Gedanken zum Erntedankfest

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Predigt für das Erntedankfest

                                über Mt 6, 19-23,

                                                    gehalten am 30.09.2001

                                                                                in Augsburg, St. Jakob

 

 

Vom Schätze sammeln und Sorgen:

„ Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! “

 

Seit 11. September kreisen unsere Gedanken vorwiegend um die Vereinigten Staaten von Nordamerika, und wir ´sehen` die übrige Welt sozusagen von dort aus. Kein Tag ohne Fotos des Trümmerhaufens inmitten der Wolkenkratzer von Manhattan. Unser Mitgefühl schwebt über der Suche nach Tausenden Toten. Als sich am Abend des Unglückstags hier einige spontan zum Gebet zusammenfanden, wurden Tränen vergossen.-

Heute haben wir Mitchristen aus den Vereinigten Staaten in unserer Mitte, und taufen ein Kind, das dort aufwachsen wird.

Die Ereignisse der vorletzten Woche haben in uns ein Gefühl der Unsicherheit erweckt. Wenn nicht einmal das bestbewachte Verteidigungsministerium der größten, ja, einzigen Weltmacht ein sicherer Ort ist, wo kann man sich dann sicher fühlen auf Erden? Seit dem 11. September ´sehen` wir vieles anders als vorher. Ob man will oder nicht, ´sieht` man Araber mit einem gewissen Misstrauen an.

 

                                                                               B.

Von der Frage der Sicherheit, und wie man die Dinge ´sehen` soll, handelt auch der Predigttext des Erntedankfests.

An diesem Tag denken wir an die Voraussetzung und Grundlage allen Lebens auf Erden: dass ´etwas wächst`, und dass man von dem, was wächst, leben kann. Und dass auch Menschen fruchtbar sind: „Seid fruchtbar und mehrt euch“; dass immer wieder Leben geboren wird: Und wie die wachsende Menschheit den Ertrag der Erde steigern und so verteilen kann, dass alle davon leben können.

Die Bibeltexte dieses Tages beziehen sich auf unsere Einstellung zu dem , was geerntet, und was aus Ernte und Bodenschätzen produziert wird.

Diese Einstellung kann entweder richtig oder falsch sein: dankbar-oder raffgierig, solidarisch- oder egoistisch. Gott sät Worte in unser Bewusstsein. Damit geht etwas von Seinem Geist auf uns über. Das soll Frucht bringen bei uns: geistige Früchte, „Frucht des Geistes.“

„Ernte-Dank-Fest“, nennen wir diesen Tag. D.h. wir wollen dankbar sein. Dankbarkeit sieht in und hinter der Gabe den, der sie gibt,- und überlegt, was Er damit ausdrücken will,- und weiß sich Ihm dadurch verbunden- und verpflichtet. Es gibt eine Art des Umgangs mit Ernteerträgen, über die Gott den Kopf schüttelt und sagt: „Du Narr!“- Es kommt auf die ´richtige` Einstellung an.

 

                                                                             I.

Jesus spricht, erstens, von der Sicherheit. Er nennt sichere und unsichere Orte.

1.Wir suchen Sicherheit, fragen nach einer „sicheren“ Geldanlage. Die Reichsten auf Erden bringen ihre Millionen auf Schweizer Konten ´in Sicherheit`.

a)Am 11. September wurde gesagt: „Die Welt wird“ nun „nie wieder so sein, wie sie“ vorher „war“. Der chilenische Schriftsteller Ariel Dorfmann schreibt: Das „Gefühl, unverwundbar zu sein, ist für immer erschüttert“ (FAZ, 21.9.2001, S. 52). „Was ein Ende hat, ist die“ angeblich „verbreitete Überzeugung der Nordamerikaner, etwas Besonderes zu sein, glauben zu können, sie stünden über den Übeln, welche die anderen... Völker auf dieser Erde heimsuchen.“

Insofern wäre das entsetzliche Attentat am 11. September so etwas wie ein Zwischenruf Gottes gewesen:´ Falsch! Du täuschst dich! „Du Narr!“ Dorfmann: „In Amerika werden von jetzt an dieselbe Unsicherheit und Ungewissheit herrschen, wie sie ein Großteil der Einwohner dieses Planeten erleidet.“

 

b)Jesus sagt: ´Hortet nicht Schätze`, sammelt nicht Reichtümer an auf Erden; denn das ist ein unsicherer Ort!`

´Setzt nicht auf Aktien! Man verliert dabei. Die Kurse sinken. Das Geld verflüchtet sich. Am Ende könnte kaum mehr etwas überbleiben`.

Dies ist ein unsicherer Ort: Textilien sind von Motten bedroht, Metalle werden von Rost zerfressen. Unsicher sind die Börsenkurse, der Markt, das Weltgeschehen. Und wir haben das gigantische Welthandelszentrum in New York in sich zusammensinken sehen.

Menschen haben es zerstört. Und selbst in dieser Situation, in der im Schmerz solidarischen Stadt, traten Plünderer auf und drangen in verschüttete Ladenstraßen unter den Trümmern des Gebäudes ein.

Kein Ort ist sicher auf Erden. „Diebe graben nach und stehlen“, was man mit Mühe erworben hat. Oder Behörden enteignen einen. Oder man wird von seinem Grundbesitz vertrieben.

 

c)Jesus sagt nicht, dass man keine Rücklagen bilden und ´sich nichts zusammensparen` soll. Er macht nur darauf aufmerksam, wie unsicher das ist, und dass sich einem alles, was man zusammengetragen und aufgebaut hat, unversehens in Nichts auflösen kann.

Besser, man hängt sein Herz nicht daran.

 

2.Man müsste sich anderswo ein Guthaben anlegen: an einem sicheren Ort.

a)Aber wo, ´um Himmels willen`-, wenn das World Trade Center und das Pentagon keine sicheren Orte mehr sind, sondern mir nichts, dir nichts, aus heiterem Himmel verwüstet werden können, und wenn die sichersten Geldanlagen daraufhin gefährdet scheinen,- wo ist dann ein sicherer Ort?

Jesu kühle Antwort ist: „im Himmel“. Nein, nicht „auf Erden“; nirgendwo.

„Im Himmel“ ist in der Bibel aber nicht eine kosmische Ortsangabe, wie ´hinter dem Mond` oder ´in den Sternen`. Es heißt vielmehr: bei Gott.

Ein Guthaben bei Gott sollten wir anlegen können.

 

b)Das müssen andere Werte sein, als die wir bei der Ernte einbringen oder daraus herstellen, und als die Preise, die sich auf dem Markt dafür erzielen lasen. Werte, wie Dankbarkeit, Demut, Solidarität,- deren Beachtung die Voraussetzung dafür ist, dass man mit den vergänglichen Werten dieser Erde vernünftig und gerecht umgeht. Jesus sagt: Wenn das Herz bei Gott ist, dann bilden sich solche Werte: Dankbarkeit, Demut, Genügsamkeit, Nächstenliebe, Bereitschaft zu teilen. Das sind „Schätze im Himmel“.

Sie sind wertbeständig. Das sind Schätze am sicheren Ort.

Wer sich Jesus anschließt, löst sein Herz von dem Unsicheren und Unbeständigen und wendet sich dem Bleibenden zu.

Die Taufe bedeutet diesen Wechsel: dass man von dem unsicheren Ort wegkommt und an den sicheren versetzt wird.

 

                                                                                II.

Dabei lernt man, die Dinge anders zu ´sehen`.  Als zweites spricht Jesus von den „Augen“: wie der Blick böse werden kann,- und wie man davon loskommt.

 

1.Der britische Schriftsteller Martin Amis hat versucht, das, was wir alle am 11. September am Fernsehen oder seither auf Fotos ´gesehen` haben, in Worte zu fassen (FAZ, 21.9.2001, S. 53).

 

a)Er schreibt von dem Auftauchen des zweiten Flugzeugs: „Ich habe noch nie ein  eigentlich vertrautes Objekt von den Umständen so verwandelt gesehen. Dieses zweite Flugzeug wirkte lebendig, belebt von einer bösen Energie und vollkommen fremdartig.“ „ Hier schien das Flugzeug selbst von wahnwitziger Wut getrieben, wie es voran schoss und sich fing und sich gegen den südlichen Turm warf.“

 

b)Das war vor-´gesehen`. „Böse Augen“ hatten in der Planung ´schon gesehen`, wie die Bürotürme in sich zusammenstürzen würden. Die den Plan entwickelt haben, konnten sich vorstellen, haben berechnet und vorausgesehen, wie tausende ahnungsloser Menschen unter den Trümmern begraben werden.

Solche „bösen Augen“ machen die ganze Person „finster.“ Das entführte Flugzeug wurde von böse und finster blickenden Terroristen in ein Geschoss der Finsternis verwandelt. Die Maschine, „belebt von einer bösen Energie“, getrieben „von wahnwitziger Wut“. „Wenn das Auge böse ist, ist der ganze Leib“, ´der ganze Kerl` , „finster“. Welche Zusammenballung von Finsternis!

Jesus rief erschrocken aus: „Wie groß wird dann die Finsternis sein!“

Martin Amis schreibt: „Für uns war“ das „Glitzern“ des zweiten Flugzeugs „das Aufblinken einer nahenden“ schrecklichen „Zukunft“.

Und er beschreibt, wie böse Augen, vorausschauend dieses apokalyptische Spektakel inszeniert haben: „Das erste Flugzeug sollte zu einem Zeitpunkt in den nördlichen Turm des World Trade Center krachen, als der Arbeitstag gerade richtig anfing. Dann eine Pause von fünfzehn Minuten, damit die Welt Zeit hatte, sich um die Fernsehgeräte zu versammeln. War so die allgemeine Aufmerksamkeit gesichert, würde das zweite Flugzeug in den südlichen Turm rasen. In diesem Augenblick würde sich Amerikas strahlende Jugend in ein konfuses Alter verwandeln“.

 

2.Eigentlich sind die Augen dazu da, zu beobachten, wie Gott die Dinge geschaffen hat, und wie der Mensch, der die Erde im Auftrag Gottes bebaut und pflegt, sie nutzbringend einsetzen kann.

Aber irgendwie entwickelt man einen Blick dafür, wie man zerstören, wegnehmen, wehtun und töten kann.

Das ist der Blick derer, die die Reichtümer der Erde an sich raffen, sie keinem anderen gönnen. Man muss es schon Kindern abgewöhnen, dass sie bei Tisch nur an sich selber denken. Und manchmal sieht man Jugendliche mit bösen Augen ganz darauf konzentriert, einem anderen weh zu tun. Gelegentlich muss die Polizei einschreiten, mitunter kommt sie zu spät.

Wenn das Herz nicht bei Gott ist, sondern ganz darauf aus, auf dieser unsicheren Erde sicher zu stellen, dass es selber ´Spaß hat`: „Liebe Seele..., habe nun Ruhe“, sei entspannt, „iss und trink und habe guten Mut!“ (Lk 12,19)-, dann werden die Augen, die einem eigentlich einen Blick für das Dankenswerte, Erfreuliche, auch anderen Wohltuende eröffnen sollten, böse.

In der Taufe, die als christliche Taufe eine Taufe mit „Wasser und dem Heiligen Geist“ ist, nimmt Gott Einfluss auf uns und versucht, uns den bösen Blick abzugewöhnen und unsere Augen auf das Helle und Erfreuliche zu lenken.

 

a)Martin Amis hat, was die Reaktion auf den Terroranschlag vom 11. September betrifft, einen, wie er selbst meint, „utopischen“ Vorschlag gemacht. „Es muss ein Gewaltakt kommen.“ Aber „er sollte auch dem ursprünglichen Angriff darin entsprechen, dass er alle völlig überrascht“.  Utopisch-; denn wir finster blickenden, auf die Schätze dieser Welt bedachten Menschen sind berechenbar. Amis meint, „das malträtierte, von der Außenwelt abgeschnittene Volk von Afghanistan, das sich in Aussicht auf einen Hungerwinter zusammenkauert, sollte nicht mit“ Raketen „bombardiert werden, sondern mit dem Abwurf von Lebensmittellieferungen, auf denen groß und deutlich steht: ´Ein Hilfsprogramm der USA´“. Da würden, angenommen, es gelänge, und die Empfänger kämen dazu, die Schrift zu entziffern, die Afghanen ´Augen machen` . Und ,so meint Amis, sie würden die Amerikaner mit anderen Augen sehen; nicht als Teufel, wie die Mullahs sie ihnen schwarz malen, sondern eher wie Engel, jedenfalls aber menschlich.

 

b)Utopisch.- Doch, was auf Erden utopisch ist, ist das Wesen des Himmelreichs. Das Evangelium sagt, dass statt Strafgericht und Rachefeldzug ein Hilfsprogramm des Himmels kommt. Dieses Hilfsprogramm besteht darin, dass Gott, wie es in einem Weihnachtslied heißt, „das Himmelreich“ aufschließt, „und schenkt uns seinen Sohn.“ Der Gottessohn, Jesus Christus, sagte: „Ich bin das Licht der Welt“. Nun kommt es darauf an, ´Augen für Ihn` zu haben. Das wäre der ´einfache, klare, lautere, einfältige` Blick: dass man sich selber und die ganze Welt im Licht des Hilfsprogramms Gottes sieht. Dass man die Augen zu Jesus erhebt. Wie es in einem anderen Weihnachtslied heißt: „Ich sehe Dich mit Freuden an.“ Ja, neben dem entsetzten Blick auf das  höllisch inszenierte Fernsehschauspiel in New York behalte ich Dich im Auge, Jesus, das Licht der Welt, das große Hilfsprogramm Gottes.

                                                

 

                                                                        C.

Amis schreibt vom 11. September: „Wir sahen den vielleicht trostlosesten Anblick dieses trostlosen Tages. Sie strampelten und traten um sich, als sie herab fielen. Als ließe sich der Sturz in den Abgrund noch hindern.“ Wir aber fassen auch die Hand Gottes ins Auge, die uns selbst im tödlichen Sturz und im Zerschellen noch auffängt.

Wer ´Augen dafür` hat, dessen ´ganzer Leib`,- die ganze Person „wird licht“. Sie weiß von „Schätzen im Himmel“, die unverlierbar sind. Ihr „Herz“ ist bei Gott. Daher kann sie auch mit verblüffenden Reaktionen aufwarten-, wie Gott. Mit Feindesliebe, statt Kreuzzug. So etwas ´sät` der Geist Gottes in die Seele der Getauften. Und manchmal ist „Frucht des Geistes“ zu ernten.

 

Amen!

 

Pfarrer Wolfhart Schlichting

 

 



Matthäus 6,19-24; Predigt:

 

„ Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein? Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. “

 

Welche Schätze sammeln wir? Worauf legen wir das Hauptgewicht unseres Lebens? Worauf ist Verlass? Man kann das ganze Leben vertun, verkosten und vernaschen. Man kann aber auch konzentriert in unvergängliche Anlagen investieren, von denen wir, wenn es nötig ist, zehren dürfen.

Gott schenkt uns beides: Sinn für dieses Leben und für das Leben nach dem Tode; beides: Sinn für die schönen und schlechten Zeiten des Lebens; beides: Sinn für die Jugendzeit und für das Alter.

In diesem Predigttext geht es um den Kern des Evangeliums: um den Schatz Jesus Christus! Er allein verkörpert die Größe Gottes. Er allein ermöglicht und öffnet uns Wertbeständiges, Reichtümer, Lebensweisheiten und Lebensinhalte. Und Gott ist kein schofler, karger und engstirniger Gott, sondern ein sehr reicher, freizügiger und vom Leben übersprühender Gott. Ihm ist nichts lieber, als dass wir Menschen aus seiner Fülle schöpfen und nehmen, sodass davon unser Leben überquillt.

Damit greifen wir Christen ins Volle. Wir lassen keine Gelegenheit verstreichen, um von diesen Werten zu leben. Wir kennen eine gewisse Sublimation, ein geläutertes Verständnis und Empfinden unserer Sammelwut, unserer ureigensten Sehnsüchte und Wünsche, unserer Gedanken und unseres Wollens, unserer Begehren und Begierden.

Das heißt nicht, dass wir all diesen Spannungen enthoben sind. Diese Spannungen werden zeit unseres Lebens bleiben. Aber wir verstricken uns darin nicht. Weil uns Gott einen solchen Reichtum von Lebensweisheiten gibt, dürfen wir diese Spannungen positiv bewältigen. Daraus erwächst ein geheiltes und geheiligtes Verhältnis zu all unseren Begehren. Und es entsteht ein gesunder Spannungsbogen, der nicht mehr abreißt oder zusammenbricht.

Niemals ist es egal, was wir mit unserem Leben anfangen. Jeder Mensch ist für sich selbst dafür verantwortlich, wie seine Beziehung zu Gott aussieht. Wir können da zwar nichts arrangieren, aber wir können die Angebote Gottes benützen. Wohl dem, der diese Gelegenheiten Gottes ergreift. Darauf liegt der große Segen Gottes. Gott schenkt uns nicht Gift ein, sondern das wahre, sinnvolle Leben.

Jeder Mensch braucht neben dem äußeren Halt auch den inneren Halt. Hat er diesen inneren Halt, dann hat er auch den äußeren Halt. Manche klammern sich da wahrhaftig nur an Strohhalme und wundern sich, wenn diese abreißen und somit nichts hergeben. Hier ist Jesus Christus eine Größe, der um unseres inneren Haltes wegen alles getan hat, damit jeder Mensch dazu finden und ihn erhalten kann. Gott will nicht auf uns verzichten. Er wendet alles daran, um uns seine ganze Gnade und Barmherzigkeit zukommen zu lassen. Diese stellen die höchsten Güter und Schätze dar, die wir schon in diesem Leben bekommen können. Er, unser Gott, will uns voll einschenken. Und das tut er auch, solange wir dafür offen sind. Das gibt uns dann den nötigen Halt und die nötige Zuversicht. Kennen wir diese Größe Gottes? Ist alles in unserem Leben auf diese Größe ausgerichtet? Besitzen wir diese existentiellen Grundlagen, Rücklagen und Festigkeiten? Stehen wir auf dem Fundament der Erlösung Jesu? Leben wir in dieser ständigen Rückkopplung zu Gott? Sind wir diese Seismographen, Aufzeichnungsgeräte, der sonst verborgenen Handlungen Gottes?

Bei unserem Sammeln der rechten Schätze sind in diesem Text drei Lebensbezüge genannt: 1) Unsere Blickrichtung muss stimmen. 2) Unsere rechte Einstellung zu allem Äußeren. 3) Unsere rechte Einstellung zu den inneren Werten des Lebens.

 

1) Unsere Blickrichtung muss stimmen! V 22f: Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein; und umgekehrt! Dass unser Auge eine besondere Rolle spielt, können wir am besten an einem Blinden erleben. Deshalb spielt in der Bibel die Blinden-Heilung eine ganz besondere Rolle. Und im Berufsleben ist dann ein vernichtendes Urteil genannt, wenn von einer Betriebsleitung behauptet wird, dass sie betriebsblind ist. Damit ist der Konkurs vorausprogrammiert.

Schon bei dem Sündenfall heißt es: Eva sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass es eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte.... Eva und Adam aßen von dem Baum. Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren. Sie versteckten sich vor Gott. Alle unsere begehrlichen Blicke stürzen uns in eine von Gott abgefallene Welt, daraus es ohne Vergebung kein Entrinnen mehr gibt.

Wie oft heißt es im Alten Testament, dass Israel mit den anderen Völkern, Göttern und Götzen geliebäugelt hat und dann wegen dieses Abfallest schwer büßen musste.

Ein Sprichwort sagt: Was wir ansehen, das gewinnt Macht über uns. Und in der Bergpredigt steht die Seligpreisung: Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. Beim Sündenfall des Adams und der Eva ging es darum: „Wie“ Gott zu sein! Und das ist falsch. Bei dieser Seligpreisung geht es darum: „In“ Gott zu sein! Und das darf unser ganzes Bestreben sein.

Wenn der Hebräerbrief sagt, 12,2: Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens. So stehen wir bildlich gesprochen unter dem Kreuz Jesu und blicken zu ihm auf; zu einem Jesus mit den gebrochenen Hirtenblicken. Er hat keine begehrlichen Blicke mehr, die noch irgend etwas von uns wollen. Sondern er will uns mit seinen Blicken alles geben, was wir zum Leben benötigen. Und seit der Auferstehung und Himmelfahrt hat er dazu alle Macht im Himmel und auf Erden.

Gott will uns einen geläuterten Blick schenken. Gott schauen und erleben ist dasselbe. Zu unseren Lebzeiten geht das nur über unseren Glauben an Jesus Christus. Aber da ist Gott erlebbar und erfahrbar. Und es bleibt nicht aus, dass dadurch unser Leben geläutert, gereinigt und geheiligt wird.

Es gibt Heilpraktiker, die können aus den Augen eines Menschen alle seine Krankheiten ablesen. Es ist demnach das Einfallstor für unser gesamtes Leben. Wenn uns Gott da seine Heilung schenkt, dann hat das für unser gesamtes Leben eine Auswirkung. Weil unser Auge auch gleichzeitig das Ausfallstor unseres Lebens ist, sehen wir alles mit ganz anderen Augen an, wenn wir sie von ihm anlangen und heilen lassen. Dann stimmt unsere Blickrichtung. Dann verliert sich alles Begehrliche und wir bekommen ebenfalls barmherzige Augen, die dem Nächsten nur helfen wollen. Dann sehen wir darauf, was dem anderen nützt und nicht schadet. Dann haben wir keinen Balken mehr in unseren Augen, keine Binde mehr vor unseren Augen und kein Brett mehr vor unserem Kopf. Dann kennen wir keine Trübungen und verlieren alle Kurzsichtigkeit. Solche von Gott geöffnete Augen schenken uns die rechte Blickrichtung.

 

2) Unsere rechte Einstellung zu allem Äußeren! V 19+24: Sammelt euch nicht die Schätze auf Erden, die uns die Motten, der Rost oder die Diebe rauben könnten. Dient nicht dem Mammon! Wir kennen und akzeptieren alle die Aussage: Geld regiert die Welt! In diesem kurzen Satz steckt die ganze Wirtschaftsphilosophie, die nicht nur in unserem Materialismus enthalten ist. Je mehr einer hat, um so mehr will er. Wer am Schalthebel des Geldes sitzt, der ist ganz besonderen Gefahren ausgesetzt. Ich habe mich schon manchmal gefragt, warum wohl gerade Judas der Buchhalter Jesu war? Ich will da nicht zu viel hineinlegen, denn wir alle werden ständig dazu angetrieben, verlockt und verleitet, zu laufen und zu kaufen, zu hetzen und zu eilen, zu haschen und zu naschen. Dazu haben wir einen elementaren Trieb, uns abzusichern, irgend etwas zu sammeln und in unsere eigene Tasche zu arbeiten. Nun ist eine kluge Vorsorge nötig und richtig, aber wir übertreiben oft gerne und kennen, wenn wir einmal richtig drinnen sind, keinen Bahnhof mehr und sind nicht mehr zu bremsen. Da kann die Not des anderen noch so groß sein. Wir gehen über Leichen und merken es manchmal gar nicht.

Nun ist an und für sich die Schöpfung Gottes nicht schlecht. Aber sie ist eben eine von Gott abgefallene Schöpfung. Da ist sie nicht mehr zurückzuholen und ihr Untergang ist nicht mehr aufzuhalten; auch dann nicht, wenn die Bewahrung der Schöpfung eine unserer wichtigsten Aufgaben ist.

Weil der Mensch die Krone der Schöpfung ist, hat er innerhalb der Schöpfung eine Sonderstellung. Er ist der einzige, der sich das wahre, ewige Leben bewahren kann, wenn er den Schöpfer anerkennt. Und der direkteste Weg dazu geht über Jesus Christus. Es ist Unfug, dies im Weltlichen oder im Kreatürlichen zu suchen, oder in irgend einer Ideologie oder Religion. Auch das ist Unfug, als Christ irgend eine Art von Weltherrschaft anzustreben, wie es in manchen hoch stehenden Riegen verfolgt wird.

Wir Menschen erwarten ja sehr oft viele Wunder, gerade auch wir als Christen. Aber manchmal denke ich mir, dass auch das eine falsche Art von Schätze sammeln ist. Ich möchte damit niemals abstreiten, dass Gott Wunder tun kann. Aber ich denke mir, dass Gott viel lieber auf der Schöpfungsbasis mit uns handelt, als dass er diese gewaltig durchbricht.

Normalerweise legt er mir nicht einen 100 Markschein in den Briefkasten. Sondern er gibt mir die Kraft und das Wissen und die Möglichkeit, mir dies zu verdienen. Normalerweise sollen wir mit unseren Leibeskräften in rechter Weise haushalten, sie schonen und trainieren; und weniger damit rechnen, dass Gott schon wieder alles gut machen wird, was ich vermasselt oder wo ich über meine Kräfte gelebt habe. Und das können wir auf alle unsere Lebensgebiete übertragen. Unser Vertrauen in die Versorgung Gottes geschieht weniger auf der Wunderbasis, sondern mehr auf der Schöpfungsbasis.

Natürlich weiß ich auch, und das ist ganz wichtig, dass daran nicht unser Seelenheil liegt. Denn da hört alle unsere Leistung auf. Hier gilt nicht der Lohn für unser Tun. Aber gerade als Christen haben wir die rechte Einstellung zu allem Äußeren; eine lebensbejahende Einstellung, mit der wir positiv im Alltag stehen. Und da dürfen wir etwas Freudiges, Helles und Erfreuliches ausstrahlen.

 

3) Unsere rechte Einstellung zu den inneren Werten des Lebens. V 20f+24: Die wahren Schätze sammeln wir im Himmel. Da ist auch unser Herz und hier dienen wir allein dem wahren Gott. Wer die Christen als dumme Leute bezeichnet, als Hinterwäldler oder sonst etwas, der hat noch nicht kapiert, was es mit Jesus Christus auf sich hat. Denn genau das Gegenteil ist der Fall. Nur liegen unsere Schätze als Christen auf einer ganz anderen Lebensbasis. Wir wissen um Lebensbezüge, die über dem Normalen stehen. Wir kennen ganz andere Dimensionen zur Beurteilung dessen, was die Werte, Erfüllungen, Freuden, Seligkeiten und das Liebenswerte betrifft; eben die inneren Werte unseres Lebens.

Bei der Versuchungsgeschichte Jesu tritt klar zutage, und so sagt es auch der Vers 24, dass es letztlich um zwei total verschiedene Herren, Mächte und Einflussbereiche geht: um den Satan oder um Gott, um das Böse oder das Gute, um den Mammon oder um den Allmächtigen, um die Finsternis oder um das Licht.

Die Legende des Christopherus verdeutlicht uns, dass wir oft Gott an der total falschen Stelle suchen und wir so einen langen Weg zurücklegen, bis wir den wahren Weg finden. Der Trost ist aber ganz gewiss darin gegeben, dass jeder, der sich auf den Weg dazu aufmacht, auch das Ziel findet.

Gott lässt sich von uns finden, denn er hat sich schon längst zu uns aufgemacht. Er steht schon längst an unserer Lebenstüre, bevor wir an ihn denken. Und er klopft an, ganz vorsichtig und nie brutal. Er rennt nicht unsere Lebenstüre ein, sondern er wartet darauf, bis wir ihm öffnen. Aber er macht sich bemerkbar. Jeder, der Gott gefunden hat, kann bezeugen, dass er zuerst dieses Anklopfen Gottes gehört hat. Nur durch die Liebe Gottes zu uns, erwacht so langsam auch unsere Liebe zu ihm.

Auch dieses Schätze sammeln hat Ideale und Ziele, die wir uns so langsam erobern und aneignen dürfen, ohne uns darauf etwas einzubilden. Da gibt es viele Stellen der Heiligen Schrift, die das verdeutlichen. Vers 33: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Heb 12,1: Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist. 12f: Stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und macht sichere Schritte mit euren Füssen. Phil 3,13f: Ich strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Christus zeigt und führt uns einen individuellen und köstlichen Weg, den wir uns erwählen und auf dem wir den reichen Segen Gottes als einen gewaltigen Lebensstrom erleben dürfen. Außer unserem Gott kann uns das keine andere Macht vermitteln.

Die anderen Mächte gaukeln uns da zwar vieles vor; aber sie halten nicht das, was sie versprechen. Sie verheimlichen uns manche Wahrheiten, die uns bei ihrem Offenbarwerden vernichten. Gott dagegen zeigt uns gleich am Anfang die ganze Wahrheit, auch wenn wir sie momentan nicht kapieren. Wenn sie sich dann bewahrheiten, wirken sie zwar auch oft wie ein Schock. Aber es ist letztlich ein heilsamer Schock, bei dem uns die Augen für eine tiefere Wahrheit geöffnet werden. Es ist dann immer eine Öffnung nach vorne vorhanden. Es tun sich uns neue Räume des Schatzhauses Gottes auf, die wir uns erschließen dürfen. Und erst unser Tod ist die letzte Türe, die wir durchgehen dürfen, um dann endgültig und in vollkommener Weise bei Gott sein zu können. Zu diesen inneren Werten haben wir die rechte Einstellung.

 

Nun: Welche Schätze sammeln wir? Worauf legen wir das Hauptgewicht unseres Lebens? Worauf verlassen wir uns? Ich denke, dass dies neben einer grundsätzlichen Entscheidung auch eine tägliche Entscheidung darstellt, derer wir nicht enthoben sind und die sich uns ständig stellt. Diese Entscheidungen nimmt uns keiner ab. Allein in der Jesus-Nachfolge bekommen wir dafür den rechten Blick, die rechte Blickrichtung und die rechte Einstellung zu den äußeren und inneren Werten unseres Lebens. Sammeln sollen wir nur das, das es auch wert ist.

 

 

Bruder Georg

 


 

Jesaja 58,6-12; PREDIGT:

 

 „ Gott spricht: Das ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen, und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt. Und es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat, und du wirst wieder aufrichten, was vorzeiten gegründet ward; und du sollst heißen: »Der die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen könne«. “

 

||: Wir werden reicher, wenn wir teilen! :|| Wir werden seliger, wenn wir uns denen öffnen, die uns Gott zeigt und zur Seite stellt. Wir werden glücklicher, wenn wir Freude und Glück weiter schenken. Wir erleben totale Erfüllung, wenn wir im ganzen Einsatz stehen.

Der Grund dafür liegt nicht in uns, sondern in Gott. Gott preist uns deswegen selig; d.h. er schenkt uns diese Glückseligkeit, denn gerade damit lassen wir ihn in unser Leben herein, damit erleben und spüren wir ihn selbst. Auf dieser Basis des recht verstandenen Fastens erleben wir eine Lebensverquickung mit Gott, die uns total erquickt, erfüllt und reich segnet. Dann verwirklicht sich Gott millionenfach in uns Menschen. Ihm ist es ein kleines, zu jedem Menschen zu kommen. Es müssen unsererseits nur die Voraussetzungen gegeben sein.

Rechtes Fasten könnte man überblickend mit folgender Aussage eines unbekannten Verfassers ausdrücken: Ich suchte mich und fand mich nicht. Ich suchte Gott und er entzog sich mir. Ich suchte meinen Bruder und fand sie alle drei! Dieser Jesajatext könnte auch im Neuen Testament stehen. Denn gerade in Bezug auf das rechte Fasten gibt uns das Leben und die Hingabe Jesu ein rechtes Vorbild. Er gab sich ganz für uns Menschen hin, deshalb hat ihn Gott erhöht und den Namen gegeben, der über alle Namen steht. Sogar Gott wurde reicher, als er Jesus Christus zu uns Menschen sandte. Denn dadurch hat sich Jesus / Gott eine Braut berufen. So bezeichnet Jesus selbst die ganze Neuschöpfung als seine Braut.

Diesem Vorbild dürfen wir nacheifern. Darin steckt eine große Weisheit des Lebens. Wer das begriffen hat, der ist zum ganzen Einsatz seines Lebens bereit. Der sieht weniger darauf, wie er viel Geld, Ehre und Macht scheffeln kann. Sondern weil er von Gott alles bekommt, kann er im selbstlosen Dienst und Einsatz stehen und kommt dennoch nie zu kurz. Er kennt keine Kargheit und keinen Neid, auch keine Angst und kein Verzagen. Dann weiß er auch, was momentan dran und nötig ist. Und er erfährt den Beistand, den Schutz und das Geleit Gottes. Was will er mehr? Er hat damit alles, was er zum Leben und Dienst benötigt, und das sogar im Überfluss. Es ist für ihn so viel vorhanden, sodass er nie an ein Ende kommt oder irgendetwas zur Neige geht. Es ist immer die ganze Fülle Gottes vorhanden und gegeben.

Wir werden reicher, wenn wir teilen. Unser Predigttext gibt uns drei klare Teile: 1) Wir verbannen alles üble Verhalten. 2) Wir pflegen das rechte Verhalten. 3) Speziell für unser Leben erleben wir den Anbruch des Goldenen Zeitalters.

 

1) Wir verbannen alles üble Verhalten, denn das haben wir nicht mehr nötig. Normalerweise kennen wir das üble Verhalten zu genau. Es steckt uns gewaltig im Blut, über andere bestimmen zu wollen, sie zu beherrschen, sie uns untertan zu machen. Sie sollen von uns abhängig sein. Und wenn sie dazu nicht bereit sind, dann zeigen wir mit Finger auf sie. Dann verbreiten wir falsche Gerüchte. Dann sind wir auf sie wie Gift und Galle. Genauso ist es übel, wenn wir auf andere neidisch sind oder wir ihnen irgendetwas nicht gönnen.

Deshalb heißt es: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Es ist eine unserer Aufgaben, dass wir darauf aufpassen, nicht über andere herrschen, sie bestimmen zu wollen. Überlassen wir jedem den Freiraum, den er zur Entfaltung seines Lebens und seiner Gaben benötigt. Wir brauchen nicht die Angst zu haben, dass deshalb unser Zusammenleben nicht klappen könnte.

Bei Gott ist es weniger wichtig, wer an der Spitze, wer vorne dran steht. Das ist mehr eine menschliche Gesetzgebung. Geistlich gesehen ist jeder gleich wichtig, egal wo und wie er eingesetzt ist. Jeder ist zur ganzen Hingabe und zum ganzen Einsatz berechtigt.

Es gibt eben für uns Christen in Bezug auf unser Zusammenleben klare Verhaltensweisen. Gerade die Gebote Gottes zeigen uns, was wir tun und was wir lieber lassen sollen. Das sind keine Verbote in dem Sinne, dass uns Gott nicht etwas gönnen oder vorenthalten wollte. Sondern es sind Lebensweisen, die uns gerade für unser persönliches Leben und für unser Zusammenleben entscheidend helfen. Auch wenn es manchmal Warnungen sind, verhelfen sie uns gerade zur positiven Lebensweise, zum positiven Lebenseinsatz. Wer das beachtet, bekommt geistlich gesehen ein starkes Rückgrat, einen festen Standpunkt, ein klares und reines Herz. Dann gibt es immer einen offenen Weg nach vorne. Dann kennen wir klare Anweisungen für unser Verhalten, die Antworten auf unsere Fragen, die göttlichen Alternativen zu den allzu menschlichen Irrtümern dieser Welt. Letztlich sind wir damit offen für die von Gott gewollten Einsätze, die zurzeit dran und wichtig sind. Wer sich nicht von dem Machtstreben der Menschen leiten lässt, sondern nach den Vorgaben Gottes lebt, der ist glücklich zu preisen. Somit verbannen wir alles üble Verhalten.

 

2) Wir pflegen das rechte Verhalten. Dazu befähigt uns Gott. Wir begegnen unseren Nächsten mit rechter Ehrerbietung und wo es möglich ist, mit rechter Nächstenhilfe.  Vers 7: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Es gibt natürlich die Aufgabe, dass wir unsere Gaben entwickeln und einsetzen dürfen und sollen. Aber mindestens genauso wichtig ist, dass wir denen helfen, die auf Hilfe angewiesen sind. Da brauchen wir nicht die Angst zu haben, dass dies der Entwicklung unserer Gaben schaden könnte. Im Gegenteil ist dies gerade für unsere Gaben förderlich. Denn alles, was wir für unsere Nächsten einsetzen und geben, das erkennt Gott als einen Dienst an ihm und für ihn selbst an. Und Gott ist ja der Geber unserer Gaben. So kommen diese Dienste unseren Gaben zugute. Und weil Gott ja voraus sieht, reicht er uns die nötigen Gaben zu, bevor wir sie benötigen, immer zum rechten Zeitpunkt. Matthäus 6,8: Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet!

Wir sind auch dazu geschaffen und gezeugt, dass wir uns gegenseitig fördern und füreinander da sind. Das gilt nicht nur für die Allernächsten. Sondern weil wir durch die Medien mit der ganzen Welt verbunden sind, gilt das auch für die weltweiten Aufgaben, für die Hungernden auf dieser Erde, für die von den Katastrophen und Nöten Betroffenen. Gerade auch in unserer allernächsten Umgebung gibt es viel Elend und Not. Man kann zwar nicht überall helfen. Aber das ist keine Ausrede dafür, dass wir dann gar nichts tun. Wer hier ein offenes Herz hat, der weiß sehr wohl, wo und wie er gefordert ist, seinen Zehnten zu geben. Wer dazu kein Geld hat, der kann mit Nächstenhilfe, mit Besuchen und Fürsprache ebenso viel leisten und sich einbringen. Da dürfen wir unsere Phantasie walten lassen und einsetzen. Hierfür sind keine Grenzen gesetzt. So können wir Christen ganz im Einsatz stehen. Wir sind frei für Gott und die Menschen. Weil wir Gott ernst nehmen, deswegen nehmen wir auch unseren Nächsten ernst und alle damit zusammen hängende Aufgaben und Dienstleistungen. Es ist ein Geschenk Gottes, dass wir allezeit fröhliche und hilfsbereite Menschen sein können. So pflegen wir das rechte Verhalten.

 

3) Speziell für unser Leben erleben wir den Anbruch des Goldenen Zeitalters, den Anbruch des Paradieses. Damit nehmen wir unseren Mund nicht zu voll. Denn Gott lässt sich nicht lumpen. Alles, was wir ihm zuliebe einsetzen, das wirkt sich immer vorteilhaft für uns aus. Damit kommen wir in Gott zur Ruhe. Damit geschieht echte persönliche Aufbauarbeit. Damit entfaltet sich unser persönliches Leben. Damit kommen unsere Gaben zur Geltung. Da ist eben Gott in uns und durch uns am Werke. Und Gott ist immer der reiche, liebende und uns ganz erfüllende Partner.

So kann man sagen: Wer Gott als Partner hat, der ist immer gut drauf und bestens für alles gerüstet. Reichlichst können wir aus dem Reichtum Gottes schöpfen. Da geht es nie karg und kleinkariert zu. Die Schätze des Evangeliums öffnen sich uns.

Wer sich nur selbst pflegt, nur auf seinen eigenen Vorteil aus ist, dessen Leben verarmt gewaltig, obwohl er äußerlich reich ist und alles zum Leben besitzt. Das Lottospiel hat deswegen einen so großen Zulauf, weil da vom Glück geträumt wird und man sich der Spekulation des Geldsegens hingibt. Natürlich gibt es viele Aufgabe zu erfüllen, damit wir das Nötige zum Leben haben. Aber unser inneres Glück, unsere innere Lebensfreude kann uns nur Gott schenken und vermitteln. Er reicht uns das Vollmaß des Lebens zu. Sein Reichtum, seine Fülle, sein Licht, seine Art der Gerechtigkeit gibt uns alles, was wir zum Leben und zum Dienen benötigen, und das im Überfluss. Lassen wir uns diese Sätze, die hier stehen, auf der Zunge zergehen: Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen, und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt. Und es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat, und du wirst wieder aufrichten, was vorzeiten gegründet ward; und du sollst heißen: »Der die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen könne«. “

Diese Verse überschlagen sich regelrecht in ihrer Aussagekraft. Auch wenn es Nöte und Schwierigkeiten gibt, dann sind diese nur die Laufgeräusche des Glücks. Dann ist es wieder nötig, dass uns der Heilige Geist Öl für das Getriebe des Glücks vermittelt. Gott schenkt es uns, dass wir bei allem Erlebten dahinter sehen, dass die schrecklichen Fassaden und Masken fallen, dass wir zwischen den Zeilen lesen können. So dürfen wir das wahre Gesicht Gottes, die wahre Gestalt Gottes erkennen, der es gut mit uns meint und uns sein ganzes Glück zukommen lässt.

So fahren wir damit nicht schlecht, wenn wir darauf bedacht sind, was dem anderen dient, wenn wir uns für andere verantwortlich wissen. Denn dadurch werden unsere seelischen Wunden geheilt, alle Trümmer und Ruinen beseitigt, die Dunkelheit flieht und neuer Lebensmut entsteht. Alles Beten und Fasten bekommt den rechten Sinn und Inhalt. Und es öffnen sich uns neue Wege, auf denen uns die Herrlichkeit Gottes erscheint. Nicht umsonst sagt man, dass die Dankbaren aus der Fülle Gottes schöpfen. So ist der Weg in die Herrlichkeit Gottes gar nicht so schwer. Es ist letztlich nur das tägliche Allernächste nötig, dann stehen wir mitten darin und wir erleben den Anbruch des Goldenen Zeitalters.

 

Wir werden reicher, wenn wir teilen. Gerade diese Botschaft haben wir Christen, weil wir nach dem Evangelium leben und die Worte Gottes ernst nehmen. Es gibt ein Fasten, an dem Gott ein Gefallen hat. Auch wenn es uns manches abverlangt, so gewinnen wir dadurch dennoch unsere übergroße Seligkeit, die wir nie mehr vermissen wollen.

 


Bruder Georg

 




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