Gedanken zum letzten Sonntag nach Epiphanias

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Predigt für den Letzten So nach Epiphanias

                                                      über 2. Mose 3, 1-14,

      

                                                                        gehalten am 16.1.2005

                                                                                                      in Augsburg, St. Jakob

 

Moses Berufung

„ Mose hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst. Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten? Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge. Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt! und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen? Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: »Ich werde sein«, der hat mich zu euch gesandt. “

 

                                                                                A.

Am hellichten Tag, mitten unter der Arbeit, begegnete Mose Gott.

Zugegeben, seine Arbeit war beschaulicher, als die unsere heute normalerweise.

Aber auch er war immerhin mit anderem beschäftigt.

Unerwartet tauchte Gott auf. Mose hörte ihn sagen: „Ich bin“ der und der (6). das kannst du von mir wissen. Und deine Aufgabe ist nun folgende.

Und wie begegnen wir Gott? Begegnen wir Ihm? Kommt das vor? Kommt so etwas heute vor?

Ich fand ein Gedicht von Robert Crawford in einer Zeitung veröffentlicht (FAZ, 11.1. 2005). Er schildert die Anfahrt auf die schottische Küstenstadt St. Andrews vom Meer her: „wie sie plötzlich aus dem blauen/ Nordseeufer tritt, sonnenscharf“. „I love it“, schreibt er, ´wie schön!` „Am äußersten Rand zentriert,/ ein Nebel voller Kirchtürme“.

Dann endet das nur vier Zeilen umfassende Gedicht mit den Worten: „one inch in front of beyond“. Die Übersetzerin schreibt: „vom Jenseits kaum ein Schritt“.- Aber „ein Schritt“ ist zuviel. „One inch“ ist nur „ein Zoll“, 2,5 cm. -Man ist schon fast dran am Jenseits. „Ich liebe“ das, sagt er: diesen Anblick, diese Anfahrt auf die Stadt am Meer.- Es könnte auch Stralsund sein-, oder Venedig.- I love how it comes right out of the blue“, „Ich lieb´ es, wie sie plötzlich aus dem blauen / Nordseeufer tritt, sonnenscharf“, „one inch in front of beyond“.

Die Maße zählen nicht, wie weit es noch zum Ufer ist,- auch nicht der Blick auf die Uhr. Hier öffnet sich etwas anderes, mitten auf dem Schiff, das täglich fährt. Etwas, das ganz nah ist, mehr als greifbar nah-, das mich berührt. Ich stehe „one inch in front of beyond“, sozusagen, 2,5 cm am Reich Gottes.

 

                                                                          B.

Mose sah einen Dornbusch brennen, lichterloh-, aber nicht verbrennen, so dass verkohlte Zweige übrig bleiben, wie bei einem gewöhnlichen Steppenbrand.

Forscher haben sich die Köpfe zerbrochen, was das gewesen sein kann. Lassen wir es auf sich beruhen! Es kann bei jedem etwas anderes sein, was ihn so nah an das „Jenseits“ rückt.

Mose war überrascht. Nun wollte er wissen, was das ist. Mose sagte sich: Ich will der Sache auf den Grund gehen. „Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt“ (3).- Er ´kam nicht dahinter`.- Und Crawford sagt einfach: „Ich liebe das“. Es ´gibt mir etwas`. Es ´bedeutet mir viel`-: Diese Berührung mit dem „Jenseits“.

Was Mose erlebte, war wie ein Vorspiel. Es war der Anfang einer Offenbarung, die eine große Fortsetzung fand. Der Berg, an dessen Fuß er, mit der Herde umherschweifend, eher zufällig gelangt war, sollte noch eine bedeutende Rolle spielen. Er galt als „Berg Gottes“. Aber das musste man erst einmal wissen.- Und was Mose „erschien“ in der Flamme aus dem Dornbusch, war „der Bote des Herrn“. Aber das musste sich erst herausstellen. Zunächst wollte Mose das Erstaunliche als etwas Diesseitiges untersuchen. Dann erst ging ihm auf, dass er „one inch in front of beyond“ stand,- zentimeternah vor Gott.

 

I.

Dieses Zusammenrücken mit dem „Jenseits“ bedeutet, erstens, dass er erlebt, was „heilig“ ist.- Was bedeutet „heilig“? Kennen wir diesen Erlebnisraum überhaupt?- Schon vor Jahrzehnten hat der Philosoph Hans Jonas festgestellt: „Heiligkeit“ ist etwas, das der moderne Mensch nicht mehr wahrnimmt. ´Das Heilige` ist uns völlig verloren gegangen.- Wie erschließt sich dieser Raum wieder?

Die Welt ist noch die gleiche, wie zu Moses Zeiten. Die Faszination der Wüste ist groß. Sahara-Reisen werden angeboten. Andere ziehen Kreuzfahrten übers Meer vor, von Stadt zu Stadt.- Oder man wandert in den Bergen. Oder „liebt“ den Blick vom eigenen Balkon.- Und der Bote Gottes wird ja wohl auch nach wie vor unterwegs sein.- Wie kommt es dazu, dass jemand, der etwas Faszinierendes auf sich wirken lässt, das „Heilige“ entdeckt?

Wir lesen es an der Geschichte Moses ab: Vorausgesetzt ist eine gewisse Aufmerksamkeit, Interesse, der Wunsch, zu wissen, was dahinter steckt. Darauf reagiert Gott. Er sagt etwas. Ein Wort,- ein Wort von Gott kommt hinzu.

„Gott sprach“-. Und was er zu Mose sagte, war einfach ein Gebot, bzw. ein Verbot. Etwas sehr Nüchternes.- Mose erfährt, wie er sich verhalten soll. Er soll nicht weitergehen. Und er soll die Schuhe ausziehen, wie man es zu Hause macht, wenn man nicht mehr hinausgehen will. ´Hier bist du bei Gott. Hier bist du am Ziel. Hier bist du zu Hause.`

 Zu dem „Nebel voll Kirchtürme“,- „St. Andrews“, vom Schiff aus gesehen,- oder zu einem brennenden Dornbusch- oder was immer es ist, muss das Wort Gottes hinzukommen. Und wir können nicht sagen, dass wir von Gottes Wort keine Ahnung hätten und nicht wüssten, wo es zu suchen ist. Wie wir uns verhalten sollen, was wir zu meiden haben, wissen wir. „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert“; konnte ein Prophet später sagen. Wir kennen das Gebot: „Du sollst den Feiertag heiligen.“ Das heißt: ´Mach nicht weiter, was du die ganze Zeit machst! Sondern nimm dir Zeit, dich hinzusetzen „zu Jesu Füßen“, bzw. in die Kirchenbank. Sei da wie zu Hause,- ohne Druck, ohne auf die Uhr zu schauen-, „one inch in front of beyond“. Da kannst du sozusagen ´die Schuhe ausziehen`, dir nichts anderes vornehmen, als Gott zu begegnen, wie auf „heiligem Boden“.

„Heilig“ ist der Ort, wo Gott spricht, wo nichts anderes etwas zu sagen hat,- wo Er alles ordnet. „Heilig“ kann jeder Ort sein, der durchsichtig wird für die Gegenwart Gottes, oder wohin einen das Wort Gottes begleitet.

 

II.

Und „Gott“?-, ist Gott etwa ein unbeschriebenes Blatt?-, etwas Unbekanntes? Mose wird, zweitens, an die Tradition erinnert: Du weißt schon,- was du von deinem Vater gehört hast,- von deiner Mutter; im Kindergarten-; im Konfirmandenunterricht.

„Gott“-, es handelt sich um den Gott, an den die Vorfahren geglaubt haben, von dem sie etwas zu sagen wussten. Es ist der Gott Martin Luthers und der Gott Augustins- und der Apostel. „Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“, den eines Tages im 17. Jahrhundert der französische Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal entdeckte und zu sich sprechen hörte, indem lauter alte Bibelworte für ihn überwältigend aktuell und bedeutend  wurden.

Wir müssen keinen unbekannten Gott ausfindig machen, sondern den altbekannten genauer kennenlernen.

Aber wenn man Ihn so vor sich hat, sozusagen zentimeternah, dann erschrickt man doch. „Mose verhüllte sein Angesicht“. Oder man schlägt die Augen nieder. Oder kniet.- „Heiligen Boden“ betritt man, wenn einem das Altbekannte nahekommt,- nahegeht.

 

III.

Dann sieht man, drittens, Gott in Beziehung zur allgemeinen Lage. Gott ist ´im Bild`. Er hat offenbar alles mitbekommen. Auch das, was in der Öffentlichkeit nicht beachtet oder nicht einmal wahrgenommen wird. Leiden, auf das die Medien die Kamera nicht richten. Klagen, die kein Mikrofon finden. Verschwiegenes, verborgenes Leid. „Ich habe ihre Klagen „gehört“. „ich habe ihre Leiden erkannt“.

Gott offenbart sich als ein Gott, der ´sich um seine Geschöpfe kümmert`. Und dann kehrt sich die Perspektive um.

Da war jemand ´in Gedanken`- oder auch gedankenlos- durch die Steppe gewandert-, nach Mose wurde in Ägypten gefahndet, er war geflüchtet, befand sich in Midian im Exil-, man wird beschäftigt mit alltäglichen Verrichtungen, und es ging einem nach, was einem übelgenommen wurde, was man verfehlt hatte-, und hatte dabei keinen Blick für Gott. Man ´übersah` ihn mehr oder weniger. Bis einen einmal ein erstaunlicher Anblick fesselte: am „blauen“ Ufer, „sonnenscharf“, „ein Nebel voller Kirchtürme“,- oder ein brennender Dornbusch,- und man sich dicht an ein „Jenseits“ versetzt fühlte und Ohren bekam für Gottes Wort und seither Ausschau hält nach Ihm.

Aber nun bekommt man gesagt, umgekehrt, dass Gott einen schon lange ins Auge gefasst hat. Und auch alles das, was einen empört. Was man nicht mit ansehen kann. Worunter man leidet. Das Unrecht, das geschieht.

Wo ein Mensch für den anderen bedrückend ist. Wo man es nicht mehr miteinander aushält. Wo man sich verletzt fühlt, unterdrückt-, und dagegen aufbegehrt. Wo man in seiner Empörung einmal dreinschlägt- und dabei prompt ´zu weit geht`, sich angreifbar, ja, massiv schuldig macht. Wo man jetzt, hin- und hergehend, Selbstgespräche führt, in denen man sich Vorwürfe macht und doch auch wieder entschuldigt,- und keine Lösung findet.

Das alles hat Gott im Blick. Und Er spricht es an. Und nicht nur das; sondern Er begibt sich höchstpersönlich, Gott selbst, hinab in diese Niederungen. Er weiß eine Lösung. „Ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette.“ Ich führe euch aus eurer Zwangslage, aus der Aussichtslosigkeit heraus.

„Er weiß dein Leid und heimlich Grämen“, bestätigte Paul Gerhardt, „auch weiß er Zeit, dir´s abzunehmen“ ( EG 371,4 ). „Er hört die Seufzer deiner Seelen/ und des Herzens stilles Klagen,/ und was du keinem darfst erzählen,/ magst du Gott gar kühnlich sagen./ Er ist nicht fern, steht in der Mitten“,- „one inch“, kaum ein paar Zentimeter neben dir-, „hört bald und gern der Armen Bitten“ (v.5).

 

IV.

Und wer sich so angesehen sieht von Gott, der sich ´die gesamte Lage` zu Herzen nimmt, der findet sich, viertens, unversehens einbezogen in Gottes Programm. Gott kümmert sich persönlich um jeden. Und Er ist tatsächlich ´heruntergekommen` in die Misere und hat sie in Jesus am eigenen Leib erfahren, um sein Volk zu retten. Aber nun genügt es nicht, dass Mose dabei zuschaut. Auch für uns genügt es nicht, einen Anblick, den wir ´lieben`, zu genießen.

Wer auf heiligem Boden Gott begegnet und die Schuhe auszieht, wie zu Hause, wo man Ruhe hat, muss sie nachher wieder anziehen und sich auf den Weg machen. „Weil ich“ die „Not gesehen habe“ und „herniedergefahren“ bin, um sie „herauszuführen“, „geh hin“! Ich brauche dich dabei, Gottes Erscheinen auf dieser Erde, das Kommen des Erlösers, ersetzt nicht unser ´Hingehen`, sondern motiviert uns dazu. Das werden schwierige Gänge. „Wer bin ich denn, dass ich beim Pharao vorsprechen sollte?“ (11).

Und wie soll man sich das vorstellen, dass ich jemand aus seiner Not herausführen könnte?  Die Leute werden Fragen haben, für die ich keine Lösung weiß.

Aber diese schwierigen Gänge geht man nicht allein. „Ich will mit dir sein“, sagt Gott. ´Du wirst es sehen`. Und wenn wir fragen, woran man das sieht, können wir zurückgreifen auf diese Geschichte. Offenbar hat tatsächlich später die gesamte, von Mose aus Ägypten in die Freiheit geführte Gemeinde an demselben Berg, dem „Berg Gottes“, Gottesdienst gehalten und Gottes Wort gehört, darunter die Zehn Gebote.

 

                                                                           C.

´Wer ist dieser Gott`, der sagt: „Ich werde mit dir sein“? Wie kann man Ihn nennen?- diesen Gott, von dem man sich einspannen lässt für Dienste, die auch schwierige Gänge einschließen, die man sich nicht zutraut, und die einem Angst machen? Er antwortet: „Ich werde sein“-, ich werde immer der sein, der gesagt hat: „Ich werde mit dir sein“. „Ich werde sein, der ich sein werde“. ´Nie gehst du allein den Weg`-, den schweren Weg, den du gehst. Und nie bleibst du einsam sitzen an heiliger Stätte, wenn du die Schuhe ausziehst; du bleibst nicht unbesucht: ´Ich werde immer der sein, der mit dir ist`- „Mein Jesus ist mein Ehre,/ mein Glanz und schönes Licht./ Wenn der nicht bei mir wäre“-! Aber Er ist bei mir! „Nun weiß und glaub ich feste,/ ich rühm´s  auch ohne Scheu“,- nämlich, „dass in allen Fällen Er mir zur Rechten steh“,- „one inch“ entfernt, höchstens,- zentimeternah.

 

Amen!

Pfarrer Dr. Wolfhart Schlichting

 



MATTHÄUS 17,1-9; PREDIGT:

 

Die Verklärung Jesu:

„ Nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. Und er wurde verklärt vor ihnen, und  sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist. “

 

Man kann die großen Gottesstunden nicht anhalten. Aber sie sind kurze Zwischenblenden, damit es in unserem alltäglichen Leben wieder viel besser weiter geht. Wir suchen ja den Himmel Gottes nicht in weiter Ferne. Sondern Gott schenkt uns Erlebnisse, bei denen der Himmel Gottes unsere Erde berührt. Jesus sagte sogar einmal: Das Himmelreich ist inwendig in euch!

       Was diese drei Jünger hier erlebten, das war eine große Ausnahme. So etwas ist nur ganz, ganz wenigen Christen beschieden. Weil wir den Himmel Gottes nicht in weiter Ferne suchen und es uns nicht um spektakuläre Erlebnisse besonderer Art geht, so dürfen wir dennoch diesen Himmel Gottes in unserem Herzen besitzen und bewahren. Bei den Seligpreisungen heißt es zweimal: …denn das Himmelreich ist ihr! So klein wurde Gott, dass er es nicht verschmäht, in unser Herz einzuziehen. Gerade das verändert und prägt uns gewaltiglich. Mit unserer Jesus Nachfolge erleben wir so nebenbei eine Herzensfreude, Herzensruhe und Herzensstille. Da erleben wir Gottes Zusagen, Herrlichkeit, Seligkeit, Erfüllung und Freude. Das überstrahlt und bestimmt alles in unserem Leben und Wirken.

       Wenn jemand glückselig leben will, der braucht sich nur der Botschaft Gottes in der Bibel zu öffnen. Und schon strömt die Fülle Gottes in sein Leben herein und überströmt alles in seinem Leben. Im Johannes Evangelium steht: Von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen! Wenn jemand echten Lebensgenuss erleben will, dem ist nur zu raten, nach dem Vorbild Jesu zu leben, wie es Philipper 2,5 heißt: Seid so unter euch gesinnt, wie es eurer Gemeinschaft in Jesus Christus entspricht! Denn da ist eine verborgene Speise vorhanden, die uns alles gibt, was wir zum Leben benötigen. Wenn jemand zur vollkommenen Freude gelangen will, der muss keine Mondfahrt unternehmen, um dies zu erleben. Sondern er darf sein ganzes Leben in „den“ Einsatz geben, so wie es ihm von Gott geboten ist. Denn damit kommt göttliche Freude zu uns, weil wir gerade darin für uns selbst ganze Erfüllung erleben, so paradox das auch klingt. Es ist möglich, dass wir uns jeden Augenblick dem Gott öffnen, der ganz nahe zu uns gekommen ist. Auch wenn es dabei noch so armselig zugeht, dürfen wir uns im siebten Himmel wähnen. Das ist unser Geheimnis, das wir als praktizierende Christen haben dürfen. Das verändert und prägt uns gewaltiglich.

       Gott ist ja keine lahme Ente. Weil er unter uns gegenwärtig ist, baut er ständig durch uns sein Reich weiter. Dazu setzt er uns ein. Deshalb überwältigt er uns und wir tragen eine sehr wertvolle Fracht. So geben wir Gott unsere ganze Ehrerbietung. Wir können gar nicht mehr anders, als das auszuführen, was er uns aufgetragen hat.         

       Gott schenkt uns Erlebnisse, bei denen der Himmel Gottes unsere Erde berührt. 1) Es gibt die Herrlichkeit Jesu. 2) Es gibt unsere echte Ehrfurcht vor Gott. 3) Wir hören auf die Worte und Anweisungen Jesu.

 

1) Es gibt die Herrlichkeit Jesu. Für uns Christen ist er der wertvolle Diamant unseres Lebens, der Garant für eine herrliche Zukunft. Wenn wir ein wertvolles Kirchenfenster ohne Licht betrachten, dann sieht es sehr schäbig und dreckig aus. Wenn aber ein Licht hindurch fällt, dann erstrahlt es in einer herrlichen Pracht und Schönheit. So bedenken wir am Ende der Epiphaniaszeit noch einmal in besonderer Weise der Größe und Herrlichkeit Jesu. Dazu schenkt uns Gott die Erleuchtung und Erkenntnis. In Jesus begegnet uns in besonderer Weise das Licht Gottes, das alles in unserem Leben überstrahlt. Da lässt uns Gott Blicke in seine uns normalerweise verborgene Herrlichkeit werfen. Da öffnen sich uns Erfahrungen, um die wir beneidet werden und die uns glückselig machen. Diese Größe umgibt uns ständig, auch wenn wir sie nicht mit unseren Augen wahrnehmen.

       Die Faszination Gottes ist die größte, die es gibt. Da kommt keine andere Faszination dagegen an. Sie sind dagegen alle ein Klacks, wertlos. Denn diese währen nur kurze Augenblicke und danach ist der Katzenjammer und die Resignation umso stärker vorhanden; z. B. bei den verschiedenen Arten der Drogen. Die besonderen Augenblicke der Faszination Gottes sind zwar auch nur von kurzer Dauer, wie hier bei den drei Jüngern. Aber sie bewirken ein glückseliges Empfinden, das anhält und nicht mehr vergeht. Z.B. unsere Bekehrung zu Gott ist solch ein Erlebnis, oder besondere Einkehrzeiten bei Freizeiten udgl. Da werden uns die irdischen Scheuklappen für eine kurze Zeit weggenommen. Da fällt es uns wie Schuppen von den Augen und wir dürfen Blicke in die ewige Herrlichkeit Gottes werfen. Diese kurzen Augenblicke wähnen wir wie für eine Ewigkeit. Da ist wahrhaftig ein Tag wie tausend Jahre.

       Das hat dann auf unser ganzes weiteres Leben große, gewaltige Auswirkungen. Da kann kommen, was will, nichts kann uns mehr diese Erlebnisse rauben oder madig machen. Dann ist all das, was mit Gott zu tun hat, das Wertvollste in unserem Leben und steht an erster Stelle. Es ist uns ein großes Herzensanliegen, ihm zu leben und zu dienen, nach seinem Willen zu leben. Und dazu setzen wir alles ein,  das uns gegeben ist. Weil uns Gott so reich beschenkt, weil sein Glanz über uns kommt, weil seine Klarheit uns führt und seine Kraft uns stärkt und seine Herrlichkeit uns umgibt, vermissen wir nichts anderes in unseren Leben. Gerade das macht uns lebens- und handlungsfähig.

 

2) Wir stehen in der echten Ehrfurcht vor Gott. Bei den Jüngern hier zeigt sich das darin, dass sie sehr erschrecken und auf ihr Angesicht fallen. Es war ja auch für sie etwas sehr Außergewöhnliches. Es war ein gewaltiger Einschnitt in ihr Leben. Das mussten sie zuerst einmal in ihrem Leben verarbeiten und bewältigen. Ab jetzt war ihr Verhältnis zu Jesus noch einmal viel intensiver und voller Hochachtung. Sie staunten über die wahre Gestalt und über seinen Einflussbereich. Jetzt nahmen sie die Botschaft Gottes und Jesu noch einmal besser und stärker an. Ihr Erschrecken und aufs Angesicht fallen war ein Zeichen der vollen Ehrerbietung Jesu und Gottes gegenüber.

       Solch eine Haltung zeugt niemals von Angst und Verzagtheit, sondern von der echten Ehrfurcht. Da weichen alle Zweifel und das volle Vertrauen zu Gott gewinnt an Einfluss und Gestalt. Wenn wir so etwas erleben, dann nehmen wir unsere Jesus Nachfolge noch ernster und bleiben wir gerne auf den Wegen seiner Führungen und Leitungen. Da verblassen auf einmal alle unsere sonstigen Wehweh-chen und Nöte. Da macht es uns nicht mehr so viel aus, wenn uns Menschen auf die Nerven gehen. Da bekommt unser ganzes Leben einen wesentlich besseren Standpunkt und eine bessere Grundlage. Da wissen wir, dass wir gerade von Gott alles erwarten können: seine Antworten auf unsere Fragen, seine Hilfen für unsere Nöten, seine Klärungen und Weiterführungen. Denn Gott gibt uns einen großen Vertrauensvorschuss, daraus sich eine Liebesbeziehung von besonderer Güte und Treue entwickelt. Da wissen wir, dass uns nichts mehr von ihm scheiden und trennen kann, keine Situation, kein Mensch und keine sonstige Unannehmlichkeit. Da können wir weite Durststrecken durchgehen, ohne dass uns etwas schaden könnte. Da können wir vieles verkraften und aushalten. Letztlich verwandelt Gott unser gesamtes Leben und wir können unseren von Gott zugewiesenen Platz ganz ausfüllen. Wir dürfen voll dabei sein und die Schätze und Reichtümer Gottes genießen.

       Längerfristig verhilft unsere Gottesehrfurcht zum Bestehen und zum Gelingen des Lebens. Weil Gott bei uns drinnen ist, geht es in unserem Leben immer in rechter Weise voran und weiter, bis zu unserer Vollendung. In allem Auf und Ab des Lebens sind wir glückselig und doch dem Leben und Einsatz verpflichtet, Das kommt nur, weil wir eine echte Ehrfurcht vor Gott kennen.

 

3) Wir hören auf die Worte und Anweisungen Jesu. Nach dieser Verklärung Jesu auf dem Berge geht es wieder hinab in die Täler des Alltags. Das galt damals für diese drei Jünger und das gilt auch immer wieder für uns. Die besonderen Erlebnisse mit Gott und Jesus lassen sich nicht festhalten. Dafür können wir keine Hütten und Häuser bauen. Aber wir können solche Erlebnisse in unseren Herzen bewahren.

       Was bedeuten nun die Täler des Alltags? Gerade als Christen wissen wir, dass das Leben kein Honiglecken ist. Es gibt viele Gefahren und Abgründe, die es zu meistern gilt. Manche Missstände treten auf und wollen uns vom rechten Weg abhalten. Da bleibt auch uns nichts erspart. Es will eben alles bewältigt sein.

       Die Stimme Gottes aus der Wolke sagte: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Den sollt ihr hören! Gerade für die Täler unseres Alltags gibt uns Jesu und Gottes Wort hilfreiche Anweisungen und Hilfestellungen. Gerade sein Beispiel und Vorbild zeigt uns, worauf es im Leben ankommt. Es geht nicht um hohe Stellungen und Ämter. Auch auf dem untersten Weg geht es zielstrebig voran und weiter. Es genügt uns das, das wir gerade haben und uns Gott zukommen lässt. Als die Dankbaren lernen wir allezeit und für alle Situationen unseres Lebens aus der Fülle Gottes zu schöpfen. Diese hat kein Ende und kennt keine Krise. Außerdem ist uns alles und jedes vertraut, die guten und die schlechten Zeiten und Seiten des Lebens. Wir können, wie Paulus sagen, Philipper 4,11-13: … ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie es mir auch geht. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; … satt sein und hungern, …. Überfluss haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht. Nichts kann uns mehr vom Weg Gottes abbringen und abhalten.

       Am besten kann man das mit dem schönen Lied von Franz von Assisi beschreiben, EG 656: O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens, dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,  dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt, dass ich verbinde, wo Streit ist,  dass ich Hoffnung erwecke, wo Verzweiflung quält, dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert, dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt. Ach Herr, lass du mich trachten, nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste, nicht dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe, nicht, dass ich geliebet werde, sondern dass ich liebe; denn wer da hingibt, der empfängt, wer sich selbst vergisst, der findet, wer verzeiht, dem wird verziehn, und wer da stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen, Amen, Amen. Besser kann man es nicht ausdrücken, was es heißt, nach den Worten und Anweisungen Jesu zu leben.

 

Es gibt auch in unserem Leben die großen Gottesstunden. Da berührt der Himmel Gottes unsere Erde. Gerade das verändert und prägt uns gewaltig. Indem wir uns der Botschaft Gottes öffnen, erleben auch wir eine Glückseligkeit, die alles in unserem Leben überströmt und überstrahlt. Das weckt in uns eine große Ehrfurcht vor Gott. Da bekommen wir eine verborgene Lebensspeise, die uns alles zum Leben gibt. So können wir positiv mitten im Leben stehen und unseren hilfreichen Beitrag leisten.

 


Bruder Georg




2. Korinther 4,6-10;  Predigt:

 

„ Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde. “

 

Es geht hier um sehr wertvolle Schätze, die uns Gott in Jesus Christus zukommen lässt: Licht, einen hellen Schein in unser Herz, Erleuchtung und das wahre Leben. Schon bei der Schöpfung sprach Gott: Es werde Licht! Aber der Mensch der Schöpfung entschied sich für die Finsternis. Mit Jesus gab Gott eine neue Möglichkeit zu einer Art Zweitschöpfung. Jesus selbst sagte von sich: Ich bin das Licht der Welt! Und er sagt von seinen Jüngern: Ihr seid das Licht der Welt! Alle, die dies ernst nehmen und annehmen, erleben dieses Licht, diesen hellen Schein in ihren Herzen, diese Erleuchtung und das wahre Leben. Licht ist immer das stärkere Element und vertreibt überall, wo es hinkommt, die Finsternis.

Nun kommt dieses Licht nicht aus uns selbst. Es ist unsererseits ein Verhalten gemeint, durch das wir dieses Licht empfangen und durch uns hindurch strahlen lassen. Je transparenter wir für dieses Licht Gottes werden, umso mehr erleben wir es und kann es durch uns aufstrahlen. Dadurch erfährt unser Leben die positive Wende zum Guten, zum Erfreulichen und Hoffnungsvollen.

Dieses Licht zieht Kreise, die zuerst uns selbst erfassen, aber dann immer weitere Kreise ziehen. Zuerst wird unsere Verantwortung vor Gott geweckt, dann aber auch vor unseren Nächsten im engeren und weiteren Sinn.

Auch das schließt dieser Text mit ein, dass diese Welt normalerweise finster, dämonisch und böse ist. Nur mit dieser Neuschöpfung Gottes ist das Licht und das Heil zurück zu gewinnen. Dann rührt sich in allem Negativen das Positive, in aller üblichen Heillosigkeit das Heil Gottes.

Es ist überwältigend, dass es Gott als seine Hauptaufgabe sieht, uns sein Licht zu schicken, damit unsere Dunkelheiten fliehen müssen; uns seine Schätze zu geben, damit wir unsere törichten Ziele fallen lassen; uns seine Liebe zu schenken, damit sich unser gehässiges Leben verliert und wir erlöst werden. Gott holt uns immer wieder aus der Patsche heraus. Und bei jeder Generation beginnt er damit wieder neu. Was ist das für ihn eine gewaltige Aufgabe. Er ist im Kommen, im Einsatz und am Wirken. Er ist ständig da und gibt sein Bestes.

Von daher gesehen ist es nicht mehr weit, dass auch wir Christen dieselbe Einstellung haben, wenn wir dieses Licht, diesen hellen Schein, diese Erleuchtung und dieses Leben in unser Leben hereinfallen lassen. Damit erleben wir die Energie Gottes, die nie aufgibt und immer und immer wieder zum liebenden Einsatz bereit ist. So wie Gott uns seine ganze Ehrerbietung zukommen lässt, so lernen auch wir, dies unserem Nächsten zukommen zu lassen. Damit kommen wir am besten mit all dem klar, was uns sonst schwer fällt und Sorgen bereitet.

Gott holt uns aus all unserer Misswirtschaft heraus und stellt uns in ein fruchtbringendes Leben und Wirken. Dieses Licht Gottes ist ein ganz besonderes Licht. Dieser Text nennt dabei drei Merkmale, auf die es Paulus in Bezug auf die damals störrischen Korinther abgesehen hat. 1) Wer das Angesicht Jesu kennt, bekommt damit einen unverlierbaren Schatz. 2) Auch wenn oft unsere äußeren Zustände und Missstände bestehen bleiben; 3) so holt uns doch Gott aus der Patsche heraus und zeigt uns die wahren Wege des Lebens.

 

1) Wer das Angesicht Jesu kennt, bekommt damit einen unverlierbaren Schatz. Paulus sagt ganz bewusst: Mit Jesus bekommen wir wahres Licht anvertraut, einen hellen Schein in unseren Herzen, Erleuchtungen von besonderer Güte und Qualität und das ewig währende Leben. Das ist etwas Erfreuliches und Herrliches, etwas Überwältigendes und nicht mehr Vergehendes; oft auch etwas Unerwartetes und dennoch Zuverlässiges. Jesus allein vermittelt uns das. Er hat dazu die Vollmacht. Er öffnet uns den dazu nötigen Zugang und zeigt uns den Weg. Er schenkt uns die dazu nötige innere Aufmerksamkeit, Wachheit und Befähigung; das dazu nötige Know how.

Jesus will nicht, dass wir uns im Dunkeln befinden, uns in der Irre abmühen, wir verführt werden oder gar in Abgründe fallen, weil wir sie vorher nicht gesehen hatten. Seine Lichtfülle ist nie ganz auszuschöpfen. Es ist darin ein breites Spektrum von allen möglichen Farben enthalten. Denken wir da nur an einen prächtigen Regenbogen. Es tut sich uns da ein großer, gewaltiger Glanz auf, eine Herrlichkeit sondergleichen. Darunter verblassen die Lichter und Scheinwerfer dieser Welt zur Unbedeutsamkeit. Sie ekeln uns sogar an.

Als Christen sind wir so eine Art Empfangsstation, in der das Licht Gottes aufstrahlt und sich widerspiegelt. Wir stellen uns in die Lichtstrahlen Gottes. Wir empfangen die Funksprüche Gottes. Wir erleben die sonst verborgenen Bewegungen Gottes. Mose hatte einmal deshalb ein so stark leuchtendes Angesicht, sodass es das Volk kaum ertragen konnte. Wenn unsere Verbindung zu Jesus Christus nicht abbricht, erleben auch wir etwas davon und dürfen die Lichtfülle Gottes erfahren und wieder strahlen. Für uns Christen ist Gott keine abstrakte Größe und Person, sondern eine uns sehr wohl bekannte und erlebbare Größe und Person. Wir sind Eingeweihte in sein Geheimnis und in sein Wirken. Wir wissen sehr wohl, was er will und vorhat, was seine Stunde geschlagen hat und wo er hinaus will. Er tritt immer und immer wieder aus dem Dunkel heraus.

Was haben dabei wir zu tun, um das zu erleben? Im Hebräerbrief steht der uns bekannte Aufruf, 12,2: Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Wenn wir diesen Satz nach dem Korintherbrief auslegen, in dem es Paulus um die Botschaft des Kreuzes geht. Dann stehen wir unter dem Kreuz und sehen auf zu Jesus, dem Erlöser. Damit zieht uns Jesus die Balken aus unseren Augen; nimmt er uns die Binde von unseren Augen ab, das Brett vom Kopf, alle Scheuklappen. Und wir bekommen einen geläuterten Blick. Es verlieren sich alle Trübungen und Kurzsichtigkeiten. Wir bekommen geöffnete Augen und die richtige Blickrichtung. Unsere Sinne werden für das Köstliche und Wesentliche geschärft. Ein sagenhaftes Finderglück kommt uns zu. Gott kommt mit uns ins Geschäft. Er öffnet uns die Fundgrube des wahren Lebens. Er weckt uns die echten Unternehmungs- und Lebensgeister. Dadurch kristallisiert sich ein gottgewolltes Leben heraus, das uns sehr wertvoll ist. - Wer das Angesicht Jesu kennt, der bekommt damit einen unverlierbaren Schatz.

 

2) Die äußeren Zustände und Missstände bleiben oft bestehen. Diesen Schatz haben wir in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. Die Korinther hatten an Paulus dieses irdenen Gefäß seines Lebens stark kritisiert. Diese Kritik kennen wir auch von manchen Bewegungen dieser unserer Zeit. Solche Menschen wollen nur noch das Licht und die Herrlichkeit Gottes für sich pachten und die Botschaft vom Kreuz aus ihrem Leben ausklammern. Paulus wird nicht müde und sagt, dass beides zu unserem Leben gehört. Hier sagt er es mit dem irdenen Gefäß, das trotz aller großen Erlebnisse bestehen bleibt.

Für mich wird das in der Weise verständlich: Je mehr wir Menschen die Größe Gottes erleben, umso mehr erkennen wir unsere eigene Geringheit und Kümmerlichkeit. Je mehr wir das Erbarmen Gottes mit seinen Ewigkeitswerten erleben, desto mehr entdecken wir unsere eitlen Triebe mit all unserer Vergänglichkeit. Gott nimmt uns nicht unser irdenes Gefäß. Unser Leben nimmt seinen Lauf der Vergänglichkeit. Ein Christ akzeptiert das und überspielt das nicht.

Dass wir diesen Schatz im irdenen Gefäß haben, d.h. auch, dass wir neben den Gaben auch alle Grenzen und Gefahren unseres Lebens erkennen und sie beachten. Adam und Eva hatten im Paradies wahrhaftig ein wunderbares Leben. Aber sie hatten die eine Grenze und Gefahr nicht akzeptiert, so fielen sie weit ab. Nörgeln wir nicht so sehr an den Stellen herum, wo sich für uns solch eine Grenze und Gefahr auftut. Liebäugeln wir nicht mit dem, wo wir ganz klar wissen, dass wir davon die Finger lassen sollen. Auch als Christen können wir noch nicht alles überblicken und haben. Gott will ja auch jedem etwas anvertrauen. Und es kann gut sein, dass mein Nächster etwas anderes als ich erkennen darf; vielleicht sogar mehr anvertraut bekommt, als ich es bekommen habe.

Auch bei uns Christen will der Ehrgeiz, die Machtsucht und manch andere Sünde wieder an die Oberfläche kommen. Lassen wir das nie zu. Wir haben so vieles anvertraut bekommen. Dafür gilt es, ganzen Einsatz und ganze Verantwortung zu bringen. Nur Jesus ist der Herr, der Chef, der alles überblickt. Nur er hat die Gesamtübersicht und nur er teilt jedem das zu, das er braucht und was für ihn nötig ist.

Wenn Jesus nach seiner Auferstehung zu Thomas sagt: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! Dann kann man das auch einmal so sehen: Du Thomas darfst allezeit im Glauben an mich leben und dabei alles erkennen, was für dein Leben wichtig ist. Aber du musst nicht eine Gesamtübersicht haben und alles kapieren. Das überlass lieber mir! Das gilt allezeit für alle Christen. Jeder darf ganz seinen Weg erkennen und das Licht empfangen. Alles andere dürfen wir getrost Gott überlassen.

Letztlich geht es um die Ehre Gottes: Damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. Es geht nicht um unsere Ehre, um unseren Ehrgeiz. Wir müssen nicht die Rechtsanwälte Gottes sein, das tut Gott schon selbst. Wo Menschen arbeiten, da menschelt es eben. Da werden Fehler gemacht. Da muss man den Jungen zugestehen, dass sie das erst lernen müssen, was wir Älteren schon längst kapiert haben. Es braucht keiner ein Minderwertigkeitsgefühl haben. Jeder hat seine Berechtigung, zur Ehre Gottes leben und wirken zu dürfen. - Auch wenn oft unsere äußeren Zustände und Missstände bestehen bleiben,

 

3) So holt uns doch Gott aus der Patsche heraus und zeigt uns die wahren Wege des Lebens. Verse 8-10: Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde.

Hier wird ganz praktisch, was es heißt, dass wir den Schatz im irdenen Gefäß haben. Immer haben wir mit irgendwelchen Schwierigkeiten zu kämpfen. Aber die Hilfe Gottes gibt es ebenfalls immer. Nie sind wir alleine gelassen oder von Gott verlassen. Gerade er gibt uns das zur Zeit Mögliche und Nötige für unser Leben und Wirken.

Damit das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde! Dafür gibt uns Gott sein Licht, seine Erkenntnisse und seinen hellen Schein. Viele Probleme, die wir haben, werden schon dadurch gelöst, wenn wir auf das Vorbild Jesu schauen, wie er so etwas durchgangen und bewältig hat. Manche Probleme sind so eine Art Dauerbrenner, die wir einfach nur durchleiden können. Bei diesen tritt erst bei unsrem Tode die Lösung ein. Bei einigen Problemen liegt sehr viel an uns, ob sie gelöst werden oder nicht. Diese stellen dann unsere Aufgaben dar, die uns Gott gegeben hat. Hier haben wir uns in aller Treue einzusetzen und dafür herzugeben.

Es gibt folgendes Gebet: Herr, lass mich das ändern, was zu ändern ist; und das ertragen, was nicht zu ändern ist; und gib mir die Weisheit, beides voneinander unterscheiden zu können. Gott gibt uns diese Unterscheidungsgabe und jeder darf seinen Teil dazu beitragen, damit Gottes Wille geschieht und dessen Leben offenbar wird.

Natürlich ist der Opfergedanke, die Hingabe und die Demut ein wesentliches Merkmal solch eines Lebens und Wirkens. Aber das sind keine vernichtende Merkmale, denn wir setzen uns damit für eine uns übergeordnete Sache und Wirklichkeit ein, von der auch das Meiste für unser persönliches Leben abspringt.

Es wird wahrhaftig das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar. Jesus gibt uns unsagbar große Kräfte, die niemals aus uns selbst kommen. Er schenkt uns seinen vollen Beistand. Den ganzen Himmel setzt er in Bewegung. Da wird es durch die in uns und hinter uns stehende Wirklichkeit hell, freundlich und licht. Da weicht alle Finsternis zurück.

Das große Aber Gottes steht über unserem Leben: Wir haben ein irdenes Gefäß, aber darin ist dieser Schatz enthalten. Wir werden bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen das Sterben Jesu an unserem Leibe, aber damit wird das Leben Jesu offenbar. - Gott holt uns aus der Patsche heraus und zeigt uns die wahren Wege des Lebens.

 

Das Schöpfungswort Gottes bei der Schöpfung: Es werde Licht! spricht Gott durch Jesus noch einmal zu jedem, der sich ihm öffnet. Damit geschieht die Zweitschöpfung inmitten unserem irdenen Gefäß, inmitten allem, was in unserem Leben ein Kreuz darstellt. Aber in uns kommt das Licht, der helle Schein, die nötige Erleuchtung und das wahre Leben zur Geltung. Jesus, als das Licht der Welt, beauftragt auch uns, solches Licht zu sein.         

 


Bruder Georg






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