Gedanken zum 9. Sonntag nach Trinitatis

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Predigt für den 9. So n. Trin.

                               über  1 Petrus 4, 7-11,

                                                 gehalten am 28.07. 02

                                                                          in Augsburg, St. Jakob

 

 

„ Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; denn »die Liebe deckt auch der Sünden Menge«.  Seid gastfrei untereinander ohne Murren. Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes: wenn jemand predigt, dass er's rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er's tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. “

 

                                                                             A.

Als Sigmund Freud Venedig besuchte, war gerade der hohe Glockenturm, der neben dem Markusdom und dem Dogenpalast den Markusplatz überragte, eingestürzt. Der Reisende machte darüber Notizen in sein Tagebuch. Dieser Tage war ein Foto von damals in einer Zeitung veröffentlicht. Auf dem Platz vor dem Markusdom erhob sich ein Schutthaufen. Und der hohe Turm, der zum Markusplatz gehörte, und , nachdem er wieder aufgebaut wurde, bis heute dazu gehört, war verschwunden. Ein Bild der Vergänglichkeit.

Bald jährt sich der 11. September. Was sich niemand hätte vorstellen können, geschah vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Am Bildschirm erlebten wir mit, wie die riesigen Bürotürme des Welt-Handels-Zentrums, in denen Tausende von Menschen ihrer Arbeit nachgingen, einstürzten. Nun fehlen sie in der Silhouette New Yorks. Die Fotos, auf denen sie man noch sieht, gehören der Vergangenheit an.

Mit Wehmut besichtigen wir antike Ruinenstädte.

Und nahe geht uns die Vergänglichkeit, wenn uns ein Mensch, an den wir gewöhnt waren, mit dem wir uns verbunden fühlten, der uns ´etwas bedeutete` , entrissen wird.

Aber ´so ist das Leben`, sagen wir. ´Nichts hat Bestand. Alles vergeht.` Wenn man darauf achtet, bekommt man einen Blick dafür: alles altert, löst sich langsam auf. Und wenn man die Dinge unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, kann man sagen: ´Alles geht unaufhaltsam auf sein Ende zu, es ist schon fast am Ende`. Oder, wie Petrus formuliert: „Das Ende aller Dinge ist nahe herbei gekommen`.

Freud sah den Campanile auf dem Markusplatz eingestürzt; wir sahen die alles überragenden Bürotürme in New York in sich zusammen sinken; wir sehen uns selbst altern- und besuchen Gräber.

                                                                        B.

Und was ist nun angesichts dessen das Wichtigste?

In diesem Horizont der Vergänglichkeit aller Dinge,-wenn man sich das bewusst macht, und von daher denkt,- worauf kommt es da im Leben an? Was soll Priorität haben?

Offensichtlich nicht das Haus, das man sich gebaut oder gekauft hat; denn es kann einstürzen. Oder man muss es eines Tages aufgeben. Am Ende wird man hinaus getragen.

Auch nicht, dass ich mich gegen jemand anderen durchsetze; denn sowohl er als auch ich sind sterblich. Weder Triumphe noch Niederlagen sind dauerhaft. Das geht alles vorüber.

Auch dass ich mich vor anderen hervortue, kann nicht das Wichtigste sein. Es wird eines Tages vergessen. Dann ist es vorbei. Niemand weiß mehr etwas davon.

 

                                                                       I.

Petrus empfiehlt, auf etwas anderes zu achten. Er nennt in dem Briefabschnitt, der uns heute als Predigttext gegeben ist, drei Prioritäten. Darauf sollte man angesichts der Vergänglichkeit aller Dinge vorrangig achten. Denn damit kann man dem Schrecken, dass plötzlich etwas fehlt, woran man gewöhnt war, begegnen. Und dem Schmerz darüber, dass das, wofür man sich eingesetzt und gekämpft hat, eines Tages seine Bedeutung verliert.

Petrus sagt: Es kommt darauf an, dass „an allem“ die Bedeutung Gottes zum Vorschein kommt. Alles geht seinem Ende entgegen,- vieles ist schon ´fast am Ende`. Und um dies Vergängliche und Sterbliche kümmert sich Jesus. Er will es nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken lassen. Sondern er will es ´retten`. Es soll für Gott erhalten bleiben und in Sein Eigentum übergehen. Etwas von dem Glanz Gottes soll darauf fallen.

„An allem“, das nur vorübergehend Bestand und Bedeutung hat, soll die alles überdauernde „Herrlichkeit und Macht“ Gottes, „von Ewigkeit zu Ewigkeit“, zum Vorschein kommen.

In New York wurde darüber nachgedacht, was an die eingestürzten Wolkenkratzer des Welt-Handels-Zentrums erinnern und an die leere Stelle treten könnte. Den Glockenturm auf dem Markusplatz hat man einfach wieder aufgebaut,- stabiler. Aber selbstverständlich kann er eines Tages wieder einstürzen. In New York meinten einige, man könnte doch mit starken Lichtstrahlen zumindest an den Nachthimmel die Illusion, die optische Vortäuschung der beiden Bürotürme projizieren. An der Stelle, wo ´nichts mehr ist`, wo gewaltige Bauwerke zerstört wurden und vergangen sind, könnte eine Erinnerung an sie ´erscheinen` und sie so für das Stadtbild ´retten`.

 

                                                                              II.

Aber das wäre Energievergeudung und schließlich doch nur bloßer Schein. Was Petrus vorschlägt, hat andere Qualität.

Alles, was über kurz oder lang seinem Ende entgegen geht, oder fast schon ´am Ende ist`, wie unsereins, soll mit dem „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ waltenden Gott in Verbindung gebracht werden. Gott ´behält` es und ´ruft` es wieder ´in Erinnerung`, ´ruft` Vergangenes, das Er ´behalten` hat, wieder hervor.

Die drei Vorschläge des Petrus:

1. Erstens: Wenn man merkt, dass „das Ende aller Dinge nahe“ ist, soll man sich an den Unvergänglichen hängen.

Was heißt das? Wie kommt man an Ihn heran? Wie nimmt man Kontakt mit Ihm auf?

Das wissen wir-, und haben es selbst schon erprobt-, und praktizieren es laufend; es ist jedem zu empfehlen.

Petrus schreibt. Man soll sich fit machen „zum Beten“. Das Wort „Gebet“ steht hier im Plural: Immer wieder „Gebete“ sprechen! Nicht aufhören, zu beten!

Beten heißt, sich in seiner Vergänglichkeit bergen bei dem ewigen Gott. Und die Personen und die Verhältnisse, um deren Bestand oder Hinfälligkeit man sich Sorgen macht, bei Ihm unterbringen. Ihn bitten, dass  Er sie ´behält´- und ´behält`, wie es um sie steht, und ihnen ´zuspricht`, was Er ihnen ´zugedacht` hat.

Wir können die Vergänglichkeit und alle ihre Begleiterscheinungen und Vorzeichen nicht aufhalten. Und wir wollen uns nicht über sie hinweg täuschen. Das kann man zwar eine Zeit lang versuchen. Aber das ist dann nur wie so ein kostspieliger, illusionärer Lichtstrahl, der den Anschein erweckt, etwas Vergängliches, bzw. schon Vergangenes, wäre erhalten geblieben. Es ist ´unvernünftig`, sich in so eine Selbsttäuschung hinein zu steigern. Wer den Tod nicht in Betracht zieht, lebt wie in einem Rauschzustand. Da sieht man nicht klar. Da trübt sich das Bewusstsein. Das rächt sich hinterher.

Man soll sich vielmehr „besonnen“ und „vernünftig“ den Realitäten stellen und „nüchtern“ bedenken, dass „alles“ einmal an sein Ende kommt. Nur Gott nicht. Und dass der ewige Gott in Christus mit uns Kontakt angeknüpft hat. Und dass wir uns darauf berufen und diesen durch Christus hergestellten Kontakt pflegen können.

Das heißt, wir können uns an Gott wenden. Wir dürfen „beten“. „Seid besonnen und nüchtern zum Beten“, fordert Petrus auf angesichts der nicht zu leugnenden Tatsache, dass wir manchmal ´am Ende` sind, und dass uns und allem, womit wir verbunden sind, über kurz oder lang das Ende bevorsteht. Gott, „Du hältst mich an meiner rechten Hand; Du leitest mich nach Deinem Ratschluss und nimmst mich am Ende mit Ehren an“. „Ich bin ganz getrosten Muts“, sagt ´der Beter`; und das gilt, „was die lange Todesnacht/ mir auch für Gedanken macht“.

Das ist nicht ein illusionärer Lichtstrahl am Nachthimmel, sondern die Gegenwart und der Zuspruch des ewigen Gottes in unser vergängliches Leben hinein.

 

2. Keine Illusion, sondern Realität. Das soll sich zeigen. Deswegen sagt Petrus als zweites: Wir sollen „vor allem an der Liebe zueinander“ geradezu hartnäckig „festhalten“.- Liebe ist, wie man weiß, etwas Flüchtiges. Zuneigung kann rasch in Abneigung umschlagen; Begeisterung in Enttäuschung. Wo aber eine Verbindung mit Gott besteht, strömt Liebe ein; sie wird immer wieder aufgefrischt und sozusagen ´nachgefüllt`. Paulus drückt es an einer Stelle so aus: „Die Liebe Gottes wird ausgegossen in unsere Herzen“.

Angesichts der Vergänglichkeit aller Dinge, und eben gerade auch der Liebe und Zuneigung zu anderen Menschen, sollen wir darauf bedacht sein, dass dieser Zufluss nicht stockt oder versiegt.

Nein, man soll die Liebe nicht versiegen lassen, was- z.B. weil Gegenliebe ausbleibt-, sehr leicht geschehen kann. Man darf ihrem Verschwinden nicht achselzuckend nachsehen, sondern soll sie ´erhalten wollen`. Man soll darauf achten, dass sie nicht vergeht. Man soll ´etwas dafür tun`. Man soll ´anhaltend`,- ich habe das griechische Wort mit „hartnäckig“ wiedergegeben-, dabei bleiben, einander Liebe zu erweisen, obwohl vieles sie verletzt, so dass sie sich zurück ziehen möchte. Aber Liebe deckt eine Menge Sünden ab. Sie geht darüber hinweg, verzeiht, bleibt sich selbst treu.

 

Und Fremden begegnet sie nicht mit Misstrauen, sondern aufgeschlossen, nimmt Fremde gerne, „ohne Murren“ als Gäste auf,- hält also nicht nur denen, deren man überdrüssig werden könnte („einander“) die Treue, sondern geht auf Fremde mit Wohlwollen zu.

Das ist das Wichtigste, schreibt Petrus: das „vor allem“.

In dem Klemens Haindl gewidmeten Jugendgedicht „Die Orgel“ hat Berthold Eugen Brecht am 6. Januar 1916 formuliert: „Hochauf...klingt/ über dem Hass der Orgelton ewiger Liebe und singt/   Dankgebet“. (In der Zeitung wurde über dieses Gedicht am Dienstag geschrieben; aber es war schon früher bekannt. Brecht in Augsburg, st 297, 1976, 275).

 

3.Als drittes sagt Petrus: Da hat jedes seine Begabungen.

Man soll sie nicht eigennützig gegen andere ausspielen, sondern sie als Gabe Gottes einsetzen.

Spitzensportler oder begabte Schauspieler, Künstler, Personen, die im Rampenlicht der Öffentlichkeit standen, bewundert und ´angehimmelt` wurden, verkraften es manchmal nicht, wenn ihr Glanz erlischt, die Kräfte nachlassen, und die öffentliche Aufmerksamkeit sich von ihnen abwendet. Aber man muss „nüchtern“ und „vernünftig“ bedenken, dass alles einmal aufhört. „Der Herr hat´s gegeben, der Herr hat´s genommen; der Name des Herrn sei gelobt.“

Wer im „Gebet“ mit Gott Verbindung hält, wird wegen der Vergänglichkeit nicht verzweifeln und nicht unglücklich sein, wenn ihm etwas, was er früher glänzend ´konnte`, nicht mehr gelingt.

Gott  bleibt ihm treu; auch wenn er nicht mehr ist, was er einmal war. Gott ´behält` ihn, auch wenn die Welt ihn vergisst.

Und wer, von Gott ´angesteckt`, Erbarmen und  Liebe gefühlt hat, sodass die eigene Hartherzigkeit  weich wurde, und wer ´will`, dass er dabei bleibt,- wer, um in der Liebe zu bleiben, bereit ist, viel zu verzeihen und Sünden anderer zuzudecken, der ist nicht mehr darauf bedacht, sich auf Kosten anderer zu profilieren, ´sich hervor zu tun`, um andere ´in den Schatten zu stellen´. Er wird mit seinen Reden nicht glänzen, sondern Gottes Worte weiter geben wollen: etwas Zurechtbringendes und Tröstendes von Gott her. Und er wird, wenn „Dienste“ zu tun sind, sich nicht auf die eigene Kompetenz und Zuständigkeit beschränken, sondern darauf vertrauen, dass zu dem, was getan werden muss, Gott auch die Kräfte bereit stellen und zuteilen wird.

So wird die jeweilige Begabung als ein durch Gottes Gnade zugeteiltes Geschenk da eingesetzt, wo sie erforderlich ist. Jeder „dient“ damit den  anderen. Es geht nicht um den vergänglichen Glanz, der über kurz oder lang erlischt, sondern darum, einander dazu zu verhelfen, mit der „Gnade“ Gottes  in Berührung zu kommen und in Verbindung zu bleiben, die einen vor dem Vergehen bewahrt.

 

Amen!

 

Pfarrer Dr. Wolfhart Schlichting

 


 

MATTHÄUS 13,44-46;   PREDIGT:

 

" Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie. "

 

Gott will uns ein sagenhaftes Finderglück zukommen lassen. Dazu unternimmt er alles, um mit uns Menschen ins Geschäft zu kommen. Die kostbaren Entdeckungen, die uns Gott schenkt, krempeln unser gesamtes Leben um und geben uns eine total neue Lebensausrichtung und einen gesamt neuen Lebensinhalt. Gott schenkt uns das "Eine", das "Wahre" und das "Glück" das alles andere, das wir bis jetzt erkannten, erlebten und uns vielleicht mühsam erarbeiteten, in den Schatten stellt, verblassen lässt und ersetzt.

Sogar die reichsten, vornehmsten und einflussreichsten Menschen dieser Erde besitzen auf der Landkarte ihres Lebens einen weißen Fleck, den ihnen nur Gott ausgestalten und mit wahrem Leben erfüllen kann. Wenn sie darauf stoßen, dann ist das für sie eine verblüffende Erfahrung, die sie vorher nicht vermutet hätten.

Auch wir dürfen uns die Schätze Gottes freilegen und aneignen. Dabei dürfen wir voller Feuer und Flamme sein, ohne Gewissensqualen oder mühseligen Entsagungen. Gerade Jesus Christus ist auch der Bürge für überraschende Funde und beglückende Augenblicke in unserem alltäglichen Leben. Hier wäre es um jeden Augenblick und um jede Phase unseres Lebens schade, in denen wir ohne ihn leben würden.

Jesus ist die Fundgrube des wahren Lebens. Was wir hier finden, das bleibt uns ewig erhalten und geht uns nie mehr verloren. Er allein weckt in uns den echten Unternehmungsgeist und die sprühenden Lebensgeister.

Von Gott her war es ursprünglich so gedacht, dass unsere Beziehungen zu ihm die wesentlichsten sind. Leider sind wir Menschen von dieser ursprünglichen Linie abgewichen. Somit sind wir normalerweise weit von Gott entfernt. Das ist ja auch die Ursünde unserer Menschheit: unsere Gottestrennung. Nicht einmal im Traum fällt uns Menschen ein, zu Gott irgend eine Beziehung aufzubauen.

Nun ist ja deshalb Gott nicht ausgeschaltet. Er ist ja noch genauso da wie vorher. Nur wir sind ganz woanders, als es sich Gott bei der Schöpfung gedacht hatte. Und er, Gott, hat eine unbändige Sehnsucht nach uns Menschen. Er selbst setzt alles daran, um mit uns wieder ins Geschäft zu kommen. Er liebt uns immer noch grenzenlos und ohne Vorbehalte. Er tut das nicht, um sich selbst zu bereichern, sondern weil er weiß, dass wir ihn sehr nötig brauchen. Denn ohne ihn sind wir verloren, verkauft und verraten. Aber mit ihm kann unser Leben noch einmal neu beginnen. Da finden wir zum wahren Leben zurück, dem auch unsere ganze Zukunft gehören darf. Da können wir unsere ganze Hoffnung auf ihn setzen. Er ist dann unser Schatz und unsere Perle. Und das hält und trägt uns durchs ganze Leben und gibt uns zukunftsweisende Aufgaben und Beschäftigungen.

Jesus selbst erzählt diese beiden Gleichnisse, mit denen er uns nicht drohen, sondern locken will. Er nennt dabei drei Erlebnisse, die wir erfahren: 1) Der Spannungsbogen zwischen der täglich mühseligen Kleinarbeit unseres Lebens und unseren Sehnsüchten bekommt einen fieberhaften Inhalt. 2) Mit ganzer innerer Entschlossenheit setzen wir alles uns zur Verfügung Stehende ein. 3) Unsere Ursehnsucht nach dem wahren Leben wird gestillt, gesättigt und erfüllt. 1) Der fieberhafte Inhalt unseres Lebens. 2) Ganze innere Entschlossenheit. 3) Die Stillung, Sättigung und Erfüllung unseres Lebens.

 

1) Der Spannungsbogen zwischen der täglich mühseligen Kleinarbeit unseres Lebens und unseren Sehnsüchten bekommt einen fieberhaften Inhalt. - Der fieberhafte Inhalt unseres Lebens.

So viele Menschen es gibt, so viele Wege gibt es, um auf Gott stoßen zu können. Jeder hat seine eigene Chance, seinen eigenen Weg. Aber alle diese Wege sind von den beiden Typen eingegrenzt, die hier genannt sind: Der eine stößt unverhofft darauf. Der andere sucht ganz bewusst und gezielt danach. Dazwischen gibt es viele, viele Abstufungen.

Was beiden Typen gleich ist, - und das gilt auch für alle Abstufungen und Differenzierungen dazwischen -, ist das fieberhafte Verlangen danach, diesen Schatz auch unbedingt besitzen zu können. Davon lassen sie nicht locker. Dazu unternehmen sie alles.

Der Bauer hat sich vielleicht zuerst geärgert, als er beim Pflügen auf dieses Hindernis stieß. Er vermutete schon Schwerarbeit, um einen großen Stein beseitigen zu müssen. Der andere fieberte schon jahrelang danach, einmal das große Glück zu haben. Vielleicht gab er manchmal schon die Hoffnung auf und dachte, es nie finden zu können.

Man könnte auch sagen: Unter diesem Spannungsbogen läuft auch unser aller Leben ab. Auf der einen Seite kennen wir die oft unerwartete, mühselige Kleinarbeit unseres Lebens. Und auf der anderen Seite pflegen wir direkt die Sehnsucht danach, einmal das große Glück zu machen, unerhofft darauf zu stoßen. Das sind auch die beiden Extreme unseres Lebens.

Immer wieder macht es uns zu schaffen, dass Hindernisse kommen, Schwierigkeiten, Nöte, Ängste, Krankheiten, Übelkeiten, Differenzen, Müdigkeit, Lauheit udgl. Mit großer Überwindungskraft und Anstrengung rafft man sich auf, um das Anstehende zu bewältigen und das unerhofft Aufgetretene zu bearbeiten.

Auf der anderen Seite haben wir ganz bestimmte Sehnsüchte, denen wir nachleben und die wir in unseren Herzen hegen und pflegen. Manchmal hat man dann kaum mehr die Hoffnung, dass sich diese Sehnsüchte erfüllen könnten. Und man denkt sich: Es wäre ja auch zu schön, wenn das wahr würde!

In diesen beiden Extremen sind dennoch die Chancen Gottes enthalten, - in der täglichen Kleinarbeit und in unseren scheinbar unerfüllten Sehnsüchten. Es gibt eine Art der Lebensbewältigung, mit der wir in allem das wahre Leben finden. Keine Mühe ist dann vergebens und keine Sehnsucht bleibt unerfüllt. Gott will uns für Beides reelle Chancen vermitteln. Nie haben wir deshalb einen Grund, die Arbeiten und die Hoffnungen aufzugeben. Graben wir nach. Suchen und forschen wir nach dem wahren Schatz und Glück. Das darf der fieberhafte Inhalt unseres Lebens sein. Es darf in uns so richtig kribbeln, angestoßen und verursacht durch die göttlichen Reize, die es gibt.

 

2) Mit ganzer innerer Entschlossenheit setzen wir alles uns zur Verfügung Stehende ein. - Unsere ganze innere Entschlossenheit.

Nicht alles, auf das wir stoßen, ist eine Schatztruhe. Nicht jede Sehnsucht, die wir haben, führt uns zu der Superperle. Wir erleben auch böse Erfahrungen und niederträchtige Erfüllungen. Aber als Christen finden wir auch die Spur zur wahren Schatztruhe und zur echten Perle des Lebens. Hier dürfen wir dann alle Mühe daranwenden, um diese Spur zu verfolgen und um an das Ziel zu gelangen.

Es ist zwar immer die Gnade Gottes, dass wir so etwas entdecken dürfen. Aber es ist keine billige, sondern eine sehr teure Gnade. Es kostet uns schon etwas, wenn wir das erlangen wollen.

Nun könnte man denken, dass somit nur die Reichen, die Obersten und Gescheitesten diese Gnade bekommen könnten. Denn sie haben ja auch das Zeug dazu, um es sich erwerben zu können. Weil das nicht so ist, nennt Jesus hier in diesen zwei Gleichnissen bewusst einen ganz armen Schlucker und einen ganz reichen Menschen; einen Ackerknecht und einen Kaufmann.

Um uns diesen Schatz aneignen zu können, genügt das, was wir haben. Aber gerade das gilt es, ganz dran zu geben. Jesus will damit verdeutlichen, dass wir nicht beides haben können: das alte und das neue Leben. In der Bergpredigt sagt Jesus, dass wir nicht dem Mammon und Gott dienen können.

Gerade die Zeugnisse des Neuen Testaments sagen uns, dass es hier die Armen oft leichter als die Reichen haben. Paulus sagt: Nicht viel Reiche, Starke und Edle sind berufen, sondern Arme, Unedle und Schwache. Jesus stimmte einmal einen Lobgesang darüber an, dass ein Vater denen diesen geheimen Schatz anvertraut hat, die von dieser Welt als die Unmündigen beschimpft und verspottet werden. Und Jesus selbst wurde von den kirchlichen Bauleuten für untauglich angesehen und deshalb verworfen und in den Mülleimer gekippt. Gott aber hat ihn als den kostbaren Grundstein und Edelstein auserwählt, als "die" Perle, die "wertvollste" Perle des Lebens.

So sind mit dieser ganzen Entschlossenheit zuerst einmal die inneren Werte unseres Lebens angesprochen: Unsere Liebe, Hingabe, Sehnsüchte, Begierden, Freuden, Erwartungen, Begeisterungen und Faszinationen. Hier wenden wir alle unsere Mühe daran; alle Kräfte, alle Zeit und allen Willen. Erst in zweiter Linie kommt dann automatisch auch alles uns äußerlich zur Verfügung Stehende dazu.

Für viele Christen gelten heute die überlieferten Werte kaum etwas. Ob das richtig ist, sei nun einmal dahingestellt. Aber wesentlich ist, dass der Einzelne sein eigenes Leben ganz für die Sache Gottes einsetzt, mit dieser ganzen inneren Entschlossenheit. Irgendwann bekommen dann die überlieferten Werte auch zur Geltung. Vielleicht sind dann diese die Schätze, die sie sich damit erwerben.

 

3) Damit sind wir bei Punkt drei: Unsere Ursehnsucht nach dem wahren Leben wird gestillt, gesättigt und erfüllt. - Die Stillung, Sättigung und Erfüllung unseres Lebens.

Das Erwerben des Schatzes Gottes, der edlen Perle. Wer einmal den Weg Gottes eingeschlagen hat und damit so eine Art Vorgeschmack des Himmels genossen hat, der kommt davon nicht mehr los. Denn er weiß, dass er damit etwas besitzt, das in seinem Leben das Höchste, das Beste und das Äußerste darstellt. Das gibt ihm alles, was er täglich braucht. Seine Ursehnsucht nach dem Leben rührt sich zwar immer wieder. Aber er weiß, wohin er sich damit wenden muss, damit sie gestillt, gesättigt und erfüllt wird. Er hat den Weg zur Urbefriedung seines Lebens gefunden.

Damit sind wir zwar noch lange nicht an das Ende unseres Lebenszieles angelangt. Im Gegenteil fängt damit unser Leben erst an. Wir stehen damit erst am Anfang eines langen Lebensweges. Wir haben uns ja erst den Schatz, die Perle erworben. Nun gilt es, damit zu leben. Nun stehen wir in dem Sog des wahren Lebens, der uns durch das ganze restliche Leben ziehen will. Nun stehen wir in der Fundgrube des göttlichen Lebens und finden einen Schatzinhalt und Schatzwert nach dem anderen. Erst mit der Zeit erfahren wir die eigentlichen Werte dieses Schatzes. Das geht nicht von heute auf morgen. Dazu benötigen wir viel Zeit und viele Erfahrungen. Auch lernen wir dabei aus vielen Fehlern, die wir noch machen. Was zuerst noch Theorie war, daraus ersteht langsam die Praxis, eine alltägliche gute Gewohnheit.

Auch alles, das damit zusammenhängt, fällt uns nicht so einfach in den Schoß. Sondern wir haben auch hiermit alle Hände voll zu tun, dass wir innerlich nachkommen, es für uns auskaufen, ausschöpfen und verfügbar machen.

Wenn dabei unser Leben zur Reife kommt, dann schenkt Gott wahrhaftig, dass sich in uns und durch uns das gottgewollte Leben gestaltet, herauskristallisiert und als ein Schatz und eine Perle dasteht. Gegengleich fällt dann das gottferne Leben immer mehr von uns ab und muss weit von uns weg fliegen.

Manche Stellen der Bibel bezeichnen dies wie eine Pilgerschaft. Wir sind auf ein ganz bestimmtes Ziel ausgerichtet. Wir haben diese ganz bestimmte Richtung eingeschlagen. Und wir dürfen uns immer mehr diesem Ziel nähern. Darin ist auch die Heilung und die Heiligung unseres Lebens eingeschlossen, die nur Jesus in uns bewirken kann. Er lässt uns die Fülle göttlichen Lebens zukommen. Er schenkt uns die Stillung, Sättigung und Erfüllung unseres Lebens.

 

Solches sagenhaftes Finderglück will uns Gott zukommen lassen. Dazu unternimmt er alles, um mit uns ins Geschäft zu kommen. Wer sich dafür öffnet, erlebt kostbare Entdeckungen, die sein gesamtes Leben umkrempelt. Dies gibt ihm eine total neue Lebensausrichtung und einen völlig neuen Lebensinhalt. Legen auch wir uns diese Schätze Gottes frei und eignen wir sie uns an. Dann wird auch für uns Jesus diese Perle des Lebens sein.

 

 

Bruder Georg



 

Philipper 3,7-14; Predigt:

 

" Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erach­te es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so einem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. Nicht, dass ich´s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich´s wohl ergreifen könnte, wie ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich´s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus. "

 

Als Christen kennen wir uns bei Gott aus. Was normalerweise den Menschen verschlossen ist, das öffnet sich uns. Gott gibt uns einen total erweiterten Lebenshorizont, mit dem wir vorwärts blicken können. In unserem Leben entwickelt und gestaltet sich dadurch alles positiv. Somit liegt auf unserem Christenleben eine große Verantwortung, die wir wahrnehmen dürfen.

Gott selbst setzt unser Leben sinnvoll ein, So leben, wirken und arbeiten wir nie mehr umsonst. Alles bekommt seinen Sinn und guten Inhalt. Und das gilt auch dann, wenn es durch die Tiefen des Lebens geht. Weil Gott bei uns drinnen ist, besitzen wir seine Energie, Weisheit und Liebe.

Wir dürfen uns das Reich Gottes als eine übergeordnete Größe erschließen. Da öffnen sich uns die größtmöglichen Erlebnisse, die es gibt. Oder gegengleich gesagt öffnen sich uns, wohl dosiert, die Schleusen des Reiches Gottes mit all seinen Schätzen, sodass die Fülle Gottes auf uns herabfließt. Es erreicht uns sein reicher Segensstrom und nimmt uns in sein Geheimnis mit hinein. Aus dieser Fülle nehmen wir Gnade um Gnade, so wie wir es gerade verkraften können. Da verliert sich alles stümperhafte Leben. Wir kennen kein unnützes Abstrampeln mehr.

So ist der Einsatz unseres Lebens keine verzweifelte Sache mehr, sondern ein freudiges Arbeiten, das uns die ganze Erfüllung schenkt. Christus selbst stellt uns in dieser Welt als Vorbilder für ein besseres Leben hin. Durch uns soll es den Menschen leichter fallen, an Gott zu glauben. Wir sind ein Brief Christi an die Men­schen dieser Welt. Wir sind Gottes Repräsentanten; Botschafter an Christi Statt; das Salz der Erde und das Licht der Welt. Als Gesam­tes stellen wir die Stadt Gottes, den Tempel Gottes dar. Deshalb heißt es in der Schöpfungsgeschichte: Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde; als Ebenbild Gottes. Und Jesus Christus hat diesem Kunstwerk Gottes wieder das ursprüngliche Aussehen geschenkt. Nur deshalb stellen wir etwas dar und erleben die ewigen Werte, die unvergänglich sind.

So kennen wir uns als Christen bei Gott aus. Dazu nennt Paulus drei Bezüge: 1) Wir wissen um die Umwertung aller Werte, die uns eine enorme Bewusstseinsänderung vermittelt. 2) Wir werden zu Spe­zialisten der Erkenntnisse von Jesus Christus, seiner Erlösung und seiner Siege. 3) Wir haben allezeit das Ziel Gottes vor Augen. Damit ist eine total neue Blickrichtung und Orientierung verbun­den.

 

1) Wir wissen um die Umwertung aller Werte, die uns eine enorme Bewusstseinsänderung vermittelt (Verse 7-9). Diese Umwertung geschieht ernsthaft und radikal, ohne Umschweife und Ausflüchte, aber auch ohne Druck. Denn wir erkennen, dass dies zu unserem Vorteil geschieht. So sind wir dazu gerne bereit. Wir bekommen dafür ja etwas viel Besseres. Für die sonst üblichen Ideale der Men­schen haben wir keine Zeit mehr und verschwenden dafür keine Kraft. Wir konzentrieren uns konsequent auf die von Gott geführten Wege. Es weicht so langsam alles andere aus unserem Gesichtskreis und steht weit zurück.

So kann Paulus sagen, dass dies alles, was ihm früher einmal ein Gewinn zu sein schien, nun für ihn ein Schaden wäre, Dreck, Kot oder andere Ausdrücke. Als ich mich nach der Schule um eine Lehrstelle bewarb, sagte der Prokurist der Firma: In Religion können Sie eine "6" haben, aber in den anderen Fächern muss es stimmen. So geht es in dieser Welt zu. Aber bei Gott geht es ganz an­ders.

Diese Umwertung aller Werte ist der Grund dafür, warum man die Botschaft Gottes kaum in den allgemein üblichen Medien und in der Gesellschaft und Wirtschaft erfährt. Gott will eben nicht, dass seine Schätze und Ideale auch ohne Glauben erlebt werden können. Gottes Ideale sind nur erlebbar, wenn wir Menschen im Glauben stehen. Und dieser Glaube hat immer etwas mit der Taufe zu tun. D.h. uns wird nur mittels einer Lebensübergabe an Gott der Glaube eröffnet, mit dem sich uns die Reichtümer Gottes erschließen.

Deswegen ist auch in unserer Gesellschaft die Gemeinde eine eigenständige Größe. Sie ist der Zusammenschluss derjenigen, die es mit ihrer Lebensübergabe an Gott ernst meinen und täglich auch alle Konsequenzen daraus ziehen. Die Umgewerteten benötigen den Zusammenschluss und Zusammenhalt derer, die auf demselben Weg sind. Sie finden sich auch überall und bilden eine eigenständige Größe in ihrer Umgebung.

Normalerweise kommen wir Menschen nicht von uns aus auf diese Größe aus Christus. Immer professioneller leben wir unseren alten Stiefel in immer neuen Variationen. Dabei geht es uns um unsere Vorteile, mit denen wir meinen, unser Leben noch mehr genießen und auskosten zu können. Das Blatt dreht sich nur dann, wenn einer persönlich ein Erlebnis mit Jesus Christus hat. Dann erschließen sich ihm ganz neue Lebensaussichten und Lebensgebiete. Und sein Leben bekommt auf einem Male wesentlich höhere Ideale und Lebensziele. Deshalb geht er auch mit ganzer Entschlossenheit diese neuen Wege, die sich ihm da öffnen. Und er bekommt alles, was er benötigt, im Überfluss.

Das erlebt nun jeder Christ ganz persönlich. So etwas können wir uns nicht gegenseitig vermitteln, sondern dafür nur ein Vorbild sein. Und weil das total andere Werte sind, als wir sie normalerweise erleben. Deshalb sind die alten Werte auch für uns Dreck, Kot, Schaden, Unsinniges und Nicht-Erstrebenswertes. Gegengleich er­leben wir den Gewinn Jesu mit all seinen Vorzügen und Vorteilen. Es heißt im Text, dass damit überschwängliche Erkenntnisse ver­bunden sind, die wir der Reihe nach erleben.

Wir wissen um die Umwertung aller Werte, die uns eine enorme Bewusstseinsänderung vermitteln.

 

2) Wir werden zu Spezialisten der Erkenntnis von Jesus Christus, seiner Erlösung und seiner Siege (Verse 10-11). Der biblische Be­griff von Erkenntnis ist viel tiefschürfender, als was wir heute da­runter verstehen. Wenn im Alten Testament zwei heirateten, dann heißt es z.B.: »Adam erkannte seine Frau!« So schließt dieses Er­kennen ein ganz tiefes Verhältnis mit Jesus ein. Das geht natürlich nicht in äußerer Art, sondern auf geistlichem Gebiet mit unserem Glauben. Das ist keine oberflächliche Sache mehr, sondern ein innigstes Erleben der Größe und Werte Jesu. Jesus selbst nannte dafür in zwei Gleichnissen, dass er für uns der Schatz im Acker ist oder die kostbare Perle.

Mit ihm erleben wir den wertvollsten Fund, den es gibt. Für uns sind solche Christusbegegnungen ganz erfreuliche Stunden unseres Lebens. Da erfahren wir unser wahres Glück und unsere überwälti­gende Seligkeit. Bei Christus sind wir Zuhause und fühlen uns wohl. Dieses Erkennen von Christus dürfen wir immer mehr vervollkommnen und darin Meister sein.

Es gibt dabei aber auch die gegenläufige Bewegung, bei der Gott keine Bremse mehr kennt und im Eilzugstempo zu uns kommt und uns alles gibt, was wir benötigen. Es ist wahrhaftig so: Wer auf Gott einen Schritt zugeht, dem kommt Gott zehn Schritte entgegen. Das wird zu einer Kettenreaktion, einer guten Lawine, die uns sprunghaft die Wege Gottes führt und leitet. Nur wer töricht ist, lässt diese Chancen ungenutzt außer Acht und versperrt sich dem Weg Gottes.

Gott treibt ja kein Schindluder mit uns. Er beschenkt und beglückt uns immer. Alles, was wir benötigen, lässt er uns in einer so großen Fülle zukommen, sodass wir nie an ein Ende kommen und immer voll beschäftigt sind.

Wenn es für uns Christen eine Faszination, eine Betrunkenheit oder Sucht gibt, dann sind das unsere Begegnungen mit Jesus Christus. Aber diese Bezeichnungen sind hierfür natürlich falsch gewählt. Deshalb nennt Paulus dafür dieses Erkennen der Kraft, der Auferstehung und der Gemeinschaft, die wir Christen mit Jesus erleben.

Wir werden zu Spezialisten der Erkenntnis von Jesus Christus, sei­ner Erlösung und seiner Siege.

 

3) Wir haben allezeit das Ziel Gottes vor Augen. Damit ist eine total neue Blickrichtung und Orientierung verbunden (Verse 12-14). Ich denke, das schon bis jetzt Gesagte zeigt klar, dass wir Christen allen Grund dafür haben, dem Ziel Gottes zu folgen und uns dafür ganz einzusetzen. Wir verplempern, verschleudern und verschlafen nicht unser Leben, sondern wir wissen sehr wohl, wie wir uns zu verhalten haben. Und das gilt vor allem schon deshalb, weil wir wissen, dass wir uns nie vergeblich abstrampeln oder sinnlos dahinvegetieren. All unser Tun und Lassen bekommt seinen Wert und Sinn.

Wir gehen ja nicht mehr aus eigenem Antrieb unsere Wege, sondern weil jemand da ist, der uns den Auftrag und die Kraft gibt, der uns die Türen dazu öffnet und die Wege bereitet. Nicht mehr wir selbst bestimmen, was zu tun ist, sondern Gott selbst geht uns in Christus Schritt für Schritt voran. Deshalb sprechen wir auch von der Nach­folge Christi. Christus streckt seine Hand zu uns aus. Es genügt für uns, diese Hand nie mehr loszulassen.

Nur das zieht uns gewaltig nach vorne. Das lässt uns sichere Schritte und Tritte gehen. Da weichen alle Schwierigkeiten und Abgründe. Da gehen wir auf einem sicheren Fundament und Weg und täuschen uns nie mehr.

Solche Erlebnisse nehmen uns alle Verklemmungen, aber auch alle Brutalität. Alles Hektische, Stressige und Unüberlegte flieht weit von uns weg. Ganz gelassen, voll Vertrauen und bereitwillig erledigen wir unsere Aufgaben und leisten damit mehr, als wir es ohne diese innere Kraft tun könnten.

Weil Christus unser Vorbild ist, dem wir ja nachfolgen, deshalb tra­gen auch wir seine Gesinnung. Wir erfahren die Liebe des Vaters Gottes. Wir vollbringen das Gute, das sogar das Böse überwinden darf. Wir leben der Wahrheit, die uns frei macht. Wir praktizieren die Hingabe, durch die wir selbst ganz erfüllt werden. Wir sind ein lebendiges Opfer, das Gott wohl gefällt. Wir sind zum geistlichen Sterben bereit, weil wir nur dadurch vollblütig das wahre Leben erleben. Wir leben vom Freispruch Christi, der uns überall zugute kommt. Diese Reihe der Aufzählung könnten wir noch weiterfüh­ren.

Als Jünger, Schüler Jesu dürfen auch wir das nächste Klassenziel erreichen. Und damit werden wir unser Leben lang nicht fertig. D.h. also, dass es in unserem Leben ein Reifen und ein Wachsen gibt, das nie aufhört. Und das ist sehr vorteilhaft für unser Leben. Es gibt nie einen Stillstand, nie eine Langeweile und nie einen Grund, zu­rück zu blicken. Es geht immer zielstrebig weiter und voran. Und Gott gibt dazu seinen Segen, seine Gaben und Seligkeit.

Wir Christen haben allezeit das Ziel Gottes vor Augen. Damit ist eine total neue Blickrichtung und Orientierung verbunden.

 

Als Christen kennen wir uns bei Gott aus. Gott gibt uns einen total erweiterten Lebenshorizont, durch den wir vorwärts blicken können. Dadurch entwickelt und gestaltet sich in unserem Leben alles positiv. Nehmen wir diese Verantwortung wahr, denn Gott setzt uns sinnvoll ein. Weil Gott uns zieht, besitzen wir seine Energie, Weisheit und Liebe.

 

Bruder Georg



 

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