Gedanken zum 2. Advent

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Predigt zum 2.Advent

                                über Matthäus 24, 1-14,

                                                               gehalten am 5.12.2004

                                                                                         in Augsburg, St. Jakob

 

Das Ende des Tempels:

„ Jesus ging aus dem Tempel fort, und seine Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude des Tempels. Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde. “

Der Anfang der Wehen:

„ Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt? Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. Das alles aber ist der Anfang der Wehen. Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern. Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen. Und weil die Ungerechtigkeit überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden. Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen. “

 

                                                                                A.

Der „Kossiner Engel“ ist ein Gedicht überschrieben, das erst vor kurzem in einem Gedichtband veröffentlicht wurde ( Gerald Zschorsch: „Torhäuser des Glücks“, Suhrkamp 2004 ). Der „Engel“ ist aus Holz geschnitzt, bemalt; er hängt in einer Kirche an einem Seil von der Decke. Er hält ein Becken in den Händen: das Taufbecken. Zur Taufe wird er heruntergelassen. Danach wird er wieder hochgezogen. Ich habe solche barocken Vorrichtungen auch schon gesehen. Aber den „Kossiner Engel“ kenne ich nicht. Ich nehme an, dass „Kossin“ der Ortsname ist. Keine Ahnung, wo das liegt.

Der Dichter hört auf den fast unaussprechlichen Namen „Zschorsch“. Er ist im Vogtland geboren, wurde in der DDR staatskonform erzogen, widersetzte sich aber, geriet in Jugendhaft und wurde 1972 unter Aberkennung der Staatsbürgerschaft ausgewiesen ( WHinck: „Wir wollen kein Zuckerbrot“, FAZ, 26.11.2004,40 ).

Im „Kossiner Engel“ kehrt eine Kindheitserinnerung zurück:

„An einem Seil aus knapper Höhe,/ mit Locken und mit Flügeln auch.

Hängt er bemalt. Und in den Händen/ das Becken für den Taufgebrauch.

Ist leicht bewegbar, höher nieder,

kann schwingen, sich im Kreise drehn.

Und hört er tapse Kinderstimmen-

dann schwebt er ganz besonders schön.“

Schau, was wir da Schönes haben in unserer Dorfkirche!

Als wir uns vorigen Sonntag während der Stillen Tage,  über einen Prophetentext meditierend, schweigsam, in den Bänken verstreut saßen, trat eine Gruppe herein, der ein Stadtführer, rücksichtsvoll leise, unsere 650 Jahre alte Kirche ´zeigte`.

Die Jünger wollten Jesus vom Ölberg aus die imposanten Gebäude des Tempels zeigen. Im Inneren hatten sie sich soeben noch befunden. Nun wollten sie ihn auf den überwältigenden Anblick der Außenanlage aufmerksam machen.

 

                                                                             B.

Bei diesem Anblick kam Jesus aber nicht ins Schwärmen. Das einzige, was er dazu sagte, war: Hier „wird kein Stein auf dem anderen bleiben.“ Wenn man unsere Kirche herzeigt, muss man dazu sagen, dass sie vor 60 Jahren, im Februar 1944, von Bomben getroffen, total ausgebrannt ist. Andere Kirchen werden jetzt baufällig.

 

Die Jünger gaben sich damit nicht zufrieden. Sie sagten: ´Aber das sind doch Zeichen, die man nicht einfach wegwischen kann. Und was auch immer kommen wird-, Du kommst doch jedenfalls!`

Und als er sich gesetzt hatte, traten sie eigens an ihn heran.

„ Sag` uns , bitte, wann wird das sein? Und woran erkennt man Dein Kommen? Das, worauf es ankommt-, woran zeigt sich das? „Was ist das Zeichen“, dass Du es bist?

Zschorsch beschränkte sich darauf, zu sagen: ´Schau, was wir da Schönes in der Kossiner Kirche haben!`Der lockige Engel mit dem Becken „Zum Taufgebrauch“! „Und hört er tapse Kinderstimmen,/ dann schwebt er ganz besonders schön“.

Ist das ein „Zeichen“ für etwas? Einfach wegwischen lässt sich die Erinnerung offenbar nicht. Der Dichter aus dem Vogtland geht mit keinem Wort auf die Bedeutung des „Taufgebrauchs“ ein. Nur der Titel des Gedichtbandes weist in diese Richtung. Der Titel ist: „Torhäuser des Glücks“. „Torhäuser“-, zerstörbar, eines Tages baufällig. Aber durch sie hindurch ´geht es zum Glück`.

Das Wort, das die Bibel dafür gebraucht, übersetzen wir lieber mit „Heil“ oder „Seligkeit“, weil wir „Glück“ meist nur flüchtig erfahren, hier aber etwas Bleibendes und Endgültiges gemeint ist.

Vorerst haben wir nur „Torhäuser“. Aber diese sind verheißungsvoll. Eines davon ist der „Kossiner Engel“ mit dem „Becken für den Taufgebrauch“: Ein „Zeichen“, dass Jesus kommt.-  Advent.-

 

I.

Aber, warum sagt Zschorsch davon kein Wort? Warum sieht man die „Zeichen“ nicht? Bzw., man sieht sie zwar, vermag sie aber nicht zu deuten. Man sieht den Engel schweben, manchmal „besonders schön“.

Aber dass Jesus kommt,- davon bemerkt man nichts. Da fragt man: „Wann?“ Und woran soll man das erkenn?

In der DDR staatskonform erzogen, hat man davon nichts gehört, hat es vielmehr ausgeredet bekommen.

Davon sprach Jesus ganz nüchtern. Wenn man dieses Kapitel im Matthäus-Evangelium liest, gewinnt man den Eindruck, dass er das alles kommen sah.

Auf die Frage seiner Jünger antwortete er: ´Ihr müsst aufpassen, dass ihr nicht irregeführt werdet`. Denn dauernd wird ´etwas dagegen sprechen`, dass ich komme. Man wird die „Zeichen“ missdeuten. Das wird so einleuchtend sein, dass einer nach dem anderen vom Glauben abkommt.

Dann macht man vielleicht noch Kirchenführungen mit, erinnert sich an den „Kossiner Engel“ und findet Kinderfeiern zu Weihnachten oder am Martinstag „besonders schön“.

Aber das, was sich darin ´zeigt`, ist schon nicht mehr erkennbar; Stein für Stein wird es abgetragen. Denn überall drängen sich andere Anschauungen vor.

 

Jesus wird verwechselbar. Er scheint ersetzbar zu werden.

Auf einmal „kommen“ andere,- ´jede Menge`,- „viele“; sie kommen ´unter seinem Namen` und behaupten: „Ich bin“ es. „Ich bin Christus“ oder: ´Ich bin soetwas wie er. Ich in genauso gut- oder besser?

Ein prominentes Beispiel trat mehr als ein halbes Jahrtausend nach Christus auf. Wir müssen uns heute noch- und heute gesteigert-, damit auseinandersetzen, und in Zukunft wahrscheinlich immer bedrängender.

Der Islam. Mohammed ´kam` im Namen Jesu. ´Jesus war ein großer Prophet`, sagte er. ´Aber „§ich bin“ der größere, der eigentliche, der letzte Prophet. Mich müsst ihr hören.`

 

Dann brachen Kriege aus, wie wir „hören“: Religionskriege,- eigentlich Eroberungskriege der neuen Religion. ´Ich- statt Christus`.  Der Erfolg war umwerfend. Kirchen wurden zerstört oder zu Moscheen umgebaut: in Nordafrika, Syrien, im Zweistromland, in Kleinasien. Konstantinopel wurde Istanbul. Immer wieder „Kriege“ und „Gerüchte von Kriegen“, „Kriegsgeschrei“.

Gerade jetzt droht ein „Clash der Kulturen“. Ein friedliche Nebeneinander scheint kaum zu gelingen. Mordanschläge mitten in Europa, religiös begründet. ´Völker werden gegeneinander aufgebracht`. Auch auf Regierungsebene wird es zu Konflikten kommen. Beruhigung tritt nicht ein, auch wenn ein Krieg für beendet erklärt wurde.

Materielle Nöte und soziale Spannungen kommen hinzu.

Und die Natur spielt mit: ökologische Schäden, Naturkatastrophen. „Teure Zeit“, Hunger, „Erdbeben“.

Dabei wird das Christentum zurückgedrängt. Von der Kirche hört man fast nur noch, dass sie kein Geld mehr hat und Stellen streichen muss.

„Sie werden euch überantworten in Trübsal“. In Schweden verbüßt ein Pfarrer eine Haftstrafe, weil sich Schwule durch seine Predigt beleidigt fühlten. Und dem als Europa- Kommissar abgelehnten italienischen Minister sagt der Kommissionspräsident nun nach: Er könne ja meinen, was er wolle; aber es offen zu sagen, sei „politisch unklug“ gewesen. Denn es zähle ja nicht nur, was man Unanfechtbares sagt, sondern auch, „wie es gehört“ werde. So ist man einer Willkür der Hörer ausgeliefert. Sie ´mögen einen nicht.`“Ihr werdet gehasst werden“. Und zwar, wegen biblischer Wertvorstellungen, wegen des Wortes Gottes,- letztlich „um meines Namens willen“, sagte Christus. Und Abgeordnete aus allen Völkern werden sich dabei einig sein.

 

„Der Unglaube wird überhandnehmen“. Wer an biblischen Normen festhält, wird mit dem Begriff „Fundamentalist“ diskriminiert und vielleicht bald kriminalisiert werden. Viele werden dadurch verunsichert und ziehen sich zurück. „Die Liebe erkaltet“. Gemeinden spalten sich.

Die Unbeugsamen werden angeprangert.

Und dass Christen umgebracht werden mit keiner anderen Begründung als der, dass sie Christen sind, hatte man für überwunden gehalten. Aber es kommt wieder.

´So fängt es an`, sagte Jesus. ´Es kommt noch schlimmer.`

„Aber das ist nicht das Ziel“.- Das alles ist nicht ein „Zeichen“, dass es mit dem Christentum zu Ende geht. So geht es nicht zu Ende. „Das ist nicht das Ende.“

 

II.

Es ist vielmehr ein „Zeichen“ meines Kommens. Ihr habt nach „Zeichen“ gefragt. Lernt diese Vorgänge lesen als „Zeichen“, dass ich komme.

Es „muss“ so sein. Die „Torhäuser des Glücks“ sind fehlbesetzt. Die „Glück“ versprechen, wehren sich gegen mein Kommen. Sie wollen sich selbst bereichern. “Glück“ beschaffen sie nicht.- „Lasst euch nicht täuschen!“

Christus sagt den Christen: ´Auf euch kommt es an.`

Behaltet das Ziel fest im Auge! Und lernt die „Zeichen“, die verwirrenden Zeichen, lesen als Hinweise auf das Ziel. Haltet euch an die deutlichen „Zeichen“, die ich euch gegeben habe. Und vergesst nicht, dass das, was wie „das Ende“ aussieht, in Wirklichkeit „noch nicht das Ende ist“.

Bleibt beharrlich im Glauben! „Haltet durch“! Lasst euch nicht beeindrucken, wenn jemand sagt, er habe etwas zu bieten, was genauso gut oder besser sei, als Christus, bzw. er habe Christus besser verstanden, als die Bibel! Lasst euch durch so etwas nicht irreführen! Und lasst euch auch nicht einschüchtern, wenn ihr wegen mir, wegen „meines Namens“, schlecht gemacht werdet! Der Glaube wird bestätigt werden.

„Wer beharrt bis ans Ende, der wird selig.“

Die Beharrlichkeit im Glauben, dass am Ende Christus kommt, ist das ´Torhaus zum Glück`: zu einem bleibenden Glück.

Zschorsch findet bei „tapse(n) Kinderstimmen“ den herabschwebenden „Kossiner Engel“ mit dem Becken „zum Taufgebrauch“ „besonders schön“,

Und er ahnt, dass hier ein „Torhaus des Glücks“ sein könnte.

Aber dass Christus kommt, hat er noch nicht ins Auge gefasst.

Das ist aber das „Evangelium“: die erfreuliche Mitteilung, die „Torhäuser“, Durchgänge, erst zu „Torhäusern des Glücks“ macht: zu „Zeichen“, dass es nicht so enden wird, wie es den Anschein hat: in einem Kampf aller gegen alle, im Erkalten der Liebe, im Hass, in ´willkürlichem Hören`, das Gesagtes so verdreht, dass es sich gegen den Bekenner eines unerwünschten Glaubens verwenden lässt. Nein, „das ist noch nicht das Ende“. Das ist vielmehr der „Anfang der Wehen“. Was aus diesen Geburtswehen hervorgehen wird, ist das „Reich“ Gottes. „Es muss aber gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt“. Es öffnet den Blick für das wirkliche Ziel des Lebens: für „das Ende“, das „kommt“.

Und der „Kossiner Engel“ schwebt „ganz besonders schön“, wenn man hört und glaubt: „Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden“. Denn er  findet sich an Christus. Und Christus

ist es, der kommt. Und die Taufe ist das untrügliche Zeichen, dass man zu Ihm gehört.

Glücklich, wer das glaubt!

Amen!

 

Pfarrer Dr. Wolfhart Schlichting

                        


 

Matthäus 24,1-14; PREDIGT:


Das Ende des Tempels „ Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude des Tempels. Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde. “ Der Anfang der Wehen „ Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt? Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. Das alles aber ist der Anfang der Wehen. Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern. Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen. Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden. Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen. “
Unsere Christenheit wartet auf den letzten Advent, auf das letzte Weihnachten. Das wird das letzte, große und frohe Fest sein, das wir feiern. Dann wird sich Jesus Christus in aller Welt durchsetzen. Bei diesem Predigttext werden wir darauf vorbereitet und hingewiesen. So sind wir jetzt schon die Bürger der neuaufgehenden Welt Gottes.
 Wir leben auf das letzte Weihnachtsfest zu, an dem wir die Vollendung der Neuschöpfung Gottes erleben. Dazu bereitet uns Gott, sodass wir mit dabei sein dürfen und seine Angenommenen sein werden. Wenn wir da bis ans Ende beharren, wir bis zum letzten Weihnachtsfest durchhalten, dann gelingt uns das Leben und unser Leben trägt ewiggültige und ewigwährende Früchte. Dieser Predigttext weist aber auch darauf hin, dass diese Welt eine untergehende Welt ist, das gerade wir Christen ebenso miterleben werden. Davon werden wir nicht verschont. Aber er sagt uns auch, dass beim Untergang dieser Welt, Christus und die Seinen nicht mit untergehen werden. Das Neue, das sich Christus durch die Jahrtausende hindurch geschaffen hat, hat gerade dann noch Bestand und wird zum Leuchten kommen. So sind wir Bürger dieser neuaufgehenden Welt Gottes. Die Adventszeit ist eine Zeit der Erwartung auf das Kommen Jesu zu uns Menschen. Sein letztes und endgültiges Kommen wird am Jüngsten Tag sein. An diesem Tag hat diese Welt ein Ende. Aber wir Christen sind die Einzigen, die dann nicht das Ende feiern, sondern die Vollendung dessen, das sich Gott vorgenommen hat. Auf dieses Ziel hin, das Ziel der Geschichte und der Schöpfung, lenkt Gott unsere Aufmerksamkeit. Dazu dürfen wir uns bereiten. Gott schenkt es uns, dass wir immer das rechte Lebensziel erreichen. So geben wir Christen nie auf. Jedes Lebensalter und jede Lebenssituation dürfen wir mit Gottes Hilfe durchgehen, gestalten und bewältigen. So haben wir als Christen sehr viele Vorgaben, die wir ergreifen dürfen. Beharrlich dürfen wir mit Gott rechnen, damit er uns das Nächste sagt und zeigt, das wesentlich ist. Und Gott gefällt das und lässt uns nicht im Unklaren. Als junger Mensch hatte ich mir meine Lebensplanung in Bezug auf die Berufsausbildung fest vorgenommen. Eines Tages kam es mir in den Sinn, auch einmal Gott ernsthaft zu fragen, was er dazu sagt. Und was tat Gott? Er strich mir alle meine Pläne durch und hat mich als Bruder der Christusbruderschaft berufen. Nun verlief mein Leben ganz anders, als ich es mir vorgenommen hatte. Aber ich habe das bis heute nicht bereut und bin ihm dafür sehr dankbar. Das ist ein Beispiel dafür, dass Gottes Pläne oft ganz anders aussehen, als wir es momentan sehen. Wenn wir hier vor ihm sehr aufmerksam sind, dann korrigiert er uns und zeigt uns wesentlich bessere Wege und Bewältigungen, als die, die wir ohne ihn einschlagen würden. Wenn nicht sofort, so spüren wir hinterher, dass wir ihm dafür sehr dankbar sein dürfen. Gott ist ja für uns Christen nicht eine erdachte Größe, sondern er ist der Schöpfer dieser unserer Welt. Wenn es ihn nicht gäbe, dann gäbe es auch mich und dich nicht. Und der Sohn Gottes kam zu Weihnachten auf unsere Erde, um uns zu erklären, was der Sinn unseres Lebens ist. Deswegen feiern wir jedes Jahr Advent und Weihnachten. Und wir kapieren, dass dies etwas Schönes, Herrliches und Erfreuliches ist. Deswegen ist jeder Tag unseres Lebens sehr wesentlich. Gott schenkt uns das Gelingen, seinen Segen und Frieden. Er darf für uns eine sehr bekannte Größe sein und bedeutet für uns sehr viel. Und das ist nicht alles. Denn wir wissen auch darum, dass irgendwann das letzte Weihnachten kommt. Dann kommt Jesus nicht mehr als das Kind in der Krippe, sondern als der Weltenrichter. Für viele ist das das Ende alles Lebens. Aber für uns Christen ist das die Vollendung unseres Lebens, das herrliche Ziel unseres Lebens, auf das wir zuleben dürfen. So sind wir jetzt schon die Bürger der neuaufgehenden Welt Gottes. Nach diesem Predigttext bedeutet dies dreierlei für uns. 1) Viele schreckliche Ereignisse deuten darauf hin, dass diese Welt vom Untergang geprägt ist. 2) Wir Christen sind nicht in Watte eingepackt, sodass es vieles auszuhalten gilt. 3) Dennoch warten wir nicht auf das Ende, sondern auf die Vollendung dessen, das sich Gott vorgenommen hat und wir seine Angenommenen sein dürfen.

1) Viele schreckliche Ereignisse deuten darauf hin, dass diese Welt vom Untergang geprägt ist. Auch das muss uns erst einleuchten und klar werden. Denn wir haben sehr viele Idealvorstellungen und träumen von einer besseren Welt. Zum Glück gibt es sehr viele Menschen und Familien, bei denen die Welt noch in Ordnung ist. Aber es gibt auch Menschen, die – wie man so sagt – vom Bösen geritten werden und die nur Böses im Sinne haben. Obwohl die Masse den Frieden will, leiden sehr viele unter dem Hass, Streit und Krieg. Obwohl sehr viele Menschen das Gute im Sinne haben, erleben viele das Böse und Hinterhältige, den Lug und Betrug. Obwohl viele darauf bedacht sind, etwas aufzubauen, was den Menschen weiter hilft und zur Förderung des Lebens dient, gibt es immer wieder welche, die das verhindern wollen und sich störend in den Weg stellen. Auch alles, was wir an Werten und Besitztümern schaffen, hat nicht ewigen Bestand und muss ständig erneuert, repariert und teilweise sogar neu aufgebaut werden. Wir spüren das Auf und Ab des Lebens. Da gibt es Tage, da geht uns alles leicht von der Hand. Aber dann gibt es Tage, da gelingt uns nichts und alles, das wir anpacken, misslingt uns. Auch leben wir Menschen nicht ewig. Irgendwann erleiden wir den Tod. Auch das gehört zu unserem Lebensprozess, dass wir das Leben recht einschätzen, dass wir das Gute und das Böse erkennen, dass wir uns nicht täuschen und beirren lassen, dass wir alleine die rechten und hilfreichen Wege einschlagen und gehen. Gott gibt uns geschärfte Augen, alles in rechter Weise sehen und einschätzen können. Und was sehr wesentlich ist: Er gibt uns den Mut, dass wir uns nicht vom Bösen, sondern vom Guten leiten lassen. So sind wir als Christen nicht die Spielverderber, sondern echte Vorbilder zur positiven Bewältigung aller Lebenssituationen. Aber wir wissen um viele schreckliche Ereignisse, die darauf hindeuten, dass diese Welt vom Untergang geprägt ist.

2) Wir Christen sind nicht in Watte eingepackt, sodass es vieles auszuhalten gilt. Mit der Zeit spüren wir den Ernst des Lebens. Mit der Zeit spüren wir, dass nicht alles, was glänzt, Gold ist; dass nicht alle Angebote das Gute und Beste beinhalten; dass nicht alle Werbungen das halten, was sie versprechen; dass nicht alle Menschen meine Freunde sind. Das sind Lernprozesse des Lebens, die auch zum Leben gehören. Da gibt es nichts zu beschönigen. Und nicht immer sind die anderen daran schuld, sondern auch ich produziere sehr viel Mist im Leben.
Da muss man seine Fehler eingestehen. Das ruft uns zu einer echten Besinnung. Da gilt es daraus zu lernen und es das nächste Mal besser zu machen. Da gilt es, von manchen Verhaltensweisen einen weiten Abstand zu nehmen und dies nie mehr zu tun. Aber es gibt auch manche Situationen, die zwar nicht schön sind, die aber als eine gegebene Sache hinzunehmen sind. Einer hat es als Gebet ausgedrückt: Gott gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Und gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Und gib mir die Weisheit, das eine vom andern unterscheiden zu können. Ein verantwortliches Leben führen zu können, heißt nicht, sich die Rosinen des Lebens herauszupicken, sondern mit jeder Situation fertig zu werden, mit den guten und den schlechten. Als Christen kommt noch das dazu, dass wir auch um unseres Glaubens willen vieles auszuhalten haben. Da werden wir oft verlacht und nicht ernst genommen. In Deutschland werden wir deshalb nicht verfolgt. Aber wir wissen, dass es viele Länder gibt, in denen die Christen verfolgt werden und sie Schweres zu durchgehen haben. Letzten Sonntag war bei uns ein Ehepaar von den Flüchtlingen in Falkenstein, die von den anderen Flüchtlingen verprügelt worden sind, weil es heraus gekommen ist, dass sie Christen sind. So allgemein kann man schon sagen, dass wir Menschen eine Bewährung des Lebens erleben. Wenn einem Reichen der Reichtum, einem Gesunden die Gesundheit genommen wird, dann sieht es sehr schlecht aus. Das muss erst verkraftet werden. Gerade auch in dieser Richtung gibt uns Gott und damit die Bibel sehr viele Hilfestellungen. Paulus bekennt in Philipper 4, 12-13: „Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; ich bin in allen Dingen und bei allen geschickt, beides, satt sein und hungern, beides, übrighaben und Mangel leiden. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.“ Und Paulus war ein sehr erfolgreicher Bote Gottes und doch blieb ihm nichts erspart. Er hat in seinem Leben sehr vieles durchgemacht und verkraften müssen. Und was hat nicht alles Jesus Christus erlitten, um seinen Auftrag ausführen zu können. Da kann man bei vielen biblischen Größen vieles sehen, das sie erleiden mussten. Und doch waren sie dabei Gottes Boten in dieser Welt. Daraus können wir sehr vieles für unser Leben lernen. So sind wir Christen nicht in Watte eingepackt, sodass es vieles auszuhalten gilt.

3) Dennoch warten wir nicht auf das Ende, sondern auf die Vollendung dessen, das sich Gott vorgenommen hat und wir seine Angenommenen sein dürfen. Als Christen sind wir Bürger einer aufgehenden Welt und Wirklichkeit. Diese unsere Zukunft hat schon begonnen. So sind wir Empfänger und Botschafter der sehr frohen Kunde, dass unser Leben einen Sinn hat und wir nicht umsonst leben. Für uns gibt es inmitten aller Heillosigkeit das Heil Gottes; inmitten der Vergänglichkeit, die Ewigkeit Gottes; inmitten aller Boshaftigkeit das Gute und Beständige, das uns Gott darreicht. Hier sind wir an der Stelle angelangt, warum dieser Predigttext für die Adventszeit ausgesucht worden ist. Im Advent bereiten wir uns auf das Weihnachtsfest, auf das Kommen Jesu in unsere persönliche Welt vor. Jedes Jahr fragen wir uns neu, was das Kommen Jesu in unserem Leben alles bedeutet. Jeder darf sich hier für die Botschaft Jesu öffnen. Er will in unser Leben einkehren. Und er kommt nicht mit leeren Händen zu uns, sondern schwer bepackt beschenkt er uns überreich. Deshalb öffnen wir ihm unsere Herzen, damit er darin schalten und walten kann. Gerade das darf uns sehr vieles für unser heutiges Leben bedeuten. Genauso bedeutet uns das sehr viel für die Zukunft unseres Lebens, auch dann, wenn wir einmal sterben müssen. Gerade unser Tod ist das letzte Weihnachtsfest, an dem uns Christus vollenden, zum vollkommenen ewigen Leben aufnehmen wird. Im Text heißt es dazu: Wer bis ans Ende beharrt, der wird selig! Vieles, was auf dieser Erde geschieht, verspricht ein schreckliches Ende. Auch die Bibel bezeichnet das so. Aber was Gott vor hat, ist genau das Gegenteil. Er bewirkt und schenkt das beste Ende, das man sich nur vorstellen kann, die Vollendung unseres Lebens in Herrlichkeit. So warten wir nicht auf das schreckliche Ende, sondern auf die löbliche Vollendung unseres Lebens. Das ist das letzte große Geschenk Gottes für uns Christen. Das ist das letzte Weihnachten, das  es für uns gibt. Dafür lohnt es sich zu leben, dies zu erwarten, dafür unser ganzes Leben einzusetzen. Auch das Leben der Märtyrer lohnt sich, dafür zu leiden. Als Christen verbreiten wir nicht die Kunde, dass wir 5 Sekunden vor 12 Uhr leben. Wir verbreiten nicht die Ängste vor dem Weltuntergang. Sondern wir leben schon in der Morgendämmerung der Ewigkeit Gottes, des ewigen Lebens. Für uns ist das neue Leben schon angebrochen. Wir verbreiten die Hoffnung für ein herrliches Leben, das schon zu unseren Lebzeiten anbricht. Der Heilige Geist gibt uns von der herrlichen Ewigkeit Gottes einen gewaltigen Vorschuss, eine enorme Vorauszahlung, große Erstlingsgaben. Mehr könnten wir in diesem Leben nicht verkraften. Auch wenn der Jüngste Tag, der Neue Tag noch nicht angebrochen ist, erreichen uns schon die Strahlen der aufgehenden Sonne. Das größte und letzte Geschenk Gottes an alle Christen auf dieser Erde ist dieses letzte Weihnachtsfest. Wir wissen nicht, wann dies sein wird. Aber wir wissen, dass dieser Tag kommt. Er wird schlagartig anbrechen, sodass es keiner übersehen kann. Das ist unsere Botschaft an diese Welt, dass es sich lohnt, in dieser Adventszeit auch dafür sich vorzubereiten. So sind wir jetzt schon die Bürger der neuaufgehenden Welt Gottes.

 

Bruder Georg

 


 

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