Gedanken zum Sonntag Judika

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Predigt für Judica

                        über Joh 11, 47-53,

                                                  gehalten am 1.4.2001

                                                                                 in Augsburg, St. Jakob

 

 

Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was tun wir? Dieser Mensch tut viele Zeichen. Lassen wir ihn so, dann werden sie alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute. Einer aber von ihnen, Kaiphas, der in dem Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wisst nichts; ihr bedenkt auch nicht: Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk verderbe. Das sagte er aber nicht von sich aus, sondern weil er in dem Jahr Hoherpriester war, weissagte er. Denn Jesus sollte sterben für das Volk, und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die verstreuten Kinder Gottes zusammenzubringen. Von dem Tage an war es für sie beschlossen, dass sie ihn töteten.

 

                                                                           A.

„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet“ (7).

Mit diesem Satz beginnt Franz Kafkas berühmter, unvollendet gebliebener Roman „Der Prozess“ (Fischer-tb, Gesammelte Werke, Bd. 2, 1976).

Jemand wird vor Gericht gestellt und weiß nicht, warum. Er beteuert seine Unschuld. Aber das Hohe Gericht lässt sich davon nicht beeindrucken. Der Roman-Leser wird Zeuge eines absurden Prozesses.

 

                                                                          B.

Auch der Evangelist Johannes lässt uns an einer Gerichtsverhandlung teilnehmen, bzw., an einer vorbereitenden Besprechung des Gerichts, noch ohne den Angeklagten, bei der die Weichen für den zu eröffnenden Prozess  gestellt werden.

„Die Hohenpriester und die Pharisäer“, heißt es, haben „den Hohen Rat zusammengerufen“. Der Antrag, eine außerordentliche Sitzung abzuhalten, kam also von dieser Seite.

Wir erleben mit, wie ein „politischer“ Prozess eingeleitet wird.

Dabei geht es nicht darum, jemand zu seinem Recht zu verhelfen. Hier werden vielmehr politische Ziele verfolgt. Es geht darum, jemand, den man für politische gefährlich hält, der den Zwecken, die man selbst verfolgt, im Wege steht, zu beseitigen. Die Justiz wird für politische Zwecke instrumentalisiert.

Auch wir haben „Volksgerichtshöfe“ kennengelernt und von „Klassenjustiz“ gehört. Da kommt es dann schon vor, dass jemand „verleumdet“ und „ohne dass er etwas Böses getan hätte“, „eines Morgens verhaftet“ wird.-

Aber soweit ist es noch nicht.

Johannes lässt uns Einblick nehmen in eine vorbereitende Beratung des Gerichtshofes.

Zusätzlich treffen wir diesen einigermaßen ratlos an. Dann greift ein Hardliner mit einem menschenverachtenden Vorschlag ein. Schließlich deckt der Evangelist die tiefere Bedeutung dieses Vorgangs auf.

 

                                                                                  I.

Kafkas zweites Kapitel heißt „Erste Untersuchung“.

 

a) K. ergreift das Wort. Bestimmte Formfehler bei der Eröffnung des Prozesses erscheinen ihm als „bezeichnend für die ganze Art des Verfahrens“, das er nur „aus Mitleid gewissermaßen“ „für den Augenblick“ anerkennen will. „Man kann sich nicht anders als mitleidig dazu stellen“, sagt er, „wenn man es überhaupt beachten will. Ich sage nicht, dass es ein liederliches Verafhren ist, aber ich möchte Ihnen diese Bezeichnung zur Selbsterkenntnis angeboten haben“. (39)

„Liederlich“?- Jedenfalls ratlos. Man könnte unter Umständen Mitleid empfinden.- Die Frage steht im Raum: „Was sollen wir tun?“ Und niemand weiß Rat. Achselzucken.

 

b)„Dieser Mensch“, sagen sie abschätzig über den Verleumdeten, der nichts Böses getan hat,- „dieser Mensch tut viele Zeichen“. Das heißt: Was er „tut“, unterstreicht und bestätigt das, was er sagt. Er spricht vom Reich Gottes. Gott habe ihn gesandt, sagt er, um Seine Herrschaft in die Wege zu leiten. In dem, was er tut, ´zeigt`sich das: „Zeichen“. ´Es sieht ganz danach aus.`- Er sagt, man muss sich darauf einstellen,- also, umstellen: Buße tun. Wir sollen uns demnach ändern.

Wenn wir ihn so weitermachen lassen, werden bald alle an ihn glauben.

„Zeichen“-, „glauben“-: Warum wollt ihr nicht sehen, was die Zeichen zeigen? Warum glaubt ihr nicht?

 

c)An dieser Stelle zeigt es sich, worauf die Herren dieses Gerichtshofs wirklich bedacht sind. Was sie tatsächlich erfüllt, ist nicht Gottesfurcht. Es sind vielmehr vordergründige, naheliegende Befürchtungen. Sie haben das politische Kräfteverhältnis im Blick. Reale Befürchtungen richten sich auf „die Römer“. Die Römer könnten „kommen“. Sie könnten eine Erregung und Unruhe im jüdischen Volk zum Anlass nehmen, einzuschreiten.

„Reich Gottes“,- „Glauben“,- das sind ´theologische` Begriffe: ´hohe Theologie`. Hier aber geht es um „Land und Leute“,- um die realen Machtverhältnisse.

Wenn wir Jesus so weitermachen lassen, steht unser Einfluss auf dem Spiel: Wir verlieren Boden, wir verlieren Anhänger. Die politischen Folgen sind fatal.- Aber ´was können wir machen`?

Nur mit „Mitleid gewissermaßen“ kann man diese Verhandlung beobachten. Die ganze Religion scheint hier auf die Sorge um den eigenen Machterhalt zusammenzuschrumpfen.

Und wie dieser sicherzustellen ist, weiß man auch nicht.- „Was sollen wir tun?“

 

                                                                           II.

Da ergreift ein Hardliner in diesem Kreis das Wort. Es ist der in diesem Jahr amtierende Hohepriester Kaiphas. Seine Grabanlage wurde vor ein paar Jahren ausgegraben und ist im Museum in Jerusalem zu sehen. Dieser Kaiphas also war unzufrieden mit dem bemitleidenswerten Bild der Ratlosigkeit, das dieses Gremium abgab. Ziemlich schroff greift er in die Debatte ein. Die Kritik an seinen Kollegen war überdeutlich.

 

a) „Ihr wisst nichts“,´ ihr versteht nichts`, sagte er mit schneidender Schärfe.Dann brachte er das, was alle im Grunde wollten und meinten, auf den Punkt. Es geht um das, was uns „nützt“, sagte er. Da muss man ´ohne ideologische Scheuklappen` klar utilitaristisch denken. Und wenn man so abwägt, kommt man zu dem Ergebnis: Es ist besser, wenn ein Mensch über die Klinge springt, als wenn das ganze Volk Schaden nimmt.

Wir können den Angezeigten nicht, weil er nichts Böses begangen hat, einfach weitermachen lassen. Er steht unseren politischen Zielen im Weg. Wir müssen ihn beseitigen.

 

b) Wenn auch persönlich unschuldig-, man muss ihn dem höheren politischen Zweck ´opfern`.-Dem politischen Kalkül werden laufend Menschen ´geopfert`. In diesem Fall heißt das im Klartext: Man wird ihn „töten“. „Wenn der eine stirbt“, „nützt“ das dem, was wir ´politisch wollen`.

Das überzeugte den Hohen Rat. „Von diesem Tag an waren sie entschlossen, Jesus zu töten“.-

Da kann Josef K. sooft er will, beteuern: „Ich bin aber nicht schuldig“, „es ist ein Irrtum“ (180). Der Gefängnisgeistliche antwortet ihm: „Das ist richtig“; „aber so pflegen die Schuldigen zu reden.“ Und als K. Ihm vorhielt: „Du weißt vielleicht nicht, was für einem Gericht du dienst“, bekam er „keine Antwort“ (181).-

Mit dem Votum des Kaiphas endet die Übertragung aus dem Gerichtssaal.

 

                                                                             III.

Nun ergreift der Evangelist das Wort zu einem Kommentar.

 

a) Er sagt: Dieses ausschlaggebende Votum des amtierenden Hohenpriesters hatte einen hintergründigen Sinn. Diesem politischen Hardliner war selber nicht bewusst, was er damit im Grunde aussprach. Was er im Sinn hatte,- und womit er sich durchsetzte-, war ein sich über alles Recht hinwegsetzendes, menschenverachtendes Urteil: Wir ´opfern` “diesen Menschen“, der „viele Zeichen tut“, und an den die Menschen „glauben“, unserem Machterhalt. Angesichts der Gefahr eines Einschreitens von römischer Seite scheint dies für uns „nützlich“ zu sein.

Um die Macht über das Volk nicht zu verlieren, ´opfern` wir „einen Menschen für das Volk“, -Soweit Kaiphas.

 

b) Und wenn man nun das hinzunimmt, was Jesus über das Reich Gottes sagt,  und was sich in seinem Tun ´zeigt`,- so dass es manchmal ´ganz danach aussieht`,  dass diese ´theologischen` Dinge in der Wirklichkeit durchschlagen und sich real auswirken, dann wird man hellhörig für eine hintergründige Bedeutung dieser Worte.

Was der Hohepriester hier sagt, ist zwar menschenverachtend und gottlos gemeint und ihm gehörte vor einem übergeordneten Menschenrechts-Gerichtshof  der Prozess gemacht. Aber Menschen sind ja auch Werkzeuge Gottes. Und Kaiphas bekleidet ein geistliches Amt Er sagt hier zwar seine persönliche Meinung. Aber er spricht zugleich als Amtsträger. Und durch den Mund des Hohenpriesters spricht Gott. Dabei gewinnen seine Worte einen tiefen, hintergründigen Sinn, der ihm jedoch nicht bewusst wird.

Die böse Absicht kam zwar aus dem Herzen des Kaiphas; aber die hintergründige Formulierung hat Gott ihm eingegeben. Sie ist wie ein Prophetenwort. Ein Prophet erhebt keine Urherrechte.  Er gibt von vornherein an, woher er das ´hat`, was er ausspricht: „So spricht der Herr“, leitet ein Prophet seine Worte ein. Der politisch am irdischen Machterhalt orientierte Kaiphas in seiner gottlosen Menschenverachtung  verschweigt das zwar und verdrängt es aus seinem Bewusstsein. Aber wenn einem, rückblickend, diese Worte in Erinnerung kommen, geht einem ihre prophetische  Tiefe auf.

 

c)Wie hatte Kaiphas gesagt? „Es nützt euch, wenn ein Mensch für das Volk stirbt, und nicht das ganze Volk zugrundegeht.“

Das stimmt auffallend zusammen mit dem Wort Jesu beim Abendmahl: “Das ist mein Blut, für euch und für die vielen vergossen zur Vergebung der Sünden.“

Was der Hohepriester nur vage andeutete: ´Besser, einer wird aus dem Weg geräumt, als das ganze  Volk nimmt Schaden`,- einer wird ´geopfert`, - und dann wird also einer verraten und „ohne dass er etwas Böses getan hätte“ , eines Nachts „verhaftet“,- das spricht Jesus viel genauer aus: Wenn „Blut vergossen“ wird „für die vielen zur Vergebung der Sünden“, dann ist das wie bei einem Opfergottesdienst im Tempel. Man muss Gott dazudenken, wenn dieser Vorgang einen Sinn haben soll. Was da geschieht, muss als ein „Zeichen“ des Reiches Gottes zu verstehen sein.-

 

                                                                          C.

Gespenstisch endet Kafkas Roman: „Am Vorabend seines einunddreißigsten Geburtstages- es war gegen neun Uhr abends, die Zeit der Stille auf den Straßen- kamen zwei Herren in K.´s Wohnung . In Gehröcken, bleich und fett, mit scheinbar unverrückbaren Zylinderhüten“. Sie führten K. ab. In einem kleinen Steinbruch, „verlassen und öde“ (190,193), stießen sie ihm ein Messer „tief ins Herz“. „Mit brechenden Augen“ sagte K. Noch: „Wie ein Hund!“ (194).-

Im Johannes-Evangelium dagegen stirbt Jesus als das Lamm Gottes. Und sein letztes Wort am Kreuz lautet: „Es ist vollbracht“.

Und was angesichts menschenverachtender Gottlosigkeit bis in die höchsten Ränge der Priesterschaft als völlig unwahrscheinlich erschien, wird dadurch verwirklicht: Das Reich Gottes fasst Fuß auf Erden. „Das Volk“,- und „nicht nur“ das Volk Gottes, sondern „alle über die Erde verstreuten Kinder Gottes“ werden von ihrer Sünde befreit. Einer ist für sie alle gestorben, um sie mit Gott und miteinander zu versöhnen.- Das hat Kaiphas, nichtsahnend, mit seinen anders gemeinten Worten vorausgesagt.

 

Amen!

 

Pfr. Wolfhart Schlichting

 

        


 

Johannes 11,47-53; Predigt:

 

„ Die Hohenpriester und die Pharisäer versammelten den Hohen Rat und sprachen: Was tun wir? Dieser Mensch tut viele Zeichen. Lassen wir ihn so, dann werden sie alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute. Einer aber von ihnen, Kaiphas, der in dem Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wisst nichts; ihr bedenkt auch nicht: Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk verderbe. Das sagte er aber nicht von sich aus, sondern weil er in dem Jahr Hoherpriester war, weissagte er. Denn Jesus sollte sterben für das Volk, und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die verstreuten Kinder Gottes zusammenzubringen. Von dem Tage an war es für sie beschlossen, dass sie ihn töteten. “

 

Es gibt ein Echtheitszeugnis für die Gemeinde Jesu Christi: Wenn sie ganz dem Evangelium lebt, treten immer auch Gegner auf. Diese Welt ist eben nicht Gottes Reich. Da können wir uns noch so sehr abgrenzen. Es gelingt uns nicht, die ungerechte Welt auszugrenzen. Und das gilt nicht nur in Bezug auf unsere Nächsten, sondern auch für uns ganz persönlich. Auch in uns sind diese Interessen der Welt vorhanden. Oft kämpfen in uns zwei Mächte. Und da gilt es aufzupassen, sich zu wappnen, sich immer wieder neu auszurichten und wesentliche Entscheidungen zu fällen.

Gott will, dass wir diesen Lebenskampf in rechter Weise durchstehen und bestehen. Er will, dass wir in rechter Weise in der Kampfbahn laufen. Er zeigt und gibt uns alles, was wir dazu benötigen. Er will nicht, dass wir – wie Paulus es einmal sagt – gegen die Luft schlagen; dass wir in falscher Weise leben und laufen. Er will nicht, dass wir Zuschauer sind oder uns treiben lassen. Noch weniger will er, dass wir aufgeben, versagen oder gar verzagen.

In kritischen Zeiten und Situationen gibt er uns die geistliche Waffenrüstung. Allezeit dürfen wir auf der Seite der Sieger stehen. Für die täglichen Belange des Lebens gibt er uns seine starke Zuversicht und eine klare, eindeutige Standhaftigkeit.

Gerade das ruft, - so traurig das ist -, die Gegner auf den Plan. Denn das ärgert die anderen. Da schlagen sie wie wild um sich. Da unternehmen sie alles, um hier dagegen zu steuern. Da sind auf einmal alle unrechten Weisen recht, mit denen sie argumentieren und hantieren. Und weil sie damit nichts ausrichten, werden sie noch wilder und brutaler und radikalerer.

So erging es damals Jesus und zu allen Zeiten ergeht es so der praktizierenden Gemeinde Jesu Christi. Manchmal geschieht das in noch humaner, verborgener Weise; manchmal aber auch in brutaler, offener Weise. Die Missionswissenschaftler nennen eine Zahl zwischen 100 000 und 300 000 Märtyrer, die jährlich um des Glaubens willen getötet werden.

Jesus verheimlicht uns nicht diese Tatsache. Er sagt: Wer sein Leben erhalten, finden will, der wird`s verlieren. Wer es aber um meinet oder um des Evangeliums Willen verliert, der wird das wahre Leben finden und zum ewigen Leben erhalten. Es gibt noch nicht die Freiräume, in denen wir nicht mehr angefochten oder versucht werden. Und immer wieder gibt es Menschen, die uns belästigen und Schaden zufügen wollen. Dennoch stehen wir niemals in einem Kampf gegen Menschen oder gegen irgend eine Sache. Sondern wir stehen im Kampf für das Evangelium, für die frohe Botschaft Jesu Christi. Das gibt uns dreierlei zu bedenken: 1) Diese Welt ist und bleibt die von Gott abgefallene Welt. Für sie ist das Recht, was ihnen nützt. 2) Verkündigung, Zeugnis hat immer mit Martyrium zu tun, mit Leiden. Da gilt es, etwas durchzustehen. 3) Dennoch bewirkt Gott das Neue und Beständige, das sogar die Gegner indirekt unterstützen müssen.

 

1) Diese Welt ist und bleibt die von Gott abgefallene Welt. Für sie ist das Recht, was ihnen nützt. Das gilt vor allem für die, die ein leitendes Amt inne haben, egal ob es da um den Staat oder die Kirche handelt. Beide stehen in derselben Gefahr. Im Paradies gab es das schönste Leben, von dem wir nur träumen können. Nur an zwei Stellen gab es Verbotenes. Und gerade das weckte das Interesse von Adam und Eva und brachte sie zu Fall. Auch heute verläuft in dieser Beziehung das Leben genauso. Unser Interesse wird immer wieder auf das Verbotene gelenkt. Und wer seinen Halt nicht in Gott hat, der verfolgt diese Interessen mit großer Schläue und Elan. Luther bezeichnet das in seinen Auslegungen zu den Geboten folgendermaßen: Da versucht man mit falscher Ware oder Handel das Geld oder Gut des Nächsten an sich zu bringen (7.Gebot). Da belügt, verrät, verleumdet man den anderen und verdirbt seinen Ruf, bis hin zum Rufmord (8.Gebot). Mit List versucht man nach dem Erbe oder Haus des anderen zu trachten und mit einem Schein des Rechts an sich zu bringen (9.Gebot). Jeder Tag gibt genügend Anlässe, bei denen wir Menschen in falscher Weise handeln können. Und es ist einfach ein ungeschriebenes Gesetz, dass dies in besonderer Weise die praktizierenden Christen zu spüren bekommen.. Denn sie sind die, die etwas Anderes leben und erleben. Und das ärgert die Menschen, die das nicht haben. Jesus tat damals so viel Gutes. Und als er sogar den verstorbenen Lazarus auferweckte, da war für seine Gegner, die Hüter des Gesetzes, das Maß voll. So beschlossen sie, Jesus zu töten.

Kommen wir ja nicht auf den Gedanken, dass sie da im Auftrage Gottes handelten. Das war eindeutig im Auftrag des Bösen, des Satans. Jesus, der ja immer alles wusste, hatte dies lediglich vorausgesehen. Schon beim Sündenfall heißt es als Voraussicht: Die Schlange wird ihn in die Ferse stechen; und doch wird dabei der Kopf der Schlange zertreten (1. Mose 3,15). Und die Aussagen der Offenbarung deuten darauf hin, dass das Neue nur dann kommt, wenn das Alte vergeht, untergeht.

Recht ist, was nützt! Da steht eben oft das Böse gegen das Gute. Da verträgt die Lüge nicht die Wahrheit. Da folgt man nur den Lehrern und Führern nach, die einem das Blaue vom Himmel versprechen, obwohl man weiß, dass nicht die Wahrheit dahinter steht.

Wenn sogar Jesus selbst diesem Treiben ausgeliefert war, so ergeht es auch uns nicht anders. Wo die Lüge Trumpf ist, da schweigt die Wahrheit. Wo sich Menschen einig werden, einen anderen unterzubügeln und eines auszuwischen, da halten sie zusammen. Denn diese Welt ist und bleibt die von Gott abgefallene Welt.

 

2) Verkündigung, Zeugnis hat immer mit Martyrium zu tun, mit Leiden. Da gilt es, etwas durchzustehen. In der Bergpredigt sagt Jesus sogar: Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich. Während beim Punkt 1) der Blick mehr auf die Gegner Gottes gelenkt war, stehen hier mehr wir Christen im Mittelpunkt. Praktizierende Christen kommen immer und immer wieder in Gott zur Ruhe. Damit, nur damit bekommen wir große innere Kräfte. Auch Jesus musste in Gethsemane erst einmal in Gott zur Ruhe kommen. Dann konnte er wie ein König die ganze Passionszeit durchstehen. In Jesaja 50 stehen hierfür markante Sätze: Alle Morgen weckt mir Gott das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. So bin ich nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber Gott, der Herr, hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum habe ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde!

Solches Leiden, Erleiden hat nichts mit Wehleidigkeit zu tun, sondern einzig und allein mit einer klaren, inneren Ausrichtung auf Gott und seine Aufträge, die er uns gibt. So müssen wir uns nicht mehr nach jeder Meinung der Menschen ausrichten. Wir müssen unsere Lebensfahne nicht nach dem momentan wehenden Wind richten. Auch die Stürme des Lebens werfen uns nicht mehr um. Sie wehen deshalb genauso fest. Aber wir sind so in Christus gefestigt, sodass wir festen Grund unter unseren Füßen haben. Wir dürfen und können den Weg gehen, den uns Christus vorzeichnet. Sogar der Unverstand unsrer Nächsten muss letztlich unterstützen, was Gott von uns will. Deshalb hat sie ja Gott verstockt. Auch wenn uns die Tatsache sehr schmerzt; aufhalten kann sie uns nicht.

Man sagt ja: Gottes Mühlen mahlen langsam, aber trefflich fein. D.h. es geht stetig und gewiss weiter, so wie es Gott zur Zeit für uns vorgesehen hat. Und dafür stehen wir ihm ganz zur Verfügung.

Christen stehen auf der Seite Gottes und dienen damit dem Guten. Wir kennen den Willen Gottes, der sich immer erfüllen und bestätigen wird. So genügt unser Glaubens- und Liebesgehorsam, mit dem wir unsere Tage durchgehen und bestehen. Wir brauchen nicht Gott unter die Arme zu greifen, damit sein Wille geschieht. Noch weniger müssen wir die Rechtsanwälte Gottes sein. Das dürfen wir getrost ihm selbst überlassen. Es genügt unser Zeugnis von dem, was er uns sagt. Was dann nicht möglich ist, da heißt es: Lass los; lass ledig, gib frei. Aber immer ist auch etwas möglich, mit dem wir genügend zu tun haben. Und da heißt es dann: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus. Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn. Und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut. (Jesaja 58). Damit ist unser Leben voll ausgefüllt, auch und gerade dann, wenn es dabei etwas durchzustehen gilt, und Martyrium, Leiden auf dem Tagesplan steht.

 

3) Gott bewirkt das Neue und Beständige, das sogar die Gegner indirekt unterstützen müssen. Bei Jesus bewahrheitet sich die Verheißung, die Johannes der Täufer ausgesprochen hatte: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. Unser Leben trägt andere Verheißungen. Und jeder Christ darf für sich persönlich wissen, was Gott ihm verheißt. Und das erfüllt sich. Trotz vieler Widerlichkeiten geht es zielstrebig weiter.

Wir wissen nur zu genau, dass ein Leben ohne Einsatz tot ist, und damit verwerflich und sinnlos. Genauso wissen wir, dass jeder Einsatz für das Eigene falsch und töricht ist und nicht zum gottgewollten Ziel führt. Nur unser Einsatz für die Ziele des Reiches Gottes ist sinnvoll, lebensfördernd und hilfreich für alle Beteiligte. Das ist auch der geheime Tipp dafür, dass unser Leben geschmeidig bleibt und wir allezeit eine Lebenshoffnung haben.

Gott öffnet uns die Augen für das Rechte, für das zur Zeit Mögliche. Auch öffnet er die dazu nötigen Türen und bereitet die Wege, damit wir weitergehen können. Und wenn es nötig ist, greift er uns unter die Arme, geht er uns voran und zieht uns weiter. Nicht zu Unrecht sagen wir Christen, dass unsere Zufälle und Schicksale nur von Gott kommen, er sie uns zufallen lässt und schickt.

Auch wenn wir in Bezug auf manche Geschehnisse sagen: Muss das denn sein? Ginge es nicht anders? Wie ist so viel Dummheit nur möglich? So wissen wir doch allezeit, wie wir uns zu verhalten haben. Immer haben wir die Möglichkeit, uns in rechter Weise zu entscheiden und unsere Lebenstage zu bestreiten. Wir müssen das Dumme, Törichte und Böse nicht mitmachen. Was uns Gott eröffnet und ermöglicht, das kann niemand mehr hindern. Und genauso gilt: Was Gott verschließt und verhindert, daran sollen wir nicht rütteln, ja nicht einmal einen Blick oder Gedanken verlieren. Lots Familie musste aus Sodom und Gomorra fliehen und sollte nicht mehr zurück sehen. Lots Frau beachtete das nicht und wurde deshalb zur Salzsäule, versteinert. Und wie viel versteinerte Menschen gibt es!

Also beweinen wir nicht das, was nicht möglich ist. Sondern wenden wir unsren Blick nach vorne, was nach unserer Erfahrung von Gott gewollt und gegeben ist. Denn gerade das trägt die Verheißung, dass Gott Neues und Beständiges schafft, das sogar unsere Gegner indirekt unterstützen müssen.

 

Es gibt kein besseres, - wenn auch bedauerliches -, Echtheitszeugnis der Gemeinde Jesu Christi: Wenn sie das Evangelium lebt, treten immer auch die Gegner auf. Dabei geht es aber nicht um unsere eigene Ehre, wie es im weltlichen Sinne heißt: Je mehr Feinde, desto mehr Ehre! Sondern uns geht es einzig und allein um das Bezeugen des Evangeliums. Und das ist für uns und unsere Nächsten eine frohe Botschaft. Dafür nehmen wir manches in Kauf, wenn nur Christus damit geehrt wird.

 

 

Bruder Georg

 



 

Hebräer 5,7-9;  Predigt:

 

„ Jesus hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden. “

 

Warum hängen wir uns das Kreuz, den Gekreuzigten, an die Wand? Nach Jesaja 53: ist er der Allerverachteste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Vor ihm verbirgt man das Angesicht. Er wird für nichts geachtet und wird geplagt. Er wird von Gott geschlagen und gemartert. Und so sagt es Jesaja weiter: Um unserer Missetat willen ist er verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir alle gingen in der Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen eigenen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.

Unser Predigttext zeigt uns deutlich den inneren Kampf Jesu, den er als  Mensch um unsretwillen hatte. Gleichzeitig zeigt er uns, wie Jesus das alles aushielt, wie er das durchging und bewältigte. Gerade darin will er uns ein Vorbild sein.

Jesus wurde unser Erlöser, der Urheber unseres ewigen Heiles. D.h. er hat für uns den Kampf siegreich durchstanden. So dürfen wir als Christen solche Kämpfe vom Sieg Jesu her bewältigen. Wir müssen nicht mehr unterliegen. Deswegen hängen wir uns das Kreuz, den Gekreuzigten,  an die Wand. Gerade in den Zuspitzungen unserer schrecklichen Situationen will sich das ewige Heil Gottes herauskristallisieren. Gerade darin hilft uns Gott und führt er uns seine Wege.

Es wäre ein Trugschluss, wenn wir meinten, Gott führe uns einfachere und leichtere Wege. Oft geht es auch in unserem Christenleben drunter und drüber. Und wie viel Unsinn wurde schon mit Gottes Wort getrieben. Sogar der Versucher gebraucht Gottes Wort für seine Untaten. Da gibt es Bischöfe und Synoden, die die biblische Botschaft verändern und missbrauchen. Aber auch in unserem persönlichen Leben gibt es harte, grausame, brutale, niederschmetternde und vernichtende Situationen. Zum Teil sind wir selbst daran schuld, zum Teil sind es auch unsere Nächsten. So wie Jesus zum Müll- und Schrottplatz geworden ist, so erleben auch wir ähnliche Situationen. Als Gemeinde sind wir ein armseliges Häufchen.

Aber, wie vorhin schon gesagt, will sich dennoch durch uns und in uns das ewige Heil Gottes herauskristallisieren. Welche Hilfen gibt uns da das Vorbild Jesu? 1) Im Gebet dürfen wir uns vor Gott abklären und seine Hilfe erwarten. 2) Daraus erwachsen uns Klärungen, die uns in der Weise aktivieren, motivieren und mobilisieren, dass wir im Gehorsam alles gerne bewältigen. 3) Zusätzlich schenkt uns Jesus das Heil Gottes; d.h. alles bekommt den gottgewollten Sinn.

 

1) Im Gebet dürfen wir uns vor Gott abklären und seine Hilfe erwarten. Vers 7: Jesus hat alle seine Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tode erretten konnte. Und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. Im Garten Gethsemane wollte Jesus, dass drei seiner Jünger ihm beistanden. Aber das klappte nicht, weil sie eingeschlafen sind. Es hat wenig Sinn, all unsere inneren Kämpfe, Anfragen und Ungereimtheiten vor Menschen auszutragen. Das kann gewaltig schief gehen. Hier gilt es, ins Gebet zu gehen, sich unter das Kreuz zu begeben und sich allein vor Gott abzuklären. Bedrängen und bedrücken wir damit nie unsere Nächsten. In solchen Situationen haben die einen großen Vorteil, die in ihrem persönlichen Leben ein starkes Gottvertrauen haben und deshalb im Gebet geübt sind.

Von Jesus wissen wir, dass er ein starkes und umfangreiches Gebetsleben hatte. Obwohl er Gottes Sohn war, besprach er immer und immer wieder alles mit seinem Vater. Das war ihm ein sehr zentrales Anliegen. In dieser Richtung hatte er ein starkes Innenleben. Wohl dem Christen, der sich in solches Gebetsleben einübt und das praktiziert. Das kommt ihm gerade in den schweren Stunden zugute. Nützen wir die Zeiten, die dazu nötig sind. Sie sind ja nie umsonst durchgangen. Sie bringen uns sehr viel ein. Aber es will gelernt sein. Dazu ist unsere ganze Konzentration auf Jesus nötig.

Es gibt auch Christen, die in den Zeiten der Nöten zu stöhnen und zu schimpfen anfangen. Ihr Gespräch mit anderen ist nur noch davon bestimmt und geprägt. Sie kritisieren, wo sie nur können und stampfen alles in den Boden. Diese steuern keine einzige Lösung an. Im Gegenteil wird es nur noch schlimmer, statt besser.

Die einzige Hilfe bietet sich uns in unserer Flucht zu Gott. Er hört uns zu und erhört uns. Unser Leben wird wieder innerlich ruhig und ausgeglichen. Solches Gebetsleben ist ja keine belanglose Angelegenheit, sondern eine ganz starke Möglichkeit zur inneren Abklärung, zur rechten Sicht und Lösung all unserer Nöte und Probleme. Von der höchsten Warte aus dürfen wir alles betrachten und Gottes Klärung und Weisung empfangen. Dann gehen wir nicht mehr unvorbereitet in die Kämpfe und Anforderungen dieses Lebens. Wir unterstehen der Führung Gottes und zusätzlich unter seinem Schutz.

Gott ist sowieso die einzige Größe, die uns aus diesem todverfallenem Leben herausholen und herausführen kann. Er ist der Einzige, bei dem wir das wahre Leben finden. Nur mit seiner Hilfe finden wir aus dem falschen Dreh unseres Lebens heraus. Wenden wir uns vertrauensvoll an Gott. Er erhört uns und zeigt uns das momentan Wesentliche. Im Gebet dürfen wir uns vor Gott abklären und seine Hilfe erwarten.

 

2) Daraus erwachsen uns Klärungen, die uns ganz motivieren, aktivieren und mobilisieren. Im Gehorsam gehen wir gerne die Wege Gottes. Vers 8: Jesus hat, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Eine andere Übersetzung sagt es etwas einfacher: Obwohl er der Sohn Gottes war, lernte er Gehorsam in seinen Leiden!

Wir Menschen machen viele Fehler. Einer ist darin gegeben, dass wir schnell aus der Fassung zu bringen sind, wenn sich etwas nicht so entwickelt, wie wir es uns vorgestellt hatten; oder wenn sich gar etwas gegen uns stellt. Warum verfallen wir immer wieder diesem Fehlverhalten? Wir haben das doch nicht nötig. Jesus geht uns im Leben voran und wir gehen Schritt für Schritt ihm nach. Und das kann uns keiner und keine Situation nehmen und verwehren. Denn Jesus ist der Mächtigste; der Einzige, der im Himmel und auf Erden alle Macht hat. Da ist ein inneres Aufgeregtsein fehl am Platze. Wenn wir das allezeit ernst nehmen, kann nichts mehr schief gehen.

Natürlich will das gelernt sein. Auch Jesus musste das lernen. D.h.: hier haben wir nie ausgelernt. Es sind Aufgaben über Aufgaben, die zu bewältigen sind. Jede Situation will die Beachtung finden, dass wir uns darauf einstellen und das Unsere zur Klärung und Lösung beitragen.

Oft ist der Gehorsams-Begriff sehr negativ belastet. Auch das ist eine unserer Aufgaben, diesem Verhalten einen positiven Klang und Inhalt zu geben. Also laufen wir nicht mit einem griesgrämigen Gesicht herum, wenn von uns einmal etwas verlangt wird, das uns nicht gefällt oder gegen den Strich geht. In jeder Situation dürfen wir auf dem Weg der Jesus-Nachfolge innerlich starke und gefestigte Menschen sein. Es kann nie negativ weiter- oder vorwärts gehen, sondern immer nur positiv. Gerade auf unserem Gehorsamsweg bekommen wir allezeit einen positiven Drang und dürfen Gutes und das Rechte tun und verwirklichen.

Während normalerweise alles Zusammenleben von unseren Eigeninteressen bestimmt ist, gehen wir Christen ganz anderen Interessen nach. Es sind die Anliegen Gottes mit seiner Neuschöpfung. Er hat immer noch ein Gesamtkonzept, das er auch verwirklicht. Und da will er uns ganz dabei haben und darin einbinden. Mit unserem Gehorsam leben wir nicht mehr unserer Selbstverwirklichung, aber auch nicht unserer Selbstauflösung, sondern unserer Selbsthingabe an Gott und seinen uns aufgetragenen Wegen. Da zeigen wir unsere ganze Treue und unseren ganzen Einsatz. Da ist dann auch nichts mehr umsonst getan. Sogar die kleinsten Dienstleistungen bekommen ihren Wert und Sinn. Auch in den schweren Zeiten unseres Lebens bewältigen wir alles in rechter Art und Weise.

Gott vermittelt uns solch große innere Stärke, sodass wir keinen Grund haben, an irgend einer Stelle den uns gewiesenen Weg zu verlassen. Gerade als Christen sind wir Schwerarbeiter und Lastenträger. Nichts wirft uns aus der Bahn. Verzicht, Leiden und Mühsal sind keine Pannen, sondern gehören zum Leben dazu. Letztlich leben wir das aus, was Markus 9,23 steht: Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt! Weil wir uns von Gott motivieren, aktivieren, und mobilisieren lassen, können wir im Gehorsam gerne die Wege Gottes gehen.

 

3) Zusätzlich schenkt uns Jesus das Heil Gottes; d.h. alles bekommt den gottgewollten Sinn. Vers 9: Als Jesus vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden. Deswegen hängen wir uns das Kreuz, den Gekreuzigten, an die Wand. Er allein ist der Vermittler des ewigen Lebens. Das Paradies ist uns nicht mehr verschlossen. Wir wissen um eine innere Heilsgewissheit, die uns zwar nie hochmütig oder gar überheblich werden lässt, die uns aber niemand mehr nehmen oder gar streitig machen darf. Das Heil Gottes ist uns durch Jesus gewiss. Dasselbe sagen die Seligpreisungen in der Bergpredigt aus. Damit fängt Jesus seine Predigtbewegung an. Und damit vollendet er seinen Auftrag am Kreuz.

Jeder Sonntag ist ein Freudentag. Das gilt auch für die Sonntage der Passionszeit. Der heutige Sonntag Judica drückt die Bitte aus: Gott schaffe mir Recht! Dahinter steht auch der Dank: Gott schafft mir Recht! Es wird nicht der Rechthaberei das Wort gesprochen, denn diese grenzt gerne den Nächsten aus. Gott verschafft uns ein Recht, ein Lebensrecht, bei dem jeder ein Recht zum Leben und zum Einsatz seines Lebens hat. Und darüber dürfen wir uns freuen. Wir müssen unser Recht nicht mehr durchboxen. Jesus schenkt es uns in seiner Gnade. Mit seinem harten Einsatz hat er es für uns erwirkt. Sein Heil gibt uns das Recht, das Anrecht fürs ewige Leben.

Was wollen wir mehr? Hier haben wir die lang ersehnte Wende. Ergreifen wir sie. Leben wir ihr. Weihen wir ihm, Jesus, unser ganzes Leben. Fertig mit diesem Leben sind wir erst mit unserem Tode. Wundern wir uns nicht, wenn immer wieder Neues auf uns zukommt, das bewältigt sein will. Freuen wir uns, dass wir mit Gottes Hilfe alles angehen, bewältigen und zu einem guten Ende führen dürfen. Obwohl uns Gott dabei ganz fordert, überfordert er uns nie. Jeder darf seinen Teil dazu beitragen. Keiner ist überflüssig oder gar hinderlich.

Was tun die Menschen nicht alles, um das Heil zu erfahren? Wie viele Anstrengungen und Verrenkungen werden oft umsonst angestellt? Da haben es wir Christen viel einfacher. Da bedeutet uns Jesus alles und gibt uns in dieser Richtung auch alles. In allen Situationen unseres Lebens dürfen wir als die von ihm Überwältigten leben. Unter seinem Kreuz lebend, erlöst er uns ganz und heilt er alle unsere Schäden. Er bringt uns zurecht und weiß immer einen Weg, eine Antwort und eine Lösung. Durch Jesu Werk und Einsatz ist für die alle Gottestrennung aufgehoben, die an ihn glauben.

Die todverfallene Welt bleibt bestehen. Wir wissen nicht um alle Lösungen und Antworten. Das ist auch nicht nötig. Das überlassen wir Gott. Aber für unseren Weg wird es immer wieder klar, wie wir zu leben und was wir zu tun haben.

Jesu Verherrlichung, Erhöhung und Vervielfältigung geschah übers Sterben am Kreuz. Er nahm uns dadurch das Schwere des Sterbens ab. Aber auch wir müssen noch sterben. Das Gleichnis vom Weizenkorn gilt auch uns: Nur wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und erstirbt, bringt es viel Frucht. Noch durchgehen wir viel Leid. Noch haben wir viel Ungeklärtes, viele Bitten, viel Flehen, vielleicht sogar viel Schreien und viele Tränen. Aber wir wissen, an wen wir uns wenden können, um Hilfe, Rat und Erlösung zu bekommen. Und das nützen wir auch reichlichst aus. Lernen wir von Jesus diesen Gehorsam. Denn der Weg der Nachfolge lohnt sich immer. Wir erleben die führende Hand Gottes, die Wege zum Heil.

Die Geschichte Gottes geht weiter. Mit unserem Gehorsam sind wir dabei.

 

Den Kampf, den Jesus zu durchgehen hatte, nahm er um unsretwillen auf sich. Solche ähnliche Kämpfe dürfen wir vom Sieg Jesu her bewältigen. Es sind keine aussichtslosen Kämpfe mehr. Wir müssen nicht mehr unterliegen, sondern dürfen siegen. Gerade in den Zuspitzungen unserer schrecklichen Situationen will sich das ewige Heil Gottes herauskristallisieren. Gerade darin hilft uns Gott und führt er uns seine Wege. 

 

Bruder Georg

 


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