricht, von Leiden, das einen trifft. Das ist, sagt Petrus, immer mit der „Hand“ Gottes in Verbindung zu bringen, der uns den „Hochmut“ abgewöhnen und sich als „Gott aller Gnade“ erweisen will; zugleich aber versucht „der Teufel“, einem Raubtier vergleichbar, uns dabei den Glauben wegzufressen. Davor muss man auf der Hut sein.

 

I.

Paulus bezieht sich in seinem zweiten Brief an Timotheus vielmehr darauf, wie wir innerlich beieinander sind: wie wir auf die Vorgänge reagieren, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen; wie anfällig oder widerstandsfähig wir sind; welche Grundeinstellung sich darin ausdrückt.

Z.B. wenn überraschende Wahlergebnisse gemeldet werden, die aus eigener Sicht unbefriedigend sind-, ob wir dann in Panik geraten, verhängnisvolle Konsequenzen kommen sehen und womöglich „den Teufel“ selbst „an die Wand malen“.

Ob man die Namen einiger Personen nur noch mit Erregung und Abscheu, ja, mit Hass nennen kann, weil man unabsehbare Befürchtungen mit ihnen verbindet, so dass man sie ´weghaben`, eigentlich auslöschen möchte-, wie Attentäter es sich vornehmen.

Ob man in jedem unbekannten Ausländer einen Terroristen vermutet, und, statt mit den Leuten im Haus zu sprechen, lieber die Tür fester verriegelt.

Ob man sich nicht sagen traut, was man denkt und glaubt, und nicht zu widersprechen wagt, wo man den Eindruck hat, dass falsch geurteilt wird.

Ob man in sein Tagebuch schreibt, wie der 20-jährige Dichter Georg Heym 1909: „Ich weiß nicht, was in mir für eine Krankheit sitzt....Das Furchtbarste ist die Unlust, die Verzweiflung, ehe man noch begonnen hat“ ( Lesebuch, Beck´sche Reihe, München 1987, 276 ).

Ob man im Blick auf die weitere Entwicklung und auch das eigene Ergehen fast nur noch Befürchtungen hegt.

Dieser „Geist der Furcht“, der Verzagtheit, des ´Schwarzsehens`-, das kommt bestimmt nicht von Gott, schreibt Paulus.

Das kommt auf, wenn der Kontakt mit Gott abreißt. Georg Heym hatte schon mit 18 Jahren ins Tagebuch geschrieben: „Jetzt bete ich nicht mehr. Ich sehe nur noch abends zu den Sternen auf und grüble, doch eigentlich nutzlos. Nein, so eine Einstellung, diesen „Geist der Furcht“ kann man nicht auf Gott zurückführen.

Was von Gott ausgeht, ist das Gegenteil.

Ein „Geist der Kraft“-,dass man sich traut, zu vertreten, wovon man überzeugt ist,- dass man Aufgaben in Angriff nimmt.

Ein „Gott der Liebe“, der niemand ´verteufelt`, sondern jedem Menschen-, solchen, die man nicht kennt, und solchen, die man ´zu gut kennt`,- mit einem Vorschuss an Vertrauen begegnet, der einem Geschöpf Gottes zukommt, auf dessen Umkehr Gott wartet, wozu Er beharrlich einlädt, und  das bei Ihm selig werden soll.

Ein „Geist der Besonnenheit“, der auch unter extremen Belastungen nicht mit Kurzschluss reagiert.

 

Dale Kohler, ein Student der Computerwissenschaft, von dem John Updike in einem Roman erzählt ( „Das Gottesprogramm“, Rowohlt 1988), hatte mit einer seine Professoren irritierenden Selbstsicherheit angekündigt, ein Computerprogramm zu entwickeln, das die Existenz Gottes beweisen wird. Wenn man alle neuen Erkenntnisse in der astro- und Teilchenphysik überblicken könnte, würde „die Wahrscheinlichkeit des blinden Zufalls gegen Null gehen“; ergo muss das Gesicht des Schöpfers irgendwie auf dem Bildschirm aufscheinen ( Klappentext ). Am Ende überfällt ihn ein Geist der Verzagtheit. Er wird kleinlaut, verliert den Mut und gibt auf. Bei aller betont vorgezeigten Gläubigkeit hat er sich doch über Gebote Gottes in seiner Lebensweise hinweggesetzt. Jedenfalls ´wird nichts `aus seinem Vorhaben.

Man „sagt“, heißt es am Ende, „er hat seinen Glauben verloren. Irgendein Bursche, den er auf“ einer „Party kennengelernt hat..., hat ihm die Augen geöffnet, wie albern alles war. Außerdem glaube ich, dass sein Computerkram nicht ganz so funktioniert, wie er gedacht hat“ ( 389).

Verlegen stand er schon bei dieser Party herum, und es war ihm peinlich, wenn er auf sein „Gottesprogramm“ angesprochen wurde.

 

II.

Paulus schrieb: „Das Zeugnis von unserem Herrn“ soll uns nicht peinlich sein. Da muss man nicht verlegen werden.

Dale hatte über seinem Bett ein Kreuz hängen. Esther fragte: „Wieviel bedeutet dir das eigentlich?“ Er hatte soeben mit ihr Ehebruch begangen. Nun sagte er „zögernd“ und ein wenig verwirrt: „´Ziemlich viel`“. Aber es erschien ihm auf einmal selbst komisch. Und alles, was er mit angespannter Stimme zu erklären versuchte, klang ihr „verwirrt und traurig und hoffnungslos“ ( 252f ).

Das kommt nicht von Gott.

„Schäme dich des Evangeliums von Christus nicht“, schreibt Paulus. Bekenne dich erhobenen Hauptes und unverzagt zu deinem Glauben. Nimm es unerschüttert in Kauf, wenn du dafür mit ironischen Bemerkungen bedacht, verachtet oder sogar angegriffen wirst. Steh auch zu denen, die wegen des Glaubens ausgelacht oder misshandelt werden.

Aber natürlich genügt es nicht, den Glauben in Worten zu bekennen. Es müsste zu erkennen sein, dass Gottes Wort auch im Leben maßgeblich ist. Dass man als Christ bestimmte Dinge nicht tut. Und dass, wenn es doch zu einem Fehltritt kam, man diesen bereut und als Sünde bekennt.

Wenn man sich die Sichtweise dieser, die nicht glauben, auch nur momentan zu eigen macht, kommt man sich mit seinem Glauben lächerlich vor.

Und schließlich verliert man ihn ganz. Schon mit 17 Jahren schrieb Georg Heym an Weihnachten 1904 ins Tagebuch: Ich saß in der Kirche. „Natürlich musste ich, um mich interessant zu machen, das Heilige verspotten. Ich kann das eben nicht lassen“ (259).

Paulus schreibt: ´Mach dir nichts daraus, wenn du wegen des Evangeliums Spott auf dich ziehst`. „Leide mit mir für das Evangelium nach der Kraft Gottes!“

 

III.

Damit verweist der Apostel erneut auf das, was von Gott ausgeht. Dale hatte sich mit seinem Computerprogramm vielleicht selbst übernommen. Wer hat ihn geheißen, Gott auf den Bildschirm zu zwingen, der es vorgezogen hat, sich in Jesus Christus, dem Gekreuzigten, zu offenbaren? Dieses Vorhaben war sein eigenes „Werk“. Gott hatte ihn dazu nicht „gerufen“.

„Kraft, Liebe, Besonnenheit“,- diese ´Stärken`, diese Vorzüge verschafft man sich nicht durch eigenes Bemühen. Eine Überlegenheit, die man sich selbst antrainiert hat, kann einem bei der nächst-besten Party vergehen. „Nicht nach unseren Werken“, nicht entsprechend eigenen Bemühungen erringen wir den „Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ und werden den „Geist der Furcht“ los,- sondern „nach der Kraft Gottes“.

Das geht von Ihm aus. Und wir können es nur von Ihm erwarten und erbitten.

Nicht wir bauen Ihn auf,etwa, indem wir ein Programm entwickeln, das Ihn endlich schlüssig beweist, so dass man nichts mehr dagegen sagen kann. Sondern Er baut uns auf.

Nicht wir „retten“ Gott durch gute Argumente und unsere tadellose Haltung. Sondern Er rettet uns.

 

Nun sagt man das so im Bekenntnis des Glaubens. Wir sind daran gewöhnt. Aber mitunter ertappt uns jemand dabei, dass wir in unserer Lebensweise diesen Worten doch nicht ganz nachkommen, verweist auf das Kreuz über unserem Bett und fragt: „Wieviel bedeutet dir das eigentlich?“-Dann wird man verlegen und fragt sich, ob man ´den Mund` nicht vielleicht doch ´zu voll genommen` hat.

Was sind die Anhaltspunkte dafür, dass man so reden kann? Worauf stützt sich die Behauptung, dass von Gott „Kraft“ ausgeht und dass Er einen „rettet“?

Kann man davon einfach ausgehen?

Paulus ermutigt dazu. Er bringt drei Argumente vor.

Erstens sagt er, hat sich das bei Jesus gezeigt. Jesus ist nicht eine Gedankenkonstruktion, die sich, wenn man viele Informationen einspeist, vielleicht auf dem Computer erstellen lässt. Er war ein Mensch, der auf dieser Erde gelebt hat, und aus dessen Leben wir einige Geschichten kennen. Z.B. die vom Wirbelsturm auf dem Galiläischen Meer. Es war wirklich lebensgefährlich. Nicht grundlos hatte ein „Geist der Furcht“ die verzweifelten Bootsinsassen überfallen Wir gehen unter`, schrien sie und rüttelten Jesus, der noch immer schlief, wach. Als er sich erhob, ´war Ruhe`. „Warum so furchtsam?“, tadelte er sie. ´Ich war doch mit im Boot`. „Warum nur so wenig Glauben?“

Woher habt ihr diesen „Geist der Furcht“?- Von mir nicht.-

Das nahmen sich offenbar jene sagenhaften Herrnhuter zu Herzen, die im 18. Jh.bei einem Seesturm auf dem Atlantik, als alle im Schiff den Kopf verloren, in unverwirrtem Vertrauen zur Gebetsgemeinschaft zusammentraten.

Nach dem Vorbild des Paulus, der bei dem Schiffbruch vor Malta ( Apg 27 ) riet: ´Esst erst einmal etwas. Und dann lasst uns in Ruhe nachdenken, was zu tun ist!`

Gott „rettet uns“.

Dass, zweitens, nicht in jedem Fall alle mit dem Leben davon kommen, widerlegt das nicht. Denn während z.B. in Georg Heyms Gedichten alles schwermütig auf den Tod hinausläuft, „Und wolkenreiche Sterbehimmel hängen/ Nur fern herum am Rande toter Gassen“ ( 129 ), beleuchtet das Evangelium eine andere Seite der Wirklichkeit. Jesus Christus „hat das Leben und die Unzerstörbarkeit ans Licht gebracht: Die Bedeutung des Todes hat er damit zurückgedrängt, ja, zunichte gemacht. Nun singt man am Morgen mit Aufblick zum Himmel, dieser Anblick lehre einen...wo die Frommen/ dann sollen hinkommen,/ wenn sie mit Frieden/ von hinnen geschieden / aus dieser Erden vergänglichem Schoß“. Das ist ein ganz anderer Klang, eine andere Grundstimmung.

Das geht von Gott aus. Ein „Geist der Kraft“.- Nicht wie in Heyms Tagebuch 1910: „Es ist immer das gleiche, so langweilig, langweilig, langweilig“ (280),- sondern voll gespannter Erwartung, Gott entgegen: voll Vorfreude auf Ihn. Voll „Liebe“ zu Ihm. Und zu den Gestorbenen bei Ihm.  Und zu den Sterbenden. Und zu den Lebenden. Und zu denen, die erst noch geboren werden.- Und, auch in verwirrenden und bedrückenden Situationen, voll „Besonnenheit“, dass man nicht unbedachte Schritte tut oder vorschnell aufgibt, sondern z.B., wenn man in einer Ehe sehr aneinander schuldig geworden ist, im Vertrauen zu Gott seine Schuld bekennt und um Vergebung bittet, und dadurch wieder zueinander findet.

Das wird unter dem Einfluss Gottes möglich.

Es ist also deutlich, was mit Sicherheit von Gott ausgeht, und was auf keinen Fall von Ihm stammen kann.

Und nun sagt Paulus, drittens,  sind wir „aufgerufen“, uns dem zu öffnen, was von Ihm ausgeht, und uns dem Gegenteil zu verschließen. Gott „hat uns berufen“. Das ist eine „heilige Berufung“.

Es ist nicht ein Sonderweg für einige ausnehmend religiöse Personen, denen man diese `Albernheit` vielleicht bei einer Party ausreden kann.

Es ist vielmehr das, was für alle von jeher vorgesehen ist. „Seit ewigen Zeiten“, schreibt Paulus, „schon vor der Zeit der Welt“, „da ich noch nicht geboren war“, ist mir „in Christus“ dieser „Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ zugedacht, also Lebensmut und Zuversicht, mitten im Leiden und angesichts des Todes, „nach der Kraft Gottes“.

 

Amen!

 

Pfr. Dr. Wolfhart Schlichting


 

JOHANNES  11,1-45 i.A.   PREDIGT:

 

„ Lazarus aus Betanien, dem Dorf Marias und ihrer Schwester Marta, lag krank. Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, liegt krank. Jesus blieb noch zwei Tage an dem Ort, wo er war. Als er in Bethanien ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grabe liegen. Und viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, sie zu trösten wegen ihres Bruders. Als Marta nun hörte, dass Jesus kommt, geht sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim sitzen. Da sprach Marta zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben. Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta spricht zu ihm: Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird - bei der Auferstehung am Jüngsten Tage. Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist. Jesus sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh es! Es war aber eine Höhle, und ein Stein lag davor. Jesus sprach: Hebt den Stein weg! Spricht zu ihm Marta, die Schwester des Verstorbenen: Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen. Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob seine Augen auf und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich weiß, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umhersteht, sage ich's, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löst die Binden und lasst ihn gehen! Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, glaubten an ihn. “

 

Jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest, der Protest gegen den Tod. Jeder Sonntag zeugt von der Perspektive und Alternative Gottes zu unserem Leben und Sterben. Und weil zum Sonntag der Gottesdienst gehört, knüpfen wir damit Verbindung zum Leben Gottes. Damit haben wir den rechten Untergrund, auf dem es sich lohnt, unser Lebensgebäude aufzubauen. Christus vollendet dann unser Lebenswerk.

Jesus gebrauchte bei seiner Verkündigung immer sehr viele Beispiele und Bilder. Manche Beispiele verschaffte er sich selbst: z.B. dafür, dass er das Brot des Lebens ist, vollbrachte er das Speisungswunder der 5000 und 4000. Dafür, dass er uns die Reinheit schenkt, vollbrachte er die Tempelaustreibung. Dafür, dass er der Herr über die Krankheit ist, vollbrachte er viele Krankenheilungen, Dafür, dass er das Licht des Lebens bringt, vollbrachte er manche Heilungen an Blinden. So könnte man hier noch viele andere Beispiele anfügen. In unserem Predigttext ist es die Auferweckung des Lazarus, als Beispiel für seine Aussage: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.

Im Neuen Testament wird von drei Toten- Auferweckungen berichtet: Jüngling zu Nain, Töchterlein des Jairus und Lazarus. Die ersten beiden waren erst gestorben. Da konnte man auch meinen, dass sie nur Scheintod gewesen wären, was aber natürlich nicht der Fall war. Bei Lazarus kam es erst am vierten Tag zur Auferweckung, obwohl der Leichnam schon im Begriff der Zersetzung war. Damit verschaffte sich Jesus ein sehr lebendiges Beispiel dafür, dass es wahrhaftig eine Auferstehung für uns geben wird. Lazarus starb dann später noch ein zweites Mal. Aber weil seine Auferweckung nur ein Bild war für die Auferweckung zum ewigen Leben, so dürfen wir um diese Auferweckung wissen. Alle, die im Glauben an Jesus Christus stehen, werden einmal diese Auferstehung erleben. Auch wenn unser Leib verwest, gehen wir bei unserem Tod unsterblich ins wahre, ewige Leben ein.

Davon zeugt jeder Sonntag, der ein kleines Osterfest ist; der Protest gegen den Tod, gegen die Vergänglichkeit; Gottes Perspektive und Alternative zu unserem Leben und Sterben.

Dazu nennt unser Text drei Merkmale: 1) Trauer: Der Tod kann hart sein. Man sitzt wie auf Kohlen und fragt sich: Warum, warum, warum ... 2) Hoffnung: Es gibt die Flucht zu Jesus mit der Bitte um Stärkung unseres Glaubens. Dann heißen unsere Fragen: Wozu, wozu, wozu ... 3) Machtergreifung Jesu: Er ist stärker als der Tod. Er ist der Sieger und Gewinner. Aus unserem „todsicher“ wird ein „lebenssicher“!

 

1) Trauer: Der Tod kann hart sein. Man sitzt wie auf Kohlen und fragt sich: Warum, warum, warum ...  Wie oft denken und sagen auch wir: Warum hört uns Gott nicht? Warum sieht er uns nicht? Warum tut er nichts! Er kann doch nicht mit ansehen, wie alles in die Katastrophe läuft! Er müsste doch jetzt da sein, eingreifen und helfen! Aber nichts dergleichen geschieht. So ähnlich erging es auch Marta und Maria in den vier Tagen, nachdem Lazarus gestorben war.

Es können in unserem Leben Situationen eintreten, bei denen wir momentan nicht ein noch aus wissen. Es kann, wie hier, der Tod eines lieben Menschen sein; aber auch eine Krankheit, ein schwerer Unfall, erfahrener Hass, Mobbing, Verleumdung, falsche Beschuldigungen, Streit, Betrug, Arbeitslosigkeit, Trennung und vieles andere.

Manche werden da irre an Gott, sodass sie mit ihm nichts mehr zu tun haben wollen. Aber solch eine Haltung ist natürlich fehl am Platze. Als Christen erkennen wir, dass das der Weltlauf ist und bleibt, solange wir auf Erden leben. An all diesen schrecklichen und grausamen Erlebnissen ist ja nicht Gott daran schuld, sondern der Gegengott, der Satan. Er ist der Verursacher all dieser Situationen. Und die Bibel weist an vielen Stellen darauf hin, dass es auf dieser Erde „das“ Böse und „den“ Bösen gibt.

So lernen wir als Christen, dass wir unseren letzten Halt nicht auf das Irdische setzen können, so wichtig das Irdische auch ist. Der Auftrag Gottes gilt natürlich immer noch, dass wir diese Erde bebauen und bewahren und über ihr herrschen sollen. Aber sie ist und bleibt eine gefallene Erde. Immer bedenken wir das, was ein Psalmist klassisch als ein Gebet ausspricht, 90,12: Herr, lehre mich bedenken, dass ich sterben muss, auf dass ich klug werde, klug lebe und klug handle. Natürlich dürfen wir uns bei allen irdischen Angelegenheiten ganz einsetzen und einbringen. Aber es ist nicht das Wichtigste. Auch Jesus nahm alle Nachteile seines Erdenlebens in Kauf: Alles Missverstehen, Feindschaft bis hin zum schrecklichen, grausamen Kreuzestod. So stehen auch wir mitten drinnen in der gefallenen, brutalen und abscheulichen Welt und bekommen dies zu spüren und fragen uns: Warum, warum, warum ....

 

2) Hoffnung: Es gibt die Flucht zu Jesus mit der Bitte um Stärkung unseres Glaubens. Dann heißen unsere Fragen: Wozu, wozu, wozu.... Obwohl uns viele Haare vom Haupt fallen, gibt es die Zusage Jesu, Matthäus 10,30: dass alle unsere Haare von Gott gezählt sind und ohne seinen Willen kein Haar von unserem Haupt fällt, Apostelgeschichte 27,34.

Hier bei Lazarus wurde der Glaube der zwei Schwestern gestärkt, ebenfalls der Glaube aller Trauernden, die dabei waren. Als Folge davon geschah der Einzug Jesu in Jerusalem unter der jubelnden Menge aller Festbesucher, weil sie von der Auferweckung des Lazarus erfuhren.

Hoffnung in allem Leid! Wir wissen, wenn ein guter Wein entstehen soll, müssen die wertvollen Trauben gepresst werden. Edelsteine entstehen durch lange, hohe Drücke. Edelmetalle wie Silber und Gold benötigen hohe Schmelzprozesse. Bevor eine edle Perle entsteht, muss eine Muschel sehr viel Leid verkraften. Die Bibel sagt uns, dass die Traurigkeiten nur 10 Tage dauern, die Freuden Gottes aber eine Ewigkeit. Die großen Hilfen Gottes erfahren wir gerade in den Tiefen unseres Lebens. Die Tiefen vergehen wieder, aber die erfahrenen Hilfen bleiben.

Aus unseren Warum- Fragen entstehen Wozu- Fragen. Herr, wozu dient das Ganze?!! Was willst du mir damit sagen ?!! Mit was kann ich dir und meinen Nächsten in dieser Situation dienen, zur Verfügung stehen?!! Was ist jetzt mein Auftrag?!! Wo steckt jetzt die Chance, deine Alternative?!! In dieser Haltung rüttle ich nicht mehr an den verschlossenen Türen, die natürlich vorhanden sind. Sondern ich entdecke die von Gott geöffneten Türen und durch gehe und benütze diese. Je mehr wir in dieser Haltung stehen, wir solche Hoffnung praktizieren, umso reifer wird unser Glaube, unser gesamtes Leben. Denn Gott mutet uns nicht mehr zu, als wir aushalten und verkraften können, wenn wir im Glauben stehen. So gehen wir in solchen Situationen nie unter; ebenfalls gehen wir dabei nie im irdischen Leben auf. Dann gründen wir unser Leben auf Gott, auf Jesus Christus, auf den Heiligen Geist. Psalm 73,23-26: Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Diese Haltung will natürlich gelernt sein. Dies dürfen wir erlernen.

 

3) Die Machtergreifung Jesu: Er ist stärker als der Tod. Er ist der Sieger und Gewinner. Aus unserem „todsicher“ wird ein „lebenssicher“! Was bei unserem Lazarusbericht als irdisches Beispiel genannt ist, das drückt unser Wochenspruch geistlich aus, 2. Timotheus 1,10: Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergänglich Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. Das ist der Sinn des ganzen Evangeliums, dass auch wir das Ostern, die Auferstehung erleben. In Vollkommenheit geschieht das natürlich erst nach unserem Tod. Aber viele Anteile davon erleben wir schon zu unseren Lebzeiten. Je mehr wir im Glauben stehen, um so mehr beginnt zu unseren Lebzeiten die Zukunft Gottes; die Zukunft Gottes, die nicht mehr aufzuhalten, zu bremsen und zu verhindern ist. Deswegen spricht man auch von Glaubensgewissheit, -Stärke, -Kraft und –Zuversicht. Dann sind wir bei unserem Tod, - wie es jemand gesagt hat- , wie ein Vogel, der über eine Mauer fliegt, über die wir zu unseren Lebzeiten nicht hinüber kommen können.

So ist die härteste Realität unseres Lebens: unser Tod, durch Jesus entmächtigt! So ist nichts mehr „todsicher“, sondern „lebenssicher“! Es hat keinen Sinn, darüber Spekulationen anzustellen, wie es einmal nach unserem Tode sein und aussehen wird. Es wird doch alles ganz anders sein. Aber gerade die biblische Botschaft gibt uns dennoch Hilfen, die wir täglich ausnützen dürfen. In der Bibel und während der Kirchengeschichte gibt es viele leuchtende Beispiele dafür, was Gott unter uns alles bezwecken und tun will und kann. Jeder von uns kann da sehr vieles lernen und sich aneignen. Darunter wächst unsere Zuversicht zu Jesus.

Darunter gibt es sehr viele herrliche Taten: Lazarus wird vom Tode erweckt. Petrus durfte auf dem Meer gehen. Die drei Männer im Feuerofen verbrannten nicht. Daniel wurde in der Löwengrube bewahrt. Aber es gibt ebenso die Berichte, wo solches nicht geschah und die Menschen dennoch im Glauben gestärkt wurden. Lazarus musste die Schrecken des Sterbens zwei Mal durchgehen. Viele, viele Märtyrer gab es und gibt es zu allen Zeiten. Und doch sind sie der Same der Kirche Jesu Christi. Beide Arten können auch wir erleben: Lebensphasen mit voller Schaffens- und Lebenskraft. Und die Lebensphasen, in denen uns – bildlich gesprochen - die Hände gebunden sind und uns elend zumute ist. Weil uns Jesus eine total andere Wertigkeit und Wirklichkeit bringt, können wir bei beiden Arten unseren Beitrag bringen: im Schaffen oder im Aushalten; im Leben oder im Sterben. Jesus sagt: wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?!

 

So ist jeder Sonntag ein kleines Osterfest, der Protest gegen den Tod. Es gibt für uns die Auferstehung zum ewigen Leben. Mit unserem Glaubensleben bekommen wir davon schon sehr viele Anteile. In allen Lebenssituationen bekommen wir den inneren Halt, wodurch nichts mehr „todsicher“ ist, sondern alles „lebenssicher“ wird.

 

 

Bruder Georg


 

2. Timotheus 1,7-10; Predigt:

 

" Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserem Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes. Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heili­gen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erschei­nung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht ge­nommen und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evan­gelium. "

 

Gott ermöglicht uns ein zukunftsträchtiges Leben mit der Einmaligkeit des noch "Nie-Dagewesenen". Er hat ein Ge­samtkonzept, das er auch ausführt und in das er auch uns am lieb­sten einbinden will. Ergreifen wir doch diese damit verbundenen Möglichkeiten, die uns Gott gibt. Denn es gibt, - von Gott her gese­hen -, immer einen Weg, eine Hilfe, die Kraft, die Befähigung und eine Lösung. Wir brauchen nur die Augen, die Ohren und unser Herz öffnen, dann stehen wir schon auf dem Weg zur rechten Be­wältigung.

Gott ist immer die gute, positive Macht über uns, die sich in Liebe für uns einsetzt und um uns bemüht ist. Wer etwas anderes denkt und tut, der ist auf einer falschen Fährte des Lebens. Er befindet sich in einer Sackgasse, die nicht zum ewigen, wahren Ziel führt.

Normalerweise ist diese ganze Welt vom Untergang geprägt. Was hat in unserem Leben schon Zukunft? Alles, was wir von uns aus tun, ist oft vergebliche Liebesmühe, wenn es überhaupt von Liebe geprägt ist, was man gerne bezweifeln kann. Nur, weil Gott es nicht will, dass wir uns vergeblich abmühen, hat er uns den Weg zum wahren Leben geöffnet. So dürfen wir ein ganz feines Gespür für Gottes Reden und Handeln haben. Und was Gott zu uns redet, das tut er auch 100 %-ig. Da müssen wir nichts arrangieren oder gar manipulieren. Und das sind überwältigende Wege, die uns stets vorwärts bringen, eine faszinierende Sache. Der Sieg Gottes über unseren Tod ist eine ausgemachte Angelegenheit, daran nicht mehr zu rütteln ist. So ist der Tod nur noch die letzte Hürde zum wahren Leben, mehr nicht.

Gott führt uns die realen Wege der Ewigkeit. Seine Größe ist so gewaltig, so dass es unser begrenztes Hirn kaum fassen kann. Aber er will sich in uns verwirklichen. Wer das begriffen hat, der wirft die Krücken der Selbstverwirklichung weit weg, denn diese sind Gift für unsere Ewigkeit bei Gott. Seien wir allezeit offen für diese Fremdverwirklichung, die Gott in unserem Leben durchführen will. Dabei fällt auch sehr viel für uns selbst ab. Das ist immer inbegrif­fen. Gott ist ja kein totes Denkmal, das es zu bestaunen gälte. Auch hat er nichts mit einem komplizierten Gedankengebäude zu tun. Sondern er ist eine lebendige Größe, die uns jeden Augenblick um­gibt und in uns und durch uns handeln will. Er will uns ein feines, geschultes Gewissen geben, mit dem wir gewissenhaft, klar und eindeutig seinen uns gegebenen Weg gehen dürfen. Da reiht sich dann auch ein positives Erlebnis an das andere. Da geht es gewiss und zielstrebig voran und weiter. Da spüren wir, dass Gott ein Ge­samtkonzept für unsere Welt hat, davon er nie abzubringen ist.

In diesem Predigttext geht es Paulus um die wahren Amtsträger, wie es z.B. er und Timotheus waren. Wer sind diese wahren Amts­träger? Es sind die, die 1) um eine Berufung Gottes wissen; 2) die sich dem unvergänglichen Leben hingeben und 3) die sich von Gott die Befähigung dazu schenken lassen.

 

1) Die wahren Amtsträger wissen um die Berufung Gottes, Vers 9: Gott hat uns selig gemacht und uns mit einem heiligen Ruf berufen, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns in Jesus Christus vor der Zeit der Welt ge­geben ist. Diese Berufung ist eine beschlossene Sache Gottes, die schon vor der Erschaffung der Welt feststand und daran Gott nicht mehr rütteln lässt. Ist das nicht etwas Faszinierendes und Herrli­ches?!! Als praktizierende Christen haben wir irgend wann einmal den Ruf Gottes gehört und sind ihm gefolgt. Somit haben wir un­sere spezielle Art der Berufung Gottes. Und wenn wir nicht ganz aus Stein sind, dann hat uns diese Berufung sehr viel zu sagen und sie be­deutet uns alles. Dann richten wir unser ganzes Leben da­nach aus und ein. Wir haben Kontakt zum ursprünglichen Leben. Wir erleben die Größe, die schon vor der Erschaffung der Welt maßge­bend war und deshalb auch für unsere Ewigkeit maßgebend ist.

Warum sind so viele Menschen gegen Gott eingestellt? Er hat doch nur das Beste für uns bereit. Er will doch nicht unseren Tod, son­dern unser Leben. Er nützt uns doch nie aus, sondern beschenkt uns überreich. Er will uns glücklich und froh sehen. Er zeigt uns die wahren Fährten des Lebens und schenkt uns gute, frohmachende Gedanken und Erlebnisse.

Von der Seite Gottes her gesehen gibt es eine ganz starke Bejahung unseres Lebens. Er will uns. Wir können uns getrost und froh ihm anbefehlen. Niemals ist er zu uns schofel oder grausam. Weil wir täglich von der Erlösung Jesu leben, ist für uns die Ursünde der Gottestrennung aufgehoben. Nichts darf uns mehr bedrücken oder bedrängen. Gott schenkt uns eine offene Bahn für die Zukunft unse­res Lebens. Es geht immer zielstrebig weiter. Das gibt uns für alle Gebiete unseres Lebens eine zuversichtliche Hoffnung.

Natürlich sind damit Aufgaben über Aufgaben verbunden, unter de­nen wir auch manchmal ganz schön ins Schwitzen kommen können. Aber dabei erleben wir, dass wir mit der Berufung Gottes auch die Befähigung und Vollmacht dazu haben. Unter dieser Berufung erle­ben wir, dass das von Gott Kommende immer die größere Kraft und Wirklichkeit ist, die über allem anderen steht.

An dieser Stelle können wir uns ein paar Fragen stellen: Ist Gott der Hauptakteur unseres Lebens oder spielt er nur eine untergeord­nete Rolle? Welche Aktivitäten stehen im Vordergrund unseres Lebens? Ist es die Selbstverwirklichung oder diese Fremdverwirk­lichung, die Gott schenkt? Was sehen wir als das Wesentliche an? Spielt da Gott die Hauptrolle oder eine Nebenrolle oder kommt er da über­haupt nicht vor? Was steht auf dem Altar unseres Herzens? Welche Ge­danken haben wir, wenn wir aufstehen oder uns zu Bette legen? Haben wir noch eine sog. Lieblingssünde, der wir nachhängen oder gar frönen? Haben wir an den Stellen, an denen uns Gott klare Auf­träge gibt, noch Ausreden: dazu tauge ich nicht; das sollen die ande­ren tun; ich mag nicht; o.ä.? Oder sind wir hier für Gott ganz offen und bereit? - Die wahren Amtsträger wissen um die Berufung Got­tes und beachten diese auch.

 

2) Sie geben sich dem unvergänglichen Leben hin, Vers 10: Unser Heiland Christus Jesus hat uns das alles offenbart. Er hat dem To­de die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches We­sen durch das Evangelium ans Licht gebracht.

Ist das nicht eine große Aussage, dass das Evangelium, also die frohe Botschaft Jesu: Leben, unvergängliches Wesen und Licht in unsere Verhältnisse bringt?!! Was wollen wir mehr? Gott schenkt uns das, das uns normalerweise verloren gegangen ist, in überwälti­gender Art und Weise.

Ich denke, wir brauchen uns nicht lange darüber unterhalten, wo wir ohne Gott hingeraten sind. Die Medien, Fernsehen, Radio und Zei­tungen zeigen uns täglich, zu was der Mensch alles fähig ist. Aber wo wir mit Gott hingeraten, das zeigt uns nur das Evangelium von Jesus Christus. Wer in der Bibel daheim ist und das Gebet, das Ge­spräch mit Gott praktiziert, der bekommt offene Augen, Ohren und Herzen für die ewig gültigen Werte Gottes. Während sonst alles im Vergehen ist, ist Gottes Macht im Kommen und im Wer­den und vergeht nie mehr. In konstruktiver Art und Weise baut Gott seinen Machtbereich weiter auf und aus. Gott ist die Gewähr dafür, dass je­der Mensch, wenn er es selbst will, die Möglichkeit erhält, dazu seinen urpersönlichen Weg finden und gehen zu dür­fen. Gott selbst schreibt keinen einzigen Menschen ab. Gottes frohe Botschaft ist so groß und gewaltig, dass sie für alle Menschen auf dieser Erde genü­gen würde. Leider sind es immer nur wenige, die diese Möglichkeit ergreifen. Die große Masse ist dazu nicht bereit und verschließt sich diesem Gott. Aber wohin diese Botschaft Got­tes fallen kann, da trägt sie als Frucht die innere Gewissheit des wahren ewigen Lebens. Das ist eine frohmachende, weil befreiende Botschaft.

Es ist einfach nicht wahr, dass uns Gott nichts geben kann oder dass er gar an allem Schlechten schuld wäre. Er kann uns sehr wohl alles geben, das wir zum Leben brauchen. Wir müssen es nur er­greifen, erfassen, nehmen, gebrauchen, einsetzen, einplanen, ja darauf unser gesamtes Leben aufbauen. Gott verweigert uns nicht das ewige Le­ben. Sondern ihm ist nichts lieber, als dass wir in jeder Situation un­seres Lebens seine Ewigkeitswerte beachten und ergreifen, sie ein­setzen. - Die wahren Amtsträger geben sich dem unvergänglichen Leben hin.

 

3) Sie lassen sich tagtäglich die Befähigung zu solch einem Leben schenken, Verse 7 + 8: Gott gibt uns nicht den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit! Darum schäme dich nicht, sondern leide in der Kraft Gottes für das Evan­gelium. Was Paulus damals zum Timotheus sagte, das gilt für jeden Christen. Wer sich dem Evangelium öffnet, der bekommt von Gott die Befähigung zu solch einem Leben. Er vergeht nicht mehr in Angst und Furcht, sondern bekommt Kraft, Liebe und Besonnen­heit. So einfach ist das. Gott will nicht, dass wir uns das Leben kompliziert machen. Es genügt unser einfältiges Vertrauen zu ihm und er regelt für uns alles, was es zu regeln gilt. Und damit sind wir auf der Überholspur des Lebens, auf der Siegerspur. Das ist ja das Große an Gott, dass nicht nur ein paar wenige, einzelne siegen, son­dern alle, die im Glauben stehen. Im Petrusbrief wird dasselbe mit dem allgemeinen Priestertum aller Gläubigen ausgedrückt. Wer da noch ein Konkurrenzdenken hat und sich auf Rangeleien einlässt, der ist fehl am Platze. Das haben wir Christen nicht mehr nötig. Da ist jeder verantwortlich und fähig, natürlich je nach der Gabe, die ihm Gott gegeben hat.

Es heißt hier, dass wir keine Furcht mehr zu haben brauchen und wir uns nicht dessen schämen, was uns Gott gegeben hat. Im Hohe­prie­sterlichen Gebet sagt Jesus, Jh 16,33: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Das sage ich euch, damit ihr in mir Frieden habt. Was überwunden ist, das darf hinter uns liegen und braucht uns nicht mehr bedrängen und be­drücken. In den sieben Sendschreiben spielt diese Überwindung ei­ne ganz besondere Rolle. Und gerade diese Sendschreiben wol­len uns für die Endzeit Hilfen geben. Und wie viele Ängste gibt es da: vor der ökologischen Katastrophe, vor dem Ozonloch, vor dem atomaren GAU, vor der wirtschaftlichen Misere, vor dem finanziel­len Kollaps, vor der Arbeitslosigkeit, vor dem Alleinsein, vor dem Werteverfall unserer Gesellschaft, usw., usf. Wir sollen nicht diese Probleme ausklammern. Aber Gott gibt uns seine Hilfen für all diese Aufgaben.

Es heißt hier bewusst: Leide in der Kraft Gottes für das Evange­lium! Jedes Zeugnis für Gottes Sache ist ein Martyrium. Paulus war da­mals deshalb im Gefängnis. Auch viele Gemeindeglieder wur­den verfolgt, als Paulus diesen Brief schrieb. Es ist niemals falsche Wehleidigkeit gemeint oder gar Selbstmitleid. Sondern wir stellen uns der Verantwortung, auch wenn Gegenwind kommt. Wir gehen nicht den Weg des geringsten Widerstands, sondern stellen uns zu dem, das wir von Gott wissen.

Gott gibt uns Kraft! Nicht wir sind kräftig, sondern Gott gibt uns diese Kraft. Nur deshalb können wir sehr viel verkraften und aus­halten. Gott schenkt uns die volle Schaffenskraft für das, das uns aufgetragen ist. Aber das gilt nicht für das, wo wir uns in die Ange­legenheiten anderer einmischen. Das ist gerade für solche, die Äm­ter inne haben, sehr wesentlich. Als ein Werkzeug Gottes haben wir die nötige Gewissheit, Kühnheit, Unbefangenheit und den Freimut.

Gott gibt uns die Liebe! Gerade diese echte Liebe ist eine Gabe des Geistes. Kraft ohne Liebe macht brutal. Liebe ohne Kraft verweich­licht uns. So gehören beide unbedingt zusammen. Und das wissen wir alle: Wer liebt, der hat mehr vom Leben.

Und Gott gibt uns die Besonnenheit. Als die wahren Amtsträger sind wir keine Phantasten, sondern leben wir selbst unter der Kon­trolle Gottes, sodass wir nie anderen predigen und selbst verwerf­lich leben. So lassen wir uns tagtäglich die Befähigung zu solch einem Leben schenken.

 

Gott ermöglicht uns ein zukunftsträchtiges Leben mit der Einmalig­keit des noch "Nie-Dagewesenem"! Lassen wir uns in sein Gesamt­konzept einbinden. Ergreifen wir allezeit die Möglichkeiten, die uns Gott gibt. Damit haben wir ein Leben mit Zukunft! 

 

 

Bruder Georg


 

 

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