Gedanken zum 1. Sonntag nach dem Epiphaniasfest

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Predigt für den 1. Sonntag nach Epiphanias

                                                      über Matthäus 4, 12-17

                                                                        gehalten am 9.1.05

                                                                                             in Augsburg, St. Jakob

 

 

Der Beginn des Wirkens Jesu in Galiläa

„ Als nun Jesus hörte, dass Johannes gefangengesetzt worden war, zog er sich nach Galiläa zurück. Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht: »Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa, das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.« Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! “

 

                                                                              A.

Der Evangelist gibt Zeitpunkt und Ort des öffentlichen Hervortretens Jesu an. Er fügt, wie ein Journalist für eine Pressemeldung, eine kurze Zusammenfassung des Inhalts seiner Verkündigung hinzu, in einem einzigen Satz.

Aus Zeitpunkt und Ort des Beginns dieser Verkündigung zieht er einen weitreichenden Schluss. Über dieser nüchternen Orts-und Zeitangabe gehen ihm die Augen auf. Er sieht Zusammenhänge, die weit in die Vergangenheit zurückreichen. Eine uralte , längst verjährte , fast vergessene Rechnung scheint beglichen zu werden. Eine weit zurückliegende Kränkung, auf die man manchmal noch zurückkommt, wird geheilt.

Eine Frage, die man, verbittert, mit sich herumtrug, findet, unerwartet, eine späte Antwort. Was man vergessen zu müssen meinte, erweist sich als unvergessen. Ein Versprechen aus alten Zeiten findet Erfüllung.

Mitunter erlebt man so etwas: Eine Begegnung, eine Verbindung, an die man große Erwartungen knüpfte, die einem voller Verheißung schien, bricht später ab. Man meint, es war eine Illusion; alles ist vergessen; nichts ist ´dabei herausgekommen`. Bis eines Tages, nach Jahrzehnten unverhofft aufkommt: Was damals gesprochen wurde, was man gehofft und geglaubt hat, ist nicht hinfällig geworden, sondern hat untergründig weitergewirkt und wird nun wieder aktuell, erfüllt sich.

 

                                                                       B.

Was ist auffällig am Zeitpunkt und Ort des Auftretens Jesu, so dass man sich dadurch zu besonderen, tiefgründigen Überlegungen veranlasst sehen kann? Der Evangelist zieht Linien in eine ferne Vergangenheit und in alle Zukunft.

 

I.

Die Nachricht sprach sich herum, dass Johannes festgenommen war. Die Atmosphäre wurde offenbar rauher. Die offene Predigt des Wortes Gottes wurde auch in Israel nicht mehr ohne weiteres hingenommen. Johannes hatte in seiner deutlichen, die Dinge beim Namen nennenden Verkündigung unter anderem auch das – öffentlich wahrgenommene- Privatleben seines Landesfürsten kritisiert. Das verzieh ihm dieser nicht. Vor allem wollte er verhindern, dass sich das fortsetzt und weitere Kreise zieht. Wohin sollte es führen, wenn Prediger sich das Recht herausnähmen, Politiker wegen ihrer Lebensweise öffentlich zu diskriminieren?

Dem schob Herodes Antipas einen Riegel vor. Johannes saß hinter Schloss und Riegel. Der volkstümliche Massenprediger war nicht mehr zu hören.

Das „hörte Jesus“.

Diese Nachricht veranlasste ihn zu einem Ortswechsel.

Jesus „wich“ nach Galiläa „aus“. Man könnte übersetzen: „Er zog sich dorthin zurück“. Er stammte von dort.

Aber er kehrte nicht heim nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, sondern zog von dort weg und ließ sich in Kapernaum nieder, das am See gelegen ist.

Man kann überlegen, was die Gründe für diesen Umzug gewesen sein mögen. Wollte Jesus sich, nachdem Johannes verhaftet war, und ihm möglicherweise Ähnliches drohte, in Sicherheit bringen? Aber dagegen spricht, dass gerade auch Galiläa von Herodes Antiopas kontrolliert wurde. Auch diese Gegend gehörte zu seinem Regierungsbezirk.-

Und wollte Jesus etwa seine Spuren, die nach Nazareth wiesen,- man nannte ihn, da der Name häufig vorkam, den „Jesus aus Nazareth“-, wollte er diese Spuren verwischen und in Kapernaum am See sozusagen untertauchen? Dagegen spricht, dass er dort sogleich „anfing“, mit einer Botschaft an die Öffentlichkeit zu treten, die zu Beginn, bis in den Wortlaut hinein, der Predigt Johannes des Täufers ähnelte. Eher als wie Rückzug und Untertauchen, erscheint dies wie Provokation.

 

II.

Der Evangelist aber findet, dass solche Überlegungen zu kurz greifen.

Was denkt man denn von Jesus, wenn man meint, ihm solche kleinlichen und selbstbezogenen Motive unterstellen zu dürfen?

Was Geschichtswissenschaftler den „historischen Jesus“ nennen, ist vielleicht eine Verkleinerung Jesu auf menschliches Normalmaß. Aber was gibt einem das Recht, ihn so zu verkleinern? Wer sagt denn, dass man ihn besser versteht, wenn man unterstellt, ´eigentlich` habe er ´natürlich` der Gefahr ausweichen wollen, die wohl auch ihm von Herodes drohte. ´In Wirklichkeit` stehe dieses Motiv hinter dem Ortswechsel. Man würde es selbst ja auch so machen.- Aber ist es angemessen, Jesus zu unterstellen, dass er genauso dachte, wie wir?-, dass seine Motive für uns deswegen leicht durchschaubar wären, weil wir ihn wie Unseresgleichen betrachten können?- Und die Wahl Galiläas als Aufenthaltsort wäre, wenn dies das Motiv war, ein Fehlgriff gewesen. Und das Auftreten dort eine unverzeihliche Unvorsichtigkeit.

Und dass er Nazareth verließ, meint man damit begründen zu können, dass er dort zu bekannt war. Aber er mied ja Nazareth nicht. Der Erfahrung, dass der Prophet in seiner Heimat nichts gilt, ist er nicht ausgewichen.

Wenn Jesus der ist, als den ihn Gottesboten, Engel, bei seiner Geburt ankündigten-, wenn er der ist, als den ihn bei seiner Taufe durch Johannes eine Stimme aus dem Himmel hervorhob, dann steht er in größeren Zusammenhängen und denkt wohl auch in solchen.

Dann ist anzunehmen, dass auch die Entscheidung über Ort und Zeitpunkt seines Auftretens in der Öffentlichkeit nicht durch kurzfristige Zweckmäßigkeitserwägungen veranlasst war, sondern in einem weiteren Zusammenhang zu sehen ist.

Um ihn zu verstehen, wird man, statt zu unterstellen, er habe wohl ´eigentlich` genauso gedacht und entschieden, wie wir es in ähnlicher Lage möglicherweise täten, ihn im großen Zusammenhang der Geschichte Gottes mit seinem Volk und der Menschheit und mit deren Niederschlag in den Heiligen Schriften sehen müssen.

Damit wird Matthäus Recht haben.

Er macht darauf aufmerksam, dass Kapernaum im alten Siedlungsgebiet der Stämme Sebulon und Naphtali gelegen ist.

Ausgerechnet dahin begibt sich Jesus. Ausgerechnet dort startet er seine Evangelisation. Ausgerechnet diese ´Städte am See` wurden zum ersten Schauplatz seiner Offenbarung, die darlegte, dass das Reich Gottes nicht etwas Abseitiges und Fernliegendes ist, sondern etwas Naheliegendes, geradezu Greifbares, worauf man sich jetzt einstellen darf. Damit wurden diese ´Städte am See`, Kapernaum und Nachbarorte, wie er später einmal sagte, „bis zum Himmel erhoben“. Hier begann „das Himmelreich“ die Erde zu berühren.

 

III.

Matthäus fiel die leuchtende Verheißung ein, die im Buch des Propheten Jesaja zu lesen steht: „Land Sebulon und Naphtali, am See entlang, jenseits des Jordan, Galiläa der Heiden“,- dieses Gebiet hat Gott „früher in Schmach gebracht“. Es wird aber eine Zeit kommen, in der er es „zu Ehren bringen wird“ (Jesaja 8,23 ).

Damit wurde an eine Geschichte erinnert, die 734 Jahre zurücklag.-

Dies Jahr feiern wir 650 Jahre Jakobskirche, und denken, das ist eine lange Zeit. Was wissen wir noch von 1355? Und wer machte sich in jenen Tagen, als alles von der Verhaftung Johannes des Täufers sprach, erinnern, was 734 vor Christus in diesem abgelegenen Teil des Landes geschehen war? Es wirkte nach. Es wirkte insofern nach, als „das Galiläa der Heiden“ tatsächlich nach wie vor als ´halbheidnisch` galt, ein Gebiet, von dem man sich religiös nicht viel versprechen konnte, glaubensarm und hoffnungslos, mehr oder weniger verloren.

Unter dem assyrischen Großkönig Tiglat-Pileser war Israel vor Verwüstung und Unterjochung durch diese Großmacht noch bewahrt geblieben. Gott hatte sein Volk noch beschützt. Nur ein kleines Stück des Landes hatte er preisgegeben. Dafür hatte Gott sich offenbar nicht eingesetzt. Er wird dafür Gründe gehabt haben. Das Stammesgebiet Sebulon und Naphtali wurde von Israel losgerissen. Die Einwohner wurden im weiten assyrischen Reich irgendwohin verschleppt. Und in diesem  ehemaligen Teil Galiläas, am See, wurden Ausländer angesiedelt, die natürlich eine andere Religion hatten: „Heiden“. Das wirkte sich auch auf die verbliebenen und später wieder zugewanderten Juden negativ aus.

Zwölf Jahre später erlitt , dann unter SalmanassarV.  der ganze Nordteil des Landes, das Reich Israel das gleiche Schicksal. Aus der Zeit davor stammt wohl die Verheißung, die Jesaja aufzeichnete. „Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind“. Zwar hat Gott „das Land Sebulon und Naphtali früher in Schmach gebracht. Aber Er wird es hernach wieder zu Ehren bringen“ (8,23). „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die wohnen im finstern Lande scheint es hell“ (9,1).

Man hoffte, dass das Galiläa der Heiden“ eine religiöse und nationale Wiedergeburt erfährt,- wie die Deutschstämmigen in der Ukraine es nach der Wende hofften und, auch in unserer Partnergemeinde Cherson, ihren deutschen Verein „Wiedergeburt“ nannten.

Aber für Sebulon und Naphtali ist daraus nichts geworden. Statt einer „Wiedergeburt“ dieses Landesteils wurde das ganze Nordreich eben so eine Katastrophe gerissen. So blieben diese verheißungsvollen Worte Jesajas jahrhundertelang unerfüllt. Man dachte schon gar nicht mehr daran, dass dieses Gebiet, das aufgrund seiner unglücklichen Geschichte immer noch im Schatten stand, eine besondere Verheißung hatte. Diese Hoffnung hatte sich zerschlagen.

Doch nun hörte Matthäus nach über 700 Jahren, dass ausgerechnet in dieser Gegend Jesus anfing“, öffentlich auszurufen: ´Nun naht das Reich Gottes. Das Himmelreich berührt die Erde. Stellt euch darauf ein!` Hier beginnt es! Jetzt, hier! „Kehrt um! Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“

 

IV.

Das war es , was man in der Hauptstadt nicht verstehen konnte und nicht akzeptieren wollte, dass „der Gesalbte des Herrn“, der Christus, ausgerechnet in dieser zwielichtigen Gegend, im „Galiläa der Heiden“, beginnen sollte, die Frohe Botschaft zu verbreiten, dass das Reich Gottes jetzt auf Erden Fuß fasst. Den Schriftgelehrten in der Davidsstadt, Jerusalem, schien dies indiskutabel. Aber Matthäus, auch er ein Schriftgelehrter, machte auf diesen alten Jesajatext aufmerksam. Für Gott spielt die Zeit keine Rolle. Aber Er hält Wort. Wer sagt denn, dass die Vorstellungen, die wir an Gottes Verheißungen knüpfen, dem entsprechen, was Er meint? Muss man denn annehmen, dass eine Verheißung, die sich nicht rasch erfüllt, hinfällig wird? Und sollte man nicht die Augen offen halten, ob sich irgendwo vielleicht ganz anders, als man dachte, zeigt, wie Gott an der Erfüllung arbeitet?

Und siehe da, hier erfüllt sie sich nun offensichtlich. Nicht nur so, wie man gehofft hatte, sondern in weitaus gesteigertem Maße. Ausgerechnet in diesem Gebiet, für das man keine Erwartungen mehr hegte, das ´abgeschrieben` war,- den Menschen dort, die nichts zu hoffen hatten, wurde zuerst bekannt gegeben: Hier und jetzt naht das „Himmelreich“, und es ist Zeit, sich darauf einzustellen. Ihr seid die ersten, die dazu eingeladen werden. Ihr, die „in Finsrternis und Schatten des Todes sitzen“-, seht ihr das Licht-, das „große Licht“? Ihr, vermeintlich aussichtslos im Dunkeln, seht es hell werden.

In einer Zeit, in der das Klima rauher wird und man wegen des Wortes Gottes ins Gefängnis kommen kann,- und in einer Gegend, in der der Glaube fast erloschen scheint, wo ein neues Heidentum sich ausgebreitet hat-, erscheint Christus mit der Frohbotschaft, dass Gott nun erfüllt, was Sein Wort an Versprechungen enthält.- Das ist mindestens so überraschend, wie der Schluss von Kertész´s preisgekröntem „Roman eines Schicksallosen“ ( Rowohlt 2002, 287 ), in dem er auf seine Jugendjahre im KZ zurückblickt: „Auf meinem Weg, das weiß ich schon jetzt, lauert wie eine unvermeidliche Falle das Glück auf mich. Denn sogar dort, bei den Schornsteinen, gab es in der Pause zwischen den Qualen etwas, das dem Glück ähnlich war“. Für mich ist „vielleicht gerade diese Erfahrung die denkwürdigste“. „Ja, davon, vom Glück der Konzentrationslager, müsste ich ihnen erzählen, das nächste Mal, wenn sie mich fragen.- Wenn sie überhaupt fragen“.

Bei denen, die „in Finsternis und Schatten des Todes saßen“, fing das Entdecken des „großen Lichtes“  an.

Amen!

 

Pfr. Dr. Wolfhart Schlichting

 

 


 

JESAJA  42,1-4;   PREDIGT:

" Siehe, das ist mein Knecht, - ich halte ihn - , und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen" und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus. Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung. "

 

Hier stellt Gott seinem Volk in der Gefangenschaft Babylons seinen Knecht und sein Konzept vor. Damit bekommt Israel, - und das gilt auch für uns - , wieder eine sich lohnende Zukunft. Damit erfüllt sich weiterhin das, was seit der Schöpfung Gott über uns ersehen hat.

Für uns heute ist das Neue Testament die beste Auslegung für das Alte Testament. Der Evangelist Matthäus bringt fast wortgleich dieselben Sätze und bezieht diese auf Jesus von Nazareth. So kommt letztlich durch das Heilshandeln Jesu wieder die ursprüngliche, uns von Gott zugedachte Lebenserwartung voll zur Geltung. Alle gottgegebenen Verheißungen und Sehnsüchte bekommen durch ihn wieder Hoffnung, Leben, rechte Zielsetzung und Erfüllung.

Als Christen tragen wir in unseren Herzen eine Faszination und Überwältigung von der Liebe Jesu, durch die wir die wahren Wege des ewigen Lebens geführt werden. Durch unser geistliches Leben finden wir in die göttliche Art und Weise aller Lebensbewältigung hinein. Und damit sind wir auf dem rechten Weg.

Wir dürfen uns die Vorstellungen Gottes, die er für sein Konzept und für seine Knechte hat, aneignen, damit identifizieren, uns in sie hineinbegeben, hineinschlüpfen und sie auch als unsere Vorstellungen annehmen. Es ist Gott nichts lieber, als dass wir das ganz tun. Ja, das ist letztlich seine Absicht und sein Auftrag für uns.

Lassen wir uns doch von nichts mehr anderem imponieren als allein von Gott und seinem Willen. Das ist dann etwas sehr Imposantes, Interessantes und Erlebnisreiches für unseren sonst so grauen und vielleicht sogar schrecklichen Alltag.

Gott ist dann sehr großzügig und lässt uns die Fülle seiner Reichtümer und Lebensbewältigungen zukommen, die die echten Wunder Gottes sind und darüber unsere Herzen zum Jubeln kommen. Für uns darf dann jeder Tag ein Jubeltag sein, weil wir jeden Tag bei Gott einen neuen Gutschein einlösen dürfen und wir dafür das Beste für unser momentanes Leben bekommen. Jedes Los Gottes gewinnt, jedes Lebenslos in jeder Lebenslage.

Gott stellt uns seinen Knecht und sein Konzept vor. Die vier Verse des Textes können wir als vier Punkte hernehmen: 1) Es soll uns zum Erstaunen führen, dass Gottes Hilfe schon unterwegs ist. 2) Diese Hilfe geschieht still und unaufdringlich. 3) Sie gilt gerade denen, die durch zerbrochene Lebens- und Liebesbeziehungen von den anderen gerne wie Lebensschrott behandelt werden. 4) Weil Gott selbst für das Recht und für den Sieg garantiert, gehört uns Gläubigen die Zukunft.

 

1) Es soll uns zum Erstaunen führen, dass Gottes Hilfe schon unterwegs ist. Es ist das "A-H"- Erlebnis der Christen, dass Gott noch nicht gestorben und erledigt, sondern immer noch vorhanden und am Wirken ist; Vers 1: Siehe, das ist mein Knecht, - ich halte ihn - , und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen.

Wir wissen, dass durch die 50-jährige Gefangenschaft damals das Volk Israel ans Ende ihrer Lebenskunst geraten ist und es keine Möglichkeit mehr sah, wie es mit ihnen als das Volk Gottes weitergehen soll. Leider sind wir Menschen oft so gelagert, dass Gott mit uns erst dann wieder zum Wirken kommt, wenn wir alles verpfuscht und vermasselt haben und wir deshalb an ein Ende unserer Möglichkeiten angelangt sind. Es müsste nicht so sein und Ausnahmen bestätigen diese Regel, aber oft ist es so. Wir sind erst dann zu einer Besinnung bereit, wenn unsere Lebenskunst aufgebraucht ist.

Wenn sich schon Gott darauf einstellt, dann hat sich auch sein Bote darauf einzustellen. Natürlich würden wir viel lieber ganz anders arbeiten. Aber gerade das geistliche Leben lehrt uns ja, dass wir nur durch das Kreuztragen ins Staunen über die Wunderwege Gottes in unserem Umfeld geraten. Aber dieses Erstaunen ist dann so groß, dass wir von Gott und seinem Auftrag nicht mehr loskommen. Wie groß auch oft das Gezerre in eine andere Richtung ist, Gott und seine Sache lässt uns nicht mehr los. Wohl dem, der sich von dieser göttlichen, geistlichen Faszination führen und leiten lässt. Der kommt dann am schnellsten von all den vielen menschlichen und sündigen Faszinationen weg und er darf ein gottgeheiligtes Leben führen. Zeit seines gesamten Lebens darf er in einem lebendigen Jesus- Verhältnis stehen. Sein Leben gerät darunter zur inneren Ruhe und Gelassenheit, - und doch gleichzeitig zum bestmöglichen Einsatz und Wirken. Gott, nicht wir selbst, holt das Letzte und Beste aus unserem Leben heraus. Dadurch kommen wir zur gottgewollten Reife, Vollkommenheit und Seligkeit. Dass das so ist, führt uns immer wieder zum Staunen darüber, dass Gottes Hilfe schon unterwegs ist. Das ist auch unser persönliches "A-H"- Erlebnis: Gott ist noch nicht gestorben und erledigt, sondern immer noch vorhanden und am Wirken.

 

2) Gottes Hilfe geschieht still und unaufdringlich, Vers 2: Er wird nicht schreien noch rufen und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen! Es ist eines der Merkmale von uns Christen, dass wir für die Bewältigung aller anstehenden Aufgaben um eine ganz andere Lebensart wissen, als diese normalerweise üblich ist. Wir agieren und reagieren nicht wie die meisten Menschen. Man kann ruhig einmal sagen, - das dürfen wir aber nicht falsch verstehen: bei uns Christen geht es nicht „normal“ zu, aber auch nicht "unnormal, sondern göttlich, geistlich und damit lebensfroh und lebensdankbar. Wir haben zum wahren Leben gefunden und dürfen damit alles in rechter Weise bewältigen.

Aber wir gestehen uns schon ein, dass damit ein langer Lebensprozess verbunden ist, bei dem wir noch sehr, sehr viele Fehler machen. Auch das ist einer der Gründe dafür, dass wir nicht laut schreien und unsere Botschaft hinausposaunen können. Und hüten wir uns davor, anderen ihre Fehler aufzurechnen. Denn meistens täuscht man sich damit über die eigenen Fehler hinweg. - Wir agieren und reagieren nicht wie die meisten Menschen.

Wenn wir bereit sind, die Vergebung Jesu zu ergreifen und aus den Fehlern zu lernen, dann trägt davon unser Leben keinen Schaden und geht nie leer aus. Sondern im Gegenteil erfährt jeder unter seiner speziellen von Gott gegebenen Berufung seinen Auftrag und seine Aufgaben, die er dann auch in aller Treue ausführt und auslebt.

Weil Gott auf unserem Lebensplan steht, somit geraten auch seine Lebensarten und Gesinnungen in unser Leben hinein. Jesus sagte zu seinen Jüngern, Johannes l3,l4f+l7: Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Damit habe ich euch ein Beispiel gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. Wenn ihr dies wisst, selig seid ihr, wenn ihr's tut.

Manchmal werden wir Christen 'deshalb' als Menschen angesehen, die von einem anderen Planeten kommen; entweder bestaunt, oft aber auch deshalb belächelt, manchmal aber auch gehasst und unterdrückt. Denn zwischen der Weltart und der Gottesart der Bewältigungen befinden sich Welten, Unterschiede und Abgründe. Keinem Menschen fällt es von sich aus ein, nach dieser Gottesart zu greifen, nicht einmal im Traum. Viel lieber greifen wir Menschen, - auch manche Christen - , nach der Weltherrschaft. Aber damit erleben wir nicht die Gottesherrschaft, sondern irgend welche Pseudogrößen, Irrlehrer, Verführer udgl... Diese alle werden sich einmal als Versager entpuppen. Schon Jesus kam zu uns als armer, einfacher Wanderprediger, ohne menschliche Ämter und Würden. Und er ist unser Leitbild. Nur unter ihn finden und gehen wir den rechten Weg. - Gottes Hilfe geschieht still und unaufdringlich.

 

3) Gottes Hilfe gilt gerade denen, die durch zerbrochene Lebens- und Liebesbeziehungen von den anderen gerne wie Lebensschrott behandelt werden, Vers 3: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.

Gerade vor Gott erleben wir, dass unsere zerbrechlichen Beziehungen und unser todgeweihtes Leben für sein Wirken an uns kein Hindernis mehr darstellt. Das schäbige, zerbrechliche Gefäß unseres Lebens bekommt einen sehr wertvollen Inhalt. Unser Lebensgefäß ist wie eine Perlmuschel, die eine sehr wertvolle Perle enthält. Für eine solche Muschel soll diese Perle größtes Leid bedeuten. Aber gerade das macht ihren Wert aus. Ähnliches gilt für Edelsteine, die nur unter hohen Drücken entstehen; und für Edelmetalle, die hohe Schmelzprozesse benötigen. Unser Leben gleicht oft der irdenen Form, aus der später eine Glocke entstehen soll. An dieser muss sehr viel herumgearbeitet werden. Nach dem Glockenguss, das ist unser Tod, wird diese Form weggeworfen. Aber es existiert dann diese Glocke, die zur Ehre Gottes läutet. Oder unser Leben gleicht oft einer hässlichen, gefräßigen Raupe. Aber nach der Verpuppung schlüpft daraus ein prächtiger Schmetterling, der sich in die Lüfte des wahren ewigen Lebens erheben darf.

Alle diese Vergleiche bezeichnen das, was wir als Christen anbruchsweise schon heute erleben, das eigentlich noch zukünftig ist. Deswegen kann Paulus in Römer 8,18 sagen: Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Die Gründerin eines Diakonissen - Mutterhauses, Eva v. Thiele Winkler sagte: Es kommt nicht darauf an, dass wir dem Leiden entgehen, sondern dass es seinen Zweck und Sinn erreicht.

Natürlich fällt keinem das Leiden leicht und es sucht sich ja auch niemand. Aber steht nicht dahinter der große Trost Gottes, dass bei ihm keiner vergessen ist, auch und gerade nicht der Allerärmste, der am schlechtesten dran ist?!! Das Volk Israel musste damals 70 Jahre warten. Bei der Versklavung Israels durch die Ägypter schrieen sie 80 Jahre lang Gott um Hilfe an. Bei der Wüstenwanderung warteten sie 40 Jahre, bis sie in das verheißene Land einziehen durften. Und doch vergisst uns Gott nicht, sondern schickt uns immer wieder seine Hilfe; auch dann, wenn die äußere Situation sich noch lange nicht ändert.

Seine Hilfe gilt gerade denen, die durch zerbrochene Lebens- und Liebesbeziehungen von den anderen gerne wie Lebensschrott behandelt werden.

 

4) Weil Gott selbst für das Recht und für den Sieg garantiert, gehört uns Gläubigen die Zukunft, Vers 4: Er selbst, der Knecht, wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.

Schon vieles von dem bis jetzt Gesagten erwähnte diesen Siegeszug Gottes. Dieser entspricht niemals den menschlichen Siegeszügen und doch ist er der einzige, der den echten Sieg beinhaltet. Jesus sagt im Gleichnis vom Weltgericht, dass der als Sieger dasteht, der den Hungrigen zu essen gibt, dem Durstigen zu trinken, den Fremden aufnimmt, den Nackten kleidet, die Kranken und Gefangenen besucht; Matthäus 25,35f. Und diese Reihe könnten wir noch beliebig fortsetzen.

Jesus sagt auf die Anfrage des Johannes d.T., Matthäus 11,5f: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.

Alle diese Stellen drücken letztlich aus, dass die Botschaft Gottes gerade für die Menschen, die viel Leid erleben, Hoffnung und Hilfe bedeutet. Damit können sie ihr Leben erretten lassen. Gott trägt ihr Leben wie eine Beute ins ewige Leben hinein und hinüber. Das ist die frohe Botschaft von Jesus Christus, vom Siegeszug des Evangeliums. Der leidgeprüfte Knecht Gottes wird zum Freudenboten Gottes. Darin stecken alle Chancen unseres christlichen Lebens und unserer christlichen Botschaft. Hiermit wird nichts umsonst durchlebt, durchstanden und durchlitten. Denn Gott selbst garantiert für das Recht und für den Sieg. Somit gehört uns Gläubigen die Zukunft.

 

Auch in unserer Zeit kommt einzig und allein durch das Heilshandeln Jesu wieder die ursprüngliche, uns von Gott zugedachte Lebenserwartung voll zur Geltung. Deshalb dürfen wir in unseren Herzen diese Faszination und Überwältigung von der Liebe Jesu tragen. Damit werden wir gerade in allem Erlebten die wahren Wege des ewigen Lebens geführt.

 



Bruder Georg



 

Römer 12,1-3; Predigt:

 

„ Liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes ermahne ich euch, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich's gebührt zu halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat. “

 

Als Christen bekommen wir das Geschick, beides in rechter Weise miteinander verbinden zu dürfen, was sonst nie zusammenpasst: Das Reich Gottes und diese unsere irdische Welt, Himmel und Erde. Das geht nur deshalb, weil Jesus Christus im Himmel und auf Erden alle Macht hat. Deshalb spricht Paulus hier vom vernünftigen Gottesdienst. Allein Gott schenkt uns die dazu nötige rechte Aufmerksamkeit im Alltag unseres menschlichen Lebens. Nur er schafft es, dass aus unserem Leben ein Fest wird.

Wo Gott und der Mensch zusammenkommen, da tut sich etwas, das uns und Gott etwas nützt. Da leben wir nicht mehr umsonst. Da wird uns aller Stumpfsinn, alle Langeweile, alle Angst und alle Resigniertheit genommen, und es kehrt Freude, Zuversicht und Lebendigkeit ein. Wer sich unserem Gott öffnet, dem eröffnen sich ungeheuer große Zukunftsaussichten, die aber heute schon von großer Bedeutung sind. Nicht wir selbst machen etwas aus uns, sondern Gott macht etwas aus uns. Wer die Anliegen Gottes zum Maßstab seines Lebens werden lässt, bei dem rührt sich etwas in seinem Leben. Bei dem stellt sich wieder der ursprüngliche Sinn der Schöpfung Gottes in den Mittelpunkt seines Lebens. Was mit dem Sündenfall verloren gegangen ist, dazu findet er wieder den Zugang. Gott lässt ihm wieder die ewigen Werte seines Lebens zukommen und zufließen. Gott selbst öffnet ihm dazu seine Schleusen.

Die äußeren Anziehungskräfte dieser Welt bleiben zwar für alle Zeiten bestehen und wir können uns diesen nicht entziehen. Aber innerlich kommen wir davon frei und dürfen der Faszination Gottes leben. Schon mit unseren ersten Schritten des Glaubens bekommen wir Gottes Weisheit, Kraft und genügend Vorschuss, um in das Geheimnis Gottes einsteigen zu dürfen und zu können. Für uns existiert heute schon das Reich Gottes. Von daher bekommt alles seinen Sinn und Zweck. Dafür lohnt es sich zu leben und zu sterben. Nichts wird mehr umsonst durchgangen und durchlebt. Unser gesamtes Leben richten wir danach aus. Dass wir das tun dürfen, ist für uns das größte Geschenk und gleichzeitig die größte Aufgabe. Das macht uns zu sehr verantwortlichen Menschen. Das befähigt uns, echte Vorbilder und Leitbilder für unsere Nächsten zu sein.

In unseren Herzen feiern wir ein Fest, bzw. feiert Gott mit uns sein Fest, nimmt er uns ganz in seine Wirklichkeit mit hinein, dient er uns und lässt er uns mit an seinem Tisch sitzen. Gerade das bewahrt uns vor falschen und törichten Schritten und Wegen. Gerade das macht uns verantwortungsfähig und lebensfähig. Gerade das zeigt uns den Sinn des wahren Lebens und führt uns zielstrebig die rechten Wege. Dann wird unser Alltag zum Gottesdienst. Dann ziehen wir daraus den größten Nutzen, den es im Leben gibt.

Der vernünftige Gottesdienst, den Paulus hier anspricht, beinhaltet dreierlei: 1) Gott dient uns! 2) Daran werden wir aktivst beteiligt. 3) Gott baut sich damit sein neues Reich auf.

 

1) Gott dient uns! Als Christen wissen wir, dass nur er uns seine Zufälle zufallen lässt und seine Schicksale schickt. Er stellt uns in seine Gotteskreise. Der ursprüngliche Sinn des Gottesdienstes besteht einzig und allein darin, dass Gott dient. Und wem dient er? Natürlich gilt das uns Menschen, uns Christen. Es ist hier im Text von der Barmherzigkeit Gottes die Rede; vom Willen Gottes, der nur das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene will; von der Gnade Gottes, die uns das Maß des Glaubens zuteilt.

Ist das nicht ein großartiges Angebot, dass Gott überhaupt bereit ist, uns zu dienen?! Wer das an sich geschehen lässt, der nützt das niemals schofel aus, sondern der wird zu einem sehr dankbaren Menschen. Wer das glaubt, dem dient dann alles im Leben in rechter Weise, auch das normalerweis Negative und Böse verwandelt Gott in lauter Segen. In der Bibel steht der Satz, dass Gott sogar den Fluch in Segen verwandelt. Gott steht dann über allem und über alles.

Gott lässt uns nicht hängen, verderben oder gar vergammeln. Sondern jeder erfährt seinen ganz speziellen Auftrag und bekommt das dazu nötige Geschick. Gottes persönlichster Beistand und seine persönlichste Fürsorge ist uns gewiss.

Wer an sich den Dienst Gottes gefallen lässt, der hat es nicht mehr nötig, sich von Menschen bedienen zu lassen. Und Gott selbst ist nichts lieber, als uns zu dienen, für uns da zu sein. Es gibt dann keine größere Absicherung unseres Lebens, als dieses in Gottes Schutz und Geleit gesichert zu sein. Alles andere fällt dahinter weit zurück. Die Wertmassstäbe des Lebens bekommen damit einen ganz neuen Inhalt.

Diese Inhalte haben aber nichts mit Schwärmerei zu tun, deshalb nennt Paulus den vernünftigen Gottesdienst. Schwärmer übersehen und übergehen diese Nüchternheit. Dieses Wort vernünftig soll hier im ursprünglichen Sinn wortgemäß oder schriftgemäß heißen. Die biblischen Vorbilder zeigen uns klar und eindeutig, wie wir Gottes Willen und Auftrag in rechter Weise verstehen dürfen.

Gott sieht sehr nüchtern unser Leben und schätzt uns sehr nüchtern ein. Er weiß genau, wer und was wir sind. Er täuscht sich nie. Und doch dient er uns und liebt er uns; gibt er uns seine Hilfen und Stützen; vertraut er uns sehr viel an.

Gott will nie, dass wir uns eine unwirkliche Welt aufbauen. Gerade er zeigt uns unsere wahre Gestalt und unser wahres Gesicht, aber auch unsere wahren Chancen. Und nur durch seinen Dienst an uns gerät unser Leben in Ordnung. Manchmal sind das schwere Schritte, die wir gehen. Aber sie beinhalten den gewaltigen Vorteil, dass Gott uns dadurch zu lebensfähigen Menschen macht, die sich nicht mehr täuschen oder an der Nase herumführen lassen.

Gott will nicht unseren Untergang, sondern den Aufbruch unseres Lebens und Wirkens. Und das gilt auch dann, wenn vor dem Aufbruch ein Zerbruch steht. Es geschieht immer auch zu unserem persönlichen Vorteil. Wenn uns Gott dienen kann, erreichen wir damit die höchstmögliche Lebensstufe, Lebensqualität, den höchstmöglichen Lebensstandart. Damit wird uns Größtes und Höchstes anvertraut. Es ist uns dann zwar nicht alles möglich, aber doch das, das zur Zeit von Gott her dran und gegeben ist. Gott dient uns!

 

2) Daran werden wir aktivst beteiligt! Gott plant uns ganz ein und gibt     uns seine Aufgaben. Er hätte das zwar nicht nötig, aber er will es so. Er will, dass alle daran beteiligt sind. Deswegen sind in seinen Augen diejenigen die größten Trottel, die meinen, alles alleine machen und bestimmen zu müssen. Gott will bei der Vollendung seines Werkes alle beteiligen.

So gilt es für uns, dass wir auch die Bereitschaft dazu aufbringen. Dann kann uns auch kein Mensch daran hindern. Jeder Christ ist lernfähig. Er darf innerlich wach und aufmerksam sein. Wer sich diesem Dienst Gottes weit öffnet, der bekommt die Gnade, die Lebensprüfung glänzend bestehen zu dürfen.

Hierfür gilt vor allem der Vers 2: Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist. Damit zwängt uns Gott nicht in ein engstirniges Chema ein, sondern er befreit uns damit gerade aus aller Engstirnigkeit, Begrenztheit und Vergänglichkeit. Er gibt uns Richtlinien und Rahmenverordnungen zur Hand, innerhalb denen uns ein großer Freiraum gegeben ist, den wir ausfüllen und in dem wir uns bewegen dürfen.

Machen wir uns die Mühe, Gottes Geheimnisse, Ordnungen und Richtlinien zu erspüren und zu erfassen. Das lohnt sich immer. Damit kommen wir im Leben am weitesten und am besten voran. Das macht uns zu lebensfähigen Menschen.

Wagen wir den Glauben mit allem, das damit zusammenhängt, dann können und dürfen wir sehr klug und weise leben und handeln. Die Erneuerung unseres Lebens bleibt dann nicht aus; sie kommt. Der Verlorene Sohn musste umkehren und heimkehren. Aber dann bekam er von seinem Vater wieder die volle Sohnschaft geschenkt, mit allen Rechten und Pflichten. Mit dieser Erneuerung treten wir nie auf der Stelle, sondern geht es immer zielstrebig weiter und voran.

Es ist hier von einer Prüfung die Rede, die Gott uns überlässt. Somit ist Gott für uns nicht der ewig lästige Prüfer, vor dem wir ängstlich stehen und wir uns fragen, ob wir bestehen können. Sondern als Christen ist uns das selbst überlassen. D.h. wir sind sehr verantwortliche Menschen, die selbst sehr wohl wissen dürfen, was Recht und was Unrecht ist. Vor Gott stehend dürfen wir unsere falschen Wege selbst erkennen und uns von Gott erneuern lassen. Paulus selbst gibt uns hier mit seinem eigenen Leben ein klassisches Beispiel. Als Saulus verfolgte er Jesus. Als die Stunde der Begegnung mit Jesus kam, änderte er sich durch die Erneuerung seiner Sinne und tat dann das Gute, das Wohlgefällige und Vollkommene. Am vernünftigen Gottesdienst werden wir aktivst beteiligt.

 

3) Gott baut sich damit sein neues Reich auf. Obwohl Gott immer den     einzelnen Menschen im Blickfeld hat und an ihm und mit ihm handelt, hat er natürlich immer auch das Ganze im Blick: den Aufbau und die Vervollkommnung des Reiches Gottes. Jede einzelne Führung und Berufung ist darauf abgestimmt, dass sie dem Ganzen dient. Deshalb ist hier im Text von einer Ermahnung die Rede; von einem Opfer unseres Lebens, das dem Ganzen dient; und dass wir nicht mehr von uns halten, als es sich gebührt, sondern maßvoll!

Es ist natürlich ein Vorteil, wenn wir das begriffen haben und ausleben. Denn unsere Eitelkeit und unser Ehrgeiz ist Gift für das Reich Gottes. Das wissen wir von anderen biblischen Stellen, in denen vom Hochmut und von der Demut die Rede ist. Mit einem demütigen Leben kommen wir in der Gemeinde am besten voran und weiter. Ich denke, das ist uns allen klar und bestens bekannt. Und doch wissen wir, dass wir damit immer zu kämpfen haben. Es ist die größte Kunst von uns Christen, uns hier richtig zu verhalten.

Am vernünftigen Gottesdienst sind immer alle beteiligt, nicht nur Einzelne. Christen schlüpfen nicht in einer Gemeinschaft unter, sondern jeder ist auf seine Weise ein Original innerhalb der Gemeinde. Christen lassen sich nicht bedienen, sondern dienen. Christen legen sich nicht auf die faule Haut, sondern sie sind Stützen, auf die man sich verlassen kann. Christen sind nicht ständig eingeschnappt, sondern zeigen Verantwortung und leben diese an ihrer Stelle auch ganz aus. Wenn Gott aus uns etwas macht und das Beste aus uns herausholt, dann dient das immer allen und es ist nie etwas gegen jemanden gerichtet.

Die Dummen in den Augen Gottes sind nie die, die den demütigen Weg gehen, sondern immer die, die sich über andere erheben. So seien wir hier immer klug und weise. Jesu Vorbild in der Fußwaschung zeigt uns ganz klar den Weg dazu. Er prägt, gestaltet und führt uns denselben Weg. Und gerade damit können wir auch die übelsten Verleumdungen überstehen.             Es ist unsere wesentlichste Aufgabe, dass auch wir das Gemeinsame im Blickfeld haben, und nicht das, was momentan unser persönlicher Vorteil ist. Auch wenn damit große Entsagungen verbunden sind, so geraten wir damit doch nie in irgend eine Vereinzelung. Wer maßvoll von sich hält, also sich demütigt, der wird dennoch nicht untergebuttert, - das lässt Gott nicht zu -, und er kennt damit keine Verzagtheit. Denn Gott führt ihn und öffnet ihm die wahren Aufgaben des Lebens; dazu auch die Menschen, denen er dienen und für die er leben darf. Und die größte Freude erlebt der, der anderen etwas geben, mitteilen und sie führen darf. Jesus selbst war nicht für die Gesunden da, sondern für die Kranken, Armen, Benachteiligten und Hungernden. Er gab ihnen das Brot des Lebens. Und das machte die Menschen still und froh. Gottes Gnade prägte dann ihr ganzes Leben. Gott baut sich sein neues Reich auf. Da ist er am Wirken und im Kommen. Als Christen lassen wir uns an unserer Stelle mit einplanen und einbauen. Daraus entsteht dann der neue Tempel, in dem Gott wohnt und wirkt.

 

Christen bekommen das Geschick, beides in rechter Weise miteinander verbinden zu dürfen, was sonst nie zusammenpasst: Das Reich Gottes und diese unsere irdische Welt; Himmel und Erde! Denn Jesus Christus hat alle Macht im Himmel und auf Erden. Damit feiern wir den vernünftigen Gottesdienst. Der Sonntagsgottesdienst dient dazu als Anstoß. Das darin Erlebte und Erfahrene hat Auswirkungen auf die ganze Woche, auf alle Arbeit und Begegnungen. Leben wir dieser Faszination Gottes, dann verlieren sich die Schrecken und es verbreitet sich der Festcharakter des Reiches Gottes. Möge Gott uns das allezeit schenken. 

 



Bruder Georg



 

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