Gedanken zu Himmelfahrt und Exaudi

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Predigt für EXAUDI

                      über Johannes 15, 26 – 16,4

                                                    gehalten am 1. Juni 2003

                                                                             in Augsburg, St. Jakob

 

„ Wenn der Tröster kommen wird, den ich, Jesus, euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen. Das habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht abfallt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit. Und das werden sie darum tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde kommen wird, ihr daran denkt, dass ich's euch gesagt habe. Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war bei euch. “

 

                                                                          A.

 

Journalisten schreiben für heute. „Jour“ ist das französische Wort für „Tag“. Zeitungen müssen aktuell sein.- Propheten dagegen sprechen für die Zukunft. Was sie sagen, wird zu einem späteren Zeitpunkt aktuell. Im Augenblick ist es nicht zeitgemäß.

Im heutigen Evangelium spricht Jesus prophetisch.

Als er diese Worte formulierte, waren sie nicht zeitgemäß.

Das sagte er ausdrücklich. „Was ich euch“ jetzt „gesagt habe“, ist für die Zukunft gedacht. Ich habe es euch gesagt, damit ihr, wenn es so weit ist, „euch daran erinnert“. Diese Worte sind sozusagen ´auf Vorrat` gesprochen. Im Bedarfsfall soll man darauf zurückgreifen können.

Jesus fügt sie gewissermaßen als  Anhang in seine Abschiedsreden ein. Vorher hatte er dieses Thema nicht angeschnitten. Es war nicht aktuell. Er war ja selbst anwesend. Diese Zeit des Zusammenseins hat er an anderer Stelle mit einer Hochzeit verglichen. Während der Festlichkeiten ist man normalerweise guter Dinge. Da braucht man keinen Trost. Wo Hochzeit gefeiert wird, da muss man in der Regel nicht jemand zum Trösten hinschicken. Das wäre unpassend.

 

Aber es kommen andere Tage. Da flieht einem die Freude. Und Kummer hält die Seele besetzt.  Tage der Krankheit, der Trauer, der Einsamkeit, der Enttäuschung, der Sorge. Da geht es einem wie dem todkranken König Hiskia, der in seinem Psalm sagte: „Siehe, um Trost war mir sehr bange“ (Jes 38, 17)

 

´Was ich jetzt sage `, sagte Jesus, ´sage ich nicht für jetzt. Es war bisher und ist im Augenblick nicht nötig, so zu reden. Ich sage es für später, „damit ihr, wenn die Stunde kommt, daran denkt, dass ich es euch gesagt habe“. Bisher habe ich nicht so geredet; „denn ich war ja bei euch“`.

 

                                                                           B.

Inzwischen sind diese Worte aktuell geworden.

Die das Verschwinden Jesu von der Bildfläche dieser Erde als seine Erhöhung verstanden, die seine Himmelfahrt miterlebt haben, verschwiegen das nicht. Sie hatten Jesu letzte Worte so verstanden, dass sie beauftragt waren, als Zeugen hervor zu treten. Die Botschaft stand im Raum: Jesus ist von den Toten auferstanden und zur Rechten Gottes erhöht. Da lebt und regiert er in Ewigkeit,- und wird wiederkommen in Herrlichkeit.

Damit nicht jemand meint, das hätte sich jemand aus den Fingern gesogen, braucht man Zeugen. Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als Che Guevara im Guerillakampf bereits umgekommen war, konnte man in südamerikanischen Städten, an Wände gesprüht, lesen: „Che vive“, „er lebt“. Das meinten- und wünschten sich viele. Aber niemand konnte bezeugen, dass er ihn wieder lebend gesehen hat. Die Apostel dagegen konnten eben  dies von Jesus bezeugen. ´Wir haben ihn gesehen. Und es war wirklich Er: der Gekreuzigte, mit seinen Wundmalen. Und Er hat beim Abschied selber gesagt: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.`Ich bin nun Gottes rechte Hand. Gebt das überall bekannt!`

Nun traten sie beschwingt  in die Synagogen mit dieser frohen Botschaft. Wie König Hiskia in seinem Psalm sagte: „Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe“ ( Jesaja 38,17); so hat Gott sich unser angenommen. Er hat Jesu Tod als Opfer akzeptiert, das die Sünden der ganzen Welt sühnt. Und er hat Jesus von den Toten auferweckt. Und nun herrscht Friede zwischen Gott und uns. Was Jesus von der Liebe Gottes gesagt hat, die Verlorenen retten will, setzt sich durch.

 

Aber dann mussten die Apostel erleben, dass die versammelte Gemeinde sie auspfiff,- dass die, die gekommen waren, um Gottes Wort zu hören, sich die Ohren zuhielten. Sie wollten kein Wort von Jesus hören. Sie jagten sie aus dem Gotteshaus und warfen ihnen Steine nach.

Später wurde es offiziell: Wer bekennt, Jesus sei der Christus, der Messias, Gottes Sohn,- sein Tod am Kreuz sei ein Opfer für die Sünden der Welt gewesen-, und er sei auferstanden und lebe und regiere in Ewigkeit-, der wird aus der Synagogen- Gemeinschaft ausgeschlossen. Exkommuniziert, lautet der Fachausdruck. Und er wird verflucht. Ins regelmäßige Gebet wurde eine Verfluchung der Christen eingefügt.- Die Ankündigung Jesu: „Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen“, hat Luther übersetzt: „Sie werden euch in den Bann tun“,- und hat 1500 Jahre später am eigenen Leib eine ähnliche Behandlung erfahren.

 

Das war eine herbe Enttäuschung: Die Synagoge, die sehnsüchtig auf den verheißenen Messias wartete, die sein Kommen herzlich herbeiwünschte, wollte nichts davon wissen, dass er tatsächlich gekommen ist.

Da konnte man als Apostel an seiner Botschaft irre werden.

Wie sollte man es sich erklären, dass das auserwählte Gottesvolk nicht wahr haben wollte, dass Gott Wort gehalten, sein Versprechen erfüllt und Sünde und Tod besiegt hatte? Stimmte es etwa nicht? Hat man sich getäuscht? Hat man sich etwas einreden lassen?

Paulus blutete das Herz: Es ´kann doch nicht wahr sein`, dass Gottes geliebtes Volk sich von seinem Heiland so abgestoßen fühlt, dass es die, die bezeugen, sie haben ihn auferstanden gesehen und glauben an Ihn, nicht zu Wort kommen lassen will. Er konnte sich nicht vorstellen, dass das Gottesvolk ´enterbt` werden sollte, weil es mit dem, der Gottes Versprechen erfüllte, nichts zu tun haben will. Lieber, schrieb er, möchte er selbst von Gott verworfen und verdammt sein, als sein ganzes Volk auf einem Irrweg ins Verderben laufen zu sehen.

Woher kommt diese irrsinnige Wut, die Stephanus, nur weil er Jesus zur Rechten Gottes sah und dies als die erfreulichste Nachricht , die man sich denken kann, weiter sagte, zu Tode steinigen ließ? Wie ist es zu erklären, dass fromme Menschen glauben können, sie erweisen Gott einen Dienst, wenn sie jemand töten, der sagt, Christus ist der einzige „Weg“, der einzige gangbare Zugang zu Gott; und dieser Zugang steht jedem offen? „ Auto da fe“, Akt des Glaubens, nannte man in Spanien in der Zeit der Gegenreformation die öffentliche Tötung von sog. Ketzern, die nichts anderes wollten, als die Bibel bekannt machen.- Kann das mit rechten Dingen zugehen? Wird einem da nicht alles zweifelhaft? Dass Religion sich so auswirken kann, macht sie doch unglaubwürdig. Da beginnt man an allem zu zweifeln. Die Geschichte der Religion ist anstößig. Sie ist ein „Ärgernis“.

 

Jesus sagt: Eben deswegen, damit ihr, wenn es soweit ist, „nicht Anstoß nehmt“,- deswegen habe ich das gesagt. Damit euch dann nicht alles zweifelhaft wird, Damit ihr euch dann daran erinnern könnt: Ich habe etwas gesagt, was seinerzeit nicht aktuell war, worauf ihr nicht besonders geachtet habt. Aber jetzt wird es verständlich. Und um nicht am Glauben irre zu werden, muss man auf diese Aussagen zurückgreifen.

Eine unglaubliche Verblendung wird zeitweilig über die Menschen kommen.  Zu solchen religiös begründeten Exkommunikationen und gewaltsamen Übergriffen bis zur Tötung ´in Gottes Namen` kommt es, weil frommen Menschen in ihrer Verbohrtheit „weder den Vater“ im Himmel , „noch mich erkennen.“ Sie meinen, ganz nahe bei Gott zu sein, und haben doch keine Ahnung von Ihm. Sie sind religiös stark interessiert und voller Eifer, wollen aber von dem auferstandenen Jesus nichts wissen und von der Bedeutung seiner Kreuzigung nichts hören.

 

II.

Damit ihr dann aber nicht selber verunsichert werdet, habe ich euch angekündigt, dass ich dann eingreifen werde. Dann nämlich, wenn euch aufgrund solcher Erfahrungen „um Trost sehr bange“ sein wird. Dann „werde ich euch jemand zum Trösten schicken“.

Wer das Verschwinden Jesu von der Bildfläche dieser Erde als Himmelfahrt verstanden hat und weiß, dass Jesus jetzt als Gottes rechte Hand „alle Macht im Himmel und auf Erden“ hat, weiß,dass er nun über das verfügen kann, was nur von Gott ausgeht. Jesus spricht von dem „Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht.“ Jesus wird dafür sorgen, dass dieser bei uns ankommt. Er bestärkt uns in der Überzeugung. Dass die frohe Botschaft, die wir weitergeben möchten, die aber auf unverständlichen Widerwillen stößt und wie Ärgernis erregender Unsinn abgetan wird, doch „wahr“ ist. Wenn die Reaktionen, denen wir ausgesetzt sind, uns völlig verunsichern, , stabilisiert dieser „Geist“, der von Gott ausgeht,, und den Jesus uns zuleitet, unsere Überzeugung. Er ist wie ein „Zeuge“,- ein kompetenter Zeuge aus dem Reich Gottes, der denen, die bezeugen, was sie auf Erden von Jesus erfahren und verstanden haben, an die Seite tritt, ihnen Recht gibt, ihre Aussagen verstärkt und bestätigt.

Wenn es soweit ist, sagte Jesus, schicke ich euch diesen „Beistand“. „Wenn Er kommt“, merkt ihr es daran, dass eure Überzeugung bestärkt wird; dass die Unsicherheit vergeht. Und dass ihr die Kraft bekommt, wenn auch ausgepfiffen oder sogar mit Steinen beworfen, ausgestoßen und mit Tötung bedroht, doch immer wieder in Wort und Tat zu bezeugen, dass ich lebe und regiere in Ewigkeit.

Ihr macht mich denen bekannt, die weder Gott noch mich wirklich kennen, obwohl sie behaupten, alles besser zu wissen.

 

III.

 Im Bedarfsfall sollen Christen sich an dieses Versprechen Jesu erinnern. Z.B., wenn es einem so ähnlich ergeht, wie dem Dichter des Liedes „Ach, bleib mit Deiner Gnade/ bei uns, Herr Jesu Christ“. In einem Buch mit dem Titel: „Den Kummer sich vom Herzen singen“, und dem Untertitel: „So entstanden bekannte Lieder“ ( B.u.W. Scheffbuch, 2001, 279 f), lese ich darüber. Josua Stegmann, Doktor der Theologie, war 1621 Professor an der neu gegründeten Universität Rinteln, Westfalen, geworden. Seit 3 Jahren herrschte Krieg. 8 Jahre später rückten die Kampfhandlungen nahe an Rinteln heran. Kaiserliche Truppen besetzten die Stadt. Die Universität, die in den Räumen des ehemaligen Benediktinerklosters untergebracht war, wurde aufgelöst. Der katholische Orden kehrte zurück. Josua Stegmann verlor seinen Arbeitsplatz. Die Bevölkerung sollte vom evangelischen Glauben abgebracht werden. Diesem Ziel sollte eine große öffentliche Disputation dienen. Josua Stegmann, der entlassene, mittellose Professor, sollte gegen zwei Mönche seinen Glauben verteidigen. Er wusste, dass unter diesen Umständen ein vernünftiges und ernsthaftes Gespräch nicht möglich war. Aber die kaiserliche Besatzung zwang ihn dazu. Und was musste er, ein persönlich bescheidener Gelehrter, der sich nicht darauf verstand, mit billigen Pointen eine schnell zu erregende Hörermenge auf seine Seite zu ziehen, erleben? Jedes Mal, wenn er zu reden begann, johlte das Publikum. Bevor er zu Wort kam, wurde er schon verspottet. Das war offenbar organisiert. Er konnte sich dagegen nicht durchsetzen. Da er keinen Satz zu Ende sprechen konnte, hatte er dem höhnischen Gelächter des Saales nichts entgegen zu setzten. Die Disputation wurde nach einiger Zeit abgebrochen. Stegmann war der Verlierer. Die Gegner triumphierten. Diese öffentliche Demütigung griff ihn auch gesundheitlich an. Wenige Wochen nach der Disputation starb er, erst 44 Jahre alt.

 

Das waren z.B., „Tage“,  „Stunden“, wie Jesus sie vorausgesagt hatte. Weil so etwas eintreten kann, deshalb hat er diese Sätze gesprochen: damit man sich daran „erinnert“, was er gesagt hat. Damit man nicht im Glauben irre wird.

Jesus hat Beistand in Aussicht gestellt. Und Josua Stegmann hat, dieses Versprechen im Ohr, um Beistand gebeten. Und er hat seine Kirche so zu beten gelehrt. Wir beten noch heute mit seinen Worten, dass Jesus uns von Gott her Trost zukommen lassen möge. „Ach bleib mit Deiner Gnade/ bei uns, Herr Jesus Christ,/ dass uns hinfort nicht schade/ des bösen Feindes List.“ Hilf, wir nicht in die Fallen tappen, die uns gestellt werden; dass wir uns nicht irreführen lassen; dass wir nicht mutlos werden und aufgeben, dass unsere Widerstandskraft nicht gebrochen und unsere Überzeugung nicht wankend werde. Erhalte uns fest bei Dir. „Ach, bleib mit Deiner Treue/ bei uns, mein Herr und Gott,/ Beständigkeit verleihe,/ hilf uns aus aller Not“.

 

Jesus hat gesagt: Wenn es soweit kommt, dann erinnert euch, dass ich gesagt habe: Ich schicke euch jemand zum Trösten und Bestärken, nämlich den Geist der Wahrheit, der von Gott ausgeht und eure Überzeugung von innen her bestärkt und bestätigt.

 

Amen!

 

Pfr. Dr. Wolfhart Schlichting

 


 

Lukas 24,44-53; Predigt am Himmelfahrtstag:

 

„ Jesus sprach zu den Jüngern: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, so dass sie die Schrift verstanden, und sprach zu ihnen: So steht's geschrieben, dass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt wird in seinem Namen Busse zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem, und seid dafür Zeugen. Und siehe, ich will auf euch herab senden, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet mit Kraft aus der Höhe. Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott. “

 

Am damaligen Himmelfahrtstag wurde Jesus zum Dienst für die weltweite Gemeinde ordiniert, eingesetzt. Sehr weltlich gesprochen: An diesem Tage ratifizierte, genehmigte das Parlament Gottes das Osterprogramm Jesu. Nun tritt für die Art und Weise des Dienstes Jesu eine starke Wende ein: Während er vorher auf dem Weg des Gehorsams für uns den Weg der Erlösung bahnte, sozusagen den Weg in den Himmel Gottes. So kommt er seit Himmelfahrt von diesem Himmel zu uns Menschen herab und geleitet uns ganz persönlich zum Himmel Gottes. Seit Himmelfahrt ist kein Christ auf dieser Erde mehr alleine gelassen. An jedem Ort, bei jedem Menschen und zu allen Zeiten ist Christus gegenwärtig und schenkt uns seine Hilfen. Gerade für uns Christen verbindet Jesus Christus sinnvoll Himmel und Erde miteinander. Gerade dazu hat er alle Macht im Himmel und auf Erden. Gerade dazu ist er der Herr, der Kyrios, über alles geworden.

Seit Himmelfahrt benötigen wir Christen keine Selbsthilfen, keine Selbsterlösung und keine Selbstfindung mehr. Denn alles, was wir suchen, das schenkt Christus in überwältigender Weise den Seinen. Er schenkt uns die höchste Stufe der zur Zeit möglichen Verquickung mit Gott. Das übersteigt alle unsere Erwartungen.

Christus darf für uns Christen eine sehr lebensnahe Größe sein. Mit ihm können wir alle Lebensphasen durchgehen, durchstehen und bewältigen. Seine Führungen sind höchsterquickende Erlebnisse. Er bestimmt nun in sehr positiver Weise unsere Zeit, unsere Geschichte, die Heilsgeschichte, das Tempo und die Stunde der Erfüllung und Vollendung. Wir dürfen uns ganz in seine Handlungen mit hinein nehmen lassen.

Wer im Aufblick zu diesem Himmel Gottes lebt und diese Verbindung nie abreißen lässt, der erlebt im Alltag die mächtige Hand Gottes und fällt nie aus Gottes gnädiger und gütiger Führung. Gerade wir Christen dürfen diese Macht und diesen Einfluss Christi erkennen und akzeptieren. Er führt uns zur gottgewollten Vollendung unseres Lebens.

Jesu Himmelfahrt ist niemals ein Erinnerungsfest an vergangene Zeiten, sondern ein sehr aktuelles Erlebnis des gegenwärtigen Christus. Wir bestaunen nicht ein Denkmahl, sondern wir erleben den lebendigen Gott mit seinen Stärken, mit seinen Zusagen und mit seinem Geleit. Trotz der seit Himmelfahrt Verborgenheit und Unsichtbarkeit Jesu hat er eine durchschlagende Botschaft. Daraus erwächst etwas Gültiges und Beständiges. Daraus entsprang all das, das wir mit der Kirchengeschichte bezeichnen. Das ist eine sehr bewegte Geschichte Gottes mit uns Menschen, die sehr viel bewirkte und immer noch viel bewirkt. Wo Jesus in unserer Zeit am Wirken und im Kommen sein kann, das hat von der Ewigkeit her gesehen Hand und Fuß. Das bewirkt etwas Beständiges und Ewiges. Auch wenn damit eine ganz andere Wertigkeit verbunden ist, so erfüllen sich dadurch in uns die Verheißungen Gottes. Und wir erleben fröhliche, erfüllte und gesegnete Tage und Tätigkeiten. Da leben wir letztlich heute schon dem Zukünftigen, ohne dass wir das Heute vernachlässigen. Es ist eben ein erfülltes Heute, ein mit Sinn gefülltes Heute, ein überglückliches Leben mit vielen Aufgaben und Aufträgen.

Man kann diesem Himmelfahrtstext vier klare Punkte entnehmen, die das Werk Jesu zusammenfassen: 1) Rückwärts blickend: Jesus vollendete das Uralte, er erfüllte die Schrift. 2) Vorwärts blickend: Für die Zukunft schenkt er uns eine vollkommene Hoffnung. 3) Für unser Heute erleben wir einen Jesus, der priesterlich und segnend wirkt. 4) Wir wissen um einen lebendigen Gottesdienst, voll Freude und Lobgesang.

 

1) Rückwärts blickend: Jesus vollendete das Uralte, er erfüllte die Schrift (Verse 44-46). So wie sich Gott seit Anfang der Schöpfung diese Welt dachte, so erfüllte Jesus diese uralten Vorstellungen Gottes. Das ganze Alte Testament zeugt von einer sehr bewegten Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel. Daraus scherte Jesus nicht aus. Er brachte die Erfüllung des Gesetzes und der Propheten, aller Verheißungen und Forderungen Gottes. Er begab sich in die Hände Israels und starb für sie.

Für uns heute heißt das, dass die Bibellese sehr wesentlich ist. Wer wachsam und unter Gottes Geist die Bibel liest und die Kirchengeschichte betrachtet, für den tun sich darin die Wirklichkeiten des Himmels, des Reiches Gottes auf. Gerade darin erfahren wir Gottes Beständigkeit und damit den Sinn und den Auftrag auch unseres Lebens. Gerade unsere Bibellese unter Gebet ist eine lebensforschende Beschäftigung. Hiermit haben wir die Möglichkeit, uns dem wahren Leben zu öffnen und es in uns aufzunehmen. Hier trinken wir von der wahren Quelle des Lebens. Damit leben wir nicht wirklichkeitsfremd, sondern sehr wirklichkeitsnah. Damit verbinden wir wieder beides miteinander: Welt und Himmel. Damit knüpfen wir wieder Verbindung mit dem Paradies.

Das Neue ist nie vom Alten zu trennen, die Erfüllung nie von der Verheißung. Die Vollendung ist nie ohne die Väter und Mütter des Glaubens zu haben. Am liebsten arbeitet Jesus heute auf der Basis der uralten Schöpfung. Von Gott her gesehen gibt es eine konsequente Linie seines Handelns und Wirkens, die wir am besten aus der Bibel heraus erfassen können. Nur was in diese Linie hineinpasst, hat auch für die Zukunft Verheißung. Alles andere vergeht wieder.

Somit ist es nicht verwunderlich, dass Jesus hier bei seinem Abschied er nochmals ein großes Gewicht auf die Schrift legt. Denn sie ist's, die von ihm zeugt. Darin finden auch wir ihn und mit ihm das wahre Leben, die Lebenshilfen, die Zukunftsaussichten und die möglichen Lebensstützen. Gerade die Schätze der Bibel vermitteln uns das göttliche Erbe. Darauf kann man aufbauen. Hier finden wir die Glaubensrücklagen Gottes, das nötige Rüstzeug für unser Glaubensleben. Solches Rückwärtsblicken ist sinnvoll.

 

2) Vorwärtsblickend: Für die Zukunft unseres Lebens schenkt uns Jesus eine vollkommene Hoffnung (Verse 47-49). Wer hat heute noch Hoffnung für die Zukunft seines Lebens, für die nächste Stunde, für den nächsten Tag, für das nächste Lebensjahr, für den nächsten Berufsabschnitt, für seine Mitmenschen, für die Arbeitslosen, Hungernden, Unterdrückten und allen Benachteiligten; für die Einsamen, Alten und Kranken; und für die Verirrten? Wer hat da noch Hoffnung? Wir Christen dürfen diese Hoffnung haben!

Es mag uns eigenartig vorkommen, aber dahinter steckt ein großer Sinn, wie Jesus diese Zukunftshoffnung darstellt: Seid Zeugen für die Busse zur Vergebung und für die Kraft aus der Höhe!

Ich denke, dass jeder von uns etwas von dem Aufruf unseres Bundespräsidenten Herzog gehört hat, dass wir uns nicht gehen lassen, sondern uns aktivst den Aufgaben stellen sollen. Darauf kann man nun die verschiedensten Reaktionen feststellen. Die einen schieben die Schuld auf die anderen. Aber jeder sieht ein, dass das überhaupt nichts bringt. Die anderen lassen sich so etwas sagen und ändern sich. Dasselbe meint hier Jesus bei seinem Abschied. Beides gehört zusammen: Busse und Kraft; Umkehr und Neuausrichtung; Bitte um Vergebung, wo wir etwas falsch gemacht haben, und das Ergreifen der vielen Möglichkeiten, die uns Gott gibt; Absage an Sünde, Tod und Teufel, und Angeloben an Jesus, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens.

Mit Jesu Himmelfahrt begann für die damaligen Jünger ein ganz neuer Abschnitt der Heilsgeschichte Gottes. Wir können da heute schon auf eine fast 2000-jährige Kirchengeschichte zurückblicken. Aber auch für uns ist diese Heilsgeschichte noch nicht zu Ende. Gott hat sehr wohl die Möglichkeit, uns den Zugang zur Zukunft unseres Lebens zu ermöglichen, damit wir sie sinnvoll gestalten können.

Buße heißt da nicht nur Umkehr, sondern auch: Entleerung unseres Lebens. Gott kann unser Lebensgefäß nur dann füllen, wenn wir es vorher entleert haben. Unsere Hände kann er nur führen, wenn wir alles andere fahren lassen. Er kann uns nur dann vorangehen, wenn wir die anderen Wege verlassen und seinen Fußstapfen folgen. Dann erleben wir für die Zukunft unseres Lebens eine vollkommene Hoffnung.

 

3) Für unser Heute erleben wir einen Jesus, der priesterlich und segnend wirkt (Verse 50+51). Als Christen erleben wir ein gesegnetes Heute. Was heißt das? Natürlich erleben wir auch den Fluch, das Widergöttliche, die Sinnlosigkeit, die Langeweile, den Stumpfsinn und vieles andere mehr. Von christlichen Künstlern sagt man, dass sie ihre größten Werke dann geschaffen hatten, als sie in gewaltigen inneren Spannungen lebten. Sie hatten diesen Spannungen nicht in primitiver Weise nachgegeben, sondern sie positiv in ihre Werke umgesetzt. Gerade da gab ihnen Gott die Gnade, etwas Grosses zu schaffen. In dieser Weise dürfen auch wir Christen Lebenskünstler sein. Das geht nur unter dem Segen Gottes. Das geht nur, wenn wir uns in die Stille vor Gott hinausführen lassen. Solche Gottesbegegnungen sind unsere lebendigen Gottesbeziehungen.

Oft erkennt man den Segen Gottes erst dann, wenn etwas zu Ende ist und geht. Ein Künstler sieht den Segen Gottes erst nach der Vollendung seines Werkes, wenn eigentlich schon wieder ein neues Werk beginnt. Im Gottesdienst steht der Segen am Schluss des Gottesdienstes, wenn es wieder in den harten Alltag geht. So ist der Segen Gottes nicht ein Ausruhen vom Geschaffenen, vom Erreichten, sondern die Befähigung, uns dem Neuen öffnen und widmen zu können.

Wer sein Christsein nur auf dem aufbauen will, was er bis jetzt erlebt hat, der lebt falsch. Wer das bisher Erlebte konservieren will, steht nicht mehr unter dem Segen Gottes. Auch Jesus ist nicht zurückzuhalten. Und es ist eine uralte Lebenserfahrung, dass das Leben nicht stehen bleibt, sondern weitergeht. Es gehört dazu, dass immer wieder etwas Neues kommt. Halten wir da nichts gewaltsam fest. Was gestern richtig war, kann heute schon überholt und falsch sein. Auch das Rad der Heilsgeschichte kann man nicht zurückdrehen.

Dazu ist uns der Segen Gottes gegeben, dass wir damit das momentan Anstehende in rechter Weise angehen und bewältigen dürfen. Nur unter dem Segen Gottes können wir positiv unserem Nächsten begegnen, Probleme anpacken, Nöte bewältigen, Antworten auf die existenziellen Fragen geben und Lösungen den Menschen anbieten. Unter diesem Segen stehend, erleben wir ein Heute, das Jesus priesterlich und segnend durchwirkt.

 

4) Wir wissen um einen lebendigen Gottesdienst, voll Freude und Lobgesang (Verse 52+53). Der biblische Begriff des Gottesdienstes bezieht sich nicht nur auf den Sonntagsgottesdienst. Sondern es ist ein umfassender Begriff für unser gesamtes Leben: Gottesdienst - Gott dient uns! Nach Paulus in Römer 12,1 zeigt sich darin solcher vernünftiger, schriftgemäßer Gottesdienst, wenn wir unsere Leiber zum Opfer geben, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Wesentlich dabei ist, dass Gott durch uns hindurch uns und unseren Nächsten dient. Indem wir ihm gehorsam sind, geschieht sein Dienst in unserer Umwelt und Umgebung. Gerade da, wo wir Werkzeug in Gottes Hand sind, geschieht etwas. Wo wir ein Musikinstrument in Gottes Hand sind, ertönt unter uns sein Lobgesang. Wo wir seine Friedensboten sind, vertragen sich die Menschen wieder. Das ist der wahre Gottesdienst.

Das heißt nun nicht, dass wir Arbeitstiere wären. Sondern dadurch finden wir uns in jeder Lage zurecht und stehen in jeder Lage Gott zu Diensten. Nur das schenkt uns dann Erfüllung, Freude und den Lobgesang. Darunter werden wir still und froh.

Als Christen sind wir auf die wahren Wege Gottes gestoßen. Nun verwirklicht sich Gott in uns. Er schaltet dabei unsere Person nicht aus, sondern schließt sie ganz mit ein. So darf es in unserem Leben zielstrebig voran- und weitergehen. Gott über- und unterfordert uns nicht. Er lässt uns nicht sitzen, aber er schindet uns auch nicht.

Es gehört zum Leben der praktizierenden Christen, dass jeder seinen Platz erkennt, auf den ihn Gott gestellt hat. Diesen Platz darf er ganz ausfüllen.

Nach der Himmelfahrt Jesu gehen die Jünger voll Freude und Lobpreis nach Jerusalem zurück. Der Grund dazu liegt allein darin, dass sie nun Jesus zwar ganz anders, aber noch näher erleben dürfen. Dasselbe gilt auch heute für uns und für alle noch kommenden Generationen. Wer diesen Jesus erlebt, der kennt die wahre Lebensfreude und den wahren Lebensmut. Er vergisst darüber nicht, Gott zu danken, zu loben und ihn anzubeten.

Es gibt hier einen christlichen Kreislauf: Betende Hände werden zu arbeitende Hände und wieder zu anbetende Hände. Das sind die erlebbaren Gotteskreise, in denen wir stehen. Denn wir wissen um diesen lebendigen Gottesdienst, voll Freude und Lobgesang.

           

Der Himmelfahrtstag ist die Ordination Jesu zum weltweiten Dienst. Seitdem ist kein Christ auf dieser Erde mehr alleine gelassen. An jedem Ort, bei jedem Menschen und zu allen Zeiten ist Christus gegenwärtig und schenkt uns seine Hilfen. Gerade für uns Christen gibt es eine sinnvolle Verbindung von Erde und Himmel. Denn Jesus, unser Herr, hat alle Macht im Himmel und auf Erden. Dazu ist er der Herr, der Kyrios, über alles geworden.

 

Bruder Georg

 


 

EPHESER  3,14-21;   PREDIGT:

 

Die Fürbitte des Apostels für die Gemeinde

„Ich beuge meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle. Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. “

 

Paulus war Gefangener in Rom. Man nimmt an, dass er zusammen mit einem Wächter doch einiges unternehmen konnte. Aber das war dennoch nur eine kleine begrenzte Freiheit. Er saß doch die meiste Zeit in einer engen Zelle. Nun starrte er nicht trübsinnig die vier Wände an. Er hatte so quasi eine innere Luftbrücke, auf der er sich bewegen konnte. Und diese Luftbrücke konnte ihm niemand nehmen. Christen kennen alle diese Luftbrücke, egal in welcher Situation sie stehen. Sie ist immer vorhanden. Es kommt nur darauf an, dass wir sie benützen. Es ist eine Luftbrücke zum Reich der unbegrenzten Möglichkeiten und dem überschwänglichem Reichtum Gottes. Und gleichzeitig ist es eine Luftbrücke zur Fürsprache um Gottes helfende Gegenwart bei unseren Nächsten. Ganz kurz genannt ist es Anbetung und Fürbitte.

Ganz allgemein kann man sagen, dass das Leben mehr ist als alles Vordergründige und alles Äußere, mehr als Essen und Trinken, mehr als Arbeiten und Ruhen. Neben der Eroberung und Bewährung dieser äußeren Werte, dürfen wir uns auch die inneren und verborgenen Werte des Lebens erobern und aneignen. Gerade der, der beides im Blickfeld hat, die äußeren und inneren Werte, die vergänglichen und unvergänglichen Werte, der kann das Leben in rechter Weise bestehen. Und das ist letztlich auch der Sinn unseres Lebens, zu unseren Lebzeiten auf diesen beiden Schienen zu fahren, sie zu benützen und zu gebrauchen, uns diese zu erobern, anzueignen und uns darauf zu bewähren. Letztlich ergänzen sie sich gegenseitig. Z.B. ein gesunder Körper, eine gesunde Lebensweise verhilft uns sehr viel zur inneren Bewältigung all der vielen Anforderungen und Verantwortungsbereiche. Und gegengleich verhilft uns eine positive Lebenseinstellung sehr viel für alle äußeren Erledigungen und Begegnungen.

Als Menschen benötigen wir eine Faszination, eine Hoffnung, eine Inspiration, dem ich mein Leben und Einsatz widme und die über dem ganzen Leben steht. Vor dem verbeuge ich mich, beuge ich meine Knie. Als Christen kennen wir eine Faszination von unserem Gott dem Vater, von Jesus Christus und vom Heiligen Geist. Denn damit eröffnet sich uns ein großer Reichtum, eine Vielzahl von Lebensbewältigungen, die wir vorher nie vermutet hatten. Je mehr wir uns darauf einlassen, umso mehr werden diese. Da kommen wir an kein Ende. So kommt es, dass wir mit der Zeit diese Chancen und Möglichkeiten immer mehr benützen, ausschöpfen und auskaufen. Das bekommt eine immer größere Vorrangstellung in unserem Leben und Wirken. Und unser Leben bekommt einen ganz anderen Dreh, eine ganz andere Richtung.

Was hier Paulus von Gott erbittet, kann man in drei Bereiche zusammen fassen: 1) Unser innerer Mensch bekommt durch den Reichtum Gottes große Kraft und Stärke. 2) Christus siedelt sich in unseren Herzen an und damit kommt seine ganze Liebe zu uns. 3) Wir begreifen und ergreifen immer mehr die Dimensionen Gottes.

 

1) Unser innerer Mensch bekommt durch den Reichtum Gottes große Kraft und Stärke. Unsere Zufriedenheit oder Unzufriedenheit kommt letztlich aus unserem Innersten heraus. Wenn wir da keinen Frieden haben, dann produzieren wir ständig Frust, Streit, Hass, Gehässigkeiten, Kleinkrieg und Forderungen. Wir sind mit nichts zufrieden. Da ist im Leben irgend etwas schief gelaufen. Wenn da keine innere Wende geschieht, dann läuft auch alles schief und es bekommt kein gutes Ende.

Gott will das nicht und er schenkt uns diese Wende mit einem zielsicheren Wachstum in die richtige Richtung. Er gibt und vermittelt uns eine so große innere Kraft und Stärke, sodass kommen kann, was will, nichts wirft uns mehr aus der Bahn.

Unsere Gedanken sind zwar frei, die niemand erraten kann. Aber bei Gott sind sie alle offenbar. Man sagt ja: Alles, was wir uns wünschen, dafür setzen wir auch alles ein, um es zu bekommen. Und wir wissen nur zu genau, dass nicht alle unsere Wünsche und Sehnsüchte gut für uns sind. Schon da gilt es, sich zu entscheiden, welchen Wünschen und Sehnsüchten wir Raum geben und verfolgen. Gerade Gott gibt uns hierfür sehr wesentliche und wertvolle Hilfestellungen. Gerade unsere Beschäftigung mit seiner Herrlichkeit und seinem Reichtum, mit den Inhalten seines Wortes, geschieht solch eine klare innere Ausrichtung, Selektion, Sortierung für aufbauende, lebensweisende Gedanken und Vorhaben. Dann wissen wir, wozu wir leben, wozu wir überhaupt da sind, dass wir von Gott gewollt sind und er uns einen Auftrag gegeben hat. Dann bekommen wir durch Gottes Nähe und Berufung ein geheiligtes, ein von ihm durchwirktes Inneres.

Haben wir diesen Frieden im Herzen, dann wirft uns nichts mehr aus der Bahn. Dann kann von außen kommen, was will. Nichts wirft uns mehr um. Und wir können voll Schaffenskraft im täglichen Leben stehen. Dadurch steht ein gewisser Glanz mit Freude über unserem Leben, wodurch uns alles viel leichter von der Hand geht.

Das alles ist nur möglich, weil Gott für uns so viel bereit hat, das wir uns im Innersten erschließen dürfen und können. Mit dem Neuen Leben, das uns Gott gibt, erschließen sich uns wahrhaftig ganz neue Möglichkeiten, die wir sonst nie hätten. Und das wirkt sich immer zuerst auf unser innerstes Leben aus. Das motiviert uns so stark, sodass sich das mit der Zeit auf unser äußeres Leben auswirkt und dieses beeinflusst.

 

2) Der zweite Bereich vertieft das bis jetzt Gesagte: Christus siedelt sich in unserem Herzen an und damit kommt seine ganze Liebe zu uns. Im Text heißt es noch deutlicher, dass wir damit in der Liebe Christi eingewurzelt und gegründet sind. Im ersten Punkt liegt mehr das Gewicht auf der Änderung unseres Innersten. Hier liegt nun das Gewicht darauf, wie sich diese Änderung auswirkt. Wie dieses Neue in uns aussieht und was sie alles bewirkt.

Wenn sich Jesus in unserem Leben ansiedelt, dann haben wir in uns den kompetenten Sachverständigen für alle Lebensfragen, den von Gott General- Bevollmächtigten für alle Lebensgebiete. Dann haben wir in uns den, der im Himmel und auf Erden alle Macht besitzt. Gerade nach dem Johannes Evangelium hat Gott durch Jesus diese ganze Welt geschaffen. So darf uns Christen bewusst sein, - ohne hochmütig zu werden -, dass der, dem sogar das ganze Weltall zu klein ist, in unser Leben, in unser Herz einzieht. Der Höchste, Größte und Mächtigste verschmäht uns nicht. So wertvoll sind wir ihm.

Nun ist das keine Selbstverständlichkeit, keine automatische Sache und Angelegenheit. Damit hängen natürlich auch viele Aktivitäten zusammen, die ich zu erbringen habe: Meine Öffnung, meine Bereitschaft, meine Einwilligung, meine freudestrahlende Beugung und Verehrung mit dem dazu gehörigen Lobpreis. Dazu gehört, dass ich ihm selbstverständlich ohne Wenn und Aber das Ruder und Steuer meines Lebens überlasse. Dazu gehört, dass ich ihm alle meine Fragen, Anliegen, Nöte und Klagen bringe, um von ihm Antwort, Weisung und Trost zu empfangen. Und dazu gehört, dass alles, was mit Rückkopplung bezeichnet wird, vor ihm und mit ihm geschieht.

 Aber das Hauptgewicht und die Hauptfreude liegt darauf, dass sich Jesus in mir ansiedelt und ich in seiner Liebe nun einwurzle und mich darin gründe. Es steht also nicht mehr mein vielleicht „Dickes Ich“ im Mittelpunkt und Zentrum meines Lebens, sondern diese Stellung nimmt nun Jesus Christus ein. Und das bedeutet letztlich meine Rettung. Denn die Probleme und Schwierigkeiten kommen aus meinem „Dicken Ich“. Und wenn diese von außen kommen, branden sie normalerweise an meinem „Dicken Ich“ an. Wenn da aber Jesus Christus anzutreffen ist, haben sie plötzlich keinen Anpack mehr und müssen wieder weichen. Das ist keine Theorie oder Einbildung. Sondern das ist die Praxis aller praktizierenden Christen. Und damit verstehen wir auch, dass kein Christ auf der Strecke zurück bleibt. Jeder hat seinen Wert und seine ganz spezielle Bedeutung. Jeder ist ein Original Gottes.

 

3) Damit sind wir schon längst beim dritten Bereich: Wir begreifen und ergreifen immer mehr die Dimensionen Gottes. Im Text ist genannt: „Wir können mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge, und die Höhe und die Tiefe ist!“ Als Menschen kennen wir nur drei Dimensionen. Darauf ist alles in unserem Leben aufgebaut. Anders können wir gar nicht denken. Paulus nennt hier nun vier Dimensionen. Und er sagt sogar, dass die Heiligen das begreifen können. Das geschieht nun nicht mit unserem Verstand. Denn auch Paulus war einmal nach 2. Korinther 12,2 bis in den dritten Himmel, in das Paradies entrückt. Und da sagt er, dass er unaussprechbare Worte hörte, die kein Mensch aussagen kann. Was in unserem Text als 4. Dimension genannt ist, bestimmt gibt es bei Gott noch wesentlich mehr Dimensionen, das sind die Kinder Gottes im Himmel, Vers 15. Als Christen wissen und rechnen wir auch damit, mit der Dimension, mit dem Bereich der Heiligen und Engel, ohne dass wir dafür Spezialisten sein müssen.

Ganz allgemein kann man sagen: Gott hat wesentlich mehr Möglichkeiten, als es wir Menschen haben. Wenn Gottes Energie dieses großartige Weltall geschaffen hat, das ja so stark energiegeladen ist, dann kennt Gott keine Energieprobleme. Wenn Gottes Weisheit die Faszination des Makro- und des Mikro- Kosmoses ins Leben gerufen hat, dann hat Gott keine Weisheitsprobleme. Die Probleme liegen alle auf unserer Seite, nie auf der Seite Gottes. Und jeder Christ darf daran nun Anteil haben. Er darf das, - natürlich geschieht das nur stückweit -, begreifen und ergreifen. D.h. keine unserer Anliegen ist nun zu groß oder zu klein, dass wir nicht durch Gott weiter voran kämen. Da vertrauen wir ihm ganz. Schade ist natürlich, wenn wir ihn falsch verstehen oder überhaupt keine Verbindung zu ihm mehr haben. Dann stagniert natürlich alles. Aber wer im rechten Hören steht, für den reiht sich eine Führung Gottes an die andere. Und im Nachhinein geht das sogar in rasanter Weise, sodass wir davon ganz überwältigt sind.

Paulus ist hier im Gefängnis so überwältigt, dass ihm die Fesseln und der begrenzte Raum gar nichts ausmachen. Für ihn sind momentan all die Fragen aktuell, was mit der jungen Gemeinde in Ephesus passiert. Zuerst bittet er Gott, dass er sich darum kümmert. Und dann schreibt er diesen Brief. Und er ist sich sicher, dass Gott das Weitere tut. Dasselbe dürfen auch wir tun. Wir sind von Gott so fasziniert, dass wir zuerst im Gebet unsere Anliegen vor Gott bringen, uns hier abklären, uns echt informieren und dann Gott in der Bittform alles anvertrauen, was weiterhin geschieht. Und das überträgt sich dann auf all unser äußeres Tun. Die Dimensionen und Möglichkeiten Gottes treten damit in Aktion.

 

Kennen und benützen wir diese beiden Luftbrücken? Es gibt diese Luftbrücke zum Reich der unbegrenzten Möglichkeiten und dem überschwänglichen Reichtum Gottes. Und es gibt diese Luftbrücke zur Fürsprache um Gottes helfende Gegenwart für unsere Nächsten: Anbetung und Fürbitte. Weil sich Christus in unserem Herzen angesiedelt hat, enden diese Luftbrücken nicht im Nichts, sondern in unserem Herzen, in unserem Innersten bei ihm, der uns recht leitet und führt.

 

  

Bruder Georg

 


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