Gedanken zum 2. letzten Sonntag des Kirchenjahres

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Predigt Offenbarung 2, 8-11

Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr

gehalten am 19. November in St. Jakob, Augsburg

 

Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und er Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich weiß deine Trübsal und deine Armut – du bist aber reich – und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden und sind’s nicht, sondern sind die Synagoge des Satans.
Fürchte dich nicht vor keinem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet Trübsal haben zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.
Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen vom zweiten Tod.

 

 

I.

Man kann ´durchkommen` und ´weiterleben` -, aber finden, dass das ´eigentlich kein Leben ist `. Da ist ´nichts zu hoffen`.

Es kann aber auch sein, dass man auf seinen sicheren Tod zugeht, mit Worten auf den Lippen, so ähnlich, wie Umstehende sie aus dem Mund Dietrich Bonhoeffers hörten, als er zur Hinrichtung ging: „Das ist das Ende; für mich der Anfang des Lebens“.

Man kann also schon sagen, dass es zweierlei Arten von Tod gibt; zweierlei Tod: einen, über den man hinausblickt; und einen, der einem keine Aussicht lässt.

Im ersten Fall ist das Leben stärker: Da ´lebt` man wirklich und ´glaubt`, auch den unvermeidlichen Tod zu ´überleben`. Da traut man sich, am Grab aus der Bibel zu zitieren: „Der Tod ist verschlungen vom Sieg“. Man stellt sich vor, dass der Tod wieder vergeht, verschwindet,- und fühlt sich siegreich. Da empfindet man am offenen Grab, in dem erschütternden Augenblick, wenn der Sarg hinuntergelassen ist, das Wort Jesu nicht als deplaciert: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,- und wer lebt und an mich glaubt, der wird nie mehr sterben“. Auch das klingt ja  nach zweierlei Tod: der eine ist eingetreten; aber wir blicken über ihn hinaus. Wer an Jesus glaubt, dem ´macht der Tod nicht viel aus`; denn er glaubt, in veränderter Weise,- besser-, weiterzuleben.-

Und ´der andere Tod`, - die andere Art von Tod, die aussichtslose,- dieser andere Tod betrifft ihn nicht. Wer an Jesus glaubt, hat mit dieser Art von Tod nichts zu tun, hat von dieser Seite nichts zu befürchten.-

„Jakob, der Lügner“ ( st 774 ), hat in Jurek Beckers verfilmtem Roman die Stimmung unter den Bewohnern des Warschauer Ghettos durch frei erfundene , angebliche Radionachrichten erheblich verbessert. Diese Nachrichten gaben vor, dass die Befreier nahen. In Wirklichkeit wurden die Bewohner des Ghettos nach und nach in Vernichtungslager abtransportiert. Wenn man zu Jakob ging, sah „die Welt nach solchem Besuch ein klein bisschen rosiger“ aus. Jakob konnte „eine Kleinigkeit überzeugender als andere ´Kopf hoch` sagen...oder ´es wird schon wieder werden` oder etwas in der Art“. (250).

 

II.

Aber eines Tages traf Kowalski Jakob „in denkbar schlechter Verfassung“ an (246). Er war „matt, gleichgültig, wortkarg“, fühlte „eine bislang unbekannte Schwäche“ und quälende „Mutlosigkeit“.

„Was ist mit dir?“, fragte Kowalski (247).

„´Ich kann nicht mehr´“,  sagte Jakob (249). „´Bei mir ist die Grenze...erreicht` “. „´Ich glaube an kein gutes Ende mehr`“.- Nach diesem Besuch hat Kowalski sich erhängt (254 f).

In dieser Geschichte, so scheint es, hat „der zweite“, der aussichtslose „Tod“ zugeschlagen. Jakob, der „Seelentröster“ (250), wie Jurek Becker ihn nennt, und Kowalski, der Trost suchte-, beiden ist „Leid geschehen von dem zweiten Tod“, weil sich herausstellte, dass sie sich mit Illusionen getröstet hatten, dass die angeblichen Radionachrichten von „Jakob, dem Lügner“, erfunden waren.-

Am Ende des Romans schreibt Jurek Becker: „Zuverlässig nähert sich die Geschichte ihrem nichtswürdigen Ende...“ (257).Aber es widerstrebt ihm, sich damit abzufinden. Er sagt: „eigentlich jammerschade um eine so schöne Geschichte, dass sie so armselig im Sande verläuft, erfinde ihr ein Ende, mit dem man halbwegs zufrieden sein kann, eins mit Hand und Fuß, ein ordentliches Ende...“ (258).

Also erzählt er „ein Ende, das sich nie ergeben hat“: „Kowalski darf Auferstehung feiern“; „denn Jakob verzichtet auf das Geständnis“, dass ihm nichts Tröstliches mehr einfällt.

Was Becker hier „Auferstehung“ nennt, ist nichts anderes, als dass der Schriftsteller das enttäuschende „nichtswürdige“ Ende der Geschichte in ein „happy end“ umdichtet.

In Wirklichkeit ´geschieht einem Leid vom zweiten Tod`; aber man will es sich nicht eingestehen.

„Aber dann sind mir doch starke Bedenken gekommen betreffs der Wahrhaftigkeit“, schreibt Becker, „es klang im Vergleich einfach zu schön, ich habe mich gefragt, ob es gutgehen kann, wenn man irgendeinem traurigen Tier aus Liebe den prächtigen Schwanz eines Pfauen anhängt“ (258).

 

III.

Der Verfasser des Schreibens an die Kirche in Smyrna-, heute ist die Stadt türkisch, islamisch und heißt Izmir-, hatte diese Bedenken nicht.

Wer war der Verfasser?

Zu Papier gebracht wurde der Text von Johannes auf der Gefangeneninsel Patmos. Das ist ein ähnlicher Ort wie das Ghetto.

Sind diese Sendschreiben also mit den Hoffnung weckenden angeblichen Radionachrichten zu vergleichen, die „Jakob, der Lügner“, verbreitet hat, um den Menschen im Ghetto Mut einzuflößen und die Stimmung zu heben?

 

a) Ein Unterschied fällt auf: Johannes versucht nicht, den unausweichlichen Tod wegzudichten. Die Stimme, die er hört, sagt ihm nicht, dass die Christen in Smyrna vor Leiden verschont werden und dem Tod entgehen.

Die Stimme sagt: „Ich weiß von deiner Bedrängnis und Not.“

Sie sagt nicht: Ich wende sie ab.- Keine ´Nachrichten` von nahender Befreiung

Sie spricht von Festnahmen.- „Vor einer halben Stunde haben sie Elisa  Kirschbaum abgeholt“ (246). Das war der Moment, in dem Jakobs Lebensmut und seine Phantasie, sich gute Nachrichten auszudenken, hoffnungslos zusammenbrachen.- Die Stimme, deren Diktat Johannes wiedergibt, sagt: ´Es wird so weitergehen`: „Etliche von euch“ werden „ins Gefängnis“ geworfen.- Ob man da wieder herauskommt?- Das kann das Ende sein.

´Treu bleiben`  „bis zum Tod“! „Treu bleiben“, heißt, „gläubig bleiben“.

Das gleiche Wort im Griechischen.-

 

b) Es handelt sich hier um eine Art von Tod, über den man hinausblicken kann. Das ist der „erste Tod“. Er führt einen zur Begegnung mit dem, der diesen Brief diktiert hat. „Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und wieder lebendig geworden ist“.

Es gibt also einen, der den Tod als Vergangenheit hinter sich hat: „Ich war tot“. Und jetzt lebt er. Und die er anspricht,- an die er etwas Schriftliches, z.B. diesen Text aus der Bibel adressiert, jetzt gerade uns-, denen sagt er: „Seid getreu bis an den Tod, so will ich euch die Krone des Lebens geben“.

 

IV.

Keine Rede davon, dass das „nichtswürdige Ende“ vermieden wird.

Der Tod fällt nicht aus.- Das ist ein Jammer. „Jammerschade“, dass die Geschichte „so armselig im Sande verläuft“! „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“.

 

a)Der hier spricht, spricht die Realität in ihrer ganzen Härte an.

Das Leben ist ein Kämpfen. Und am Ende steht der Todeskampf. Das ´friedliche Einschlafen` wünscht man sich zwar; aber man kann es nicht abonnieren.

Die Bibel ´macht uns nichts vor`: Sie spricht von ´Kampf`.

Aber das ist ein Kampf, in dem man  „siegen“ kann.

´Hört zu!`, sagt Jesus, ´macht die Ohren auf! Der Geist Gottes hat den Gemeinden etwas mitzuteilen.`

Die Mitteilung lautet: „Wer siegt“-, wer in diesem Kampf siegt: Wer das Leiden und die Mangelerscheinungen, die Diffamierungen und das Unrecht, das ihm angetan wird, aushält,- „wer überwindet“, wer am Glauben festhält und „treu bleibt bis zum Tod“, der braucht diese zweite Art von Tod nicht fürchten: Die, die aus Jakob, dem fröhlichen Erfinder guter Nachrichten, „von einer Minute auf die andere“ (246) einen gebrochenen, hoffnungslosen, völlig entmutigten, in sich zusammengesunkenen Mann gemacht hat; und die Kowalski mit reglosen Gesicht „wie eine Salzsäule“ (251) dasitzen und dann heimgehen und sich am Fensterkreuz erhängen ließ.

Wer Leiden und Tod nicht „überwindet“, der wird davon überwunden.

Wenn der Tod nicht ´verschlungen wird vom Sieg`, dann verschlingt der Tod seine Opfer. Man kann das Ghetto nicht trösten, indem man das Schicksal, das ihm bevorsteht, mit erfundenen Nachrichten wegzudichten versucht. Es nützt nichts, vor Tod  und „Teufel“ die Augen zu verschließen. In dem Brief an die Christen in Smyrna heißt es: „Der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis bringen“. Und ihr müsst standhaft bleiben „bis zum Tod“.

 

b) Nur so werden Leiden und Tod zu jener ´ersten`, erträglichen akzeptablen Art von Leiden und Tod, über die man hinausblicken kann, weil man sich von ihnen ´nicht unterkriegen` lassen muss.

Der diesen Brief diktiert hat, ist immerhin einer, „der tot war“,- eigentlich heißt es: ´der tot wurde`, d.h. den man umgebracht hat.

Auf jedem christlichen Altar steht, und in den meisten Häusern, in denen Christen wohnen, hängt das Bild dieses Toten, bzw. Sterbenden am Kreuz. Er hat den Tod nicht umgangen und führt auch seine Gläubigen nicht am Tod vorbei. Aber er macht den Tod zu etwas Vorübergehendem. „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit“.

 

c)Hier „dichtet“ nicht einer ein „happy end“, damit die Wirklichkeit die geplagten Menschen nicht allzu hart ´erwischt`.

Vielmehr hat hier einer mit Gottes Hilfe, durch Gottes Kraft den unausweichlichen Tod hinter sich gebracht. Und von dort aus diktiert er dem auf der Gefangeneninsel Patmos internierten Johannes einen Brief an die bedrängten, öffentlich diffamierten, von Festnahme, ja sogar Hinrichtung bedrohten, wehrlosen Christen in Smyrna.
Er schreibt: „Ich weiß“, wie es mit dir steht; „ich kenne  deine Bedrängnis und deine Armut“. Aber ich sehe das anders. Ich blicke darüber hinaus. Und ich lade euch ein, ebenfalls darüber hinaus zu blicken. Seht auf mich, der „tot war und wieder lebendig geworden ist“.

Wenn ihr über das, was euch droht, hinausblickt und auf mich seht, dann seid ihr eigentlich gar nicht so ´arm dran`. Und wenn ihr von Seiten des Gottesvolkes öffentlich geschmäht werdet-, aber in Wirklichkeit sind das nicht Juden; sie ´stellen sich nur so`; es ist eine Pseudo-“ „Synagoge des Satans“-, da braucht ihr euch keine Sorgen zu machen. Was immer über euch kommen mag-, es wird seine Zeit dauern: „10 Tage“ Gefängnis,- oder auch Jahre, Jahrzehnte. „Habt“ deswegen „keine Angst“! „Erhebt eure Häupter!“ Blickt darüber hinaus. Ich komme, um euch die Krone des Lebens aufzusetzen.

Der Gekreuzigte, der auferstanden ist, kann wesentlich „überzeugender als andere ´Kopf hoch` sagen“. Das kann man gar nicht vergleichen.

 

Amen!

 

Pfarrer Wolfhart Schlichting

 


 

MATTHÄUS 25,31-46;   PREDIGT:

 

Vom Weltgericht

„ Wenn der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben. “

 

Ein bekannter Kirchenvater sagte: „Liebe, - und dann tue, was du willst!“ Wir werden einmal nicht danach gefragt, wie sich mein Nächster mir gegenüber verhalten hat. Sondern das geht genau umgekehrt. Ich werde einmal danach gefragt und beurteilt, wie ich mich meinem Nächsten gegenüber verhalten habe. Gerade als Christen mogeln wir uns da nicht durchs Leben. Sondern wir erkennen den Ernst des Lebens und richten unser Leben danach ein. Da gibt uns Gott alles an die Hand, was dazu nötig ist. Dadurch wird auf der einen Seite alles sehr schlicht und einfach. Und auf der anderen Seite leben wir doch gerecht, erfüllt und ewig selig.

Wir sind zum Weltgericht unterwegs. Durch unsere Lebensweise entscheiden wir selbst, wo und wie wir unsere Ewigkeit zubringen werden. Bei diesen wichtigen und letztgültigen Fragen verweist uns Christus auf unseren ganz gewöhnlichen Alltag. Es ist sehr entscheidend, wie wir uns da verhalten. Gott will, dass wir uns den Verantwortlichkeiten des rechten Miteinanders stellen. Dann geschieht auch die rechte Zubereitung auf unsere Ewigkeit. Dann wird unser Leben in rechter Weise bewältigt und vollendet. Also: Wer das alltägliche Treiben ernst nimmt, der nimmt auch seine Ewigkeit ernst.

Wir brauchen keine hochtrabenden Überlegungen, um im Sinne Gottes erfolgreich zu sein. Wir müssen nicht in Angst vergehen, um recht zu leben. Gerade durch unser ganzes Vertrauen in die Führung und Leitung Jesu Christi stabilisiert sich unser Leben, sodass wir im rechten Einsatz stehen können. So leben wir nie umsonst. So sagen wir nie: „Unser Leben und Einsatz bewirkt nichts! Da kann man nichts machen!“ Sondern wir bekommen das Geschick, in selbstverständlicher Art und Weise unseren Platz auszufüllen und recht zu leben. „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!“ So sagt es ein bekanntes Sprichwort. Und der Wille Gottes ist immer der größere und bessere. Damit finden wir Christen immer einen Weg zur Hilfe, zum rechten Miteinander, zur Bewältigung der momentanen Situation.

„Liebe, - und dann tue, was du willst, was du für richtig hältst und siehst!“ Damit ist die Liebe Gottes gemeint, die ich empfangen und weitergeben darf. Diese Liebe will durch mein Leben hindurchfließen und bei meinem Nächsten ankommen, landen.

Es gibt eine dreifache Steigerung oder Sichtweise unserer Verantwortung: 1) Unsere Verantwortung liegt vor unserer eigenen Lebenstüre. 2) Gerade mit unserem Dienst am Nächsten dienen wir auch Gott. 3) Am Jüngsten Tag wird unsere Lebensakte geschlossen.

 

1) Unsere Verantwortung liegt vor unserer eigenen Lebenstüre. Da erwartet Christus das Nächstliegende, dass wir unser Leben mit den anderen teilen, so wie Christus sein Leben mit uns teilt. Da haben wir die Verantwortung des rechten Miteinanders. Da gilt die Aussage eines unbekannten Verfassers: „Ich suchte mich und fand mich nicht; ich suchte Gott und er entzog sich mir; ich suchte meinen Bruder und fand alle drei!“

Das Betrachten der Heiligen Schrift mit allen biblischen Größen, an der Spitze Jesus; das Meditieren der biblischen Wahrheiten; unser Gespräch mit Gott; unser Öffnen für das Handeln und Wirken Gottes haben den einen Sinn und Zweck, dass wir uns dort ganz einbringen, wohin uns Gott gestellt hat.

Es ist immer wieder wesentlich, dass wir den nächsten Schritt erkennen, gehen und ausführen, so gut es uns möglich ist.

Es ist gut und schön, wenn wir so eine Art „Gesamtübersicht“ für unser Leben haben. Aber da kann man sich auch sehr täuschen. Wo man sich nie täuschen kann, ist die Art und Weise, wo wir unserem Nächsten beistehen und helfen können. Das ist das Gewisseste unseres Lebens. Darauf liegt der große Segen Gottes. Da verhält man sich immer richtig, egal ob es der andere bemerkt oder nicht bemerkt; ob es mir der andere bedankt oder nicht bedankt. Da kann man sich nie irren. Soweit es möglich ist und es an uns liegt, halten wir mit allen Menschen Frieden, helfen wir ihnen und leben somit das rechte Miteinander.

„Jeden Tag eine gute Tat!“ Das ist so ein Wahlspruch, der nicht schlecht ist. Alle Werke der Diakonie sind entstanden, weil eine ganz bestimmte große Not vorhanden war, die man lindern wollte. „Brot für die Welt!“ und andere Spendenaktionen sind sehr nötige und hilfreiche Aktionen, um weltweit zu helfen, wo Hilfe sehr nötig ist. Auch alle sozialen Maßnahmen sind ganz wesentlich. Da gibt es sehr viele Aufgabenfelder, wo wir angefragt sind, was „wir“ als unsere Aufgabe ansehen, um uns ganz einzubringen.

Es genügt nicht, zu sagen: Das ist die Aufgabe der anderen, des Staates, der Kirche, der Organisationen, der Wohlhabenden. Sondern hier ist jeder ganz persönlich angefragt, was ihm möglich ist. Da kommt es nicht auf den äußeren Wert an, sondern auf die innere Qualität unserer Nächstenliebe. Liebe, - und dann tue, was du willst.

 

2) Gerade mit unserem Dienst am Nächsten dienen wir auch Gott. Die große Überraschung in diesem Weltgerichtsgleichnis besteht nicht darin, ob sie dem Nächsten gedient oder nicht gedient haben. Sondern sie besteht darin, dass sie damit Christus gedient oder nicht gedient haben. Viele übersehen diesen Zusammenhang, den uns hier Christus zeigen will: ||„In unserem Nächsten dienen wir Gott!“|| Das ist ein sehr wesentlicher Punkt unseres Alltags.

Unsere irdischen Vorgesetzte sind nicht die letzte Instanz. Unsere weltlichen Richter sind nochmals einer höheren Instanz unterstellt. Alle Selbstherrlichkeit im Kleinen oder Großen, im Geringen oder Hohen, im Schwachen oder Gewaltigen, Starken ist falsch. Jeder ist noch einmal zusätzlich vor Gott verantwortlich, ob er es weiß oder nicht. Der höchste Vorgesetzte, die letzte Instanz alles Lebens ist Jesus Christus. Daran kommt keiner vorbei. Wir Christen haben den großen Vorteil, dass wir das wissen.

Wer nur in die eigene Tasche sammelt; wer nur darauf bedacht ist, ein großes Bankkonto anzuhäufen; wer nur sich selbst im Sinne hat und sich somit seinem Nächsten gegenüber schofel verhält; der ist der ärmste Tropf, den es gibt, der auf dieser Erde herumläuft und existiert. Er gehört zu den Törichten, Irrenden und Falsch- Gewickelten.

Gott ist schon gerecht! Wer Gott alles Unrecht in die Schuhe schiebt; wer bemängelt, warum Gott so viel Böses zulässt und ihm deshalb Vorwürfe macht; der urteilt falsch. Richtig ist, dass Gott viel Ungerechtes und Scheußliches zulässt, aber er lässt es nicht ungestraft zu. Sie werden alle einmal zur Rechenschaft gezogen. Es gibt eben den Teufel, der ein Gott der Täuschung, der Verdrehung und der Lüge ist. Wer ihm verfällt, verwirkt unwiderruflich sein ganzes Leben.

Die Entscheidung darüber, ob wir Gott dienen oder nicht dienen, fällt nicht in unserem Kopf, mit unserer Intelligenz, sondern in unsrem ganz praktischen Alltag. Damit bekommt unsere tägliche Arbeit eine große Dimension und ein großes Gewicht. Christus zeigt uns den einfachsten und unkompliziertesten Weg, auf dem wir Gott dienen können, wenn wir unserem Nächsten helfen und beistehen. Noch einfacher und unkomplizierter geht es nicht. So ist Gottes größte Wille, dass uns das Zusammenleben gelingt und recht bewältigt wird. Hier ist Gott voll drauf. Und auch wir sind damit voll drauf in der rechten Lebensbewältigung. Also machen wir uns das Leben nicht komplizierter als es ist. Gerade mit unserem Dienst am Nächsten dienen wir auch Gott.

 

3) Am Jüngsten Tag wird unsere Lebensakte geschlossen. Und für uns bricht der Jüngste Tag in der Todesstunde an. Und weil wir vorher nicht wissen, wann dieser Tag sein wird, ist in dieser Richtung jeder Tag wesentlich. Dafür gibt es sehr viele Hinweise in der Bibel. Ein aufmerksamer Bibelleser weiß allezeit darum. So haben wir kaum einen Einfluss darauf, wann diese Stunde sein wird. Aber wir haben sehr wohl einen Einfluss darauf, welches Urteil wir dann empfangen werden.

Was sagen die biblischen Aussagen dazu? In unserem Gleichnis ist eindeutig die Art und Weise unseres Verhaltens dem Nächsten gegenüber genannt. Beim Gleichnis vom Feigenbaum sind die Früchte genannt, die Gott bei uns sucht. Solche Früchte sind nicht mit Erfolgen zu verwechseln. Denn die Erfolge heben uns selbst auf den Sockel aller Ehre. Die Früchte sind dagegen dazu da, dass die anderen davon nehmen, essen und zu Ehren kommen. Bei dem Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen wird betont, dass wir allezeit auf sein Kommen gerüstet sein sollen, und nicht nur in der Welle der Begeisterung. An vielen Stellen weist Christus darauf hin, dass wir allezeit wachsam, aufmerksam und verantwortlich leben sollen und nicht wie ein Filou, Taugenichts oder Schmarotzer. Dann brauchen wir vor seinem letzten Kommen keine Angst zu haben.

Letztlich will uns Christus in Bezug auf unsere Todesstunde eine große Hoffnung und Zuversicht vermitteln. Wer sich ihm anvertraut, der lebt nicht nur richtig, sondern der wird auch in rechter Weise auf die selige Ewigkeit vorbereitet. Christus bereitet für jeden Christen eine Wohnung in den ewigen Hütten vor. In diese dürfen wir einziehen, wenn für uns die irdische Hütte zu Ende ist, abgebrochen wird. Dann wird unser Leben in rechter Weise vollendet.

Sagen wir deshalb nie: Das und jenes tue ich erst dann, wenn sich das und jenes ändert. Schieben wir nie mit Ausreden das hinaus, wo wir klar wissen, dass das „heute“ dran ist. „Heute, wenn du seine Stimme hören wirst, so verstocke dein Herz nicht!“ (Hebräer 3,7.15) Setzen wir uns allezeit dafür ein, was jetzt, zur Zeit, möglich ist. Gott öffnet uns dazu die Augen und das Herz. Und er gibt uns auch die Kraft und das Gelingen dazu. So wäre es sogar schofel, wenn wir Gottes Reden und Mahnen nicht beachten würden. Jesus kam ja deshalb auf die Erde, um uns den rechten Weg zu weisen und zu zeigen; „auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben!“ D.h. heute schon dürfen wir dieses ewige Leben haben. Heute schon können wir im Buch des Lebens stehen. Und das ist sehr wichtig, wenn unsre Lebensakte geschlossen wird.

 

Liebe, - und dann tue, was du willst! Das ist kein leichtfertiger Satz, keine leichtfertige Aufforderung. Sondern das ist eine Lebensphilosophie, die uns nur Christus in rechter Weise vorgelebt hat und uns vermitteln kann. Gerade in kritischen Lebensphasen ist diese Liebe wesentlich. Und weil die Liebe Gottes immer vorhanden ist und wir sie allezeit ergreifen dürfen; so können auch wir in dieser Liebe unser ganzes Leben durchgehen, meistern und diese weitergeben.

 

Bruder Georg


 

Römer 8,18-25; PREDIGT:

 

Hoffnung für die Schöpfung und Gewissheit des Heils:

„ Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit - ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat -, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld. “

 

Als Christen haben wir mehr zu hoffen, als wir Menschen normalerweise zu hoffen wagen. Gott schenkt uns so viele Möglichkeiten, mit denen er uns aus unserer Begrenztheit heraus löst. Er schenkt uns ein sehr weites Betätigungsfeld und ein sehr umfassendes Verständnis vom Leben. Er eröffnet uns die Vielschichtigkeit des irdischen und des himmlischen Lebens. So steckt in unserem Leben sehr viel drinnen. Gerade durch die Taufe hat Gott eine sehr wertvolle Fracht in unser Leben gelegt, die wir ausnützen und gebrauchen dürfen.

Gott will nicht, dass wir am Leben irre werden, sondern dass wir es voll genießen können. Aber es geht nicht nach dem Prinzip der Spassgesellschaft, sondern mehr nach dem Prinzip, das uns Jesus vorgelebt hatte. Aus Liebe zu uns Menschen verließ er die Herrlichkeit Gottes und kam ganz arm zu uns. Aber gerade darin lebte er seine ganze Macht aus, mit der er den Ärmsten beistand und half. Diese Ärmsten erkannten seine Herrlichkeit und Größe. Und so ist es zu allen Zeiten, auch heute. Wer sich Jesus öffnet, erkennt und erfährt die verborgene Herrlichkeit, Größe und Macht des Christus. Damit werden wir überreich beschenkt, viel mehr, als wir zu erwarten hoffen. Das geschieht mit unserer Öffnung und Bereitschaft, in der Nachfolge Christi zu stehen.

So müssen wir nicht stumpfsinnig durch die Tage trotten. Sondern es ist eine sehr lebendige Angelegenheit, mit der wir das von Gott Anvertraute einsetzen, anwenden und weiter geben. Wir wissen uns unserem Gott verpflichtet, der das Beste aus unserem Leben macht. Darüber schenkt er uns schon heute eine sehr lebendige Hoffnung für unsere Zukunft und Ewigkeit.

Sehen wir nicht so sehr auf das Negative, das natürlich auch vorhanden ist. Denn es gibt auch sehr viel Erfreuliches, Gutes, Beständiges und Herrliches. Damit können wir in positiver Weise durch alles hindurch finden und hindurch gehen. Das gibt uns sehr viel für unser persönliches Leben. Und gerade das befähigt uns auch zum rechten Zusammenleben und ebenso zum rechten Verhalten zum gesamten Umfeld unseres Lebens, zur Natur, zu den Pflanzen und Tieren, zu der ganzen Schöpfung.

Unser Leben spielt sich ja in vielen Zusammenhängen ab. Das fordert uns heraus, überall das Beste zu geben, für das Beste zu sorgen. Auch wenn viel Erschreckendes geschieht, so leben wir doch gerade darin dem Prinzip der Hoffnung. 1) Wir leben mitten in der Schicksalsgemeinschaft der gesamten Kreatur und Natur. 2) Das Prinzip Hoffnung geht nicht baden, sondern schenkt Erfüllung und Herrlichkeit. 3) Wir steuern auf die Ewigkeit Gottes zu, die sich schon zu unseren Lebzeiten entfaltet.

 

1) Wir leben mitten in der Schicksalsgemeinschaft der gesamten Kreatur und Natur. Für Franz von Assisi wurde das ein ganz besonderes Anliegen. Statt die Leiter des Erfolges, des Vermögens und der Macht zu erklimmen, trachtete er nach dem Wohlergehen seiner damaligen Umwelt, den kranken Menschen und den Tieren. Würde er heute leben, so hätte er auch ein besonderes Anliegen für unsere Umwelt. Gerade die Bewahrung der Schöpfung darf uns Christen ein besonderes Anliegen sein. Das Artensterben von Pflanzen und Tieren nimmt eine rasende Geschwindigkeit an. Was sich in Jahrtausenden so nach und nach entwickelt hat, das wird in kürzester Zeit vernichtet. Und wir Menschen sind durch unsere rücksichtslose Ausbeutung und Umweltverschmutzung daran schuld. Und wir spüren gar nicht, dass darunter unsere Umwelt leidet. Als Imker ersehe ich das am Bienensterben, das zurzeit um sich greift. Solche stattfindenden Katastrophen im  Kleinen und Großen sollte uns hellhörig machen. Im Text heißt es: Das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Gerade wir Christen haben hier eine besondere Verantwortung, die wir nicht zur Seite schieben und vernachlässigen dürfen. Wir können zwar die Zeit nicht zurück drehen. Aber wir können vieles unternehmen, damit es nicht noch schlimmer wird. Es gibt viele Möglichkeiten der Linderung und Abhilfe. Wenn das schon für Paulus vor 2000 Jahren ein großes Anliegen war, so darf das heute mindestens genauso ein großes Anliegen für uns sein. Da warten sehr viele Aufgaben auf uns, die wir beherzigen und bewältigen dürfen. Da dürfen wir nicht den Kopf in den Sand stecken und meinen, dass uns das nichts angeht. Denn dann schlagen irgendwann die vernichtenden Wellen über uns zusammen. Dann gibt es keine Hoffnung mehr. Gerade wir im Reichen Westen haben sehr viele Möglichkeiten zur Rettung der Umwelt und der Kreatur. Uns ist so vieles möglich, das in dieser Richtung sinnvoll ist und uns weiter bringt. Lassen wir uns auch dafür die Augen öffnen und setzen wir uns dafür ein.  Das gehört mit zu unserer Schicksalsgemeinschaft mit der gesamten Kreatur und Natur.

 

2) Das Prinzip Hoffnung geht nicht baden, sondern schenkt Erfüllung und Herrlichkeit. Im Text heißt es: So sind auch wir davon überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll! Wir klammern die Leiden nicht aus. Wir müssen sie genauso durchgehen wie alle anderen Menschen. Aber gegenüber der Herrlichkeit Gottes fallen sie überhaupt nicht ins Gewicht. Das will uns zwar immer wieder schwer eingehen, vor allem dann, wenn ein Leid über uns kommt. Dann klingt diese Aussage für uns komisch und paradox. Und doch ist diese Tatsache wahr.

Ich bin noch nicht auf den Verfasser folgender Aussage gestoßen, der sagte: „Wenn du dich krank fühlst, dass beginne eine neue Arbeit!“ Darin liegt eine große Weisheit. Die Missstände können uns ungeheuerlich bedrücken. Aber das Klagen hilft nicht viel. Wesentlich besser ist, an unserer Stelle zu versuchen, besser zu leben und es besser zu machen. Versuchen wir immer wieder, nicht nur auf unsere eigenen Vorteile zu sehen, sondern auch auf die Vorteile unserer Nächsten und der Tiere, der Kreatur und Natur. Damit versuchen wir, dem Leid entgegen zu treten. Gerade das macht ja unsere Verantwortung aus. Gerade das ist das Prinzip Hoffnung. Damit spüren wir, dass wir nicht umsonst auf dieser Erde leben. Wir bekommen die Zuversicht, dass es noch nicht zu spät ist. Und wenn sich viele so verhalten, so kann manches gut werden, was so ungut geworden ist.

Die Bewältigung aller Leiden persönlicher und gemeinsamer Art ist keine passive Angelegenheit, bei der ich alles über mich ergehen lasse. Sondern damit ist unsere sehr aktive Handlungsweise gefordert. Darauf gilt es, unser Hauptaugenmerk zu lenken. Da legen wir nicht unsere Hände in den Schoß. Sondern da gilt es, alle Kräfte zusammen zu nehmen und auf Abhilfe zu sinnen und sich dafür einzusetzen. Dann gelingt uns das Leben und darüber bleiben wir lebensfrohe Menschen, denen keine Last zu schwer und keine Aufgabe unlösbar ist.

Eva v. Thiele Winkler sagte: „Es geht nicht darum, dass wir dem Leiden entgehen, sondern dass es seinen Sinn erreicht!“ Und der Sinn aller Leiden ist darin gegeben, dass wir nicht untergehen, sondern das uns Mögliche bewältigen. So geht es durchs Leid zur Herrlichkeit. Auf allen Lebensgebieten und in jedem Lebensalter kann es Schwierigkeiten über Schwierigkeiten geben. Sie bleiben nicht aus. Wenn wir diese in rechter Weise durchgehen, ertragen und bewältigen, dann wird daraus etwas Gutes und Edles. Nur ein Bild aus der Natur: Eine edle, wertvolle Perle entsteht nur dann, wenn eine Muschel zum Leiden bereit ist. Dabei hat die Muschel für sich gar keinen Vorteil. Diesen Vorteil haben nur wir Menschen, die wir uns mit dieser Perle schmücken. Bei uns Menschen gilt das für uns selbst. Bei uns entsteht eine Herrlichkeit durchs Leiden. So erleben wir ein schönes, erfülltes und herrliches Leben.

 

3) Wir steuern auf die Ewigkeit Gottes zu, die sich schon zu unseren Lebzeiten entfaltet. Christliche Verantwortung erzeigt sich nicht nur in den äußeren Angelegenheiten des Lebens, sondern auch in den inneren Angelegenheiten unseres Lebens.

Jeder Mensch hat eine große Sehnsucht danach, dass er nicht umsonst auf dieser Erde lebt. Und Paulus sagt sogar, dass die ganze Kreatur und Natur diese Sehnsucht pflegt. Diese Sehnsucht ist ein ganz natürliches Verlangen, das uns Gott ins Herz gelegt hat. Gerade als Christen erkennen wir, dass in unserem Leben mehr drinnen ist als das, das wir mit dem äußeren Reichtum bezeichnen. Gerade die christliche Botschaft, das Evangelium, stupst uns die Nase darauf. Der größte innere Reichtum besteht darin, dass wir als die Kinder Gottes leben dürfen. Wir pflegen und haben  eine ganz starke Beziehung zu unserem Gott. Damit hängen viele innere Werte zusammen, die uns sehr viel bedeuten.

Es heißt hier, dass wir den Heiligen Geist als Erstlingsgabe haben. Was heißt das? Auf alle Fälle schenkt uns der Heilige Geist eine Erstlingsgabe von der herrlichen Ewigkeit Gottes. Er gibt uns davon eine Vorauszahlung, einen Vorschuss, ein Angeld. Und das ist der Beweis dafür, dass noch wesentlich mehr drin ist und kommt. Als Christen dürfen wir damit rechnen. Was wir heute schon in dieser Richtung bekommen, ist nur ein ganz winziger Teil von dem, das Gott für uns bereit hat. Diese damit zusammen hängenden Schätze dürfen wir uns erobern, aneignen, benützen und einsetzen. Da dürfen wir Tag für Tag neugierig sein, was darinnen alles enthalten ist und uns nützt. Es gibt diese innere Gewissheit des Heils Gottes. Wir pflegen das verborgene Leben mit Christus, das für uns vorrangig ist. Das gibt uns dann den großen Mut dafür, dass wir äußerlich ganze Verantwortung zeigen und aufbringen. Auf allen Lebensgebieten dürfen wir echte Vorbilder sein, uns ganz einbringen und darüber die Schöpfung Gottes bewahren.

Unser inneres und äußeres Leben macht den Vollsinn unseres Lebens aus. Gerade darin entfaltet sich die herrliche Ewigkeit Gottes. Darin führt uns Gott zur Vollendung unseres Lebens.

 

So haben wir Christen mehr zu hoffen, als wir Menschen normalerweise zu hoffen wagen. Gerade Gott schenkt uns ein weites Betätigungsfeld und ein sehr umfassendes Verständnis vom Leben. Er eröffnet uns die Vielschichtigkeit des irdischen und des himmlischen Lebens. Das Prinzip der Hoffnung geht nicht baden, sondern schenkt uns Erfüllung und Herrlichkeit. Wir steuern auf die Ewigkeit Gottes zu, die sich schon zu unseren Lebzeiten entfaltet.

 

 

Bruder Georg


 

 

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