Gedanken zum 20. Sonntag nach Trinitatis

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Predigt 1. Korinther 7, 29-31

20.Sonntag nach Trinitatis

gehalten am 5. November in St. Jakob, Augsburg

 

Das sage ich euch aber, liebe Brüder: Die Zeit ist kurz. Darum sollen auch die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine; und die, die weinen, als weinten sie nicht; und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; und die kaufen, als könnten sie es nicht behalten; und die die Güter dieser Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht. Denn die Gestalt dieser Welt vergeht.

                                                                           A.

Wie soll man das verstehen, was Paulus hier sagt? Er leitet den Briefabschnitt ein: „Das sage ich aber, liebe Brüder“.

Will er ´sagen`, dass man als Christ irgendwie ´aus dem Zusammenhang gerissen` ist? Ist man als Christ ´nicht mehr ganz da`? Bewegt man sich im täglichen Leben wie jemand, der eigentlich nicht hierher gehört? „Als hätte“ man mit dem allen „nicht“ viel zu tun. „Als“ wäre man schon nicht mehr ganz dabei?. - Meint er das?

Der Österreicher Robert Musil hat 1936 einen „Nachlass zu Lebzeiten“ herausgegeben. Das war eine Sammlung kurzer Texte, meist nur wenige Seiten lang: Beobachtungen und Betrachtungen. Unter diesem seltsamen Titel: „Nachlass zu Lebzeiten“. Das klingt auch so, als wäre der Verfasser schon von sich selbst abgerückt, - über sich selbst hinaus, - als wollte er sich selbst hinter sich zurücklassen.

Einer dieser kurzen Texte trägt die Überschrift: „Der Erweckte“.

´...sechs Uhr morgens am ersten November.- Gott hat mich geweckt. Ich bin aus dem Schlaf geschossen. Ich hatte gar keinen anderen Grund, aufzuwachen“ ( Prosa u. Stücke, Hrsg. Frisé, Rowohlt 1983, S. 483).

Interessanter sind aber die Vorarbeiten zu dieser Schrift, die man dann wirklich im Nachlass Robert Musils gefunden hat.

Ein erster Entwurf aus dem Jahr 1924 ist überschrieben: „Der Gläubige“. Dieser sagt: „Ich bin losgerissen worden wie ein Blatt aus einem Buch“ ( S. 575 ).Ein zweiter Entwurf, Ende des Jahres, Überschrift: „Der Erwachte“, fügt hinzu: losgerissen -,  „Von einer Hand . Da bin ich auf den Erdboden geflattert“ ( S. 576 )

Ist „Der Gläubige“ ein „Erweckter“ , der aus seinem Zusammenhang gerissen ist, „losgerissen worden wie ein Blatt aus einem Buch“? „Von einer Hand“ losgerissen,  „losgerissen  und zu Boden „geflattert“?

Sind wir Christen Fremdlinge, die zwar überall dabei sind, aber irgendwie ´geistesabwesend`, und ohne ganz dazuzugehören?

 

                                                                          B.

Obwohl ich mich beim Blättern in Musils „Nachlass zu Lebzeiten“ an Paulus erinnert fühlte, muss man doch sagen: Das meint der Apostel nicht. „Der Gläubige“ ist für ihn  nicht wie ein „aus einem Buch“ gerissenes „Blatt“, das nun zusammenhanglos herumliegt, - so dass der beste Christ vielleicht ein Einsiedler wäre, oder jemand, der zwar da ist, aber sich aus allem heraushält. Das würde ja auch nicht stimmen. Wir sind alle noch an unserem Platz. Keineswegs „losgerissen“. Wir gehören vielmehr dahin.

I.

Martin Luther, der Mönch, hat beim Bibellesen entdeckt, dass in der Bibel Mönche eigentlich nicht vorgesehen sind. Er hatte das Klosterleben in Erfurt als eine Art des Abgetrennt- und Aus- dem-Zusammenhang-Gerissenseins erlebt. Das Kloster, die „Klausur“, war so etwas, wie eine abgeschlossene, immanente Sonderwelt. Die Mönche erschienen ihm wie aus Büchern herausgerissene Blätter, wie Menschen, die sich von ihren Familien und von der übrigen Christengemeinde losgerissen haben.

Abraham, Isaak und Jakob hingegen, auch Propheten wie Hosea und Jesaja, - Petrus und die übrigen Apostel „hatten Frauen“. Und Paulus stand mit einem engen Mitarbeiterkreis in ständiger Verbindung.

Was Musil in der „Vorbemerkung“ zum „Nachlass zu Lebzeiten“ schreibt: „...kann man denn überhaupt noch von Lebzeiten sprechen? Hat sich der Dichter deutscher Nation nicht schon längst überlebt?...Schon lebt der Dichter...beinahe allerorten in einer tiefen Abgeschiedenheit vom Leben, und hat doch nicht mit den Toten die Kunst gemeinsam, dass sie kein Haus brauchen und kein Essen und Trinken“ (S.473),- das entspricht dem, wie Luther das Klosterleben empfand. Da lebt man „in einer tiefen Abgeschiedenheit“; eigentlich sollen das schon gar keine „Lebzeiten“ mehr sein. Und trotzdem ist man noch da. Auch das Kloster hat eine Hausnummer. Und die Mönche müssen natürlich essen und trinken. Dazu brauchen sie Geld. Und gegebenenfalls brauchen sie ärztliche Versorgung. Das mit der „Abgeschiedenheit“ ist eher eine Selbsttäuschung, wie bei den deutschen Dichtern, über die Musil sich amüsierte.

Wir müssen ja auch pünktlich zur Arbeit erscheinen und sind für unsere Familien verantwortlich. Und auf die Dauer dürfen wir nicht mehr ausgeben als einnehmen.- Das muss alles seine Ordnung haben.

Was ist also „Der Gläubige“, wenn nicht ein herausgerissenes Blatt, das auf den Boden geflattert ist?

 

II.

Paulus sagt nicht, dass der Christ wie ein aus einem Buch herausgerissenes Blatt ist. Man könnte vielmehr sagen: Er ist nach wie vor eingebunden in das Buch. Er nimmt seinen Platz ein. Die Seitenzahl ist numeriert, folgt auf die vorige, geht der nächsten voraus.

Aber auf diesem Blatt finden sich Eintragungen, die nicht überall in dem Buch vorkommen. Es ist etwas dazugeschrieben, was den Text erst verständlich macht. Die „Hand“, von der Musil sprach, hat das Blatt nicht herausgerissen, sondern neu beschriftet. Und das, was auf dieser Seite dazu geschrieben ist, erläutert auch das, was auf den anderen Seiten steht ; es gibt dem ganzen Zusammenhang erst Bedeutung.

Wir hören jetzt viel von dem großen wissenschaftlichen Fortschritt, dass die menschlichen Gene ´entziffert` werden können. Man kann, heißt es, die Erbanlagen ´ablesen`. Das kann atemberaubende Konsequenzen haben. Möglicherweise kann man ja dann auch den ´Text`, der das menschliche Leben ´vorschreibt`, korrigieren.

Nehmen wir an, jeder Mensch ist so ein beschriebenes und bald auch lesbares Blatt: Was Gott damit macht, ist nicht, dass er es aus dem Zusammenhang reißt, in dem es als Fortsetzung eines Textes geschrieben wurde. Er schreibt vielmehr etwas dazu. So sah es der Prophet Jeremia kommen, jedenfalls für den „Neuen Bund“. Gott will den Menschen das Richtige, das Wahre, das Gebotene „ins Herz schreiben“. Zu dem, was wir im Herzen haben, schreibt Gott etwas Aufschlussreiches, Weiterführendes dazu.

Wenn wir das, was Gott dazu geschrieben hat, entziffern, dann ´lesen` wir unser Leben nicht nur im Zusammenhang mit dem Vorausgehenden und voraussichtlich Nachfolgenden. Wir ´lesen` es dann vielmehr im Zusammenhang mit dem, was der Verfasser selbst, mit eigener Hand, erläuternd und verdeutlichend, hinzugefügt hat.

Da schrumpft das, was man selbst überblicken kann, zusammen. Die „Zeit“ wird „kurz“. Sie drängt sich zusammen. Nicht, dass man aus den „Lebzeiten“ in eine täuschende „Abgeschiedenheit“ ´aussteigen` könnte. Aber die „Lebzeiten“ sind in einen größeren Rahmen gestellt. Unser Leben geht vorüber, wie auch „das Wesen dieser Welt vergeht“. Was mit „Wesen“ übersetzt ist, heißt im Griechischen „Schema“ und meint die Beschaffenheit und Verfassung der Welt, wie wir das Leben in ihr kennen. Alles vergeht. Aber es geht nicht notwendigerweise verloren. Was auf der Erde keinen Bestand hat-, „Menschliches Wesen,/was ist´s gewesen...?“, fragt man, wenn der Hauch des Todes dreinbläst, - es ist aufgefangen und aufgehoben von dem ewigen Gott, der sagt: ´Du gehörst mir`, „du bist mein“.

Mein in seinen Möglichkeiten und Gefährdungen zu entzifferndes Leben, meine Geschichte, die das Schicksal geschrieben hat, und die ich entweder selbst zu Papier bringen- oder erzählen, oder auch vergessen kann,- ist mit der Eintragung Gottes versehen: „Ich habe dich erlöst“, und daher,- so kurz und gedrängt sie ist, einbezogen in die Ewigkeit Gottes.

Ich bin nicht „losgerissen“,- ich ´hänge mit drin`, - mein Leben ist eine Seite in einem fortlaufenden Text, ich kann mich nicht herauslösen,- ich bin, wie die Bibel sagt, ein sündiger Mensch, wie meine Vorfahren und wie alle anderen. Aber „zugleich“,- entdeckte Luther mit leuchtenden Augen,- „zugleich“ -, also nicht erst, wenn ich aus diesem Zusammenhang herausgerissen wäre,- „zugleich“ bin ich „gerecht“, anerkannt von Gott, erlöst, neue Kreatur. Das hat Gott auf dieses Blatt des Buches, auf dieses kurze Stück im fortlaufenden Text, das mein Leben darstellt, drauf geschrieben.

Daher ist dieses Blatt nun, ohne herausgerissen zu sein, im Zusammenhang des Wortes Gottes,- dessen also, was Gott dazugeschrieben hat,- zu lesen. Mein Lebenslauf im Zusammenhang der Worte der Heiligen Schrift.

 

III.

Da ist also nun jemand verheiratet. Und die Jahre gehen ins Land. Man erlebt Gutes und Schlechtes, und könnte sich manches anders vorstellen. Das gehört zum ´Text` unseres Lebens. Und da hat Gott dazu geschrieben: Ich habe euch „zusammengefügt“. So hat es Jesus ausgedrückt: „Was Gott zusammengefügt hat“-, die „Hand“ Gottes.

Wer an Gott denkt, sieht, wie kurz und vergänglich sein Leben ist. So „haben“ wir einander, „als hätten“ wir uns „nicht“. Der Tod wird uns scheiden. Und wir „haben“ uns doch. Weil Gott uns zusammenhält. Wie könnten wir uns sonst einander ´halten`, wo doch das Menschenherz unruhig ist und sich leicht verliert?

Und wer nicht verheiratet ist, hat auch diesen Eintrag Gottes in seinem Leben: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen“. Dann lebt man sein Alleinsein, als wäre man nicht allein. Und man ist nicht allein; denn Christus lebt auf Erden wie ein Leib mit vielen Gliedern: ich bin eines davon.

Man kann sich zwar unempfindlich machen gegen Leid: Man lässt es einfach nicht an sich heran. Man lässt es sich nicht ´nahe gehen`. Man ´hält sich heraus`. - Aber das wäre jene trügerische „Abgeschiedenheit“, in der man so tut, als gehöre man nicht dazu, als wäre man für die anderen nicht verantwortlich.

Wessen Leben wie ein herausgerissenes Blatt ist, der weint nicht mehr. Oder man merkt es nicht, weil er nur für sich weint.

Paulus aber geht davon aus, dass wir weinen, weil uns etwas nahegeht. Weil wir aneinander ´hängen`. Weil wir miteinander ´mitleiden`.

Wie Maria aus Magdala, die am Grab weinte (Joh 20,11). Da hörte sie ihren Namen rufen von einer wohlbekannten Stimme. Die Stimme fragte: „Warum weinst du?“ Sie blickte unter Tränen auf, und sagte dann: „Ich habe den Herrn gesehen“.

Die Trauer, die aus dem fortlaufenden Text des Buches der Geschichte nicht wegzudenken ist, wird durch den Eintrag: „Der Herr ist auferstanden“, einbezogen und aufgehoben in eine freudige Erwartung. So werden künftig „die Weinenden“ sein, „als weinten sie nicht“.

 

Und was einen freut und befriedigt, worauf man stolz ist, das erkennt man, wenn Gott mitredet, als etwas von Ihm Gewährtes, worauf man keinen Anspruch hat. Es kann einem auch wieder gewonnen werden. Man „freut“ sich natürlich, aber man rühmt sich nicht, wie man es vielleicht übermütig täte,- wie viele es tun-, wenn man Gott nicht beachten würde.

Auch die deutschen Dichter, wie Musil erinnerte, und auch die Mönche, die scheinbar Abgeschiedenen, müssen essen und trinken, also „einkaufen“. Und man muss irgendwo wohnen; man „kauft“ vielleicht eine Eigentumswohnung für den Ruhestand.- Aber „wir haben hier keine bleibende Stadt“. Wir „haben“ jedoch „ein Haus, von Gott erbaut, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel“. (2 Kor 5,1)

Ich glaube nicht, dass Paulus sagen wollte: Diejenigen, die „haben, als hätten sie nicht“, seien ´nicht ganz da`, ínnerlich abwesend`, sie lebten weniger intensiv. Ich glaube nicht, dass sie ´weniger vom Leben „haben“`, sondern ´mehr`. Wer Christus ´hat`, erlebt alles Vergängliche auf der Folie des ewig Verheißungsvollen.

 

Amen!

 

Pfarrer Wolfhart Schlichting



 

MARKUS 10,2-16;  PREDIGT:

 

„ Die Pharisäer traten zu Jesus und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau; und sie versuchten ihn damit. Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten? Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden. Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben; aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Und daheim fragten ihn abermals seine Jünger danach. Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe; und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe. “

Die Segnung der Kinder:

„ Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie. “

 

Die Ehe und Familie, ebenso die Gemeinde und auch unsere Bruderschaft sind Schöpfungsakte Gottes. Die Ehe ist die kleinste Zelle menschlichen Zusammenlebenes. Schon bei der Schöpfungsgeschichte heißt es: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. So schuf Gott den Mann und die Frau. Und in unserem Predigttext heißt es: Die zwei werden ein Fleisch sein. Was nun Gott zusammen geführt hat, soll der Mensch nicht scheiden. So ist es Gottes Wille, dass sich zwei Menschen finden und zusammen leben. Gerade das darf mit Gottes Hilfe und Beistand geschehen. Darauf liegt das Wohlgefallen Gottes. So etwas geschieht in seinem Auftrag. Letztlich kümmert er sich selbst darum, dass solches Leben gelingt. Gott macht ja keine Fehler. Und wenn bei uns etwas schief läuft und wir vor ihm offen sind, dann korrigiert er dies und macht das Beste daraus.

Das Große an Gott besteht darin, dass er dem Kleinsten große Bedeutung zukommen lässt. Wenn das alle kleinsten Zellen des Lebens beachten, dann hat das auch auf die großen Zellen des Lebens enorme Auswirkungen. Natürlich wissen wir, dass vieles auf dieser Erde ohne Gottes Plan und Ziel geschieht. Das ist sehr schade. Aber wir Christen wissen darum und werden damit in seinen Plan, der ein herrliches Ziel hat, eingeweiht und sind mitten dabei. Und so bekommt unser Leben Ewigkeitswerte, die wir nie mehr vermissen möchten. Gott hat mit uns etwas vor. Jeder Christ weiß um seinen ganz persönlichen Auftrag. Nie sind wir fehl am Platze, sondern bei Gott herzlich willkommen.

Dieses Wissen um Gottes Gegenwart, um seinen Beistand und Auftrag, ist gerade für die kleinste Zelle des Lebens sehr wesentlich. Dann gehen wir uns gegenseitig nicht mehr auf die Nerven. Damit können wir die größten Klippen bewältigen. Damit können wir die gegenseitige Ehrerbietung aufbringen. Alle falschen Erwartungen an unsere Nächsten werden positiv korrigiert. Somit gelingt die Ehe, die Familie, die Gemeinde und die Bruderschaft.

Als Christen tun wir ja alles Gott zuliebe. Weil er uns seinen Auftrag und seinen reichen Segen gibt, antworten wir darauf aus Dank und Liebe. Und Jesus sagte einmal, dass wir alles, was wir für unsere Nächsten tun, wir letztlich ihm tun. In diesem Sinne bekommen unsere Dienste einen abgeklärten Zweck. Wir erwarten gar keine Gegendienste. Da können wir auch die Eigenarten unserer Nächsten ertragen, ohne dass sie uns in erschreckendem Maße belasten. Wir wissen uns von Gott angenommen. Und das genügt uns vollauf.

Dreierlei bewegt uns bei diesem Text: 1) Weil Gott unser volles Glück will, darf das echte Zusammenleben das Normale sein. 2) Einer trage die andere Last, so werden wir das Gesetz Christi erfüllen. 3) Kinder sind eine Gabe Gottes.

 

1) Weil Gott unser volles Glück will, darf das echte Zusammenleben das Normale sein. So ist die gelebte Ehe das Normale und eine Scheidung das Unnormale. Sollte doch einmal eine Scheidung nötig sein, so ist dieser in unserem Text genannte Scheidebrief eine Notordnung, damit für beide Seiten alles recht geregelt wird. Wenn im Alten Testament der Mann fremd ging, dann hatte das keine Auswirkungen. Tat dies aber eine Frau, dann stand darauf sogar die Steinigung. Als damals so eine Frau zu Jesus gebracht wurde und diese gesteinigt werden sollte, sagte Jesus zu der Volks-menge: Wer unter euch in dieser Richtung ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein! Darauf gingen alle beschämt fort und Jesus sprach dieser Frau die Vergebung zu und dass sie hinfort nicht mehr sündigen soll. Heute ist eine Ehescheidung schon fast etwas Normales; ja manche heiraten gar nicht mehr, damit ihnen die Scheidung erspart bleibt.

Wir Christen wissen, dass an Gottes Segen alles gelegen ist! Und Gott will unser volles Glück. Er hat es immer auf unser ganzes Wohl abgesehen. Wenn er uns diese kleine Zelle des Zusammenlebens schenkt, dann ist darin auch alles enthalten, das wir benötigen. Von ihm her gesehen muss nichts schief laufen. Er hilft uns, dass dies alles gelingt, was damit zusammen hängt. Letztlich ist Jesus der Dritte im Bunde. Und gerade für die Ehe gilt: Der Herr sei zwischen mir und dir! Gerade Gottes Wort gibt uns sehr viele Hilfestellungen für unser Zusammenleben. Und weil uns Gottes Wort die ganze Wahrheit zeigt, in schonender Weise auch die Wahrheit über uns selbst, dann machen wir auch über die Fehler unserer Nächsten kein Aufhebens. Diese dürfen das Glück unseres Zusammenlebens nicht stören.

Weil solches Zusammenleben unser höchstes Gut ist, dürfen wir darauf auch unser besonderes Augenmerk legen. Unser Nächster muss nicht übervorteilt, aber auch nicht vernachlässigt werden. So sehen wir immer darauf, was dem Ganzen dient. Und erst in zweiter Linie kommen unsere persönlichen Anliegen, Wünsche und Vorhaben. Diese müssen nicht zu kurz kommen, aber eben erst in zweiter Linie. Wenn wir das beachten, dann gelingt uns das Leben. Dann haben wir ein erfülltes Leben, von dem wir keinen Tag vermissen möchten. Alles geht zielstrebig seinen Weg voran und jeder darf mitten dabei sein.

 

2) Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Als Christen fallen wir nicht aus allen Wolken, wenn wir die Schwächen unserer Nächsten entdecken, seine Fehler und sein Unvermögen. Gott schenkt uns die Kraft, das zu tragen, zu ertragen. Denn es ist normal, dass wir mit der Zeit die Vorteile und Nachteile erkennen und entdecken. Zuerst sehen wir die schönen Seiten, die wir gerne akzeptieren. Wenn wir dann die unschönen Seiten erkennen, gilt es auch diese zu akzeptieren. Das gehört mit zu unseren Aufgaben, die wir bewältigen dürfen.

Auch gerade als Christen wissen wir, dass alles Zusammenleben mit der Zeit eine starke Forderung darstellt. Und gerade durch Gottes Gnade dürfen wir das Nicht- Liebenswerte positiv bewältigen. Als den Grund dafür sehen wir das Kommen Jesu in unsere Welt. Für ihn war das eine ganz starke Forderung, die er aber um unseretwillen sehr gerne aufgebracht hatte. Er erkennt ja an uns nichts Liebenswertes, sondern das schenkt er uns erst mit unserem Leben mit ihm. Und das dürfen wir auf unsere Nächsten übertragen.

Wir als Bruderschaft wundern uns immer wieder, wenn Außenstehende unser Vorbild bewundern. Und wir denken öfters, wenn die wüssten, wie viele Mangos wir haben. Dasselbe gilt für die Ehe. Obwohl es gegenseitig vieles zu ertragen gilt, darf das dennoch nach außen hin als eine gesunde, vorbildhafte Ehe erstrahlen.

Natürlich geht man sich gegenseitig oft auf die Nerven und stoßen wir uns. Aber auch das dürfen wir in rechter Weise bewältigen und durchgehen. Letztlich tragen wir des anderen Last zu Jesus hin, wir müssen es gar nicht selbst bewältigen. Und Jesus macht sogar daraus das Beste und zeigt uns das rechte Verhalten in diesen Situationen. Und dann kommen auch wieder die schönen Seiten des Lebens, die wir natürlich voll genießen dürfen und sollen.

Die gegenseitige Achtung ist ein ganz wesentlicher Teil unseres Lebens. Keiner ist überflüssig, oder unfähig oder fehl am Platze. Gott hat mit jedem etwas vor und wir dürfen das auch anerkennen. Wenn wir das tun, dann ist das keine Einbahnstraße, sondern dann fließt auch vieles davon zu uns zurück. Lukas 6,38: Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben. Denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen!

Wer nur sein Eigenleben retten will, der ist fehl am Platze und verwirkt sein Leben. Wer dagegen aufopfernd im Leben steht, findet und erlebt das wahre Glück des Lebens und die rechte Erfüllung in allen Lebenslagen. Wer der anderen Last trägt, der erfüllt das Gesetz Christi.

 

3) Kinder sind eine Gabe Gottes. So gehören zur Ehe auch die Kinder. Erst dann spricht man von einer Familie. Manche wollen keine Kinder, manche können keine bekommen. Aber die meisten sind bereit, für Kinder eine echte Heimatstätte aufzubauen und setzen dafür viel Zeit, Geduld, Geld und Liebe ein. Auch wenn man da starken Forderungen ausgesetzt ist, hat man dennoch sehr viele Vorteile. Das Haus ist mit Leben gefüllt. Sehr viel Erfreuliches darf man erleben. Es wird einem nie langweilig und es fällt uns nicht die Decke auf den Kopf.

Wer Kinder aufzieht, dem ist es nicht erklärlich, warum manche Menschen kinderfeindlich eingestellt sind. Sogar Jesus bezieht hier Stellung dagegen und sagt: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn ihnen gehört das Reich Gottes. Und er setzt dazu: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hinein kommen. So dürfen uns die Kinder sogar ein Vorbild sein, wie wir Erwachsene ins Reich Gottes kommen. Kinder haben ein sehr großes Vertrauen zu den Eltern. Ihre strahlenden Augen, wenn sie nicht gerade zu Tode betrübt sind, stecken auch uns an. Wenn wir uns für sie Zeit nehmen, kann man sogar die eigenen Sorgen vergessen. So ist eine recht geführte Ehe und Familie ein Beispiel für die Neuschöpfung Gottes, für das Reich Gottes. Wir dürfen uns bei Gott ganz daheim fühlen und auskennen. Zu ihm haben wir unser vollstes Vertrauen. Wir haben vollen Zugang zu seinen Schätzen und Reichtümern. Gott ist für uns eine sehr bekannte Größe, die uns sehr viel bedeutet. So ist das Reich Gottes bestens mit der Kindschaft Gottes erklärt, erlebt und bewältigt. Wer zum Kind Gottes geworden ist, der ist voll dabei. Gott hat die Voraussetzung dazu geschaffen. Er hat den sehnlichsten Wunsch, dass jeder sein Kind wird. Wer das an sich geschehen lässt, der darf sein Bevollmächtigter sein und das volle Erbe benützen. Er ist ein Vollmitglied im Reich Gottes. Er wird von Gott geprägt und geformt. Er wird von Gott beschützt und behütet.

So gibt es für uns den Qualitätssprung der Kindschaft Gottes. Die Basis dazu ist unser täglich gelebter Glaube an Jesus Christus. Was dadurch entsteht und geschieht ist ein total neues Leben, das sonst nicht erlebt werden kann. Dann ist Gott immer der gewaltig Handelnde und Wirkende. Er lenkt die Geschicke unseres Lebens und Wirkens. Er ist dann nicht mehr zu bremsen und aufzuhalten. Alles bekommt in unserem Leben den rechten Sinn und Inhalt. Und wir kennen ein zielstrebiges Arbeiten und Wirken. Wir sind in die Familie Gottes aufgenommen, Voll- Mitglieder im Reich Gottes. So sind nicht nur die Kinder eine Gabe Gottes, sondern auch unsere Gottes- Kindschaft ist eine Gabe Gottes.

 

Unsere ganze Lebensexistenz ist ein Schöpfungsakt Gottes: Unser persönliches Leben, unser Stand in der Ehe oder in einer Bruderschaft; unsere Kinder oder die uns Anbefohlenen. Und der größte Schöpfungsakt ist unsere Gotteskindschaft. Gott selbst kümmert sich darum, dass uns das Leben gelingt. Er macht ja keine Fehler. Wir wissen um seinen Plan, der ein großes Ziel hat. Gerade Gott legt ein großes Gewicht auf die kleinste Zelle des Zusammenlebens. Wenn wir die gegenseitige Ehrerbietung aufbringen, dann gelingt uns das ganze Leben und wir haben den Zugang zum Reich Gottes, zur Ewigkeit Gottes.

 


Bruder Georg

 


 

1. KORINTHER 7,29-31; PREDIGT:

 

„ Das sage ich aber, liebe Brüder: Die Zeit ist kurz. Fortan sollen auch die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine; und die weinen, als weinten sie nicht; und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; und die kaufen, als behielten sie es nicht; und die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht. “

 

     Unsere Gottesbeziehung ist für uns Christen die Wesentlichste, die es gibt. Deshalb gibt es die christliche Erziehung; den Religionsunterricht, die Konfirmation, die Gottesdienste und unser gelebter Glaube.

     Und Gott hat uns sehr vieles zu sagen. Er hat für uns Lebensschätze bereit, die uns sehr viel bedeuten. Denn was „ER“ sagt, das geschieht. So ist es für uns sehr wesentlich, dass wir auf ihn hören und uns von ihm etwas sagen lassen. Frank Buchmann prägte die Aussage: Wenn der Mensch horcht, redet Gott. Wenn der Mensch gehorcht, handelt Gott.

     Versuchen wir in allen unseren Lebenssituationen den Weg Gottes zu finden, seinen Rat und seine Antworten zu hören, seine Entscheidungen zu akzeptieren und ganz eng in der Jesus- Nachfolge stehen zu bleiben.

     Gott ist nicht ferne von uns. Er ist uns ganz, ganz nahe. Im aaronitischen Segen heißt es zwei Mal, dass sein Angesicht uns ganz nahe ist, so nahe, sodass wir seinen Atem spüren dürfen. Vertrauen wir ihm, so wird alles gut und recht, so schief es auch momentan liegen mag.

     Um den Himmel Gottes zu erleben verlangt Gott nie eine Leistung von uns, mit der wir uns das verdienen könnten. In dieser Richtung ist er sehr freizügig, sodass er uns das alles, was damit zu tun hat, als Geschenk für uns bereit hat, das es gratis, umsonst, gibt. Aber weil Gott nicht der Hans- Dampf auf allen Gassen dieser Welt ist, so ist dazu unsere Offenheit für ihn, unser Glaube und Vertrauen zu ihm nötig, das Annehmen seiner Worte.

     Oft einmal stellt unser Glaube ein Wagnis dar, bei dem es gilt, alles in die Waagschale Gottes zu werfen. Im Nachhinein stellt sich dann heraus, dass jedes Los Gottes gewinnt. Wir spüren in jeder Situation und Lage, dass damit unser Leben und Einsatz einen Sinn hat und nie umsonst gelebt ist.

     Dann sitzt Gott im Regimente und führet alles wohl. Seine Führung und Leitung bereuen wir nie und wir sind dankbar für seine Gegenwart und Nähe. Da bahnt sich eine Lebensbeziehung zu ihm an, die Zukunft hat und uns zur wahren Bewältigung unseres Lebens befähigt. Jeder Tag hat dann einen Sinn, zu leben und sich einzusetzen. Nichts ist auf dieser Basis umsonst getan. Zusätzlich spüren und erleben wir eine große Lebenserfüllung, Freudigkeit und eine innere Stärke. Nichts bringt uns mehr aus der Fassung Gottes und wir können an unserer Stelle die Botschafter Gottes sein.

     Solches Gottvertrauen darf die Basis unseres ganzen Lebens sein. Nach unserem Predigttext gibt es dafür drei Gründe: 1) Alles, was wir anvertraut bekommen, ist eine Leihgabe Gottes, ein Geschenk auf Zeit. 2) Wir kennen eine rechte Distanz zu allem Besitz. 3) Wir sind zum Himmel Gotts unterwegs, zum Paradies, zur Vollendung der Neuschöpfung Gottes.

 

     1) Alles, was wir anvertraut bekommen, ist eine Leihgabe Gottes, ein Geschenk auf Zeit. Sagen wir es einmal ganz klar: „Heute ist der erste Tag meines restlichen Lebens!“ Und da gilt Epheser 5,16: Kaufet die Zeit aus!  Gott aktiviert uns ganz stark. Unter diesem Gesichtspunkt sind wir sehr mobil und engagiert. Wenn wir unser Leben als ein Geschenk Gottes ansehen, dann gehen wir damit auch sehr verantwortlich um. Da treiben wir keinen Raubbau mit unserem Körper, mit unseren Kräften und mit unserer Liebe. Da bekommen wir das Geschick, mit allem uns Anvertrauten recht umzugehen.

     Bei diesem Geschenk auf Zeit gehört es natürlich dazu, dass wir im Leben viel lernen, einen Beruf ausüben, Verantwortung übernehmen; einen gewissen Besitzstand aufbauen, um eine Familie beherbergen zu können; Vorsorge zu treffen, damit wir bei Krankheit und im Alter versorgt sind. Auch eine gewisse Wohnlichkeit sollen wir haben. Auch finanziell gilt es, ein Polster zu haben, auf das wir in Notzeiten zurückgreifen können. Ein großer Vorteil besteht darin, gesundheitlich auf dem Laufenden zu sein, sportlich zu leben und nichts zu unternehmen, was unserer Gesundheit schadet. Ein bestimmtes Gleichmaß zwischen Anstrengung und Ruhe, Arbeit und Schlaf, Verausgabung und innerlichem Auftanken ist von großem Vorteil. Auch unsere Lebensbeziehungen zu anderen Menschen gilt es zu pflegen und zu hegen. Da bauen wir Freundschaften auf und nie Feindschaften. Und allezeit versuchen wir, das Böse mit Gutem zu überwinden.

     Jeder Mensch und das gilt gerade auch für uns Christen, besitzt so viele Fähigkeiten und Gaben, die er alle ausnützen und ausüben darf. Da haben wir so viele Vorteile und Vorgaben, bei denen wir an kein Ende kommen. Gerade Gott öffnet uns dazu die Augen und gibt uns für das Alltägliche seinen Beistand und Segen. Durch Gottes Gnade stellen wir im Umfeld unseres Lebens etwas dar und leben wir nie umsonst.

     Natürlich wissen auch wir Christen, dass in unserem Leben nie alles glatt vonstatten geht. Da gibt es Berge und Täler, ein Auf und Ab, Freude und Leid. Da kommen wir mit Menschen in Berührung, die es gut, und welche, die es böse mit uns meinen. Da treffen wir Begebenheiten an, die uns weiter bringen, und welche, die Rückschläge darstellen. Ganz selten geht alles ganz glatt über die Bühne unseres Lebens. Oft gibt es Lebensabschnitte, die uns ganz fordern und denen wir uns bewusst zu widmen haben. Da bleibt uns dann nichts erspart.

     In allen unseren Lebensphasen gibt es Vorteile und Nachteile. Natürlich entscheiden wir uns dann immer für die Vorteile, auch dann, wenn wir manche Nachteile in Kauf nehmen müssen. Aber es überwiegen dann immer die Vorteile.

     Bei all diesen Betrachtungsweisen haben wir Christen den großen Vorteil, dass uns Jesus Christus beraten will, wie wir uns verhalten können. Er schenkt uns die Weisheit gerade für unsere alltäglichen Aufgaben und Entscheidungen. Er gibt uns eine große Durchhaltekraft, damit wir nie etwas vernachlässigen müssen. Er ermöglicht uns eine Liebe, die sich nicht erschüttern lässt; eine Freude, die auch im größten Leid vorhanden ist; ein Ziel, von dem wir nicht ablassen müssen; einen langen Atem, mit dem wir auch die Durststrecken des Lebens meistern können.

     Diese Leihgaben Gottes, seine Geschenke auf Zeit, ermöglichen uns ein sehr bewegtes Leben, sodass uns alles Auf und Ab des Lebens nicht schädigt, sondern sehr stärkt und zum rechten Leben befähigt.

 

     2) Wir kennen eine rechte Distanz zu allem Besitz. Man könnte meinen, dass dies im Gegensatz zum bisher Gesagten steht. Aber ich denke, dass dies nicht der Fall ist. Denn wir benützen diese Leihgaben Gottes, diese Geschenke auf Zeit dann falsch, wenn sie sich verselbständigen.

     Natürlich stehen wir alle voll im Leben. Oft sind wir vielen Zwängen ausgesetzt, die wir erbringen müssen. Manchmal könnte man meinen, dass sich das ganze Leben nur aus Nebensächlichkeiten zusammen setzt. Da sind wir gehetzt und sinken abends müde ins Bett. Da wächst uns der Alltag über den Kopf. Da schlägt uns das Wasser über dem Kopf zusammen. So meint man, vieles versäumt und das Wesentliche verpasst zu haben. So sieht eben unser Menschenleben aus.

     Damit uns das nicht zum Nachteil gereicht, schenkt uns Gott dennoch eine gewisse Distanz zum Alltag, auch dann, wenn wir 100 %-ig im Leben stehen. Es ist eine rechte Distanz zu allen falschen Abhängigkeiten und Zwängen. Nichts darf uns in falscher Weise gefangen und in Beschlag nehmen.

     Deswegen will uns Gott das Leben nicht vermiesen, sondern ganz stark bereichern. Gerade die Weisheit Gottes zeigt uns die Lebensvorteile und die Lebensnachteile auf. Daraus können wir dann die Konsequenzen ziehen. Gott zeigt uns, worauf es gerade im Alltag ankommt, was wesentlich und was unwesentlich ist. Die Kräfte und Mächte dieser Welt sollen uns nicht in ihren Bann ziehen. Als Christen gehen wir nicht in dieser Welt auf. Aber wir gehen auch nicht in dieser Welt unter. Wir lassen uns nicht unterkriegen. Gott gibt uns so quasi einen eigenen Lebensstand, einen eigenen Lebensbereich, eine eigene Lebensgrundlage, eine eigene Lebensqualität. Damit stehen wir rein äußerlich betrachtet mindestens genauso im Leben, wie alle anderen Menschen. Aber Gott gibt uns eine klare Ausrichtung, mit der wir vor vielen Gefahren und Irrtümern bewahrt bleiben, in die oft viele Menschen abgleiten.

     Bezeichnen wir einmal diese Distanz mit der Askese. Rechte Askese ist nicht dann gegeben, wenn wir mit verzerrtem Gesicht auf etwas gewaltsam verzichten. Sondern da verzichten wir gerne auf etwas, da geben wir gerne etwas ab, um dafür etwas Besseres zu bekommen. Da sind wir frei von vielem, um für das Wesentliche frei zu sein. Wenn unser Leben mit lauter Nebensächlichkeiten vollgestopft ist, dann hat eben nichts anderes mehr Platz.

     So befähigt uns Gott zur rechten Einschätzung aller unserer Lebensbeziehungen. So wissen wir, was wesentlich und was unwesentlich ist. Wir können unterscheiden zwischen der Wahrheit und der Lüge. Wir lassen uns nicht bezaubern von utopischen Zielen, Begierden und Wünschen. So können wir uns ein Leben aufbauen, das sich zu leben lohnt. Da sind wir voll drauf. Da können wir vieles leisten und bewahren uns unsere Kräfte und Fähigkeiten für ein sinnvolles Arbeiten und Wirken.

     Diese von Gott geschenkte Distanz gilt auch dann, wenn wir wie viele andere Menschen Schweres erleiden müssen. Deswegen ist unser Christenleben kein Honiglecken. Da gibt es Krankheiten und Unfälle, die einen ganz schön zusetzen. Da gibt es Eheschwierigkeiten, sie sich keiner wünscht. Da gibt es finanzielle Notlagen, darin man auf vieles verzichten muss. Da wird manchen buchstäblich der Grund unter den Füßen weggezogen, sodass alles wankt und schwankt. Da gibt es Mobbing, die uns die ganze Lebensexistenz entzieht. Bei den großen Katastrophen dieser Erde sind auch die Christen davon nicht ausgenommen. Da gibt es auf dieser Erde Christen, die um ihres Glaubens willen belästigt, verfolgt und sogar getötet werden.

     So hart das alles ist. So gibt doch Gott gerade in diesen Situationen seinen Beistand und seine Hilfe. Denn er will das Böse nicht. Man kann ihm dieses Böse nicht in die Schuhe schieben. Dieses Böse kommt vom Bösen, dem Satan, nicht von Gott. Es gibt viele, viele Menschenzeugnisse, die davon berichten, dass gerade in solchen Situationen ihnen Christus beigestanden ist. Christus hat dieses Böse besiegt. Er selbst sagt, Johannes 16,33: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. So kennen wir Christen eine gewisse Distanz zu allem Erlebten im Alltag.

 

     3) Wir sind zum Himmel Gottes unterwegs, zum Paradies, zur Vollendung der Neuschöpfung Gottes.

     Wir müssen wissen, dass die Christen der Urgemeinde die Wiederkunft Christi zu ihrem Lebzeiten erwarteten. Nun sind inzwischen 2000 Jahre vergangen und diese Wiederkunft hat immer noch nicht stattgefunden. Trotz dieser falschen Erwartung waren ihre diesbezüglichen Verhaltensweisen nicht falsch, sondern richtig.

     Die Seligpreisungen am Anfang der Bergpredigt Jesu kann man auch mit unserem Predigttext vergleichen. Da heißt es, wir dürfen voll diese Erde besitzen. Das ist unser Punkt 1. Gleichzeitig dürfen wir Gott schauen, Gott erleben. Das ist unser Punkt 2. Zusätzlich heißt es zwei Mal, dass wir das Himmelreich besitzen dürfen.

     Das größte Geschenk Gottes an uns Christen sind die unvergänglichen Werte, die er uns gibt. Es sind Werte, die uns das Paradies Gottes erschließen. Gerade die Vergebungs- und Erlösungskräfte Jesu ermöglichen uns Schätze, die für uns in Ewigkeit bestehen bleiben und uns nicht mehr genommen werden können.

     Gottes Reich ist nicht von dieser Welt. Es ist ein total eigenes Reich, das sich Gott im Verborgenen, im Unsichtbaren bereitet und bildet. Während diese Welt im Vergehen ist, ist dieses Reich Gottes im Kommen und vergeht nicht mehr. Als Christen sind wir davon beeindruckt und fasziniert, weil dieses Reich in Ewigkeit Bestand hat. Diese Sicht ist keine Fata Morgana oder Täuschung, sondern eine Wirklichkeit, die über den weltlichen Angelegenheiten steht.

     Jeder Christ weiß um seine spezielle Berufung, die er von Gott bekommen hat. Das ist für ihn das größte Geschehen seines Lebens. Gerade diese Berufung ist ein tragendes Fundament, darauf wir unser ganzes Leben sinnvoll aufbauen dürfen. Da bauen wir nicht auf Sand, sondern auf einen Fels, der in Ewigkeit Bestand hat. Was uns Gott zuspricht und verspricht sind Wahrheiten, die auch uns in alle Wahrheiten führen und somit zum rechten Leben, Verhalten und zur rechten Bewältigung aller unserer Situationen führen.

     Diese unsere Beziehung zu Gott und zu Jesus Christus ist unsere wesentlichste, übergeordnete Beziehung. Alles andere ist dem untergeordnet. Nur in diesem Sinne verstehen wir recht die Aussagen unseres Predigttextes in Bezug auf unseren Ehepartner, auf Freude und Leid, auf Geld und Besitz.  Diese Beziehungen verlieren nicht ihre Berechtigung. Aber wir wissen darüber noch etwas sehr Wesentlicheres.

     Gerade dadurch können wir im Leben alles viel besser bewältigen und in Verantwortung durchgehen, weil wir wissen, dass wir letztlich zum Himmel Gottes unterwegs sind. Es sind schon viele Fenster des Himmelreichs geöffnet. Wir riechen schon den Bratenduft vom festlich gedeckten Tisch Gottes.

 

     So hat uns Gott vieles zu sagen. Er hat für uns Lebensschätze bereit, die uns sehr vieles bedeuten. Denn was „ER“ sagt, das geschieht. Als Christen gehen wir den Weg Gottes, hören wir seinen Rat und seine Antworten, akzeptieren wir seine Entscheidungen und stehen wir in der Jesus- Nachfolge. Gottes Angesicht ist uns ganz nahe, sodass wir seinen Atem spüren können. Gott ist sehr freizügig, wenn es darum geht, dass wir seinen Himmel erleben. Da bahnt sich eine Lebensbeziehung zu ihm an, die Zukunft hat und uns zur Bewältigung dieses Lebens befähigt. Solches Gottvertrauen darf die Basis unseres ganzen Lebens sein.

 


Bruder Georg

 


 

 

 

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