Gedanken zum 4. Sonntag nach Trinitatis

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Predigt zum 4. Sonntag nach Trin., gehalten am 16.7. 2000 in St. Jakob, Augsburg,

(Hintergrund: Besuch einer US-Gemeinde; Taufe)

 

1. Petrus 3, 8-15a 

Schließlich aber seid alle untereinander einig, seid mitfühlend, brüderlich, barmherzig, demütig. Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, Segen zu ererben.

Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte sich davor, dass seine Zunge Böses redet und seine Lippen betrügen. Er wende sich vom Bösen ab und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber wendet sich gegen die, die Böses tun (Ps.34,13-17).

Und wer könnte euch schaden, wenn ihr dem Guten nacheifert? Aber selbst wenn ihr um der Gerechtigkeit willen leiden müßt, so seid ihr doch selig.

Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht; haltet aber den Herrn Christus in eurem Herzen heilig.

                                                                       A)

Jemand dreht morgens das Radio an, hat es nicht genau eingestellt, ´erwischt` einen Lokalsender, hauptsächlich für jüngere Leute gedacht. Da lallt eine Stimme: Taumelt ein Betrunkener durchs Studio? Er lallt-, und das kommt dann doch recht deutlich heraus-, von „Gott“ und vom „Kreuz“. `Das ist ja „böse“`; findet der Hörer. `Hier wird der christliche Glaube verspottet. Jesus am Kreuz, unser Erlöser, wird hier „geschmäht“. Darf das denn sein? Muss man sich das gefallen lassen?`

Kurz entschlossen, schneidet er den Rest der Kurzsendung mit. Es geht so weiter. Abscheulich. Er schickt den Mitschnitt an Bekannte, an Repräsentanten der Kirche.

Eine Synode versammelt sich. Thema: Kirche in der Öffentlichkeit. Der  Referent führt den Mitschnitt vor. Klar, dass die Synodalen empört sind.

`Übel, wie  in den Medien über unseren Glauben hergezogen wird! Hier werden die Gefühle der Gläubigen verletzt. So etwas müsste eigentlich strafbar sein!´ Und nun berät die Synode, unmittelbar bei ihrem Thema angesprochen, was sich dagegen unternehmen lässt.

´Man muss darauf reagieren`, findet ein Synodaler. Der nächste sagt: ´Hier ist ein öffentlicher Protest angebracht.` ´Aber dem muss man Nachdruck verleihen`, meint ein dritter, ´Konsequenzen androhen`.

„Rechtliche Schritte“, erklärt die Synode, „behält“ sie sich „vor“. Und sie erwägt, alle größeren Firmen aufzufordern, diesen Sender nicht länger durch ihre Werbung mitzufinanzieren. Das wird in aller Schärfe formuliert, zu Papier gebracht und als Beschluss der Synode an die Presse gegeben.

Niemand  in der Synode weiß, dass der Betreiber dieses Senders, der, wie viele Medienunternehmer, dem christlichen Glauben fernstand, und von der  Kirche keine gute Meinung hatte, seit neuestem auf dem Weg ist, Christ zu werden. Er hat begonnen, eine freikirchliche Gemeinde zu besuchen, und hört das Evangelium in dieser Form ganz neu.

Die beanstandete Sendung hatte er vorher nicht gekannt. Das blasphemische Geschwätz war ´aus Versehen` gesendet worden.  Er `las seinen Mitarbeitern die Leviten`.

Aber nun drohten ihm Mitchristen, die schon viel länger ´dabei` sind, gewählte Synodale, offizielle Repräsentanten der Kirche, also wohl ´bewährte`, beispielhafte Christen, - ihm, der über die Worte Jesu und die Lebensperspektive, die sie eröffnen, erstaunt ist,  - ihm, dem alles ziemlich neu und ungewohnt ist, aber verheißungsvoll, - nun drohen sie ihm, ihn wirtschaftlich zugrunde zu richten, und drohen ihm obendrein einen Prozess an.

`Wie passt das zusammen?`, fragt er: Christsein und diese Art, zu kämpfen, die ihm sehr wohl vertraut ist.-

Wir stoßen hier auf ein verbreitetes Missverständnis: das Missverständnis, Konflikte seien auf allen Ebenen so zu lösen, wie es im politischen Leben üblich ist: nämlich, dass man mit Sanktionen droht, Druck ausübt, „Böses mit Bösem vergilt“.

 

                                                                   1)

Das ist im politischen Leben angebracht. Denn hier stehen „Parteien“ mit gegensätzlichen Programmen gegeneinander. „kämpfen“ um die Macht. Die einen „regieren“ und die anderen „opponieren“. Und die sich in den Rahmen, den die Gesetze vorschreiben, nicht einfügen, werden „strafrechtlich verfolgt“. Auf Vergehen steht Strafe. Ungestraft zieht man den guten Namen und auch den Glauben anderer nicht in den Schmutz.

Vergeltung muss sein. Nur so lässt sich die böse Lust, Unrecht zu tun, in ihre Schranken verweisen.

                                                                  2)

Aber Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: „Bei euch soll es nicht so“ zugehen, wie im politischen Leben. Ihr müsst anders miteinander umgehen. Die Kirche ist etwas anderes als ein Staat.

 

a) „Parteien“ haben hier keinen Platz. „Machtkämpfe“ stünden im Widerspruch zum Wesen der Gemeinde. Petrus ermahnt hier die Gemeindeglieder: „Seid allesamt gleichgesinnt“. Alle, die zur Kirche gehören, folgen „einer“ Berufung. Bei ihnen ist Einmütigkeit zu erwarten.

Es ist also ein Missverständnis, wenn man in der Kirche ebenso miteinander umgeht, wie im politischen Leben, wo die Vertreter verschiedener Parteien und gegensätzlicher Interessen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer etwa, darum ringen, wer seine Anliegen besser durchsetzen kann.

In der Kirche kann es nicht darum gehen,  ´Interessen` durchzusetzen oder sich Schachzüge zu überlegen, mit denen man Gegner ausmanövriert. - ´Wo sind wir denn ?!`

 

 

 b)´Hier, in der Gemeinde, ist mit einer grundlegenden „ Einmütigkeit“ zu rechnen. Und man kann davon ausgehen, dass von vorneherein eine gewisse „Sympathie“ herrscht. Im griechischen Text steht dieses Wort an der Stelle, wo unsere Übersetzung „ mitfühlend“ sagt. Was Christen miteinander verbindet, ist nicht eine gefühlsmäßige Sympathie, aber doch ein müheloses Sich- verstehen. Man ´versteht sich`, weil man das gleiche glaubt und hofft.

Man ist eben „gleichgesinnt“.

 

 

c)Und man fühlt sich wie unter ´Geschwistern`. Von ´Geschwisterliebe“ spricht Petrus.

Auch das ist ein verhängnisvolles Missverständnis, wenn sogar in Familien ein quasi ´politischer` Umgang miteinander aufkommt: Wenn Geschwister und ihre Kinder wie Parteien um eine Erbschaft kämpfen, oder, wenn sie einander wenigstens ´austricksen `oder ´über den Tisch ziehen` möchten.- `wo sind wir denn ?`Eine Familie ist doch nicht ein ´diplomatisches Parkett` oder gar ein `Kriegsschauplatz`!

Und eine Kirche erst recht nicht! Hier muss sich niemand ´aufspielen` und ´hervortun`. Politiker tun es in den fortwährenden Wahlkämpfen oft in abstoßender Weise. In gewissen Grenzen gehört es hier allerdings zu den Spielregeln. Die Spielregeln in der Gemeinde sind aber andere: Was hier zählt, ist „Demut“. „Seid allesamt demütig“, fordert der Apostel auf. Weil „alle“ auf diese Regel verpflichtet werden, muss keiner fürchten, dass andere ihm ´die Show stehlen`.

Und ´einfühlsam` ist man in der Gemeinde, „barmherzig“. Hier gilt nicht die Regel der Selbstverwirklichung, sondern der Rücksichtnahme, das Sich- ineinander- hinein- Versetzens, des Mitgefühls.

Man muss ´wissen, wo man sich befindet`. Petrus macht diese Regeln für alle verbindlich: „allesamt“.

 

                                                                          3.

In so einer Gemeinschaft kann man es riskieren, nach der Bergpredigt Jesu zu leben. Hier kann man auf Vergeltung, ja, auch auf das Androhen von Vergeltung verzichten. Wie Jesus in der Bergpredigt, sagt Petrus hier: „Vergeltet nicht Böses mir Bösem“. Auch nicht Schmähung mit Schmähung. Wenn es unter Christen, die „allesamt gleichgesinnt“ sein sollen, zu Entgleisungen kommt, sind sie dadurch zu überwinden, dass man die gemeinsame „Berufung“ wieder wachruft.

 

a)Christen sind zum Segen „berufen“.

Das griechische Wort, das wir mit „Segnen“ übersetzen, heißt „Gutes sagen“. Immer etwas „Gutes sagen“; bei jeder Gelegenheit. Auch als Antwort auf „böse“, ungehörige, kränkende Bemerkungen. ´Antwortet nicht auf üble Angriffe in der gleichen Art.` Das Sprichwort: “Wie man in den Wald hineinruft, so tönt es heraus“, soll bei euch nicht gelten. „Vergeltet nicht Scheltwort mit Scheltwort!  Im Gegenteil: „Segnet!“ Sagt etwas Gutes! Bezeugt ´das Gute`! Lasst etwas durchblicken von Gottes gutem Wort über euch und über die Menschheit: Wie Gott Böses mit Gutem vergilt; dass Jesus gekommen ist, Sünder selig zu machen, statt ihnen ihre Verfehlungen zu vergelten. Dass Er über euer eigenes fragwürdiges, anfechtbares Leben am Ende ´etwas Gutes` sagen wird, nämlich: „Eure  Sünden sind euch vergeben“; „erbt das Reich, das euch bereitet ist.“ „Das ist das „Erbe“, das euch in Aussicht steht: Ihr werdet „Segen erben“.- Das ist uns allen in der Taufe zugesichert worden.

 

b) Weil das in Aussicht steht,- weil ihr wisst, dass es  mit euch darauf hinausläuft, - deshalb sollt ihr euch „dazu berufen“ wissen, zu „segnen.“ Ihr sollt „das Böse“ und die „bösen Worte“ nicht zurückgeben; bei euch soll nicht ´ein Wort das andere geben` in einer üblen Eskalation. Sondern „das Böse“ soll sich an euch totlaufen, weil von euch immer etwas Gutes ausgeht: Segen um Segen aus eurem ewigen „Erbe“.

 

                                                                          4)

Weil es so ist, schreibt Petrus, deshalb muss sich das Leben nach der Bergpredigt nicht auf den internen Umgang in der Gemeinde, also, unter „Gleichgesinnten“, beschränken. Als „Erben des Segens“ dürft ihr es riskieren, eure „Berufung, zu segnen“, auch in euren anderen Beziehungen zur Geltung kommen zu lassen. Also nicht nur im vertrauten Kreis der Mitchristen, sondern auch darüber hinaus.

 

a) Wenn auch die staatlichen Gesetze und das internationale Völkerrecht vorsehen müssen, dass „Böses mit Bösem vergolten“ wird, weil sonst das Unrecht überhand nehmen könnte,- so soll doch von der Kirche etwas anderes ausgehen. Auf eine Entgleisung sollte nicht mit einer Drohung geantwortet werden, sondern ´im Guten` mit einem weiterführenden Gespräch. Auf beleidigende Äußerungen sollte nicht mit Schärfe reagiert werden, sondern mit der Würde, die aus Gottes überlegener Liebe hervorgeht.

 

b) Sie ist ´überlegen`. Man muss nicht Angst haben, wie im politischen Machtkampf, dass man ´den Kürzeren zieht`.

Petrus fragt: ´Wer soll euch denn schaden können, wenn ihr dem Guten nacheifert?` Wenn ihr euch ´mit Gott zusammentut` und so, wie er „segnet“, euch ebenfalls zum „Segnen“ berufen lasst, wird keine Macht der Welt Gottes letztgültiges ´gutes Wort´ über euer Leben, das „Erbe des Segens“, hinfällig machen können.

 

c)Das heißt zwar nicht, dass euch nicht Unangenehmes zustoßen kann, dass ihr eventuell darunter zu leiden haben werdet. Aber-, wie hat Jesus in der Bergpredigt gesagt? „Selig sind, die Leid tragen“, „selig seid ihr, wen euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen“. Petrus folgert daraus: ´Wenn ihr also, weil ihr euch richtig verhaltet, Nachteile habt-, selig seid ihr.`

Lasst euch nur nicht erschrecken, wenn jemand „Terror macht“. Gott „sieht“ es. Er weiß es. Er „hört“ euer Gebet. So steht es schon im 34. Psalm zu lesen: „ Die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten“. Aber „Sein Angesicht steht gegen die, die Böses tun.“

Das Schlechte setzt sich auf die Dauer nicht durch. Und wer auf der Seite Gottes steht, wird nicht unterliegen.

Eure einzige Sorge soll sein, „den Herrn Christus in eurem Herzen zu heiligen“. Das ist immer unsere erste Bitte im Vaterunser: „Geheiligt werde dein Name“.

 

                                                                       C)

Da berät nun eine Synode, wie sie reagieren soll auf eine üble Entgleisung im lokalen Rundfunk. Jeder weiß: „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil“. Mit frommen Worten, mit Demut und Geduld ist hier nichts zu erreichen. Wir müssen uns gegen die öffentliche Verunglimpfung des „Namens“ Gottes wehren.

Wie können wir diesem Anliegen Nachdruck verleihen?

Und die Synodalen kommen auf den Gedanken, wie im politischen Leben, mit „gerichtlichen Schritten“ zu drohen und anzukündigen, den Sender, soweit der Einfluss der Kirche reicht, wirtschaftlich zu ruinieren.

Aber sie wissen nicht, dass der Medienunternehmer im Evangelium erste Entdeckungen macht,- dass er davon beeindruckt ist, dass bei Jesus und seinen Jüngern ein ganz anderer Umgangston und andere Umgangsformen herrschen, als man sie in der Welt des harten Konkurrenzkampfes gewöhnt ist; er versucht, erste Schritte in eine Gemeinschaft der Glaubenden hinein zu tun.

Er wundert sich, dass Christen, sogar offizielle Kirchenvertreter, auf eine Entgleisung - zugegeben: ziemlich übel, - genauso reagieren, wie Konkurrenten im harten Kampf um Einschaltquoten. Als Jesus sagte: „Bei euch soll es nicht so sein“, „im Gegenteil“, „ihr seid zum Segnen berufen“, - hat er da in den Wind geredet?

Warum kommen diese Christen nicht zu mir und weisen mich zurecht, wie man einen Bruder, der sündigt, zurechtweisen muss? Und wenn sie in mir keinen Bruder sehen, warum hoffen sie nicht, dass ich es werden könnte? Warum kein „gutes Wort“, kein „Segen“, sondern die Drohung, mich wirtschaftlich zu vernichten? Fühlen sie sich dazu „berufen“?

Da gewinnt man doch den Eindruck, dass es ein „Missverständnis der Kirche“ ist, wenn sie meint, mit ähnlichen Methoden kämpfen zu müssen, wie im politischen Leben.- Wir sind in eine Gemeinschaft des Segens hineingetauft, die berufen ist, zu segnen. Daher ´verstehen wir uns`, auch wenn wir verschiedene Sprachen sprechen und uns nie zuvor gesehen haben, ´auf Anhieb` als Geschwister in Christus.

Amen.

  

Pfarrer Wolfhart Schlichting

                               


 

LUKAS 6,36-42; PREDIGT:

 

„ Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoss geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen. Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einen Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst! “

 

Mit der Barmherzigkeit Gottes können wir alles mit ganz anderen Augen ansehen und damit ein rechtes Miteinander leben.

Es gibt die sog. Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere, die im erschreckenden Masse weniger wird, weil wir Menschen durch unser Wohlstandsdenken dies zerstören. Nur das Robusteste und Unverwüstlichste bleibt bestehen. Das kann man auch auf uns Menschen übertragen. In unserem Zusammenleben ist irgendwo der Wurm drin. Und weil wir auf alles immer mehr Einfluss gewinnen, weil für uns immer mehr machbar ist, treten auch die Fehler, das Missraten, immer mehr zutage. An vielen Stellen geschieht das in erschreckendem Masse.

Dagegen steht nun die Barmherzigkeit Gottes. Darunter entsteht zwar eine ganz andere Art von Leben, aber diese ist so robust und unverwüstlich, sodass sie nicht mehr ausstirbt. Auch dann ist diese Art von Leben noch vorhanden, wenn alle anderen Arten von Leben ausgestorben sind.

Leider werden die rechten christlichen Vorbilder immer weniger, rarer und seltener. Umso mehr liegt auf den wenigen, die es noch gibt,  große Verantwortung. Sie sind, von Gott her gesehen, gefragt und dran  und haben das Vollmaß Christi zur Verfügung.

Ohne Gott läuft da nichts. Nur mit unserer starken Gottesbeziehung können wir hier unser Leben in rechter Weise meistern und bewältigen. Dann sprudelt auch für uns das wahre Leben, daran wir uns selbst laben und davon reichlichst austeilen dürfen.

Zwar erleben wir damit noch nicht das Schlaraffenland. Aber was wir dabei erleben ist heute schon ein sehr interessantes und faszinierendes Land, Neubaugebiet, auf dem es vieles aufzubauen gilt.

Gott lässt uns nie im Stich. Und weil das so ist, gehen wir weder in dieser Welt auf noch unter, sondern wir stehen positiv und befruchtend mitten in dieser Welt. Wir tragen den großen Segen Gottes. Wir sind die Segenskinder Gottes.

Normalerweise ist diese Welt ein Tollhaus ersten Ranges voller Teufelskreise. Christus zeigt uns, dass es auch anders geht. Er schenkt uns das Heil, die Heilung und seine Gotteskreise. Somit haben wir als Christen ganz bestimmte Lebensziele vor uns, denen wir nacheifern und sie verwirklichen dürfen. Gott erzieht uns zu einem verantwortungsbewussten Leben mit sehr vielen Lern- und Lebenszielen. Wir stellen uns den Forderungen des Lebens und geben unser Äußerstes für dieses Höchste!

Wir finden das rechte Verhältnis zu Gott, zu uns selbst und zu unserem Nächsten. Da Gott die Mitte unseres Lebens ist, holt er das Größtmögliche aus uns heraus, weil er als der Allmächtige und Allwissende durch uns kommt und handelt.

Als Christen haben wir die ewige Laufbahn eingeschlagen. Wir kennen die göttlichen Alternativen. Wir dürfen ans gottgewollte Ziel kommen. Auf allen Lebensgebieten bekommen wir das rechte Geschick zur Lösung der anstehenden Fragen und Probleme. Und das gilt gerade dann, wenn von uns behauptet wird: Sie leben anders! Denn es geht auch anders!

Mit der Barmherzigkeit Gottes können wir alles mit ganz anderen Augen ansehen und damit ein rechtes Miteinander leben. Dazu drei Gesichtspunkte: 1) Gott ist für uns eingestellt. 2) Er schenkt uns das rechte Verhältnis zu uns selbst. 3) Damit schöpfen wir aus einer so großen Fülle, sodass wir davon reichlichst austeilen dürfen und können.

 

1) Gott ist für uns eingestellt. Das geht nur, weil er mit uns sehr barm    herzig ist. Vers 40: Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister. Die höchste Instanz alles Lebens ist für uns offen, ist für uns eingestellt und hat ein Auge auf uns geworfen. Nur das erweckt auch unsere ganze Aufmerksamkeit für ihn. Der Zugang zum Höchsten ist offen. Dies ist nicht nur möglich, sondern sogar erwünscht, dass wir diesen Zugang benützen. Gott wartet darauf, dass wir uns an ihn wenden und zu ihm kommen. Von Jesus selbst wissen wir, dass er ganze Nächte hindurch betete. Dr. Martin Luther nahm sich dafür täglich drei bis vier Stunden Zeit.                 Für uns ist Jesus unser Erlöser und unser Vorbild. An ihn wenden wir uns mit all unseren Anliegen und Lebensfragen. Er ist auch ganz für uns da und nimmt sich für uns Zeit. Mit solcher Verbindung bewahren wir uns unsere innere Lebendigkeit und Vollmacht. Darin steckt das große Geheimnis unseres Glaubenslebens.

Letztlich ist das aber keine Leistung von uns, sondern wir erlauben damit Gott, unser Leben betreten und das Ruder und Steuer übernehmen zu dürfen. Dann ist er auch der Herr unseres Lebens und prägt und bestimmt uns. Er leitet langfristige Pläne ein und arrangiert alles. Dann schickt er uns seine Fälle, - das sind die rechten Schicksale und Zufälle -, auf die wir uns einstellen, uns für sie einsetzen und sie ausführen dürfen. So nebenbei erleben wir, dass solche Lebensbewältigung nicht mehr übertroffen werden kann und in Ewigkeit Bestand hat.

Für uns ist das Gebetsleben ein innigstes Bedürfnis, das wir nicht mehr vermissen möchten. Wir dürfen soweit kommen, dass - bildlich gesprochen - sich uns die Türen Gottes öffnen, so bald wir die Türen zur Welt hin abschließen. Alles besprechen wir mit unserem Gott. Wir kennen ein Frage- und Antwort-Spiel, das uns von Gott vermittelt wird. Nie gehen wir da leer aus. Gott vertraut uns sehr vieles an und gibt uns ein erfülltes Leben.

Nicht der ist ein mündiger Christ, der sehr viel ohne Gott kann, sondern der ganz stark mit Gott verbunden ist und nichts mehr ohne ihn tun kann. Gott ist die Nummer Eins in unserem Leben. Nur mit ihm gehen wir auf Nummer sicher. Nur dann sind wir voll drauf, wenn wir mit ihm Kontakt haben und pflegen. Mit ihm haben wir jemanden, der alle Seiten des Lebens kennt, sich überall zurecht findet und somit immer das Rechte weiß, redet und tut. Ohne ihn würden wir irgendwelchen Trugbildern verfallen, die sich sehr negativ entpuppen würden. Mit ihm werden wir in alle Wahrheiten geführt, die uns auch in den Krisenzeiten zum wahren Leben und zur wahren Bewältigung befähigen. Gott schenkt uns seine Leuchtspur inmitten allem Leid und Dunkel unseres Alltags. - Gott ist für uns eingestellt.

 

2) Gott schenkt uns das rechte Verhältnis zu uns selbst. Vers 42b: Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge. Vers 39 ins Positive gewendet: Nur als Sehender kannst du Blinde leiten.

Gott kann man sich nicht kaufen. Man kann ihn nicht täuschen, überrumpeln oder mit Gewalt herausfordern. Nur dann kann man ihn aus der Reserve locken, und er kommt dann auch gewaltig, wenn wir ihn an uns selbst arbeiten lassen. Gott ist nicht so schofel, dass er uns ausnützt und danach fallen lässt. Sondern er lässt uns zu hohen Ehren kommen; auch dann, wenn er hart an uns arbeiten muss.

Täuschen wir uns nie über uns selbst. Jeder von uns ist ein großer Egoist, ein Eigenbrötler, ein eitler Bock oder eine eitle Gans. Manchmal kennen wir auch selbst solche Phasen, in denen es uns eiskalt über den Buckel hinab läuft, wenn wir erleben, was alles in uns vorhanden ist und Platz hat. Manchmal tun sich in uns Abgründe auf, die uns erschauern lassen. Manchmal denken wir nicht gerade gut von uns selbst. Aber das sind die Ausnahmen, denn lange halten wir das nicht aus.

Gott dagegen gibt uns hier die rechte Einstellung zu uns selbst. Er zeigt uns die Balken in unseren eigenen Augen, weshalb wir auch blind geworden sind. Diese Balken bilden ein Brett vor unserem Kopf oder sehr stabile Scheuklappen. Gott zeigt uns in seiner Liebe, wie wir davon los kommen und frei werden. Seine Vergebungsbereitschaft ist enorm.

Wem einmal seine verkappte Blindheit genommen worden ist, der kann auf einmal klar und scharf sehen. Der kann alles viel besser einschätzen und damit bewältigen. Der sieht die Punkte, an denen angesetzt werden kann, um wahre Lösungen anzustreben. Der lässt sich nicht mehr täuschen und kann zielstrebig die Wege Gottes gehen.

Denn er sieht nicht nur alle unsere Unmöglichkeiten, sondern auch die vielen Möglichkeiten Gottes. Er ist dann nicht mehr so dumm und lässt sich von irgend einem Unsinn leiten. Sondern er erkennt die Wege Gottes und geht diese in großer Einfalt und Gewissheit.

Mit der Zeit kristallisiert sich dann ein Leben heraus, das nach den Verheißungen Gottes gebildet ist. Weil uns Gott Wertvolles anvertraut und schenkt, entwickelt sich alles in gesunden Bahnen. Gottes Pflege, Hege und Förderung ist uns dann gewiss. Er ist dann in unserem Leben nicht mehr zu bremsen und aufzuhalten. Sein Kommen, Wirken und Lenken ist für uns die gewisseste Sache unserer alltäglichen Welt. - Gott schenkt uns das rechte Verhältnis zu uns selbst und befrachtet gewaltig unser Leben.

 

3) Weil wir aus der großen Fülle Gottes schöpfen dürfen, können wir     davon reichlichst austeilen. Wir können ebenfalls barmherzig sein. Wir müssen nicht unsere Nächsten richten und verdammen, sondern können ihnen vergeben. Wir teilen uneigennützig aus. Wir können Blinde leiten, ja auch ihnen zum rechten Leben verhelfen. -Das alles steht in diesem Predigttext.

Was Gott baut, das baut er ganz behutsam, aber gewiss. Und damit wird auch eine gesunde Lebensbasis für unser Verhältnis untereinander gebildet.

Es ist falsch verstandenes Christentum, wenn wir meinen, dass alles nach unserer Meinung gehen muss, und dass die anderen nach unserer Pfeife tanzen müssen. Es gibt ein Gesamtkonzept Gottes, das über unserem Leben steht. Wenn sich jedes einzelne Glied der Gemeinde danach ausrichtet, dann, nur dann kommt auch alles in rechter Weise zusammen. Natürlich ist unser Zusammenleben oft kompliziert und gestört. Aber Gott will das nicht. Er will von uns das rechte Miteinander und Füreinander haben. Er selbst ist das Bindeglied unter uns und zwischen uns. Mit ihm dürfen wir die schwierigsten und notvollsten Probleme lösen und aufarbeiten. Das ist eine gewaltige Aufgabe, bei der sehr viel zu beachten und einzuhalten ist. Jesus gibt uns dazu das rechte Maß und Geschick. Er ist uns dafür das rechte Vorbild.

Das Verhältnis: Wie du mir, so ich dir,! beziehen wir nicht mehr nur auf unsere Nächsten, sondern darin binden wir Gott ein. Daraus wird dann ein Dreierverhältnis: Wie Gott mir, so ich dir, meinem Nächsten! Also: Wie sich Gott mir gegenüber verhält, so verhalte ich mich meinem Nächsten gegenüber. Und damit haben wir so viel zu tun, sodass wir gar keine Zeit mehr zum Vergleichen und Streiten haben.

Es muss dann auch nicht mehr in der Weise ein Rückfluss stattfinden, wie es in dem Sprichwort ausgedrückt ist: Eine Hand wäscht die andere! Sondern damit ist mehr eine Kettenreaktion oder ein Stafettenlauf verbunden. Damit wird auch unser Nächster wieder befähigt, das Empfangene weiter zu geben. Nur damit wird dann das Reich Gottes in rechter Weise gebaut und die Fülle Gottes wird nicht weniger, sondern mehr.

Auf der einen Seite werden wir darin nicht müde, alles Gott zu überlassen und ihm anheim zu stellen. Da hinein gehört das geistlich recht verstandene Fasten und Sterben. Nicht wir arrangieren und manipulieren etwas. Das überlassen wir ganz Gott.

Auf der anderen Seite werden wir darin nicht müde, die uns von Gott gegebenen und angebotenen Möglichkeiten ganz auszunützen und auszukaufen. Dafür zeichnen wir dann ganz verantwortlich und fürsorglich. Den uns von Gott anvertrauten Zentner setzen wir ganz ein und leben damit. Dieser Zentner vervielfältigt sich dann auch, denn darauf liegt der Segen Gottes. Sein Kommen und Wirken ist dann nicht mehr zu bremsen und aufzuhalten. - Weil wir aus der großen Fülle Gottes schöpfen dürfen, können wir davon reichlichst austeilen.

 

Gerade im Reich Gottes gibt es eine gewaltige Artenvielfalt. Natürlich gibt es auch viel Missratenes. Aber unter der Barmherzigkeit Gottes darf sich eine Artenvielfalt heranbilden, die robust und unverwüstlich ist und damit ewig anhält. Diese Artenvielfalt wird auch dann noch vorhanden sein, wenn alle anderen Arten von Leben ausgestorben sein wird. Seien wir hierfür die rechten Vorbilder. Unsere Mitchristen brauchen diese. Es gibt das Vollmaß Christi, dem wir leben und verpflichtet sind. Gott lässt uns nicht im Stich.

 

Bruder Georg


 

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