Gedanken zum 8. Sonntag nach dem Trinitatisfest

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Predigt für den 8. Sonntag nach Trinitatis

                              über Joh 9, 1-7,

                                               gehalten am 5.8.01

                                                                        in Augsburg, St. Jakob

 

Die Heilung eines Blindgeborenen:

„ Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden. Und er sprach zu ihm: Geh zum Teich Siloah - das heißt übersetzt: gesandt - und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.“

                                                                           

 

                                                                         A.

Im Vorübergehen bleibt der Blick hängen: Mir fällt etwas auf.- Manchmal erschrickt man.- Ich habe jemand eine Zeit lang nicht gesehen. Welche Veränderung! Auffallend gealtert. Oder: Ihm muss etwas zugestoßen sein! Das erweckt meine Teilnahme.

Manchmal ist es nur Neugier. Manchmal aber auch wirkliches Anteilnehmen. Der Anblick geht einem nach. Man kann nicht darüber hinweggehen. Das Bild verfolgt einen.

Man fragt sich: Was muss da passiert sein? Und wie kam es dazu? Ein von einem Unfall entstelltes Gesicht. Eine Amputation. Oder eben die ins Leere gehenden Augen eines Blinden.

Das fällt auf. Es geht einem nach.

 

                                                                          B.

So fiel im Vorübergehen der Blick der Begleiter Jesu, seiner „Jünger“, auf einen Blinden. Er war blind von Geburt an. ´Man sprach darüber`.

Dieser Anblick und dieses Thema ließ sie nun nicht mehr los.

Welch ein Schicksal!- Sie versuchten, sich in seine Lage zu versetzen. ´Und die Familie! Die Eltern!` Was sie durchzumachen hatten!

Warum kommt so etwas vor?-

Hier können wir alles einfügen, was uns im Blick auf Bekannte- und auf Unbekannte, die uns aufgefallen sind, beschäftigt: Welches Missgeschick ´diese Familie`betroffen hat,- wie ´jene` mit ihrer Behinderung umgehen.-

Da ´kommen einem` Fragen. Warum sind diese Leute so ´gestraft`? Ja-, ´gestraft`; so empfindet man es. Dieser blind geborene Mensch ist ´gestraft`.  Aber auch seine Eltern. Und wenn man das Wort ´gestraft` wörtlich nimmt: wofür denn? ´Straft` Gott sie? Haben sie sich etwas zuschulden kommen lassen? Haben sie ihr Leiden letzten Endes selbst zu verantworten?

 

                                                                               I.

Auch Jesu Blick ist im Vorübergehen auf diesen von Geburt an Blinden gefallen, über den ´man sprach`.`Nun fragten sie ihn: Was sagst Du? „ Wer ist schuld?- „wer hat gesündigt?- dieser selbst?- oder seine Eltern“, dass er so ´gestraft ist.                                                                             

Bevor berichtet wurde, dass die Begleiter Jesu sich über ´diesen Fall` Gedanken machten und darüber redeten, und ihre Frage an Jesus richteten- vorher, als erstes-, schreibt der Evangelist: „ Jesus ging vorüber und sah einen von Geburt an blinden Menschen sitzen.“

Jesus ´übersah` ihn nicht, wie man im Vorübergehen oft jemand übersieht. Er ´sah` auch nicht ´über ihn hinweg`, wie man über Leute, mit denen man nichts zu tun hat,- oder über Bettler, die einem lästig werden,- oder über unheimlich Geschlagene, über deren Zustand man erschrickt, und denen man lieber aus dem Weg geht-, hinweg sieht.

Er „sah“ ihn. Er ´sah ihn an`.

Und nun, wo das Gespräch auf ihn kommt, der allen aufgefallen war, merkt man, dass Jesus ´anders schaut`:  Auch was Er nur im Vorübergehen wahrnimmt, sieht Er doch sozusagen ´mit anderen Augen` an, als andere. Wenn Er einen Leidenden ins Auge fasst, ist Sein Blick auf etwas anderes gerichtet, als die Blicke der anderen.- Wir sollten so „sehen“ lernen, wie Er!-

Und die Frage, die er bei dieser Gelegenheit stellt, ist eine andere, als die üblichen Fragen, die wir aufwerfen.

Er fragt nicht, ´woher etwas kommt`, wie es verursacht wurde, wer ´daran schuld` ist. Er fragt vielmehr, wie darin das rettende Handeln Gottes sichtbar werden könnte.

                                                                        II.

                                                                                     .

Nicht dass Jesus einen Zusammenhang zwischen Schuld und Leiden grundsätzlich bestritten hätte. Den Gelähmten in Kapitel 5  hat er ausdrücklich gewarnt: Sündige nicht, damit dir nicht- nach deiner Heilung- viel Schlimmeres widerfährt (14). Die Frage, die die Jünger gestellt haben, ist also keineswegs abwegig.

 

Aber die Botschaft Jesu schlägt ein anderes Thema an. Und dieses Thema ist auch auf solche Fälle zu beziehen. Nicht, wer hier einen Fehler gemacht hat, soll gefragt werden. Daher sagt Jesus: „Weder“- „noch“; „weder der Blinde, noch seine Eltern“. Sie haben zwar zweifellos gesündigt. Aber dem soll jetzt nicht nachgegangen werden.

Jetzt geht es darum, dass dieses Schicksal,- dass dieser ´gestrafte` Mensch.-  dass diese vom Schicksal geschlagene Familie zum Schauplatz des Wirkens Gottes wird! Das ist jetzt das Thema!

„ Wir müssen tätig sein, und die Werke dessen, der mich gesandt hat, ausführen, solange es Tag ist“!

 

Jetzt ist Tag! „Die Nacht kommt, in der niemand arbeiten kann.“ Aber „solange ich auf der Welt bin“, ist es Tag. Denn „ich bin das Licht der Welt“. Also ist es jetzt Tag!-

„Ich bin das Licht der Welt“, ist eine Kernaussage Jesu. Unsere Taufkerzen erinnern uns daran. Das wirft Licht auf uns. Was uns auch zustößt,- was wir auch durchzumachen haben,- es ist nicht ´Nacht, wo man nichts machen kann`. Es ist nicht Nacht, wo man grübeln muss, wie es dazu gekommen ist, wie es sich hätte vermeiden lassen, was daran schuld ist. Sondern es ist `Tag`: ein ´Arbeitstag`Jesu. Jesus ist tätig. Er führt die Werke Gottes aus.- Daher ist damit zu rechnen, dass in dem, was mir zugestoßen ist,- und woran ich und andere sicher nicht unschuldig sind,- das Wirken Gottes offenbar werden wird.

Wie ich die Taufkerze anzünden kann, so kann ich mich darauf berufen, dass nach Jesu Wort jetzt ein ´Tag` Seines  Wirkens stattfindet, und dass mein Malheur, mein Missgeschick, mein Leiden ein Schauplatz des rettenden Wirkens Gottes sein wird. Ein ´Schauplatz`: Man wird es ´sehen`.-

Jesu Blick auf den von Geburt an mit Blindheit Geschlagenen fasst diesen als möglichen Schauplatz der Offenbarung Gottes ins Auge.

Diese Blickrichtung sollten wir übernehmen!

 

                                                                                III.

Denn wenn man davon absieht, fällt man in die „Nacht“, wo „nichts zu machen ist.“

 

a)Abgesehen von der Beleuchtung durch das „Licht der Welt“, bleibt das Schicksal dunkel. Wenn Jesus nicht dazu kommt,- wenn man Ihn nicht berücksichtigt, bleibt es letztlich bei der unlösbaren Frage, wer schuld ist, wer also ´gestraft` ist, und warum. Mit solchen Fragen schlägt man sich nächtelang- und möglicherweise sein Leben lang herum, wenn Jesus nicht zum Wirken kommt.-

 

b)Wir reden hier von einem „Wirken“ Jesu, von „Werken Gottes“. Jesus sagte: Wenn man z.B. diesen von Geburt an blinden Menschen nimmt, auf den im Vorübergehen zufällig sein Blick fiel,- und hier lässt sich jeder beliebige ´Fall`, der uns gerade auffällt und ins Fragen bringt, einfügen-, dann muss man die Frage, warum es dazu gekommen ist, so beantworten: Dieser ´Fall`, dieses Schicksal, dieser Lebenslauf ist eine Stelle, eine Gelegenheit, ein Schauplatz, an dem offenbar werden soll, was Gott bewirkt.

Das klingt groß und weckt Erwartungen.

Aber was Jesus dann tatsächlich tut, wirkt recht undurchsichtig. Man versteht nicht so recht, ´was das soll´. „Licht der Welt“,- das würde man sich anders vorstellen. „Werke Gottes“, die „offenbar“ werden,- da erwartet man etwas anderes.

Was Jesus tut, erscheint beinahe wie die Therapie eines Quacksalbers.

 

c)Zwar könnte man gegenwärtig, wo abstruser Aberglaube ins Kraut schießt, damit durchaus Anklang finden und möglicherweise ´Geld machen`. Speichel und andere Körperflüssigkeiten, Erde-, dass darin Heilkräfte stecken, kann man sich durchaus vorstellen. Pflanzen wirken Wunder. Und von Steinen- verspricht man sich ´Wunder was`.  Es könnte sein, dass heute jemand besonderes Interesse an dieser Handlungsweise Jesu fände. Jesus als Naturheilpraktiker: „spuckt auf die Erde“, rührt „aus Spucke“ und Dreck eine Art „Brei“ an und beschmiert damit die blinden Augen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, sich die Wirkungsweise dieser Therapie auszumalen. Menschen ´ glauben`gerne an so etwas Machbares. Auch Christen versprechen sich neuerdings abergläubig viel von Salbungen. Wenn man etwas auf der Haut spürt-, das muss ja wohl helfen. Und manchmal tut es tatsächlich gut.

Jesus ließ den Blinden nicht mit dem Dreck auf den Augen stehen. Er sagte: „Geh und wasche dich im Siloah-Teich“.

Speichel, Erde und Wasser,- das Auflegen des Schlamms auf die kranke Stelle und eine Waschung-, ob das hilft?

 

d)Als der prominente Patient Naeman aus Syrien, ein einflussreicher und vermögender Mann, von Aussatz befallen, den Propheten Elisa als Heiler konsultierte, und dieser ihm lediglich ein Bad im Jordan empfahl, war der Patient ungehalten. Wenn Elisa nichts anderes weiß-, in Syrien haben wir bewährtere Heilquellen,- als dieses gewöhnliche Flusswasser, von dem man noch nie gehört hat, dass es Aussatz heile.

Aber Elisa wollte nicht die Heilwirkung des Jordanwassers beweisen. Vielmehr sollte das Wirken Gottes offenbar werden. Gott heilt,- nicht das Wasser. Daher wird das gewöhnliche Flusswasser gewählt,- nur als Zeichen,- nicht wegen einer ihm angeblich innewohnenden Heilkraft.

 

                                                                             IV.

Aberglaube findet in der Bibel keinen Anhalt.

Das Bestreichen der blinden Augen mit Speichel und Dreck und das anschließende Waschen erscheinen genauso sinnlos und wie ein ´Hinhalten`, ein Nichtstun Gottes, nachtdunkel und wirkungslos, wie das mehrmalige Untertauchen eines Aussätzigen in einem beliebigen Fluss.

 

a)Der Evangelist Johannes sah vielleicht schon kommen, dass eines Tages eine Neigung zum Aberglauben auch diese Manipulation Jesu für eine in sich wirksame Therapie halten könnte. Daher fügte er einen Hinweis zum Verständnis dieses befremdlichen Vorgangs hinzu. Er steht in unserer Bibel in Klammern. Johannes macht darauf aufmerksam, was der Name des Teiches bedeutet. Für ihn ist die Übersetzung dieses Wortes der einzige Hinweis auf die Bedeutung des Vorgangs. „Siloah heißt nämlich, übersetzt, der Gesandte“.

Jesus hatte gesagt: „Wir müssen die Werke dessen ausführen, der mich gesandt hat“.

Nicht Speichel, Erde und Siloahwasser lassen sich therapeutisch anwenden. Sondern Zeichenhandlungen sollen dazu verhelfen, das „Licht der Welt“ wahrzunehmen und die eigene missliche Lage, den schadhaften Zustand, als möglichen Schauplatz des rettenden Handeln Gottes ins Auge zu fassen.

 

b)“Wasser“ aus dem Teich, der übersetzt „der Gesandte“ heißt-; Luther lehrt im Katechismus von der Taufe: „Wasser“,- gewöhnliches Wasser,- aber „in Gottes Gebot gefasst und mit Gottes Wort verbunden.“

„Wasser tut´s freilich nicht“, sondern „der Glaube“, der sich auf das verlässt, was Gottes Wort sagt. Im Glauben an diese Worte wird das Wasser zu einem „gnadenreichen Wasser des Lebens“.

Wie viel weniger „tut´s“ Erde und Speichel,- und wenn es der Speichel des Gottessohnes ist. Und doch kann sogar etwas so Unappetitliches, „in Gottes Gebot gefasst und mit Gottes Wort verbunden“, bewirken, dass z.B. ein von Geburt aus Blinder „sehend“ zurückkommt.

                                                                          C,

Wenn man nicht in der „Nacht“, in der man „nichts machen kann“ und vergeblich die Schuldfrage erörtert, untergehen will, sondern sich sagen lässt, dass jetzt „Tag“ ist,- dass Jesus, „das Licht der Welt“ die Werke Gottes vollbringt, und dass jedes Leiden und jede Verlegenheit zum Schauplatz der Offenbarung der großen, rettenden „Werke Gottes“ werden kann, soll man die gewöhnlichen, wirkungslosen Dinge des täglichen Lebens und die von Jesus angebotenen Rituale, wie die Taufe, bzw. das Bewusstsein, getauft zu sein, und das Abendmahl, obwohl sie zur Überwindung des bedrückenden Leidens direkt nichts beitragen, als Zeichen auffassen, dass das Licht Jesu auf unser Leben fällt, und dass an uns offenbar werden wird, wie wunderbar Gott handelt.

 

Amen.

 

Pfarrer Wolfhart Schlichting

 


MATTHÄUS  5,13-16;    PREDIGT:

 

" Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. “

 

Die Würde der Jüngerschaft Jesu trägt den großen Verpflichtungscharakter des Evangeliums: Salz und Licht zu sein! Auch diese Würde ist eine Bürde. Alle Geschenke Gottes sind nicht zur Eigen-Ausstaffierung da, sondern zum Einsatz und Dienst am Menschen mit dem Hauptgedanken des Bauens am Reich Gottes.

Als die Jesus- Nachfolger erleben wir einen gewaltigen Strukturwandel unseres Lebens: Das Vergängliche wird vom Ewigen ersetzt, das Böse vom Guten, das Ewig- Gestrige vom Zukünftigen, das Alte Lied vom Neuen Lied, der Alte Adam vom Neuen Adam und das Hoffnungslose vom Hoffnungsvollem.

Unser Alltag wird gewaltig von dieser Salzkraft und diesem Lichtelement geprägt und bestimmt. In unseren Zeiten der Stille vor Gott reifen in unserem Leben diese Kräfte. Dann ist es nur noch ein kleiner Schritt dazu, dass sie sich in unserer täglichen Arbeit und den Begegnungen mit Menschen bemerkbar machen und eingesetzt werden. Dann wissen wir ganz um den Sinn und Auftrag unseres Lebens und sind zum echten Dienst befähigt und bereit. Die Kraft Gottes und die Strahlen der Sonne Christi brechen sich in unserem Leben, strahlen damit auf und bedeuten etwas für unsere Nächsten. Wir haben Verbindung zum Kraftwerk Gottes aufgenommen und Kontakt geschlossen. Nun kann diese Kraft durch uns hindurch zu unseren Nächsten fließen. Nun sind wir befähigt, in der brodelnden Masse dieser Welt als diese Salzkraft wirken zu können und in der Finsternis dieser Welt wie ein Licht zu wirken. Es kommen immer wieder Anfechtungen und Versuchungen, Nöte und Schwierigkeiten, Dunkelheit und Finsternis. Aber wir haben das Zeug dazu, das Know-how, darin auch bestehen zu können, hindurch zu finden und dabei auch noch Hilfe für unsere Nächsten zu sein. Dies alles ist nicht selbstverständlich. Es ist die ständig fließende Gnade Gottes, die mittels unseres praktizierenden Christenlebens angezapft wird und fließen kann. Diese Quelle versiegt nie mehr, solange wir uns an sie halten.

Drei wesentliche Erlebnisse werden uns dabei geschenkt: l) Wir wissen, dass alles auf dieser Erde vergänglich ist und somit einmal vergeht. 2) Damit bekommen wir die klare Doppelbeziehung zur Welt: Wir sind Herausgerufene und Hineingesandte! 3) Damit stellen wir für die Menschen in unserer Umgebung etwas dar.

 

1) Wir wissen, dass alles auf dieser Erde vergänglich ist und somit einmal vergeht. Als Mensch hat man vom Leben zuerst einmal sehr viele Idealvorstellungen: von sich selbst, vom Zusammenleben in jeder Form, von dieser Welt mit ihrer Politik, Wirtschaftskraft und den gesellschaftlichen Strukturen. Aber diese Idealvorstellungen fangen sehr schnell zu bröckeln an und fallen in sich zusammen. Man versteht so langsam, dass eben vieles im Werden, aber auch im Vergehen ist. Unsere Welt wandelt sich ständig. Dann passt man sich an und versucht, soweit das möglich ist, dem Leben die positiven Seiten abzugewinnen.

Im Reifer- Werden unseres Lebens spüren wir immer mehr die Geringheit, Kleinheit und Unbedeutsamkeit unseres Lebens. Je mehr wir wissen, umso mehr wissen wir, dass wir nicht viel wissen. Auch machen wir immer mehr Erfahrungen mit dem Bösen, das in dieser Welt herrscht; mit dem Bösen in uns, in unseren Nächsten und in den Strukturen der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Aber als Christen erleben wir auch den guten Gott, der uns sehr viel bedeutet und uns damit die rechte Einschätzung für diese unsere Welt erst vermittelt. Damit gehen wir nicht mehr in dieser Welt auf oder unter. Damit lassen wir uns nicht mehr täuschen, verführen und irre machen. Sondern wir bekommen damit den rechten Blick für alles. Wir kennen die wahren Lösungen und Antworten. Wir sind nicht mehr Sklaven und Getriebene der Zeit, des Zeitgeistes und der Arbeit, sondern Kinder Gottes und damit von Gott Geführte hindurch durch alle Geschicke unseres Alltages. Somit hängt unser Wohlergehen nicht mehr von den weltlichen Gegebenheiten ab. Wir dürfen lernen, mit allem in rechter Weise umzugehen; mit allem, das wir gerade vorfinden. Auch wenn wir von manchem überrascht werden, ist uns dennoch alles und jedes vertraut. Allen Anforderungen dürfen wir uns stellen. Und weil wir in der Schutzhaft Gottes stehen, können wir auch nie in einen Hinterhalt des Lebens geraten. Gott selbst lässt das nicht zu.

Normalerweise geraten wir Menschen bei der Erfahrung der Wahrheit in eine Art Welt- Untergangs- Stimmung. Bei uns Christen ist das ganz anders. Denn wir erfahren dabei das große Erbarmen Gottes. D.h. zuerst lässt uns Gott seine Ewigkeit spüren. Das geht schrittweise vor sich. Und gegengleich erfahren wir, ebenfalls schrittweise, die Vergänglichkeit dieses Lebens. Damit wird all das aufgefangen und unterbunden, was uns sonst bedrücken und belasten könnte. Damit können wir in einer Welt voll Morast, Glätte, Lüge, Bosheit, Hass, Streit, Krieg und Hinterhältigkeit bestehen. Zuerst haben wir uns auf festes Land retten lassen. Erst danach sehen wir die Abgründe, in die wir hätten fallen können. Gott schenkt uns diese gnädige Art der Wahrnehmung der Wirklichkeiten. Wir wissen, dass alles auf dieser Erde vergänglich ist und deshalb einmal vergeht.

 

2) Damit bekommen wir die klare Doppelbeziehung zur Welt: Wir sind Herausgerufene und Hineingesandte! Das Salz und das Licht sind eigenständige Größen. Eine Stadt auf dem Berge und eine Lampe sind nicht zu übersehen. Und doch haben wir keinen Selbstzweck, sondern haben wir einen gewaltigen Auftrag und Aufgabe zum Wirken und zum Leuchten. Wir sind Fremdkörper und dabei doch zum Wohle aller da. Die Propheten des Alten Testamentes bezeichnet man gerne als die Lautsprecher Gottes in dieser Welt. So sind auch wir Christen die Stimme Gottes in dieser Welt; ein Werkzeug, das Gott benützt; ein Wegweiser, der den richtigen Weg zeigt. Wir dürfen Oasen des Lebens, der Frische und des Friedens sein; und sind keine Fatahmorgana, keine Täuschung und geben keinen Anlas zu Hirngespinsten unwirklicher Art. Inmitten einer heimatlosen Welt voller Nöte, Geschwüren und Qualen dürfen wir Kolonien des Himmels sein mit allen Vollmachten Gottes.

Mit unserem Glaubensleben sind wir Herausgerufene. Mit unserem Verstand, Vernunft und unserer Nüchternheit sind wir Hineingesandte. Beides gilt es auseinander zu halten. Und doch gehören sie zusammen. Wir können nicht "nur" Herausgerufene sein. Und wir können nicht "nur" Hineingesandte sein. Ich denke, unsere tägliche Jesus- Nachfolge gibt uns das rechte Maß für beides.

Die bekannteste Ordensregel heißt: "Bete und arbeite!" Jesus sagt: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere von Gott zufallen. Es heißt aber nicht: Bete "oder" arbeite! D.h. wer betet, wird auch arbeiten. Wer eine Beziehung zu Gott aufbaut und diese nicht abbrechen lässt, der wird auch viele Beziehungen zu Menschen haben. Wenn es irgend welche Brennpunkte menschlicher Not gibt, dann sind hoffentlich wir Christen immer die ersten, die vor Ort sind und helfen. Wir haben ja auch lebenswerte und lohnenswerte Hilfen und Alternativen bereit und anzubieten. Auf allen Gebieten dürfen wir echte Vorbilder sein.

Als Christen sind wir keine Einzelkämpfer und kennen damit die Gemeinde Jesu Christi, wie gut oder wie schlecht sie auch ist und sich darstellt. Das darf uns aber nicht dieser Welt entfremden. Wir sind ihr verpflichtet und haben gerade in ihr Verantwortung wahrzunehmen. Wir leben dann recht, wenn uns Menschen ihr Vertrauen schenken; wenn sie wissen, dass sie sich auf uns verlassen können.

Durch Jesus Christus sind wir in dieser Welt etwas Eigenständiges: Herausgerufene! Aber vergessen wir nie, dass wir gleichzeitig eine Opfergabe Gottes an diese Welt sind: Hineingesandte! Aber das hat niemals etwas mit „Selbstaufgabe“ zu tun, dass wir uns dabei selbst aufgeben; sondern einzig und allein mit „Selbsthingabe“, dass wir uns dabei an Jesus und seine Wege ganz, gern und gleich hingeben. Wie ein Weizenkorn werden wir in das Umfeld unseres Lebens hineingesenkt, daraus etwas Neues erwächst. Dasselbe geschieht in unserem Predigttext mit dem Salzkorn und dem Lichtstrahl. Was durch das Licht aufwachsen darf, das wird durch das Salz bewahrt und gewürzt.

 

3) Damit sind wir schon längst bei Punkt 3: Für die Menschen in unserer Umgebung stellen wir etwas dar. Unsere Salz- und Lichtkraft bedeutet für die Völker auch unserer heutigen Zeit sehr viel. Denken wir da nur an unser christliches Abendland. Was entstand nicht alles in Architektur, Kultur, Musik und Fortschritt durch die christlichen Grundwerte. Deswegen sehen wir mit großer Besorgnis die Entchristlichung unseres Volkes.

Die Botschaft Jesu befreit uns von allen falschen Bindungen und Ängsten, von Boshaftigkeiten und Kriegen. Eine kleine Schar von Christen können wie Aktivzellen wirken, die positiv eine größere Gemeinschaft durchwirken. Ein klassisches Beispiel dafür, das für uns heute noch nicht veraltet ist, ist die alttestamentliche Geschichte von Sodom und Gomorra: Zehn Gerechte hätten den Einfluss gehabt, eine ganze Stadt zu verschonen. Leider gab es diese zehn nicht. So verbrannte diese Stadt mit Schwefel und Feuer. In Ninive konnte sogar ein einziger Bote Gottes die ganze Stadt zur Umkehr rufen. Und dieser Einzelne hatte sich zuerst gewehrt, solch ein Bote zu sein: Jona!

Gerade als Christen haben wir einen gewaltig großen Auftrag. Wir müssen ja nichts aus uns selbst heraus tun. Wir müssen uns niemals in irgend einer Art und Weise aufspielen und etwas leisten und darstellen. Damit würden wir sogar diesen Auftrag falsch verstehen. Es genügt unser täglicher, bereitwilliger Gehorsam, mit dem wir aus Liebe zu Jesus, zu seinen Wegen bereit sind und in aller Treue darin stehen. Alles andere tut dann Gott selbst.

Nach Hebräer 11 durften die einen für Gott sehr viel tun; und die anderen durften um der Sache Gottes willen vieles erleiden. Gott hat hierfür ganz andere Beurteilungsmaßstäbe, als es wir Menschen haben. Z.B. haben wir noch heute von Paulus die wertvollsten Nachlässe aus seinen Zeiten, in denen er selbst im Gefängnis saß.

Als Christen fragen wir nicht mehr so sehr nach dem "Warum" und dem "Woher" sondern nach dem "Wozu" und dem "Wohin"! Als Christen feiern wir keine Siege und Triumphe menschlicher Art. Aber wir haben auch keine Minderwertigkeitskomplexe. Wir sind einfach das Flussbett, durch das die Liebe Christi fließt und an dessen Ufer die Bäume wachsen, die  zwölf Mal im Jahr Früchte tragen und deren Blätter zur Heilung der Völker dienen (Ofb. 22).

Das Salz hat als das durchdringende Element zwei Aufgaben: Es bewahrt das Fleisch vor Fäulnis und Verrottung; und es macht jede Speise wohlschmeckend. Das Salz selbst ist ungenießbar. Das dürfen wir ruhig auf uns Christen beziehen: an und für sich ist jeder Einzelne ungenießbar. Stehen wir aber ganz im Einsatz, so wie es jedem von Gott gewiesen ist, wirken wir bewahrend und sind wir wohlschmeckend. Salz ist kein Luxusartikel, sondern ein sehr schlichter Bedarfsartikel. Wir sind auch nicht der Honig oder die Torte der Welt, um das Leben etwas zu versüßen. Auch heißt es nicht: wir sind das Salz der Kirche. Sondern wir gehören mit unserem Auftrag in die brodelnde Masse dieser Welt und in die Situationen, in denen die Gefahr besteht, dass der Wurm der Zerstörung hineingerät.

Das Licht hat die Aufgabe, zu leuchten! Wir haben nicht Ängste zu schüren, die Finsternis zu verteufeln, sondern einfach in schlichter Weise zu leuchten. Das Licht hat dann die Eigenschaft, dass sie die Finsternis vertreibt, dass sie die Kälte mit Wärme ersetzt, und dass dadurch überhaupt ein Leben entstehen kann, das sich lohnt, gelebt zu werden.

 

Somit stellen wir Christen für unsere Umgebung etwas dar. Wir sind nicht umsonst auf dieser Erde. Christi Ruf an uns trägt immer auch eine Berufung mit vielen Aufträgen in sich. Somit trägt die Würde unserer Jüngerschaft Jesu den großen Verpflichtungscharakter des Evangeliums. Das Vergängliche wird dabei vom Ewigen ersetzt, das Böse vom Guten, das Ewig- Gestrige vom Zukünftigen, das Alte Lied vom Neuen Lied, der Alte Adam vom Neuen Adam und das Hoffnungslose vom Hoffnungsvollem. Wie ein Stein, in der Sonne liegend, warm wird, bekommen wir von Gott das tägliche Know-how, Geschick, für seine Aufträge und Aufgaben in dieser Welt.

 


Bruder Georg

 


 

EPHESER 5,8b-14;   PREDIGT:

 

„ Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. “

 

Diesen Text will ich überschreiben mit: „Wachstum im Glauben!“ „Reifen zum vollkommenen Erwachsenen-Alter!“ Paulus sagt in 1. Korinther 13,11f: Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind. Als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. Und Johannes 3 zeigt mit dem Geschehen der Neugeburt ein Wachstum an, in dem gerade wir Christen stehen. Und Salomo beschreibt im Predigerbuch Kapitel 3, dass ein Jegliches seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel seine Stunde hat. Und Epheser 5,14 steht: Kaufet die Zeit aus!

Als Christen bleiben wir nie an einer besonderen Stelle stehen. Wir sind befähigt, die Zeichen der Zeit recht einzuschätzen und, - was für uns wesentlich ist -, die Chancen Gottes zu ergreifen und auszunützen. Und das geht immer in dem Wissen, dass wir nie auf uns alleine gestellt sind. Es gibt einen Plan Gottes für unser Leben, in den wir uns einklinken dürfen. Als die Kinder Gottes wissen wir, was momentan dran ist und was nicht. Da nörgeln wir nicht an den Führungen Gottes herum, sondern wir stellen uns bereitwillig in das uns momentan Gebotene und Mögliche hinein. Wir kennen ein hoffnungsvolles Wirken und Arbeiten. Wir erleben die starken Segensströme Gottes. Wir laben uns an der Lebensquelle Gottes, die nie versiegt. Und zusätzlich erleben wir, dass durch uns hindurch diese Ströme des lebendigen Wassers fließen (Johannes 7,38).

Weil uns Gott sehr viel anvertraut, werden wir zu sehr dankbaren Menschen, die alles zu geben bereit sind. Diese Lebensverbindung zu Christus bedeutet uns alles. Denn dadurch werden wir zu sehr lebensfähigen, verantwortungsbewussten und aktiven Menschen. Christus ist unser Vorbild. Er selbst steht in der Mitte unseres Lebens und lenkt unsere Schritte und Vorhaben. Damit bekommt unser Leben einen sehr wertvollen Inhalt, auch wenn das andere Werte sind, als es karrierebewusste Menschen ausleben und erstreben.

Vor Gott gelten sie sog. „Stillen im Lande“ sehr viel. Er baut sein Reich oft mit denen, die sonst als die Unmündigen angesehen werden. Und Jesus singt darüber Matthäus 11 sogar einen Lobpreis, dass es so ist. So baut Gott sein Reich mit lauter Stümpern, die aber in aller Treue vor ihm leben.  Sie erfahren die Wunder Gottes in ihrem Leben. Sie wissen sich ganz ihrem Gott verpflichtet. Das steht bei ihnen an oberster Stelle. Das lassen sie sich nicht nehmen. Das macht auch ihr Leben fest und gewiss. Das befähigt sie, in rechter Weise im Leben zu stehen und im Glauben zu wachsen und zu reifen.

Nach diesem Predigttext geschieht dreierlei: Beim Wachstum unseres Glaubens 1) prüfen wir uns in echter Weise; 2) kennen wir ein Aufwachen und Zugreifen. 3) Dabei wachsen die Früchte des Lichtes.

 

1) Beim Wachstum unseres Glaubens prüfen wir uns in echter Weise. 1. Thessalonischer 5,21: Prüft alles und das Gute behaltet. Und das geschieht im Sinne von Römer 12,2: Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Auch in unserem Text ist vieles davon genannt. Zu dieser Prüfung haben wir ganz klare Kriterien, die Gebote Gottes, das Wort Gottes. Und es geschieht mit unserem Gebet. Da steht dann immer die Frage im Vordergrund: Herr, was willst du, dass ich tun soll?!!! Hier ist nun kein stures Gesetzesdenken gemeint, sondern mein lebendiges Verhältnis zu Gott, zu Jesus Christus.

Schon wenn ein Mensch zum Glauben kommt, fand solch eine Prüfung statt. Da erkennt der Betreffende, dass es noch etwas Besseres gibt, als er bis jetzt gelebt hatte. Gerade bei unserem Wachstum des Glaubens gibt es immer wieder Lebensabschnitte, in denen eine Prüfung ansteht. Da kommen Anfechtungen, Versuchungen und Anfragen, die einem zu Herzen gehen. Aber auch hier – zu unserem Glück – gibt es das klare und eindeutige Wort Gottes als die Prüfungskriterien, die wir zur Hand haben.

Gott überlässt uns die Prüfung. Er ist niemals der lästige Prüfer. Sondern er gibt uns Maßstäbe und Richtlinien an die Hand, mit denen wir in jeder Lebenslage klar alles überprüfen können. Auch wenn andere von uns etwas verlangen. Unsere letzte Prüfung geschieht alleine vor Gottes Angesicht. Das muss auch unser Nächster respektieren.

Letztlich wollen solche Prüfungen uns positiv beeinflussen und weiter bringen. Damit befinden wir uns auf dem Weg der Nachfolge, daraus wir nie ausscheren. Dann gilt für uns der Schutz Gottes, seine Bewahrung, Leitung und Führung. Dann nimmt uns Gott an der Hand und – wenn es nötig ist – trägt er uns durchs Leben hindurch. Nichts darf uns schaden, vom Weg abbringen oder aufhalten. Es geht unbeirrbar den Weg weiter, so wie es von Gott ersehen wird.

Diese Frage an Gott: Herr, was willst du, dass ich tun soll?!! ist unser innerstes Anliegen und letztes Bestreben. Denn nur Gott lässt uns den rechten Weg finden und gehen. Gut gemeinte Ratschläge von Menschen könnten uns auch auf die falsche Fährte schicken. Gott tut das nie. Er befreit uns von falschen Abhängigkeiten. Er macht uns frei für das rechte Arbeiten. Und darüber gibt er uns über Bitten und Verstehen all das, das wir zum täglichen Leben benötigen.

 

2) Beim Wachstum unseres Glaubens dürfen wir immer wieder aufwachen und zugreifen. Nach erfolgter Prüfung können wir uns in rechter Weise entscheiden. „Wach auf! Greif zu! Verpass es nicht!“ Es ist weniger unser Können angesprochen, sondern es sind die Chancen Gottes, die wir ergreifen dürfen und dahinter das Machtwort Gottes steht. Christus gibt uns dazu die nötige Erleuchtung.

Als Christen leben wir ja nicht 5 Sekunden vor 24 Uhr, also in Angst und Schrecken vor dem, das uns erwartet. Sondern wir leben schon längst in der Morgendämmerung der Ewigkeit Gottes, also in der großen Hoffnung und Zuversicht, weil unser Gott im Kommen und sein Reich im Werden sind. 1. Johannes 5,4: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Römer 12,21: Wir überwinden das Böse mit Gutem. Offenbarung 21,7: Wer überwindet, der wird es alles ererben. Hier ist unser täglich gelebter Glaube angesprochen, ein positives Vorwärts- und Weiter- Gehen. Da darf uns nichts aufhalten und in die Quere kommen. Jeden Morgen neu befehlen wir uns der Führung und der Fügung Gottes an. Nie verfallen wir in einen geistlichen Dämmerschlaf, in Resignation und Niedergeschlagenheit. Denn Gott ist der Motor unseres Lebens. Er handelt in uns und durch uns hindurch. Hinter all unserem Handeln steht 2. Korinther 5,14:  Die Liebe Christi dringt uns! Weil wir uns so sehr geliebt wissen, sind wir zu allem bereit, was Gott von uns will, was uns vor ihm klar wird.

Als wachsame Christen erkennen wir zweierlei: Auf der einen Seite sehen wir alles klar und scharf. Uns entgeht nichts, was um uns herum geschieht. Davor dürfen wir auch unsere Augen nicht verschließen. Auf der anderen Seite sehen wir auch klar, wie Gott das alles sieht und einschätzt. Das kann das grasse Gegenteil von dem sein, wie sonst wir Menschen das einschätzen würden. Aber weil die Liebe Gottes dahinter steht, stößt uns das nicht ab. Sondern wir erkennen, was für die momentane Situation gut und richtig ist. Und dafür dürfen wir uns einsetzen. Da heißt es: Wach auf! Greif zu! Verpass es nicht!

Hierfür sind in Hebräer 12 viele Verhaltensweisen angesprochen: z.B. Alles ablegen, was uns beschwert, zusammen mit der Sünde. Mit Geduld in dem Kampf laufen, der uns bestimmt ist. Aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Die Erziehung unseres Herrn nicht gering achten. Die müden Hände und die wankenden Knie stärken. Mit den Füßen sichere Schritte gehen. Dem Frieden und der Heiligung nachjagen…. Noch vieles andere könnte man hier anfügen: alle Gebote und was uns Jesus als Vorbild hinterlassen hat.

 

3) Während des Wachstums unseres Glaubens erfahren wir die Früchte des Lichtes: Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. In der Bibel ist von Frucht und Licht sehr oft die Rede.

Johannes 15,5 heißt es von Jesus: Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht! Beim Gleichnis vom 4-fachen Ackerfeld, Matthäus 13,8 ist die hundertfältige Frucht genannt. Offenbarung 22,2 werden die Bäume des Lebens beschrieben, die 12 Mal im Jahr Früchte tragen. So sind wir als Christen keine fruchtlosen Geschöpfe, sondern wir bringen viele Früchte.

Auch vom Licht ist viel in der Bibel die Rede. Bei der Schöpfung heißt es, 1. Mose 1,3: Gott sprach: es werde Licht. Und es ward Licht! Jesus sagt Johannes 8,12: Ich bin das Licht der Welt! Und Matthäus 5,14 sagt er: Ihr seid das Licht der Welt. Zu Weihnachten, Epiphanias, Ostern und für die Wiederkunft Jesu ist sehr viel vom Licht Gottes die Rede. Es gibt die rechte Erleuchtung und Erkenntnis. Es vertreibt alle Finsternis, alle finsteren Gedanken und Vorhaben. Es durchflutet unser Bewusstsein, unser Unbewusstsein und Unterbewusstsein, die letzten Winkel unseres Lebens. Gerade im Lichte Gottes dürfen wir die Vielfalt und Schönheit des Lebens entdecken und sehen. Durch unser Glaubensleben werden wir durchscheinend für Gott und seine Anliegen.

Als die Früchte des Lichtes ist Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit genannt. Durch die Güte Gottes kam Jesus zu uns. Durch sein Erlösungswerk werden wir gerecht. Wenn wir uns ihm öffnen und weihen, werden wir in alle Wahrheit geführt.

Diese Früchte wollen nun in unserem Leben wachsen und reifen. Es ist nichts, was wir selber wollen und schaffen. Sondern das wirkt Gott in uns. Dazu überlassen wir ihm unser ganzes Leben. Aber dann sind wir auch aktivst daran beteiligt. Da bringen wir unseren Willen in Übereinstimmung mit seinem Willen. Da legen wir unsere Hand in seine Hand. Da müssen wir nichts überstürzen. Aber wir brauchen auch keine Minderwertigkeitskomplexe haben. Gott teilt uns das Maß des Glaubens zu, das er uns zugedacht hat. Nun dürfen wir damit leben und handeln, wie es beim Gleichnis von den anvertrauten Pfunden oder Zentnern heißt.

Wir dürfen diese Früchte nicht mit Erfolgen verwechseln. Bei den Erfolgen gibt es auch Misserfolge. Das gibt es bei den guten Früchten nicht. In Hebräer 11 wird uns die ganze Palette christlicher Früchte aufgezeigt. Da kann sehr viel Gutes geschehen. Aber da kann auch sehr viel erlitten werden. Sogar noch die Märtyrer sind der Same der Kirche. Und echte Verkündigung, echtes Zeugnis hat immer etwas mit „Leiden“ zu tun. Da wachsen aus unseren Leidenschaften die Leidenskräfte.

Wenn es heißt: Lebt als Kinder des Lichtes! dann dürfen wir darin auch das Gesamte der Neuschöpfung ersehen. So wie Gott bei der Schöpfung diese sichtbare Welt ins Leben rief. So ruft Gott seine Neuschöpfung ins Leben. Weil diese nun nicht mehr sichtbar und greifbar ist, benötigen wir sein Licht in besonderer Weise. Er schenkt uns dazu die nötige Erleuchtung und Erkenntnis. Er öffnet uns dazu die inneren Augen, Ohren und das Herz. Was unter diesem Lichte als Frucht wächst und reift, das bleibt für Zeit und Ewigkeit bestehen und vergeht nicht mehr.

 

„Wachstum im Glauben. Reifen zum vollkommenen Lebensalter!“ Jeder Christ erlebt das in seinem persönlichen Leben. Gerade durch unser Wachsein in allen Lebensprüfungen dürfen wir uns für das Rechte entscheiden. Letztlich stehen wir dabei in der Nachfolge Christi. Er bestimmt und zeigt uns, was momentan dran und wichtig ist. Er lässt in uns diese Früchte reifen, die uns in Ewigkeit erhalten bleiben. Als Gesamtes schenkt Gott in der Gemeinde die Neuschöpfung, die Jesus auch als seine Braut bezeichnet.



Bruder Georg

 


 

 

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