Gedanken zum 6. Sonntag nach Trinitatis

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Predigt für den 6. Sonntag nach Trinitatis

                                                  über Römer 6, 3-11,

                                                                    gehalten am 18.7.2004

                                                                                            in Augsburg, St. Jakob

 

„ Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden, und wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod kann hinfort über ihn nicht herrschen. Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für allemal; was er aber lebt, das lebt er Gott. So auch ihr, haltet dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christus Jesus. “

 

                                                                               A.

Bessert sich nichts? ´Menschelt` es nur? Geht es unter Christen genauso zu, wie sonstwo auf der Welt?

Paulus beginnt das 6. Kapitel  des Römerbriefs mit der Frage: „Werden wir also in der Sünde verharren?“ Muss man, da wir `allein aus Gnade` gerecht werden, die Hoffnung aufgeben, dass bei uns etwas besser wird? ( v. 1 )

Muss man solchen Beobachtern, die von Christen enttäuscht sind,- die von ihnen mehr erwartet hätten- antworten: ´Wir sind auch nur Menschen`? Ist das alles? Bleibt es dabei? „Wir sind allzumal Sünder“-: ändert sich da nichts?

Paulus fällt sich, kaum hat er diese Frage formuliert, sofort selbst ins Wort: ´Ausgeschlossen!`ruft er. Und der Schreiber hält es fest wie ein Diktat. „Das sei ferne!“ Das kommt überhaupt nicht in Frage. ´Wir sind doch für die Sünde gestorben! Wie sollten wir in  ihr weiterleben`, also, einfach weiterleben können, wie vorher?

 

                                                                            B.

An dieser Stelle setzt der Episteltext dieses Sonntags ein.

Er beginnt mit dem herausfordernden Wörtchen „oder“. „Oder wisst ihr nicht“, was jeder wissen muss, was zum christlichen Grundwissen gehört? Habt ihr das nicht mitbekommen?-, ist euch das entgangen?

Damit sagt der Apostel: Diese resignierte, hoffnungslose Ansicht, dass keine Besserung zu erwarten sei, dass Christen ´halt auch nur Menschen sind` und bleiben, beruht auf Unkenntnis von Grundaussagen des Christentums. Jedenfalls werden diese dabei nicht ernst genommen.

Wir sind ja doch „getauft“, und zwar, „in Jesus Christus“ hinein.

Wir kommen Ihm näher. Wir werden Ihm ähnlicher.

Für Christen muss klar sein, was die Taufe besagt, und was sich daraus ergibt.

I.

Und nun macht Paulus sofort eine eigentlich atemberaubende Aussage. Man kann diese in Frageform vorgebrachten Worte nur entweder verständnislos an sich abgleiten lassen, oder man verliert, wenn man sie ernst nimmt, sozusagen den Boden unter den Füßen.

„Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir in Jesus Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit Ihm begraben durch die Taufe in den Tod.“

„Wir“, die ja offensichtlich leben und ansprechbar sind, sind irgendwie in den Tod Jesu, in seinen Tod am Kreuz, ´eingetaucht`, bzw. hinein verwickelt. Und in irgendeinem Sinne kann man sagen: „Wir sind begraben.“

Beim Begräbnis Jesu wurden auch wir mitbestattet. In gewisser Weise sind „wir“ also nicht mehr da, existieren nicht mehr.

Das ist allerdings, wie bei Jesus, nicht der Schlusspunkt. Das Ziel ist die Auferstehung.

Das ist eine ungewöhnliche Art zu reden.- Sie erinnert mich an eine groteske Szene in einem vor 8 Jahren erschienenen Roman des Peruaners Vargas Llosa. Der Roman heißt „Tod in den Anden“ ( Suhrkamp 1996 ). Ich nehme das Buch aus dem Regal und blättere, bis ich die Stelle finde:

Morgengrauen über Andamarca, einem soeben erwachenden Ort in den Anden. Von drei Seiten nähern sich in Turnschuhen, Sandalen oder barfuß Burschen und Männer, auch einige Frauen, mit Maschinenpistolen, Gewehren, Knüppeln, Macheten oder Steinschleudern: Trupps der revolutionären Bewegung des „leuchtenden Pfads“. Sie wollen den Ort besetzen, bevor die Bauern zu den Feldern und die Hirten zu den Herden gehen. Niemand soll entkommen.

„Aber einer entkam“, lese ich, „einer von denen, die sie besonders gern abgeurteilt hätten: der stellvertretende Gouverneur von Andamarca“ (90)

Die Revolutionäre hatten Listen bei sich. Alle auf den Listen Verzeichneten sollten als Volksfeinde abgeurteilt und öffentlich hingerichtet werden.

Aber Don Medardo entkam, und zwar „auf so absurde Weise, dass die Leute es später kaum glauben konnten“. Er war vor sein Haus getreten, an die kleine Mauer, die an den Friedhof grenzte (90).

Da hörte er Stimmen, Geschrei, sein Name wurde gerufen. Mit einem Fußtritt wurde die Tür aufgebrochen. „er wusste, wer sie waren und was sie wollten.“- Was tat er?- Er „warf...sich auf den Boden, kroch wie eine Raupe zum Friedhof und glitt in ein am Vorabend ausgehobenes Grab, dessen provisorische Grabplatte er zur Seite schob und wieder über sich zog. Zusammengeduckt auf den vereisten Überresten des Bestatteten, „verharrte er den Vormittag und den Nachmittag, ohne etwas zu sehen, aber nicht ohne etliches von dem zu hören, was in dem Dorf geschah“ (91).

Don Metardo entkam dem Volksgericht des „leuchtenden Pfads“ und blieb am Leben, weil er in das noch nicht zugeschüttete Grab eines Verstorbenen schlüpfte. In diesem Grab, wie ein Begrabener, überlebte er die auch ihm zugedachte Hinrichtung.

Schon das war ein so „absurder“ Vorgang, „dass die Leute es später kaum glauben konnten“.-

 

Was Paulus schreibt, ist noch komplizierter. „Wir“-, damals Getaufte in Rom, heute wir hier in Augsburg-, „wir“,- das müssten wir unbedingt „wissen“,- seien im Grab Jesu mitbegraben worden und hätten auf diese Weise auch schon das Jüngste Gericht überlebt.-

„Wir“ können nicht ´hinkriechen` zum Grab Jesu. Außerdem kommen wir zu spät. Das Grab wurde sogleich verschlossen. Inzwischen ist es längst leer. Jahrtausende sind ins Land gegangen. Archäologen sind sogar über den Ort des Grabes uneinig. Und das Jüngste Gericht wird frühestens nach unserem Tod, eigentlich erst am Ende der Geschichte fällig.

Aber Paulus spannt diesen großen Bogen. Er schreibt: Der Tod Jesu am Kreuz und sein Begräbnis hat Bedeutung für das Jüngste Gericht. Wer irgendwie mit in sein Grab rutscht, überlebt das Gericht.

Der räumliche und zeitliche Abstand zum Kreuz und Grab Jesu einerseits und zum Jüngsten Gericht andererseits wird überbrückt durch die Taufe. Die Taufe, dieser nach dem Augenschein harmlose Ritus mit Wasser, hat die weittragende Bedeutung, dass „wir“,- „alle, die getauft sind“,- irgendwie „in Christus“ einbezogen werden.

 

Das Ziel ist dabei, dass wir überleben;- nicht nur überleben, sondern verändert leben,- ´anders` leben: „in einem neuen Leben wandeln“.

Das muss man als Christ „wissen“. Wir sind „durch die Taufe mit Christus begraben in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.“

Es ist natürlich wahr, dass wir ´auch nur Menschen` sind, und man merkt, dass es bei uns ´menschelt`. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Wäre das alles, so  wäre das Christentum entkräftet. Es würde nichts ändern. Es ließe im Grunde ´alles beim Alten`.

 

Aber das kann man nur meinen, wenn man nicht Bescheid weiß. Man muss wissen, dass zu dieser ´halben Wahrheit` noch die andere Hälfte hinzugehört. Diese andere Hälfte der Wahrheit ist, dass bei uns „die Herrlichkeit“ Gottes „des Vaters“, wirksam ist. Etwas Glanzvolles, Ungewöhnliches, womit man natürlicherweise nicht rechnen kann: was nicht menschenmöglich ist, und was daher viele „nicht glauben“  können,- das ´Herrliche`, was Gott hinzufügt,- was Gott bewirkt: womit Er die Zwangsläufigkeiten durchbricht und in das Aussichtslose eine völlig neue Perspektive bringt.

Was Paulus hier als die wunderbar wirksame „Herrlichkeit des Vaters“ bezeichnet, hat sich auf zunächst einmalige Weise in Jerusalem am Grab Jesu manifestiert. Nach vielen Zeugenaussagen war dieses Grab am dritten Tag nach dem Begräbnis, den wir als Ostern bezeichnen, leer. Und der Begrabene erschien da und dort, hatte den Tod hinter sich, lebte ein neues Leben, so ´herrlich` und einzigartig, „dass die Leute es  später kaum glauben konnten“.

Und diese einmalige Geschichte, dieses Aufleuchten der Herrlichkeit Gottes, wirkt sich nun auf ´uns` aus. Paulus sagt, durch die Taufe ist ´unser Leben` mit diesem „durch die Herrlichkeit des Vaters“ auferweckten und verherrlichten Leben Jesu verbunden.

Und obwohl wir ´auch nur Menschen` sind, und es bei uns ´menschelt`, wird man bei uns doch auch etwas von der „Herrlichkeit“ des Vaters“ bemerken können. Also, keine Rede davon, dass sich nichts bessert, dass immer alles ´beim Alten bleibt`. Nein: „wie Christus auferweckt ist von den Toten..., so sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ Das Neue daran ist, dass es von dem Glanz-, von der „Herrlichkeit“  Gottes sozusagen übergossen ist. Durch die in der Taufe hergestellte Verbindung mit Christus hat es Auferstehungsqualität.

 

II.

Das setzt allerdings voraus, dass man uns auch anmerken kann, dass die Kreuzigung Jesu uns in Mitleidenschaft zieht. Durch die Taufe sind wir in das Schicksal Jesu hinein verwickelt.- Während Don Medardo sich im Grab eines anderen nur versteckt hat, und, nachdem die Kämpfer des „Leuchtenden Pfads“ sich von der blutigen Exekution zurückgezogen hatten, als der Alte aus diesem Grab wieder herauskletterte,- werden „wir“, wenn wir „durch die Herrlichkeit des Vaters“ wie Christus „in einem neuen Leben  wandeln“, zuvor und damit verbunden, auch so etwas wie eigenes Sterben und Begräbnis erleiden.

Um eine Art Kreuzigung kommen auch wir nicht herum. „Unser alter Mensch“, schreibt Paulus,- d.h. das, was wir von jeher sind,- eben ´auch nur Menschen, bei denen es ´menschelt`,- wird „mit Christus gekreuzigt“. Wir können nicht sozusagen als distanzierte Zuschauer der Kreuzigung Jesu, wie einem Passionsspiel, beiwohnen und dankbar zur Kenntnis nehmen, dass das Leiden Jesus und nicht uns getroffen hat.

Paulus versucht erneut, diese etwas komplizierten Zusammenhänge zu verdeutlichen. Er wählt ein anderes Bild. Er sagt: wir sind gleichsam, „in Christus eingepflanzt“. D.h., wir sind in Ihm verwurzelt. Unser Leben ist auf Gedeih und Verderb abhängig von Ihm. Als Getaufte können wir uns von Ihm nicht mehr lösen. D.h., wir sind „in Ihn eingepflanzt zu gleichem Tode.“

Die bequeme Ausrede, dass wir eben ´auch nur Menschen` sind, und dass man deshalb bei uns von der „Herrlichkeit“ Gottes nichts wahrnehmen könne, ist uns nicht erlaubt. „Der Leib der Sünde“ muss „aufhören“, schreibt der Apostel. Also, ein Körper mit Gehirn, Herz und Gliedern, der sich dazu hergibt, als ausführendes Organ für „Sünde“ zu dienen wie es der Fall ist, wenn es nur ´menschelt`, darf nach der Taufe eigentlich nicht mehr vorhanden sein. Das muss „aufhören“. Es hört natürlich nicht automatisch auf. Daher schreibt Paulus, wir sollten das, was wir über unsere Taufe „wissen“, ernst nehmen und praktisch anwenden auf unser Verhalten. „Schätzt euch selber so ein, dass ihr der Sünde gestorben seid“. Was im Jüngsten Gericht gegen euch vorzubringen wäre, trifft euch nicht mehr. „In Christus“ lebt ihr jetzt „für Gott“, seid also ´auf dem Sprung`, dass „die Herrlichkeit des Vaters“ sich in eurem „neuen Lebenswandel“ zeigt.

 

Amen!

 

Pfarrer Dr. Wolfhart Schlichting


 

Matthäus 28,16-20; Predigt:

 

" Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. "

 

Mit ›Matthäi am Letzten‹ ist nicht alles aus, son­dern beginnt ein neues und aussichtsreiches Kapitel der Heilsge­schichte Gottes. Innerhalb allen Weltgeschehens gibt es immer noch den großen Plan Gottes. Gott ist nicht auszuschalten, sondern er hat uns noch sehr viel zu sagen. Seine Bemühungen um uns Menschen haben den Sinn der Rettung und der Erneuerung unseres Lebens. So hat es einen Sinn, in seiner Gesinnung und nach seinen Aufträgen zu leben. Damit wir Menschen darauf stoßen, ist das Zeugnis, die Mission, nötig.

Wie oft sehnen sich die Menschen nach besseren Verhältnissen, nach echten Lösungen, nach dem Guten und Neuen. ›Matthäi am Letzten‹ zeigt ihnen die dazu nötigen Wege und Einstellungen.

Der gen Himmel gefahrene Jesus ist auch heute die einzige Bezugs­person für den wahren Gott. Nur er vermittelt uns auf dem Weg des Glaubens das rechte Verständnis dafür. Wer ein sinnvolles, erfülltes und interessantes Leben sucht, dem ist nur zu raten, sich diesem Jesus anzubefehlen. Mit unserem Glaubensleben ist das möglich. Da dürfen wir in den sonst unsichtbaren Bereich Gottes vorstoßen und sein überwältigendes Handeln erleben.

Auch und gerade das Reich Gottes ist auf Expansion, auf Ausbrei­tung, aus. Es sollen die Tische im Vaterhaus Gottes voll werden. Es geht um die Fülle der Neuschöpfung und um dessen Vollendung in Herrlichkeit. Das Wirken der ersten Jünger Jesu war damals erst der Anfang dazu. Beziehen wir die ganze Kirchengeschichte der letzten 2000 Jahren mit ein, dann wird uns erst das Ausmaß des Missions­befehles bewusst. So kümmerlich oft im Einzelnen alles abläuft, so faszinierend darf es in der Gesamtschau sein. Viele Bewegungen in den idealistischsten Formen sind wieder vergangen. Aber die Ge­meinde Jesu Christi ist geblieben. Das galt für die Zeiten der Ver­folgungen, aber auch in den Zeiten ihrer Hochform im christlichen Abendland. Natürlich gibt es immer wieder viele Auswüchse und Irrläufer. Aber wo in echter Weise auf Jesus gehört und nach sei­nem Vorbild gelebt wird, wurde die Gemeinde immer wieder ge­reinigt und geheiligt. Und an diesen Stellen geht es nach der Sicht Gottes weiter und voran.

Dieses ›Matthäi am Letzten‹ bedeutet uns dreierlei: 1) Allein Jesus Christus hat im Himmel und auf Erden alle Macht. 2) Er gebraucht uns Menschen, um seine Macht und seinen Plan zu verwirklichen. 3) Als seine Boten haben wir den Auftrag zu taufen und zu lehren.

 

1) Allein Jesus Christus hat im Himmel und auf Erden alle Macht. Zeitlich und räumlich gesehen ist er alle Tage bei uns bis ans Ende der Welt. Nur wir Christen erfahren, was normalerweise sonst nie­mand weiß und beachtet, dass Jesus Christus die höchste und wich­tigste Autorität alles Lebens ist. Er, nur er, kann uns das Beste vermitteln, das es für uns Menschen gibt. Nur uns Christen tritt das so langsam ins Bewusstsein unseres Lebens und Wirkens. Nur wir richten unser Leben darauf ein und nehmen seine Angebote wahr. Auch nur wir Christen haben die schmerzliche Erkenntnis, dass diese Welt gar ihren verderblichen Verlauf nimmt. Und wenn ein Mensch das schönste Leben hätte, so steht am Ende doch der Tod, der Untergang. Jesus hat diese Gesetzmäßigkeit durchbrochen und setzt total neue Maßstäbe.

Es ist ein großes Zeugnis unseres christlichen Abendlandes, dass es die Zeitrechnung nach Jesus Christus ausrichtete und einteilte. Er durchbricht eben allen Tod und Untergang. Er ist wahrhaftig der Lichtblick unseres Lebens und Wirkens geworden. Er wird auch einmal das letzte Wort über dieser Welt und den Seinen haben. In der Zwischenzeit baut er sein Reich auf. Das ist nicht mehr aufzu­halten, so sehr auch auf der einen Seite seine Sache lächerlich ge­macht wird und auf der anderen Seite vielerorts auf dieser Erde die Christen verfolgt werden.

"Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden!" Das ist immer eine gute Macht und Gewalt. Es ist die Macht und die Kraft der Vergebung und Erlösung. Jesus will nichts niederwalzen, son­dern das Neue von Gottes Gnaden aufbauen.

Jeder Christ, auch jeder von uns, darf sich dieser guten Kraft Gottes verpflichtet wissen. Unsere Zeit steht in Gottes Händen und wird deshalb von seiner Ewigkeit geprägt und gestaltet. Wie gut tut es uns, dass im Ablauf dieser davoneilenden Zeit mit all ihren Verän­derungen es etwas Bleibendes gibt. Darauf kann man sich verlassen. Es ist beständig und unzerstörbar. Deshalb sagt Jesus: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!"

Seine Macht konzentriert sich darauf, für uns Himmel und Erde zu verbinden. Gott hat zwar diese Zeit geschaffen. Aber für ihn ist das kein Hindernis, etwas Bleibendes für seine Ewigkeit zu wirken. Das ist ja auch der letzte Sinn der ganzen Schöpfung Gottes. Von uns aus gesehen geht es darum, unsere Zeit so zu nützen, dass es der Zubereitung für unsere Ewigkeit dient. Jemand hat gesagt: Den Himmel Gottes kann nur der erleben, der heute schon darum weiß und sich darauf einstellt. In dieser Richtung sind wir voll drauf. Da sind wir nicht mehr zu bremsen und aufzuhalten. Wir wissen uns in das Neue aus Gott ganz eingebunden und ihm verpflichtet; ohne dass wir irgend ein Gebiet unseres irdischen Lebens vernachlässi­gen. Im Gegenteil schenkt uns dieser Ewigkeitsbezug die besten Kräfte für alle irdischen Belange und Erledigungen. Allein Jesus Christus hat im Himmel und auf Erden alle Macht.

 

2) Er gebraucht uns Menschen, um seine Macht und seinen Plan zu verwirklichen. Ich sage gerne: Wir sind die Seismographen, die Aufzeichnungsgeräte für die sonst verborgenen Bewegungen Got­tes. Wir dürfen sie stückweise sichtbar machen durch unser Vor­bild, das ein ganz starkes Zeugnis ist.

Das heißt nicht, dass wir alles wissen und auf alles eine Antwort haben. Sogar Luther sagte: Wenn er etwas nicht versteht, dann zieht er seinen Hut und erweist Gott gegenüber seine ganze Ehre und geht weiter. Also halten wir uns nicht so sehr an den Stellen auf, die wir nicht klären und lösen können. Sondern widmen wir uns ganz dem, was möglich ist. Da haben wir so vieles zu tun, sodass wir nie an ein Ende kommen. Gott vertraut uns so vieles an! So haben wir nie einen Grund, an irgend einer Stelle auszuscheren und alles hinzu­werfen.

Nur wenn unser Herz ungeteilt Gott gehört, erleben wir im Alltag unsres Lebens sein Handeln und Führen! Dann verlieren sich alle Zweifel und unser gesamtes Leben darf sich stabilisieren.

Man könnte sagen: Jesus gibt hier im Missionsbefehl die Stafette an die Jünger weiter. Und wir wissen, dass innerhalb der Urgemeinde sehr viel geschehen ist. Und immer und immer wieder wurde diese Stafette weiter gegeben, bis herein in unsere Zeit. Und je weiter die Zeit voranschreitet, um so wichtiger ist der damit verbundene Auf­trag. Auf alle Fälle wird er nie geschmälert. Zur Zeit haben wir diesen Auftrag. Was machen wir daraus?

Unser Leben ist ja zeitlich und auch räumlich gesehen so begrenzt. Keiner weiß, wann seine Todesstunde kommt. Aber als Christen wissen wir, dass unser Leben erst dann zu Ende geht, wenn Gott sein Werk an uns getan hat; also wenn unser Leben von seiner Sicht aus vollendet ist. Wenn ein Psalmist betet (90,12): Herr, lehre mich bedenken, dass ich sterben muss, auf dass ich klug werde! Dann heißt das, dass er alle Möglichkeiten ausschöpfen will, die ihm Gott zu seinen Lebzeiten gibt. Und das darf auch unser Hauptanliegen sein. Freuen wir uns darüber, dass Gott unser Leben gebrauchen und benützen will. Jeder von uns hat so vieles von ihm anvertraut be­kommen. Geben wir nun als Dank dafür unser Äußerstes, das uns möglich ist. Gott gebraucht uns Menschen, um seine Macht und seinen Plan zu verwirklichen

 

3) Als die Boten Gottes haben wir den Auftrag zu taufen und zu lehren; wo es möglich ist, die Menschen zu Jünger zu machen. Un­ser Christusbewusstsein bewirkt ein starkes Sendungsbewusstsein. Wir haben die starke Sehnsucht, das Erlebte auch den Menschen nahe zu bringen. Dafür sind wir ganz offen; und bereit, alles zu geben und einzusetzen. Das ist nie Einbildung oder Anmaßung, sondern der göttliche Auftrag, den wir haben.

In Mt 9,37 sagt Jesus zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende! Wir können darüber schimpfen, dass es so wenige sind. Aber sinnvoller ist es, wie Jesaja zu sagen: Siehe, hier bin ich, sende mich!

Ein wichtiger Satz für mich ist die Aussage: Was wir im anderen sehen, das entzünden wir in ihm. Als Christen denken wir nie schlecht über unseren Nächsten. Das gilt auch dann, wenn wir viele Missstände entdecken. Der Auftrag Gottes zeigt uns immer das Rechte, das auch für unseren Nächsten gilt, was ihm hilft und ihn zurecht bringt. Und wenn der Nächste seine Einwilligung gibt, dür­fen wir an ihm handeln. Jesus sagte einmal: Was ihr auf Erden binden und lösen werdet, das soll auch im Himmel gelten.

Weil es bei uns die Kindertaufe gibt, gilt es für die Erwachsenen, irgend wann einmal auch eine persönliche Entscheidung für Christus zu bringen. Solche Lebensübergabe ist wichtig. Jesus musste zu Nikodemus, dem Theologen, sagen: Wenn du nicht von Neuem geboren wirst, so kannst du nicht in das Himmelreich kommen.

Unsere Kirche ist nur dort eine sterbende Kirche, wo das nicht mehr praktiziert wird; wo gesagt wird, dass jeder nach seiner eigenen Fassung selig werden kann; wo die Multi- und Interreligion gelehrt wird. Und nur dort ist unsere Kirche im Aufbruch, wo die Mission ernst genommen und praktiziert wird. Es ist ja keine gewaltsame Missionierung gemeint. Sondern es ist immer eine Einladung, ein Werben für eine freiwillige Nachfolge. Gott benützt dann solches Zeugnis und schenkt offene Herzen, in die die Botschaft fällt. Diese sind dann bereit, auch alle Folgen auf sich zu nehmen. Sie lassen sich segnen und gehen klar ihren Weg in der Jesus-Nachfolge.

Lebendige Kirche ist nie eine Massenbewegung. Sogar wo nur zwei oder drei in Jesu Namen versammelt sind, ist Jesus mitten unter ihnen. Den letzten Überblick müssen nicht wir Menschen haben. Den dürfen wir getrost Jesus Christus überlassen. Es genügt unsere tägliche Öffnung für das zur Zeit Mögliche und Gebotene. Sprechen wir immer wieder wie Petrus: Auf dein Wort hin wollen wir das tun, was du uns zu tun heißt. Auf ihn verlassen wir uns und riskieren im Glauben unseren ganzen Einsatz. Nur weil sich die Jünger damals haben senden lassen, kam die Botschaft zu uns. Und durch uns darf das weiter gehen. Als seine Boten haben wir den Auftrag, zu taufen und zu lehren.

 

Mit ›Matthäi am Letzten‹ ist nicht alles aus, sondern beginnt ein neues und aussichtsreiches Kapitel der Heilsgeschichte Gottes. Weil  Gott nicht auszuschalten ist, hat es für uns einen Sinn, nach seiner Gesinnung zu leben und nach seinen Aufträgen zu fragen. Da ist Jesus Christus die einzige Bezugsperson, die uns auf dem Weg des Glaubens das Rechte vermittelt. Seien wir bereit für dieses sinn­volle, erfüllte und interessante Leben mit Gott. Darauf liegt ein großer Segen.

 

Bruder Georg


 

 

Apostelgeschichte 8,26-39; 2. Predigt:

 

Der Kämmerer aus Äthiopien: " Der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist. Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämme­rer und Mächtiger am Hofe der Kandake, der Königin von Äthio­pien, welcher ihren ganzen Schatz verwaltete, der war nach Jerusa­lem gekommen, um anzubeten. Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen! Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest? Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzu­steigen und sich zu ihm zu setzen. Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser: » Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er sei­nen Mund nicht auf. Und in seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen. « Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem? Philip­pus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus. Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Käm­merer: Siehe, da ist Wasser; was hindert´s, dass ich mich taufen lasse? Und er ließ den Wagen halten, und beide stiegen in das Was­ser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich. "

 

Das Evangelium zieht seine Kreise. Es erreicht die Menschen, die auf der Suche nach der Wahrheit sind. Zwei Gottesführungen treffen hier zusammen. Die Personen trennen sich nach der Begegnung sofort wieder. Aber die Aufträge Gottes blei­ben bestehen. Es sind oft nur ganz kurze Augenblicke und Bege­benheiten, in denen uns Wesentliches vermittelt wird. Deshalb nehmen wir Christen alle Augenblicke unseres Lebens ernst und wichtig.

Das Reich Gottes wird gebaut. Wohl dem, der sich ganz mit einbin­den lässt und Gott ganz zur Verfügung steht. Die Taufe ist so quasi das Aufnahmeverfahren für diesen neuen Stand der Gotteskind­schaft. Gott benützt dann solches Leben für sein Reich.

Immer noch ist das Reich Gottes im Kommen und im Werden. Es ist ein so groß angelegtes Vorhaben, sodass die 2000 Jahre der Neu­zeit noch nicht ausreichen, damit es fertig vor uns steht. Wenn vor Gott 1000 Jahre wie ein Tag sind, dann hat eben Gott eine ganz an­dere Zeitrechnung, als wir Menschen sie haben. Für jeden von uns gilt die andere Zeitrechnung Gottes, dass ein Tag unseres Lebens vor ihm wie 1000 Jahre zählen können (2 Pt 3,8)! So wichtig nimmt uns Gott. Er legt auf unser Leben sehr viel Gewicht. So ist es ihm nicht egal, wie heute dieser Tag verläuft. Sondern es ist ganz wich­tig, dass auch heute Gottes Wille geschieht.

Wesentlich sind unsere stillsten, verborgenen Erwartungen, die wir haben. Damit diese auch dem Willen Gottes entsprechen, ist unser gezieltes Leben nach den Vorstellungen Gottes wichtig. Weil unsere Erwartungen oft vom Weg Gottes abgleiten, benötigen wir immer wieder Korrektur und Neuausrichtung.

Für uns Christen gibt es eine ganz feine innere Zucht, damit wir auf dem Weg und in der Spur Gottes bleiben. Diese Zucht kommt ein­zig und allein aus unserer persönlichen Beziehung zu Jesus Chris­tus. Wenn wir davon nie ablassen, dann wird auch uns das Leben gelingen.

Für diesen Finanzminister begann nach dieser Begegnung mit Phi­lippus ein neues Leben. Nun ist Philippus überhaupt nicht mehr wichtig. Sein Lebensalltag war derselbe wie vorher. Aber der Minis­ter stand ganz anders im Alltag. Wenn durch ihn die koptische Kirche entstanden ist, was man stark annimmt, dann trug er das Ge­schick Gottes, der ihn dazu benützte und einsetzte.

So verschieden die Gottesführungen sind. Eines haben sie gemein­sam: Gott führt, lenkt und leitet den Einzelnen und setzt ihn ge­winnbringend für das Reich Gottes ein. Der Einzelne überlässt auch Gott die ganze Führung. Er unternimmt nichts aus eigenen Stücken. Denn er weiß um die überwältigenden Führungen Gottes, die immer das Beste von ihm wollen.

Das Evangelium zieht seine Kreise. Sie haben drei Inhalte: 1) Es gibt die Regie Gottes. 2) Christen wagen die Lernprozesse des Neuen. 3) Gott schenkt uns wahre Erfüllung und Lebensfreude.

 

1) Es gibt die Regie Gottes. Er sieht auf uns Menschen. Ihm entgeht nichts. So sah er diesen Finanzminister, der mit seiner Kutsche diese weite Fahrt von 2000 km unternahm, um bei den Juden das Heil zu finden. Aber er kehrte enttäuscht zurück. Auf dem Heim­weg geschah diese Begegnung mit Philippus, bei der er sich taufen ließ und er ein neuer Mensch wurde.

Gott hat sehr wohl sein Auge auf uns Menschen geworfen. Er hat sehr wohl unsere Wege in seinem Blickfeld. Er sieht sehr wohl un­sere Herzen an und ihm entgeht kein einziger Gedanke, den wir ha­ben.

Auch das dürfen wir wissen, wie heute die Betriebspsychologen sa­gen würden, dass er nie betriebsblind ist. Er kann sehr wohl seine Heilsgeschichte zu Ende führen. Er ist nicht darauf angewiesen, dass  wir Menschen ihm Vorschriften machen, was er zu tun und wie er sich zu verhalten hat. Am liebsten sind ihm die Menschen, die wie hier der Philippus in der täglichen Nachfolge ihm treu erge­ben sind. Diese hält er mit seinen Anweisungen und Aufträgen auf dem Laufenden. Diese wissen auch, was momentan dran ist und welcher Einsatz momentan wesentlich ist. Sie dürfen Jesu Botschaf­ter in dieser Welt sein.

Wohl dem Christen, der so lebt. Dessen Tage sind erfüllte Tage. Dessen Begegnungen sind gesegnet und dessen Vorhaben sind sinn­voll. Da gibt es keinen Leerlauf, keine Niedergeschlagenheit oder gar Resignation. Trotz vieler Forderungen erlebt er eine so starke Fülle, aus der er immerzu schöpfen darf und kann.

Wer in seinem Glauben nicht versteift, der kann ein Leben führen, das von Gott benützt wird und reichen Segen trägt. Da wird die Ernte Gottes ganz eingebracht.

Der Rummel in Jerusalem brachte dem Kämmerer nicht viel. Aber die stille Begegnung in der Steppe mit einem Boten Gottes gab ihm alles, was nötig war und was er letztlich gesucht hatte.

Oft geschieht die Führung Gottes weitab von den Massenbewegun­gen der Menschen. Oft beginnt das ganz klein und unscheinbar. Und doch erwachsen daraus Bewegungen von besonderer Tragweite für das Reich Gottes.

Gleich nach unserem Predigttext kommt der Bericht von der Bekeh­rung des Saulus. Die Folgen der Bekehrung des Finanzministers bleiben für uns im Verborgenen. Die Folgen aber der Bekehrung des Saulus stehen sehr eindrücklich vor uns und haben sogar für uns heute sehr viele Bedeutungen. Es gibt die Regie Gottes über unse­rem Leben. Wenn wir ihm nicht dazwischen funken, dann führt und leitet er uns.

 

2) Christen wagen die Lernprozesse des Neuen. Da dürfen wir aufs Ganze, aufs Letzte und Gewisseste gehen. Es gibt diese Schlüsseler­lebnisse wie hier in diesem Bericht, mit denen sich uns das Reich Gottes öffnet. Es gibt diese offenen Türen Gottes, wenn wir uns da­für die Augen öffnen lassen. Es sind » AH « - Erlebnisse im Glau­ben. Da braucht es nur einen gewissen » Klick «, und schon sind wir mitten drin im göttlichen Geschehen. Die Bibel nennt dafür den Be­griff der Neugeburt oder Wiedergeburt. Wir Menschen sagen dazu auch Bekehrung. Gott selbst gibt dazu seine Berufungen und Aus­erwählungen. Die Vorherbestimmung Gottes besagt, wann beim Einzelnen dazu der Zeitpunkt gegeben ist und bei welcher Gelegen­heit.

Jeder Mensch bekommt die Chance der Gottesfindung. Nur leider ergreifen Wenige diese Chancen. Aber diese Wenigen wagen die Lernprozesse des Neuen. Der Finanzminister kapiert auf einmal die Schrift, als ihm jemand auf das Erlösungswerk Jesu hinweist. Da fällt es ihm wie Schuppen von den Augen und ihm wird vieles klar, was er vorher nicht verstanden hatte. Da ist buchstäblich Jesus die Erfüllung der Prophezeiungen und Verheißungen. So etwas geht weniger über den Krips, über den Verstand, sondern mehr über die persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Deshalb lässt sich der Minister auch taufen.

Alle Ideologien und geistige Wissenschaften sind ganz bestimmt faszinierend. Aber sie lassen doch Vieles, Wesentliches offen. Dazu sind es Weisheiten, bei denen viele Studien nötig sind, die nur eini­ge schaffen. Dagegen können die Weisheit Gottes auch die erfassen, die keine Zeit und kein Geschick für solche Studien haben.

In allen Reifegraden unseres Christseins gilt es, sich diese innere Offenheit für das Reden Gottes zu erhalten. Unsere Reife sieht man darin, dass wir uns nicht mehr weigern, Gottes Willen auszuführen. Was an uns liegt, das tun wir gleich, gern und ganz. Was wir von ihm erfahren, das tun wir ganz. Gerne erledigen wir das, das in un­serer Verantwortung liegt. Und wo sich uns eine Möglichkeit auftut, ergreifen wir sie gleich, sofort und lassen sie nicht ungenützt.

Nur der, der die Lernprozesse des Neuen wagt, erlebt keinen Trott mehr, sondern er bleibt beweglich, dynamisch, lebensbejahend und ein Vorbild in Glaubensangelegenheiten.

 

3) Gott schenkt uns wahre Erfüllung und Lebensfreude. Am Schluss heißt es, der Finanzminister zog seine Straße fröhlich! Gott kann nicht anders, als dass er uns reich beschenkt und beglückt. Auch wenn manche Spannungen im Leben bestehen bleiben. Spannungen machen ja unser Leben spannend, interessant, stark und verantwor­tungsbewusst. So schenkt uns Gott doch die Erfüllung und Befrie­dung all unserer Begierden und Verlangen.

Letztlich sind wir Menschen Energiebündel, die nach dem echten Leben hungern und dürsten. Immer und immer wieder benötigen wir Zuspruch, Trost, Rat, Hilfe, Kraft und Lebensmut. Das gilt und bleibt bestehen bis zu unserem letzten Atemzug.

Leider suchen viele Menschen solche Erfüllung an den falschen Stellen. Deshalb geraten sie oft in ein Fettnäpfchen und gleiten und rasten aus. Sie finden das nicht, was sie gesucht haben und kommen oft in ganz falsche Hände, Abhängigkeiten und Gebundenheiten.

Wer dagegen seine Erfüllung bei Jesus Christus sucht, der findet sich im Leben am besten zurecht. Natürlich bleibt auch für ihn vie­les offen. Aber er persönlich darf sich im Leben zurechtfinden und ganz gewiss seinen von Gott bestimmten Weg gehen. Dies gilt auch für die miesesten Situationen, in die er geraten könnte. Er geht einen von Gott geschützten, versiegelten und patentierten Weg, den ihm niemand streitig machen kann und darf.

Wohl dem Menschen, der sich nicht quer in den Weg Gottes stellt, sondern sich von der Liebe und dem Erbarmen Gottes mitreißen lässt. Gott verlangt keine hochqualifizierten Leistungen von uns. Ihm genügt unsere Hingabe, unsere freiwillige Einwilligung in die Vorhaben Gottes, so wie wir es verstehen und fassen können.

Wir dürfen unseren Willen ganz in Gottes Willen legen. Es ist eine unserer großen Aufgaben, unseren Willen deckungsgleich mit Got­tes Willen zu bringen. Gott will keine willenlose Geschöpfe, son­dern in dem zuvor genannten Sinn ganz willensstarke Geschöpfe. Da willigen wir ganz in das ein, was momentan möglich ist. Natür­lich sehen wir auch die vielen Unmöglichkeiten. Aber diese über­geben wir ganz bewusst Gott. Wir können sowieso nichts daran än­dern. Aber was uns möglich ist, dafür setzen wir alles ein und geben alles dran.

Wir sind bereit, inmitten dieser Welt die Geheimnisträger Gottes zu sein. Denn wir sind vom göttlichen Geschlecht, Gottes Kinder und Gottes Erben inmitten dieser Welt des Untergangs. Gott schenkt uns wahre Erfüllung und Lebensfreude.

 

Das Evangelium zieht seine Kreise. Es erreicht die Menschen, die auf der Suche nach der Wahrheit sind. Die Personen trennen sich wieder. Aber der Aufbau des Reiches Gottes geht weiter bis zur Vollendung dessen, das sich Gott vorgenommen hat. Unsere per­sönliche Beziehung zu Jesus Christus zeigt uns die Regie Gottes über unserem Leben. Wir wagen die Lernprozesse des Neuen und erleben wahre Erfüllung und Lebensfreude. Das schenke Gott uns allen!

 

Bruder Georg


 

 

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