Gedanken zum 18. Sonntag nach Trinitatis

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Predigt für den 18. So. n. Trin.

                                  über 2. Mose 20, 1-17,

                                                  gehalten am 14.10.2001

                                                                       in Augsburg, St. Jakob

 

Die zehn Gebote:

 

„ Und Gott redete alle diese Worte: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.  Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht. Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird. Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat. “

 

                                                                          A.

„Zehn Gebote“-, wie die Anzahl der Finger,- damit man sie sich merken und sie der Reihe nach hersagen kann. Damit es genau zehn sind, haben wir zwei weggelassen. In 2. Mose 20 steht zwölfmal „Du sollst“ oder „Du sollst nicht“.

Weggelassen ist im Merkstoff „Zehn Gebote“ auch das, was vom Tun Gottes gesagt ist. Es macht fast die Hälfte des Textes aus.

Neben Sätzen, die beginnen: „Du sollst“,, „du sollst nicht“, stehen andere, in denen Gott sagt, wer Er ist, was Er getan hat, tut und tun wird. Und nur in Verbindung mit diesen haben die Gebote fraglose Autorität.

 

                                                                             B.

„Der Unbekannte“, die beherrschende Person in August Strindbergs Drama „Nach Damaskus“, bekennt: „Es ist wahr, vor einer unbezahlten Rechnung kann ich zittern; doch wenn ich auf den Sinai steigen sollte, um dem Ewigen zu begegnen, würde ich mein Antlitz nicht verhüllen“ (Reclam 9950, 1979, S.71 ). Er wundert sich selbst: „Wo ich diesen satanischen Trotz herhabe, weiß ich auch nicht.“

Ich kann es mir nur so erklären, dass dieser Trotz sich eben gegen das „Du sollst“ auflehnt. Gegen Vorschriften und Verbote begehrt man auf. Man fühlt sich eingeengt. Das mag man nicht. Man wird trotzig von Kind auf.

Aber hier handelt es sich nicht um Vorschriften, die einfach so dastehen, ohne begründet zu werden. Hier werden einem nicht willkürlich Grenzen gesetzt, deren Sinn nicht einzusehen ist.

Hier ist vielmehr von einem Miteinander die Rede.

Gott schlägt ein Zusammenwirken vor.

Er erklärt, was Er tut. Und im Zusammenhang damit ergibt sich, was von uns zu erwarten ist.

Der „satanische Trotz“ des „Unbekannten“, den auch viele Bekannte sich erlauben, weniger ausdrücklich, meist nur stillschweigend, erklärt sich daraus, dass sie das, was Gott von sich selbst sagt, nicht wahrhaben wollen und wohl auch vergessen- oder sich noch nie klargemacht haben. Satan will es nicht wahrhaben. Und viele Menschen wissen es einfach nicht.

Daher entgegnen sie, wenn sie hören: „Du sollst“, trotzig: ´Wieso?´, oder sogar: ´Ich will nicht.`

Der Text, aus dem wir als Merkstoff die „Zehn Gebote“ herausziehen, beginnt aber damit, dass Gott zunächst einmal sich selbst vorstellt. Und der einleitende Satz sagt: „Gott redete alle diese Worte“.

 

                                                                                I.

Als Erstes ´führt` Gott ´sich ein`. Er sagt: „Ich bin“ jetzt hier zuständig. „Ich bin dein Gott“. „Ich, Jahwe“. Sag einfach „Herr“ zu mir. „Ich, der Herr, bin dein Gott.“

 

Das heißt: Alles Fragen nach Gott ist zunächst einmal beendet. Die Religionsgeschichte der Menschheit war ein unendliches Fragen nach Gott. Viele Vermutungen wurden ausgesprochen, Erfahrungen wurden gedeutet. Auch Phantasie war im Spiel. Seher und Schamanen kündeten geheimnisvoll von Gott. Der indische Religionsphilosoph Raymond Panikkar vergleicht die Bemühungen der Religionen mit der Besteigung eines Berges. Von verschiedenen Seiten wird der Aufstieg versucht. Zum Gipfel ist noch niemand gelangt. Alle sind unterwegs. Das Ziel ist noch nicht erreicht.

Das heißt, m.a.W.: Alle fragen nach Gott und suchen Ihn. Aber niemand kann behaupten, Ihn wirklich zu kennen.

 

Hier dagegen kommt einer von oben. Mose kommt vom Gipfel. Es ist zwar nur der Gipfel des Sinai, nicht des imaginären Berges der Gottsucher. Aber er bringt Gottes Wort. Er berichtet: „Gott redete alle diese Worte.“ So kommt in Seinem Wort Gott selber zu denen herunter, die nicht den Gipfel erklommen haben auf ihrer Suche nach Gott, und erklärt: „Ich bin“ es.

´Ihr fragt nach Gott. Und ich antworte.`

 

´Ich habe euch befreit.`´Was ihr seid, seid ihr durch mich.`

Gegenüber Israel machte Gott am Sinai eine geographische Angabe: „Ich habe dich aus Agypten geführt.“ Aber „Ägypten“ stand hier für die Erfahrung der Unfreiheit, der Knechtung und Unterdrückung. ´Ich habe dich aus einem menschenunwürdigen Zustand befreit. Ich habe aus dir erst gemacht, was du bist.` Nach Christus hören wir aus diesem Satz etwas noch umfassenderes heraus:

 

Erstens ist nun nicht nur Mose vom Berg Sinai mit Worten von Gott zu seinem Volk heruntergekommen, sondern nun ist das „Wort“ Gottes, das menschgewordene „Wort“ selber „vom Himmel“ herabgekommen. „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Unser Gottesbild ist nicht eine der Vermutungen Suchender, sondern in Gestalt Jesu ist Er selbst gekommen und hat sich gezeigt.

 

Und zweitens bezieht sich die Befreiung nicht nur auf eine Volksgruppe, die aus einem bedrückenden Milieu herausgeführt wurde, sondern jetzt  umfassend darauf, dass alle, die an Jesus glauben, aus heillosen Bindungen und einem Zustand, der ihr Leben entwertet, erlöst werden.

 

Aus diesem „Ich bin“, das allen den Aufstieg zu Gott Suchenden hier entgegenschallt, ergibt sich, dass man Ihm nicht ausweichen soll. „Ich bin dein Gott“. Du brauchst und „du sollst“ keinen anderen mehr „neben mir“ suchen. Ich trete dir hier in den Weg. „Du sollst nicht“ ausweichen und versuchen, mich irgendwie zu umgehen.

Damit sind die Wege, auf denen man anderswo religiöse Erfahrungen oder Aufschluss über die Geheimnisse des Lebens sucht, abgeschnitten. ´Keine Suche nach dem Göttlichen, Vollkommenen, Befreienden, Erlösenden-, an dem Herrn, unserm Gott vorbei, wie Er sich in Seinem Wort bekannt gemacht hat!`

 

                                                                     II.

Zweitens sagt Gott: „Ich bin ein eifernder Gott“. Das heißt: ´Ich will etwas. Und ich will es mit euch zusammen.`

Die Bibel sagt, dass Gott ein „lebendiger Gott“ ist. Ein Ausdruck dieser Lebendigkeit ist Sein Eifer. Von jemand, der noch lebt und eigenwillig ist, und sich mit Eifer engagiert, kann man sich kein abschließendes Bild machen. Man kann Gott nicht sozusagen fixieren. Man kann Ihn nicht festlegen, eingrenzen. Er ist nicht ein Abbild von etwas auf Erden. Also soll man sich kein Bild machen von Ihm.

Jedenfalls kann  Er nicht ´auf ein Bild gebannt` werden

Wer ein erstarrtes Bild verehrt oder anbetet, verfehlt Gott.

Wer von irgendetwas Fixierbarem sagt, das sei Gott, missbraucht Seinen Namen. Gott sagt, das bleibt nicht ungestraft. Es rächt sich.

Mit Verfehlungen findet Gott sich nicht ab. Er ´steckt nicht zurück`, sondern „sucht die heim“, die sich Ihm widersetzen, leichtfertig, gedankenlos oder in satanischem Trotz. Ungestraft bleibt das nicht.

Wer Ihm dagegen liebend und gehorsam naht, dem begegnet in Ihm unendliche Barmherzigkeit,- Barmherzigkeit, die Er vielen Tausenden erweist.

In einer gespenstischen Szene „Am Hohlweg“ in Strindbergs Drama, „die Bäume entlaubt“, wo eine frierende Obdach Suchende zurückgestoßen wurde, dem „Unbekannten“ aber, der nun auftaucht, Brot umsonst gegeben, ruft dieser ablehnend: „Keine Barmherzigkeit!“ Das „Echo (von den Bergen) „ antwortet: „Barmherzigkeit!“ (78)

In eine Welt, die „keine Barmherzigkeit“ kennt und will, dringt die Botschaft: „Ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der... Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.“

Die Barmherzigkeit ist vom Himmel gestiegen und hat die Unbarmherzigkeit der Welt erlitten. Nun schallt es von allen Seiten,- da, wie ein Lied sagt, Jesu, des Gekreuzigten,  Blut „beständig schreit: /Barmherzigkeit! Barmherzigkeit!“

 

                                                                                      III.

Drittens: Gott sagt, dass Er tätig war. Auf diese Weise ist alles entstanden. Und die Schöpfung ist nach wie vor im Gange. Sie ist in ständiger Bewegung und Entwicklung begriffen. In diesen Abläufen und Prozessen gibt es Wachstumsschübe und Sprünge, aber auch Ruhephasen.

Die Bibel sagt: Auch Gott hat geruht.

Und daran soll man sich ein Beispiel nehmen.

Was wir als Drittes Gebot kennen, besteht eigentlich aus zwei Geboten. Das eine besagt: „Sechs Tage sollst du arbeiten“. Man soll also arbeiten. Man darf sich nicht um Arbeit drücken. Faul zu sein, erlaubt Gott nicht. Arbeiten heißt, sich Mühe geben, sich anstrengen. Sechs Tage soll sich jeder, der kann, anstrengen. Arbeit ist nicht nur Lohnarbeit; nicht nur, was man tun muss, um Geld zu verdienen. Da würde bei Arbeitszeitverkürzung mehr Freizeit herausspringen, als nur ein siebter Tag. Das Gebot lautet: „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge tun.“ Auch was man für sich selber zu tun hat, über die Berufsarbeit hinaus, über die Aufgaben, die einem gestellt sind,- was man sich selbst zur Aufgabe macht und aus eigenem Antrieb tut, soll in sechs Tagen erledigt werden.

Denn der „siebte Tag“,- für uns Christen ist es der erste, der Auferstehungstag Jesu,- soll daran erinnern. Dass es einen von Gott besonders gesegneten und geheiligten Tag gibt. Daher soll man an diesem Tag nicht arbeiten, sondern ihn „heiligen“. D.h., an diesem Tag soll man sich besonders auf Gott und das, was Er gesagt hat, besinnen. Diesen Tag zu „heiligen“, heißt, beachten, dass er von Gott „geheiligt“ ist, also, eintreten in das von Gott Geheiligte. Da will Er uns wieder begegnen, uns Suchenden und Irrenden, die sich oft verfehlen: „Ich, der Herr, bin dein Gott“, hier bin ich; ich befreie dich aus den Verstrickungen und Verfehlungen, in die du geraten bist.

Ich begegne dir als der, der Barmherzigkeit erweist,- unerschöpfliche, nicht zu erwartende, „grundlose“ Barmherzigkeit.

Am siebten Tag soll man auch möglichst nicht andere für sich arbeiten lassen. Vielleicht auch die Bäcker und die Zeitungsausträger nicht.  Und ´deine Kinder sollen auch nicht arbeiten`, auch nicht, wenn sie damit ´ihre Dinge tun`.

 

                                                                            IV.

Als Viertes sagt Gott, dass Er Seinem Volk Land geben will. Er sorgt für Lebensraum. Jedem Volk soll er eingeräumt sein. Dort soll er in Gemeinschaft leben können. Das Zusammenleben erfordert aber Ordnungen. Auch dafür ist gesorgt.

Nicht um die Freiheit einzuschränken und dem Menschen willkürlich Grenzen zu setzen, sind die Gebote gegeben, sondern deshalb, weil Gott es uns gönnen will, dass wir, statt dass jeder nur für sich selber lebt, in Gemeinschaft zusammenhalten und zusammen helfen.

 

Das ist aber nur dann möglich, wenn so etwas wie ein Generationenvertrag eingehalten wird. „Vater und Mutter“ können aber nur geehrt und im Alter versorgt werden, wenn sie Söhne und Töchter haben. Wer es vorzieht, auf das anstrengende Aufziehen von Kindern zu verzichten und stattdessen mehr Spaß  für sich selber wählt, wer es bequemer findet, Leibesfrucht im Mutterleib abzutöten, wie es in unserem Volk millionenfach geschieht, ´hat` am Ende niemand, von dem er verlangen kann, ihn zu ehren.

Dann kann das „lange Leben“ einsam und mühsam werden.

Das uneingeschränkt geltende Tötungsverbot ist gegenwärtig besonders auf die Verhinderung der Geburt von Kindern zu beziehen. Dass ein Zusammenleben im Lande nicht möglich ist, wenn Verbrecher Kinder entführen oder Terroristen den Flugverkehr gefährden, spürt jeder.

Das Zusammenleben krankt auch daran, dass viele es nicht zumutbar finden, sich zuverlässig und dauerhaft an einen Menschen zu binden, auch Konflikte mit ihm durchzustehen. Und man verzichtet nicht gern auf belebende Abenteuer, die sich anbieten. Aber das fördert nicht den Respekt voreinander. Das Zusammenleben wird zu einem Nebeneinanderher- oder Gegeneinanderleben. Dann muss man mit ansehen, wie Eltern ihre Kinder verkommen lassen, und Erwachsene ihre schwach gewordenen, pflegebedürftigen Eltern vergessen, und Alleinstehende nicht Anschluss an Familien finden.

Der um unser Wohl eifernde, barmherzige Gott hat den Ehebruch und die Auflösung der Familie verboten. -

 Man kann nicht zusammenleben, wenn einer dem anderen nichts gönnt oder sogar wegnimmt, was ihm gehört. Und wenn das Wort nichts mehr gilt, wenn man sich auf niemand verlassen kann und in aller Öffentlichkeit belogen wird, wenn es keinen Schutz mehr vor übler Nachrede gibt, dann mag man nicht mehr lange in einem Lande leben, in dem Gott offenbar nichts mehr zu sagen hat.

 

Einer in dieser Hinsicht verwahrlosten Gesellschaft tritt Gott erneut in den Weg und sagt: „Ich, der Herr, bin dein Gott.“ Ich befreie dich. Ich eifere um dich. „Barmherzigkeit!“ Ich will, dass du meine Gebote hältst.

Amen!

 

Pfarrer Wolfhart Schlichting

                                  


 

RÖMER 14,17-19;    PREDIGT:

 

" Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist. Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geachtet. Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander. "

 

Christen bekommen von Gott gewaltige Qualifikationen, wertvolle Inhalte geschenkt. Keiner geht leer aus, sondern jeder bekommt von Gott seinen ganz speziellen Standplatz zugewiesen, den er ohne Minderwertigkeitskomplexe ausfüllen darf.

Gerade jungen Menschen wird das Christsein und was damit zusammenhängt, oft madig und miese gemacht. Aber das stimmt nicht, denn das Gegenteil ist der Fall. Gerade bei Gott ist am meisten etwas los. Er macht aus meinem Leben nicht eine lahme Ente. Er buttert mich im Leben nicht unter. Ihm ist es nicht egal, was aus meinem Leben wird. Denn er möchte aus meinem Leben das Beste machen und schenkt mir volle Erfüllung, höchste Qualitäten.

Die Römer, an die Paulus diesen Brief schreibt, lagen in dem Streit, ob ein Christ Götzenopferfleisch essen dürfe oder nicht. Daran drohte diese Gemeinde auseinander zu brechen. Man musste bei jedem Fleisch, das man in Rom kaufen konnte, damit rechnen, dass es ein Fleisch von einem Götzenopfer war. In Rom gab es mehr Christen, die vorher Heiden waren, Heidenchristen; als Christen, die vorher Juden waren, Judenchristen. Die Heidenchristen hatten bei diesem Fleisch keine Vorbehalte und verzehrten es ohne ein schlechtes Gewissen. Sie sagten zu den anderen, dass sie eine kleinkarierte Ängstlichkeit besäßen. Die Judenchristen dagegen aßen dieses Fleisch nicht und hielten auch noch viele andere jüdische Vorschriften ein. Sie sagten zu den anderen, dass sie in ihrem Lebensstil oberflächlich wären und dass sie sich ihr Christsein nichts kosten ließen.

Jede Form von zerstörender Kritik, wir kommen später noch einmal darauf, ist im Reiche Gottes fehl am Platze. Geben wir uns dafür nie her. Praktizieren wir vielmehr die aufbauende Kritik, bei der man an seiner persönlichen Stelle versucht, alles besser zu machen, ohne es dem anderen zur Vorschrift aufbürden zu wollen. Damit stellt man sich ganz in die Gemeinde, in den Jugendkreis oder Hauskreis hinein und vollbringt höchst positive Beiträge, die alles befruchtet, unterstützt und allen dient und weiterhilft.

Aber nun sind wir manchmal nicht sicher vor solch zerstörerischer Kritik. Ungewollt kann man in solch eine Mühle des Streites und Gegeneinanderseins hineingeraten. Falsch wäre es, wenn man deshalb der Gemeinde "Lebewohl" sagen und ihr den Rücken zukehren würde. Aber wie verhält man sich nun, wenn man in solch eine Mühle zerstörerischer Kritik gerät? Darauf will uns dieser Predigttext eine Antwort geben. Er handelt von den drei Qualitäten des Christentums, an die man sich erinnern und die man neu ausleben soll. Es ist 1) die Qualität des Reiches Gottes; 2) die Qualität des Christen selbst und 3) die Qualität der Gemeinde.

 

1) Die erste Qualität des Christentums ist die Qualität des Reiches Gottes. Vers 17: Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. Was bei uns Christen „Klasse“ und „Super“ ist, das ist nur unser Gott. Wir Christen dürfen in einer Faszination Gottes stehen, denn bei ihm ist, - so ist es hier ausgedrückt - , Gerechtigkeit und Friede und Freude. Deshalb betrachten wir täglich Gottes Wort, um in Gottes Geheimnisse Eingang zu finden. Deshalb beten wir zu Gott, um hier eine lebendige Verbindung zu haben. Deshalb versuchen wir auf alle uns möglichen Arten von Gott etwas zu erheischen und zu bekommen, weshalb wir auch des öfteren das Abendmahl feiern!

Gott will uns ja. Er hat ein Ja zu uns. Wir sind von seinem Schöpfer- Ja umschlossen. Zu ihm dürfen wir kommen, so wie wir sind. Er knüpft daran keinerlei Vorbedingungen. Gott selbst hat eine starke Sehnsucht, mit uns in Verbindung zu treten.

Und dieses Leben mit ihm hat natürlich eine sehr stark prägende Kraft. 100%-ig bleiben wir dabei nicht so, wie wir sind. Wer mit dem Höchsten Kontakt aufnimmt, erlebt und lebt total andere Verhaltensweisen, als er sie vorher kannte. Nur in dieser Faszination Gottes sind wir bereit, umzulernen und dazuzulernen. Wir bekommen dadurch neue Sichten, Perspektiven unseres Lebens, die lohnende Alternativen zum sonst gelebten Leben darstellen. Wir stehen damit unter den Verheißungen Gottes, dass in unserem Leben nichts mehr umsonst getan ist. Wir erleben den vollen Segen Gottes.

Es heißt hier, dass dies alles im Heiligen Geist geschieht. Wer den Geist Gottes hat, der denkt und handelt wie Gott, der urteilt wie Gott. Rö 8,14: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Damit werden wir gesegnet und ausgerüstet mit der Kraft aus der Höhe. Der Heilige Geist will uns eine echte Bewegung unseres Herzens schenken. Er nimmt uns alle Taubheit, Eigenwilligkeit und Trägheit, und gibt uns ein bereitwilliges Horchen und Gehorchen. Erfahren wir diese Regierung des Geistes, dann können wir die Führungsschritte Gottes bewusst ins Visier nehmen und brauchen uns nicht mehr von Menschen und Erlebnissen irritieren und vom rechten Weg abhalten lassen.

Hier müssen wir nochmals auf diese Mühle des Streites zurückkommen, die dafür ein Zeichen ist, dass wir uns nicht vom Geist Gottes regieren lassen. Um was können wir uns Menschen alles streiten. Wie können wir uns gegenseitig oft das Leben schwer machen und einander befehden. Diese Lust zum Streiten liegt uns im Blute. Unsere Eintracht, gerade auch der Christen, liegt oft im Argen. Ganz verbissen können wir unsere eigenen Meinungen in den Mittelpunkt stellen und verteidigen. Da kommt es dann vor, dass verschiedene Lager da sind, die sich in sich selbst sicher sind. Da gibt es die Liberalen und Evangelikalen, die Modernisten und Bekenntnisbewegten, die Progressiven und Konservativen, die politisch Tätigen und die Verinnerlichten. Es gibt einen Heilsegoismus, der die raffinierteste Form unseres Hochmutes darstellt. Damit blasen wir die größten Schwaden der Selbstweihräucherung. Auch unter uns Christen gibt es viele Verhaltensweisen, mit denen wir uns selbst vom Reich Gottes ausschließen. In unserem Predigttext ist das mit der ganz schlichten Aussage gemeint: Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken. Jeder Streit um Äußerlichkeiten ist so unnötig wie sonst was. Damit leben wir eine falsche Gesetzlichkeit. Bestimmte Lebensstile und Verhaltensweisen, die wir Menschen natürlich brauchen, dürfen nie zu einer Gewissensfrage werden. Diese sind von untergeordneter Stellung!

Kommen wir nochmals auf diese drei Merkmale des Reiches Gottes zurück: Gerechtigkeit und Friede und Freude. In ihnen finden wir die Überwindung alles unnötigen Streites.

Die Gerechtigkeit Gottes ist so gestaltet, dass es darunter jedem Menschen ermöglicht wird, vor Gott zu leben. Die einzige Vorbedingung dazu ist nur darin gegeben, dass wir es wollen und annehmen. Dazu erfüllte Jesus alle Gerechtigkeit. Seit seinem Auftreten auf dieser Erde gilt die Rechtfertigung aus lauter Gnade. In dieser Gerechtigkeit schenkt uns Gott ein total neues Leben. Sie lässt in uns und durch uns ständig etwas Neues werden und wachsen. Seien wir nie in uns selbst sicher, aber sichern wir uns in diese Gerechtigkeit Gottes; klammern wir uns daran wie eine Klette. Lassen wir nie davon ab. Verzichten wir auf alle Selbstgerechtigkeit, aber nie auf diese Gerechtigkeit Gottes, mit der Gott sehr barmherzig mit uns verfährt.

Der Friede Gottes ist eine ganz besondere Gabe. Ich liege nicht mehr im Streit mit Gott und Mensch, sondern im Frieden. Und treten irgendwo Streitpunkte auf, dann sollen wir Friedensboten sein, Friedensstifter. Wenn das alle Christen tun würden, dann könnte nie ein Streit ausbrechen. Christus hat uns versöhnt mit Gott und untereinander. Damit haben wir zu Gott und zum Mitmenschen ein

neues Verhältnis bekommen. Wir dürfen eine Baustelle des Friedens sein. Wir leben in der Sicherheitsverwahrung und Schutzhaft Gottes. Menschen, die diesen Frieden erleben, können große Spannungen aushalten und verkraften. So lassen wir immer Frieden zurück und nie Streit und Hass. Schlagen wir immer Brücken des Friedens. Wo es uns möglich ist, vermitteln wir zwischen den Parteien und Gruppierungen.

Wir Christen erleben eine große Freude, weil wir unter dem offenen Himmel Gottes leben. Es gibt eine Freude im Heiligen Geist, mit der wir in die Geheimnisse Gottes hinein genommen und dadurch von innen aufgesprengt werden. Damit verlieren wir alles menschliche Aufgeblähtsein und alle Wichtigtuerei, weil wir in echter Weise fündig geworden sind. Damit können wir alles mit einem freudigen Herzen anpacken und tun. Paulus bezeugt an anderer Stelle, dass diese Freude sogar dann vorhanden ist, wenn wir im größten Leid stehen. Wer diese Freude im Heiligen Geist besitzt, der kann gerne auf andere Freuden, z.B. die des Gaumens und manch anderer Lüste, verzichten. Denn die menschlichen Freuden und Seligkeiten hängen oft an einem seidenen Faden, an den Wechselfällen des Lebens. Dagegen sind die göttlichen Freuden und Seligkeiten unerschütterlich und unangreifbar. Und es ist ein großer Unterschied, ob jemand mit einem lustlosen, mürrischen und finsteren Herzen im Leben steht oder eben mit solch freudigem Herzen. Ein Kanon heißt: Froh zu sein, bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König.

Das alles erleben wir mit den Qualitäten des Reiches Gottes.

 

2) Die zweite Qualität des Christentums ist die von Gott geschenkte Qualität unseres Christseins. Vers 18: Wer Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den  Menschen geachtet. Da wir vor Gott Originale sind, schenkt uns Gott auch große Qualitäten. Weil wir Gott kennen lernen dürfen, leben wir in einem positiven Aufwärtstrend, erfährt unser Leben einen gewaltigen Qualitätssprung. Gott ist ja keine degradierte, zu uns herunter gezerrte Größe. Sondern er hat alles daran gesetzt, dass es uns ermöglicht ist, im Aufblick zu ihm zu leben und zu wirken. Uns wurde der Zugang zu ihm geöffnet. Er erhebt uns hoch. Paulus sagt an anderer Stelle: Unser Staatswesen ist im Himmel. Dort dürfen wir zu Hause sein und uns auskennen.

Aber das ist noch nicht die größte Qualität unseres Christseins; denn diese besteht in unserem Christusdienst: Wer Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geachtet; natürlich nur bei den Menschen, die ebenfalls vor Gott stehen, denn von den anderen Menschen könnten wir auch gehasst werden.

Ganz klar ist hier ausgedrückt, dass uns Christus in seine hoheitliche Pflicht nimmt; er uns aber deshalb nicht degradiert, unterdrückt, sondern hoch erhebt. Das erhebt deshalb unser Leben so hoch, weil Gott auch dann noch 1000 Wege und Möglichkeiten hat, wenn wir keine Wege mehr sehen und keine Möglichkeiten mehr haben; weil Gottes Energie nie an ein Ende kommt, auch wenn wir an unser Ende kommen und unsere Energien am Ende sind. Gott schenkt uns unsagbare Kräfte, auch dann, wenn wir sehr schwach sind. Letztlich sind unsere Dienste, die wir tun dürfen, ein Geschenk Gottes.

In unserer Welt prallen ja zwei Welten aufeinander und jeder erfährt das auf seine Weise: Es ist die Welt der Mächtigen und Einflussreichen dieser Erde; und es ist der Anbruch des Reiches Gottes. Das sind zwei total verschiedene Interessengruppen, mit denen wir uns auseinander zu setzen haben. Gott richtet sein Reich ganz anders  auf, als es wir Menschen tun würden, deshalb ist ja unsere Jesus- Nachfolge so wichtig, damit wir diese Andersartigkeit auch leben. Deshalb sind wir Jünger Jesu, Schüler Jesu, um seine Art des Lebens und Handelns zu lernen. Er ist unser Herr und Meister geworden. Ihm gehört unser Leben; ihm dürfen wir dienen und uns ganz zur Verfügung stellen.

Er hat mit uns etwas vor und will uns gebrauchen, benützen und einsetzen. Im Reich Gottes geht es ums Dienen, das ist das Qualitätsmarkenzeichen der Christen. Wer nicht zum Dienen bereit ist, der gehört nicht dazu.

Die sonstigen Herren dieser Welt lassen sich dienen; wir dienen. Und die Goldene Regel unseres Dienstes ist, dass wir alles Jesus zuliebe tun. Wir lassen uns für die Gottesarbeit dingen und anstellen und sagen ja zu diesen Diensten, die von uns verlangt werden. Wir tun es nicht um des Verdienstes willen und schielen nicht nach dem Lohn. Denn, - wie es Löhe sagte - , unser Lohn ist darin gegeben, dass wir Jesus dienen dürfen. Wir dürfen beim Bauwerk Gottes mithelfen, an der Heilsgeschichte Gottes mitarbeiten. Wir dürfen mit am Tische Gottes sitzen, da alle weiteren wichtige Beschlüsse besprochen und beschlossen werden. Wir dürfen eben mitten dabei sein.

Natürlich ist dieser Christusdienst immer ein Dienst am Menschen, so wie es Jesus sagte: Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan. Alle diese Dienste am Menschen haben nur dann einen Wert, wenn wir es Jesus zuliebe und in seiner Gesinnung tun. Wir brauchen dazu seine Prägung, seine Führung und seinen Auftrag.

Wir leben damit im Einsatz für das Rettungswerk Jesu. Wir sind Botschafter an Christi Statt. Dabei ist noch kein Meister vom Himmel gefallen; aber haben wir auch nie Ausreden oder Minderwertigkeitskomplex. Denn Gott schenkt uns diese Qualität, dass wir in seinem Dienste stehen dürfen.

 

3) Die dritte Qualität des Christentums ist die von Gott geschenkte Qualität der Gemeinde. Vers 19: Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander. Immer sollten wir unserer Kirchengemeinde und der christlichen Gemeinschaft, in der wir stehen, unser besonderes Augenmerk widmen. Gott hat uns ja aus dieser Welt herausgerufen. Und es gibt immer welche, mit denen wir gemeinsam unseren neuen Weg gehen. Wir können uns diese nicht heraussuchen; sie sind uns von Gott zur Seite gestellt; mit ihnen sind wir zusammengespannt. Und da gilt es, sich ganz einzubringen, ohne dass wir etwas erzwingen wollen.

Der rechte Gemeindeaufbau ist eine großartige Sache, denn dadurch baut sich Gott seinen Tempel, der einmal nicht mehr in Jerusalem stehen wird, sondern heute schon in seiner lebendigen Gemeinde gebaut wird; und das geschieht nun schon seit 2000 Jahren. Sehen wir uns nie als Einzelkämpfer an, sondern haben wir immer das Gemeinsame in unserem Blickfeld. Das beinhaltet auch, dass es gilt, oft einmal die Eigeninteressen hinten an zustellen, weil die gemeinsamen Interessen Vorrang haben.

Jesus sagte einmal: Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Letztlich ist die Gemeinde das Übungs- und Bewährungsfeld des Christen. Wir sind zwar offen für alle Menschen, aber wenn jemand unsere Botschaft annimmt, dann kommt er ja auch zur Gemeinde. Gott preist ja nicht diese Welt selig, sondern allein die, die sich herausrufen lassen und sich in die Gemeinde hineinstellen.

Wir sind lebendige Bausteine im Verbund mit anderen. Ein Baustein für sich alleine ist nichts wert, sondern er bekommt seinen Sinn erst dann, wenn er zugehauen und eingemörtelt wird.

Und eine der größten Wünsche Jesu ist die Einheit der Gemeinde. Wir Christen sind wie einzelne Kohlenstücke. Und nur der Heilige Geist schenkt das rechte Feuer, die wahre Glut und Wärme. Eine Gemeinde, die diesen Geist nicht will, bleibt kalt.

Die Vereinzelung der Christen ist der üppige Boden für Anfechtungen, Verzagtheit und Verzweiflung. Wir brauchen echte Glaubensaussprache, -zwiesprache und -stärkung. Es gibt die Stärkung einer Glaubensgemeinschaft. Aber das gibt es nie in der Weise, dass wir darin unterschlüpfen könnten. Denn jeder kann auch darin nur dann bestehen, wenn er persönlich ganz in der Jesus- Verbindung steht. Nur dann kann man sich in rechter Weise in einer Gemeinschaft einbringen.

Oft wird für die Gemeinde das Bild des Leibes Christi benützt. Von Jesus, unserem Haupt, werden wir in Bewegung gesetzt. Bei ihm laufen alle Fäden christlichen Lebens zusammen. Und wir sind die Glieder, die füreinander wirken und da sein dürfen. Es gibt eine wohl weisliche Ordnung Gottes, an die sich die Gemeinde hält. Aber es gibt diese von Gott geschenkte Qualität der Gemeinde Jesu.

 

Jeden Tag neu, auch wenn wir in der Mühle des Streites und des Gegeneinanderseins stehen, dürfen wir uns dieser drei Qualitäten unseres Christentums erinnern und sie neu ausleben: Die Qualität des Reiches Gottes, des Christen und der Gemeinde. Dann bekommen wir von Gott gewaltige Qualifikationen, wertvolle Inhalte geschenkt. Keiner geht dabei leer aus. Jeder bekommt von Gott seinen ganz speziellen Standplatz zugewiesen, den er ganz ausfüllen darf.

Bruder Georg

 


 

2. Mose 20,1-17;  PREDIGT:

 

Die zehn Gebote

„ Gott redete alle diese Worte: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht. Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird. Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat. “

 

In diesen zehn Geboten haben wir das Grundgesetz des Volkes Gottes vor uns. Damit will uns Gott nicht den Spaß am Leben verderben, sondern damit tritt er als unser Liebhaber auf. Er gibt uns damit Wegweiser, die in die Freiheit führen. Wenn es jemand mit uns Menschen gut meint, dann ist es Gott mit seinen Geboten. Da gibt er uns väterliche Ratschläge. Damit umhegt er uns mit seiner ganzen Liebe. Er ist unser väterlicher Freund und Gönner.

Was im Alten Testament noch als Forderung aussehen könnte, das ist gerade durch das Neue Testament ein großes Geschenk Gottes an uns; eine Geschenktruhe mit zehn Inhalten. Man könnte auch sagen: Es sind zehn Seligpreisungen mit köstlichem Inhalt. Es sind zehn Kleinode von großem Wert. Es ist eine kostbare Halskette mit zehn wertvollen Edelsteinen.

Wenn uns das Leben gelingen will und soll, dann halten wir uns an diese zehn Gebote. Das lohnt und rentiert sich. Da gehen wir nie fehl. Da sind wir voll ausgelastet und nie fehlgeleitet. Gott lässt uns nie alleine abstrampeln. Sondern er ist uns immer ganz nahe und gibt uns seine Hilfen. Der Prophet Jeremia sagt sogar, dass Gott sein Gesetz in unser Herz schreibt. Man könnte auch sagen: Er flüstert es uns ins Ohr. Wer das Leben in vollen Zügen genießen will, dem ist nur zu raten, sich an die zehn Gebote zu halten. Darin findet er alle wesentlichen Lebensregeln, die wir zum Leben benötigen, die uns vorwärts und zielwärts bringen und uns zum Gelingen unseres Lebens verhelfen.

Die Zehn Gebote sind so eine Art Geheimtipp für uns Christen. Es wissen zwar viele Menschen darum. Aber wer hält sich schon daran? Sie sehen darin nur eine unverschämte Forderung Gottes, die sie nie erbringen wollen. Wir Christen aber kennen den wahren Kern und Inhalt, damit wir ein Fundament bekommen, darauf wir in rechter Art und Weise unser Leben aufbauen dürfen und können. Damit fließen uns die Kräfte zu, die uns fördern, helfen und weiter bringen.

Steht eine Klärung an, so meditieren wir die Gebote. Steht eine Wegscheidung vor uns, so finden wir in den Geboten richtungsweisende Worte und Ziele. Steht eine Krise an, so besinnen wir uns auf die Förderlichkeiten in den Geboten, die uns stärken und kräftigen. Steht eine Versuchung an, so beachten wir noch mehr die Aufträge, die in den Geboten stecken. Steht ein Feind vor der Lebenstüre, so schieben wir den Riegel vor, den uns Gott in den Geboten gibt. Steht ein Mobbing an, so wappnen wir uns mit dem Deckmantel Gottes, der uns in den Geboten angeboten wird. Denn der Sieg Gottes kann uns nicht mehr genommen werden. Unser gesamtes Leben bekommt einen positiven und guten Drall.

Man kann den Geboten eine kurze Dreiteilung geben: Sie sind uns 1) Riegel, 2) Spiegel und 3) Regel.

 

1) Die Gebote Gottes sind für uns wie ein Riegel. Unser Haus verriegeln wir, damit keine ungebetenen Gäste Zutritt haben und unser Eigentum geschützt bleibt. Eine Autoladung sichern wir, damit wir nichts verlieren und wir keinen Unfall bauen. Mit Versicherungen sichern wir uns ab, damit wir bei unvorhergesehenen Schäden, bei Krankheit und im Alter noch eine Lebensgrundlage besitzen. Sogar unser Lernen in der Schule, im Studium und im Beruf ist so eine Art Absicherung, damit wir das Nötigste zum Leben haben und wir uns etwas erwerben und verdienen können.

So sind auch diese Gebote so eine Art Riegel. Sie sind Absicherungen, damit wir bei den vorhandenen Gefahren, Abgründen, Finsternissen, Betrügereien und Lügen eine feste, innere Grundlage haben. Darauf können wir unser gesamtes Lebensgebäude mit Elan aufbauen und unser gesamtes Leben meistern. Auch bei den Geboten gilt es zu lernen, was wir damit an positiven Lebenserfahrungen bekommen können, damit wir gute, zuverlässige und hilfsbereite Bürger werden und sind.

Statt Riegel könnte man auch Rahmen sagen. Mit unserem gesamten Leben gestalten wir ein Bild, ein Gemälde. Und damit wir nicht aus dem Rahmen fallen, sind uns die Gebote gegeben. Gleichzeitig verhelfen sie uns, dass innerhalb des Bildrahmens etwas Wertvolles entstehen kann. So freut sich jeder, der das Bild betrachtet, über uns und über das, das da im Entstehen ist.

Wer schon einmal anspruchsvolle Bergtouren unternommen hat, der weiß um die wertvollen Hilfen von Seil, Steigeisen, Pickel und die vorgegebenen Absicherungen. Keiner würde darauf kommen, dass das Schikane wäre. Sondern jeder ist dafür dankbar, weil er damit vor dem Abstürzen sicher ist und ans Ziel kommt. So wollen die Gebote verstanden werden. Sie sind uns Riegel, Rahmen und Absicherungen.

 

2) Die Gebote Gottes sind für uns ein Spiegel. Wenn man sich die Haare kämmt, sich rasiert, ein Makeup und sich schön macht, benötigt man einen Spiegel. Das sind positive Handlungsweisen. Keiner würde darauf kommen, dass das etwas Negatives wäre. Dies gehört einfach zum Leben dazu.

Zu solch einer positiven Lebensweise verhelfen uns auch die Gebote. Gerade für Bußzeiten kann man die Gebote bestens benützen, um uns abzuklären, was wir noch besser machen und wie wir uns noch klüger verhalten können. Buße heißt Umkehr. Durch die Gebote ist es möglich, dass ich mich rechtzeitig abkläre, was schlecht und was gut ist. Damit werde ich vor vielen Irrwegen und Dummheiten bewahrt. Dann renne ich nicht wie ein Ochs ins Verderben, sondern ich kann mich immer und immer wieder recht entscheiden, das Rechte tun und das Gute vollbringen.

So sind die Gebote Gottes weniger ein mahnender Zeigefinger Gottes, sondern viel mehr aufmunternde Worte Gottes, um mich vor Verfehlungen und Verirrungen zu bewahren. So verhelfen sie mir zur rechten Bewältigung aller Lebenssituationen.

Als Handwerker benötige ich öfters einen Spiegel, um versteckte Schäden zu entdecken. So zeigen mir auch die Gebote versteckte Schäden in meinem Leben auf, bevor sie ausbrechen und vieles verderben könnten. So sind sie quasi der TÜV meines Lebens. Ich lasse mir vom Fachmann Gottes aufzeigen, wo noch etwas verbesserungswürdig ist, damit alles noch besser gelingt und in geordneten Bahnen abläuft.

Es kommen Lebenssituationen, in denen es ganz wichtig ist, dass wir Gott nach seiner Meinung fragen. Die Zeit, die wir dafür aufwenden, kommt längst wieder herein, Ja, je mehr Zeit wir dafür aufwenden, umso mehr bewahrt uns das vor Fehlentscheidungen und Fehltritten; umso mehr können wir vorwärts sehen und vorwärts gehen und dürfen vieles leisten und zuwege bringen. Dann fallen wir nicht auf die Nase. Dann treten wir nicht ständig ins Fettnäpfchen. Sondern wir kennen die Anwendungsgesetze Gottes, die uns den Weg zur rechten Bewältigung aufzeigen, Dazu benötigen wir den Spiegel Gottes in seinen Geboten.

 

 3) Die Gebote Gottes sind für uns die Regel. Überall gibt es Regeln, in der Schule; bei der Ausbildung; im Staat gibt es die Gesetze, die ganze Bücher füllen, z.B. das Grundgesetz und das Bürgerliche Gesetzbuch. Im Verkehr gibt es die Verkehrsregeln. Wer einen Führerschein haben will, muss Bescheid wissen und dafür teuer bezahlen. Auch in jeder Art von Zusammenleben läuft vieles nach ganz bestimmten Regeln ab. Weh, wenn einer sie übertritt, der muss es büßen. Wohl dem, der sie beachtet und darüber ein gutes Vorbild ist.

Die Gebote Gottes sind in zehn einfache Sätze zusammen gefasst. Sie verhelfen uns zum rechten Verhalten Gott und den Mitmenschen gegenüber. Sie wollen uns nicht bedrücken und bedrängen, sondern helfen und fördern.

Die beiden Worte: „Du sollst…“ kann man verschieden verstehen. Sie können wie eine steile Forderung vor uns stehen, die uns in die Knie zwingen, sodass man davor eine Abscheu hat. Dann fragt man sich: Kann ich das überhaupt erfüllen und halten? Sind sie nicht zu schwer für mich? Und man steigt aus, bevor man sie überhaupt zu Herzen nimmt, geschweige denn beachtet.

Man kann aber diese beiden Worte: „Du sollst…“ auch ganz anders verstehen. Und so verstehe ich sie auch persönlich. Wenn zu den Lebzeiten Jesu Kranke zu ihm gebracht wurden, dann legte Jesu seine Hände auf sie und sagte: „Du sollst gesund werden“. Und der Kranke wurde gesund.

Ein Beispiel dazu aus meinem Leben. Während meiner Ausbildungszeit in einer Firma machte ich auch vieles mit, was die anderen taten, z.B. das gedankenlose Fluchen. Während dieser Ausbildungszeit wurde ich ein praktizierender Christ. So nebenbei bemerkte ich, dass ich gar nicht mehr fluchen konnte und musste. Durch die Handlung Jesu an mir wurde ich davon geheilt.

Verstehen wir auf diese Art und Weise jedes Gebot. Jesus Christus legt seine Hände auf uns und sagt: „Du sollst ….“ Und er befreit und befähigt uns zu diesen Handlungen. Bei dieser Art des Verständnisses spüren wir die grenzenlose Macht Gottes. Auf der einen Seite werden wir von allen Untugenden, Krankheiten und Fehlverhalten befreit. Und auf der anderen Seite werden wir befreit zu einem guten und vorbildhaften Leben, mit dem wir alle Situationen mit Bravour bewältigen dürfen.

Für uns Christen gilt Matthäus 28,18: „Jesus hat im Himmel und auf Erden alle Macht.“ Er gibt uns nicht einen 100 Euroschein in die Brieftasche. Aber er gibt uns die Schaffenskraft und die Weisheit, um uns einen 100 Euroschein verdienen zu können. Er flickt nicht unser Fahrrad. Aber er gibt uns das Gelingen, das Fahrrad flicken zu können. Verstehen wir das auf geistlichem Gebiet in rechter Art und Weise. In Galater 5 sind die Früchte des Geistes genannt: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Keuschheit. Diese Früchte will uns Gott in den Geboten zukommen lassen, ja schenken. So gehen wir nie leer aus, wenn wir seine Regeln beachten und einhalten.

 

Riegel, Spiegel, Regel: In diesem Grundgesetz der zehn Gebote für das Volk Gottes tritt Gott als unser Liebhaber auf. Er gibt uns damit Wegweiser, die in die Freiheit führen. Wenn es jemand mit uns Menschen gut meint, dann ist es Gott mit seinen Geboten. Da gibt er uns väterliche Ratschläge. Damit umhegt er uns mit seiner ganzen Liebe. Er ist unser väterlicher Freund und Gönner. Die zehn Gebote sind eine Geschenktruhe mit 10 wertvollen Inhalten. Nehmen wir sie an. Benützen und gebrauchen wir sie. 

 

Bruder Georg

 


 

 

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