Gedanken zu Pfingsten

(Unter "Gottesdienste" oder "download" erleben Sie die Gottesdienste der letzten 4 Sonntage.)

 


 

 

Predigt für PFINGSTEN

                             über  Johannes 14, 23-27,

                                                        gehalten am 8. Juni 2003,

                                                                           in Augsburg, Messehallen

 

 „ Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. “

 

 

Liebe evangelische Teilnehmer des Sudetendeutschen Tags 2003!

 

                                                                            A.

Frieden-: darf man etwa ´um des lieben Friedens willen` Unrecht nicht mehr Unrecht nennen? Soll man darüber hinweg sehen? Soll man gutheißen, was nicht gut war, oder zumindest dazu schweigen?-

Über derartige „Friedens“- Politik könnte man „erschrecken“.-

 

                                                                            B.

Aber Jesus sagt: „Euer Herz erschrecke nicht!“

Er meint es anders. Sein „Friede“ ist nicht ein vorgeschütztes Wort, hinter dem sich eigennützige Interessen verstecken.

Und wenn wir in Seinem Namen zusammenkommen und von „Frieden“ reden, dann gebrauchen wir zwar das gleiche Wort, aber es ist „nicht so, wie“ in der Welt. Jesus sagt: „Ich bringe Frieden, aber nicht so, wie die Welt“ es macht.

Hier kommen wir mit ´Seinem Frieden` in Berührung. Das ist ein „Friede“, den es ohne Ihn nicht gibt: Ein „Friede“ , den Er stiftet, der mit Ihm steht und fällt. . Das ist also ein „Friede“, der den Glauben an Ihn voraussetzt; der dann entsteht, wenn man im Glauben an Ihn übereinstimmt. „Der Gott des Friedens“, heißt es im Neuen Testament, „heilige euch durch und durch“. Und „der Friede Christi regiere in euren Herzen“. Und „der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.“

 

I.

Dass das zustande kommt, bewirkt der Heilige Geist.

Es ist ein pfingstlicher Vorgang. Dabei werden Menschen unterschiedlichster Herkunft und Interessenlage um eine Botschaft versammelt. Die damals zu Tausenden anlässlich eines jährlichen Festes  in Jerusalem Zusammengeströmten, die nicht, wie hier, die gleiche Sprache beherrschten, sondern sich untereinander nicht verstanden, weil ihnen die Sprachen, in denen sich die jeweils anderen äußerten, völlig fremd waren, riefen staunend aus: „Wir hören sie in unseren Sprachen von den großen Taten Gottes reden!“

Das ging ihnen allen durch und durch. Die nationalen und kulturellen Unterschiede traten zurück. Jeder erkannte, was er Gott schuldig geblieben war. Und bemerkte zugleich, dass der andere, der Fremdsprachler neben ihm, die gleiche Erkenntnis hatte. „Wie hören wir denn ein jeder seine Sprache, darin er geboren ist?“ Jeder versteht das gleiche. Jeder bekennt vor Gott seine Sünde. Jeder erfährt, dass man getauft werden kann „im Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden“,- und dass man daraufhin sich „bekehren“ kann,- wir und die anderen. Und einig werden. Und sich gegenseitig besuchen. Und eins den anderen aushelfen. Und „Freude“ haben am Zusammenleben. Und beieinander sein und zusammen wirken „mit lauterem Herzen“. So wird die erste Pfingstgemeinde in der Apostelgeschichte beschrieben. So stiftete der Geist Christi unter einander entfremdeten oder sogar verfeindeten Völkern Frieden: wenn jedes sein Unrecht bekennt und davon Abstand nimmt, über das andere irgendwie triumphieren zu wollen. Indem man sich gemeinsam zu Christus bekennt, dem Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt.

Das ist der Friede, von dem Jesus sagt: „Meinen Frieden gebe ich euch.“

Kaum je zuvor habe ich so viele Fax-Nachrichten des Landeskirchenamtes in meinem Pfarramts-Faxgerät empfangen, wie unmittelbar vor Ausbruch des Irak-Krieges. Da wurde mit bewegten Worten empfohlen, unbedingt Friedensandachten zu halten, zu gemeinsamen Friedensgebeten einzuladen und alle Kirchenglocken eine Viertelstunde langläuten zu lassen. ´Um des lieben Friedens willen.`

Welchen ´Frieden` fragte ich mich. Um des „Friedens“ willen, den „die Welt gibt“? Oder um des Friedens willen, den Jesus gibt? Oder ist das jetzt das gleiche?- Oder wird hier etwas verwechselt?

Wenn es um den Frieden Jesu geht,- wozu sollen dann die Glocken zur angegebenen Stunde läuten, und nicht zu den gewohnten Gebetszeiten und zum Gottesdienst am Sonntag?  Ist aber ein „Friede“ gemeint, „den die Welt gibt“,- warum sollten dann die Kirchenglocken läuten?

 

Beim Nachdenken,- die Fax-Nachrichten in der Hand- „erschrak“ ich ein wenig. Weltweit wurde von „Friedens“- Demonstrationen berichtet, die teilweise von hasserfüllter Aggressivität gekennzeichnet waren.

Und die Nationen, die den Krieg verurteilten, verfolgten, so las ich in der Zeitung, dabei, jedenfalls zum Teil, durchaus eigennützige Interessen. Und durfte man denn ein Regime, wie das irakische, einfach ´so weitermachen` lassen, nachdem unter dem Embargo nur die Bevölkerung litt, und nicht die Regierung zusammenbrach?

Fragen, über die gestritten wurde.  Und zwar, verständlicherweise, in höchster Erregung. Ob es nicht letzten Endes  um das Erdöl geht, und zwar auf beiden Seiten?

Ich“erschrak“.- Da sollte ich nun die Kirchenglocken läuten lassen, 15 Minuten lang, länger als zu jedem Gottesdienst, in diesen Wirrwarr der Meinungen hinein, was dem „Frieden“, den „die Welt gibt“, eher dienlich sein möge? Sollte ich hier durch Kirchenglockengeläut Partei nehmen? Zu wessen Gunsten sollte geläutet werden?

In was verstricke ich mich da?

Ich entschied mich, nicht zu läuten und auch nicht zu demonstrativen Friedensgebeten einzuladen.

Friede-, auch Friede, den „die Welt gibt“, ist ein hohes Gut. In jedem Gottesdienst beten wir um Erhaltung des Friedens. Seit fast 60 Jahren sind nun in unseren Ländern keine Vertreibungen mehr erfolgt, Städte nicht mehr bombardiert worden. Gott sei Dank dafür!

Aber Jesus hat eindrücklich unterschieden zwischen Frieden und Frieden. Was „ich gebe“, ist „mein Friede“. Das ist etwas anderes, als was „die Welt“ mit Hintergedanken „Frieden“ nennt. Nur wer „mit lauterem Herzen“, in dem „mein Friede“ regiert, sich bemüht, Konflikte beizulegen, kann auch auf Erden Frieden stiften.

Sonst wird man plötzlich „erschrecken“ über die Aggressivität und den Zynismus, die sich mit der Friedensforderung verbinden.

 

II.

Aber nun fragt es sich, ob dieser „Friede“, den Jesus „gibt“, etwas Konkretes ist oder ein ungreifbares Ideal.

Es könnte ja sein, dass es in Wirklichkeit keinen Frieden gibt, sondern nur Machtkämpfe, in denen zeitweilig das Wort „Friede“ vorgeschickt wird.

Und der „Friede Christi“ wäre nur ein weltfremder Wunschgedanke.

In diesem Zusammenhang fällt auf, dass Jesus im Evangelium recht konkret vom Frieden spricht, allerdings nicht so, dass sich daraus eine Anweisung ergeben hätte, ob es besser, friedensdienlicher war, im Irak militärisch einzugreifen oder es zu unterlassen,- weswegen ich die Glocken lieber nicht läuten ließ.

Aber der „Friede“, den Jesus zu „geben“ verspricht, schwebt nicht wie ein Wunschgedanke ´über den  Dingen`.

Jesus nennt zwei Bedingungen, unter denen er entsteht.

Die erste Bedingung ist, dass man Seine „Worte hält“.

Seine „Worte“ sind in der Bibel verzeichnet. Da kann man sie nachlesen. Aber was heißt, sie zu „halten“? Es handelt sich ja nicht durchweg, nicht einmal überwiegend um Vorschriften, die ´einzuhalten` wären. Was meint Er, wenn Er sagt: „Wenn jemand mich lieb hat, wird er meine Worte halten“? Wie hängt das ´Halten der Worte` und die Liebe zu Jesus zusammen? Auf welche Weise „hält“ man Seine Worte?

Im Johannes-Evangelium sind z.B. zahlreiche „Worte“ Jesu überliefert, in denen Er in Bildern darlegt, wer Er ist, und was das für die Menschen bedeutet, die ´mit Ihm zu tun haben wollen`, die Vertrauen zu Ihm haben und an Ihn glauben.- Solche „Worte“ „hält“ man, indem man Ihm ´abnimmt`, was Er da sagt.

Z.B. „Ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben.“- Herr, damit das zustande kommt, was bei meinem Leben herauskommen soll, brauche ich Dich. Ich bin auf Dich angewiesen. Ich verlasse mich darauf, dass Dein Geist in mir bewirkt, was Du in Aussicht gestellt hast. Ich will dafür aufgeschlossen sein. Ich will Dir zu Verfügung stehen.-

Und in den anderen Evangelien hat Jesus in vielen Gleichnissen erläutert, dass das Reich Gottes jetzt mitten unter uns anbricht.- Diese „Worte“ „hält“ man, indem man davon ausgeht, dass von nun an wirklich Gott herrscht, und nichts anderes: nicht die ´erschreckende` Doppelzüngigkeit, mit der das Wort „Frieden“, wie viele andere Worte, missbraucht wird. „Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!“ Vorher, im gleichen Kapitel, fordert Jesus auf: „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Stellt euch auf die Gottesherrschaft ein. Lasst euch nicht einreden, das sei ´nichts Reales`, und um Realist zu sein, müsse man sich anders orientieren.- Es wäre ein unfreundlicher Akt gegenüber Jesus, ein Zeichen von ´Lieblosigkeit`, wenn man Seine „Worte nicht halten“, sondern in den Bereich der Wunschträume abschieben würde.

Wer „mein Wort hält“, verspricht Jesus, „den wird mein Vater“, der allmächtige Gott selbst „Liebe erweisen“. Das zeigt sich darin, dass Er tatsächlich auftaucht, sich bemerkbar macht, so dass man das Gefühl hat, es mit Realitäten zu tun zu haben, die einem Kraft geben und die tragfähig sind auch in schwierigen Lebensphasen und kritischen Momenten. Jesus sagt: „Wir“, nämlich der allmächtige Gott selbst, und Er, „werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen“.

Wo man sich an Sein Wort hält, da ´sieht` Gott selbst ´zu` und ´steht zu dem`, was Er gesagt hat. Da bewährt sich Sein Wort.

Und wo Er zusieht, und man es also fortwährend mit Ihm zu tun hat, da wird man sich, von Ihm angeregt, „mit lauterem Herzen“ um gerechten Frieden bemühen.

 

Das zweite, was Jesus in diesem Zusammenhang in Aussicht gestellt hat, feiern wir heute. Er sagte, er werde veranlassen, dass „der Vater“, der allmächtige Gott, „den heiligen Geist“ schicken wird.

Das ist die von Gott selbst ausgehende notwendige Inspiration, die man braucht, um Jesu „Worte halten“ zu können.

Es handelt sich dabei um eine Bestärkung von Gottes Seite her.

Man steht hier nicht hilflos mit einer als irreal abgetanen Botschaft vom Frieden Christi in der Welt- und schweigt dann lieber davon oder schließt sich einfach lautstarken Bewegungen an, die den „Frieden“ meinen, wie „die Welt“ ihn gibt und nimmt. Sondern man fühlt sich berechtigt und bevollmächtigt, mit allem Nachdruck ´alle Seiten` zur Umkehr zu rufen. Denn die Bedingung, die der „Friede“, den Jesus „gibt“, zustande kommt, ist, dass man Seine „Worte hält“.

Also ist allen Beteiligten allen Ernstes zuzumuten, dass er diesen Worten glaubt.

Martin Luther hat diesen Beistand von Gott „den Tröster“ genannt. Wenn „der Tröster“ kommt, hört das ´Erschrecken` auf. Und es wird einem klar, was zu tun ist: Der Geist „lehrt“ es einen. Und die Worte Jesu leuchten in ihrer Aktualität auf.- Dafür läuten die Kirchenglocken: dass Jesus sagt: „meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht“

 Amen!

Pfarrer Dr. Wolfhart Schlichting


 

Matthäus 16,13-20;  Predigt:

 

„ Jesus fragte seine Jünger: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei? Sie sprachen: Einige sagen, du seiest Johannes der Täufer, andere, du seiest Elia, wieder andere, du seiest Jeremia oder einer der Propheten. Er fragte sie: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein. Da gebot er seinen Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei. “

 

Ganz grob gesagt, gibt es immer mindestens zwei Betrachtungsweisen, eine von außen und eine von innen. Nehmen wir z.B. die Glasfenster eines Domes. Von außen sehen diese schwarz und unansehnlich aus. Geht man aber in den Dom hinein, dann erstrahlen diese Fenster in den verschiedenst leuchtenden Farben. Man ist von der Pracht und Herrlichkeit der Aussagen überwältigt und fasziniert. Das kann man ganz toll auf die Gemeinde übertragen. Von außen ist sie für viele unansehnlich, nichts sagend, ja da wird sie kaum beachtet. Aber durch Pfingsten, durch den Heiligen Geist, gerät man ins Innere der Gemeindestrukturen. Da geht uns ein Licht nach dem anderen auf. Da lernen wir Gott von einer ganz neuen Seite kennen. Da ist er nicht mehr stumm, sondern beginnt für mich zu reden und zu handeln. Da weiß ich, dass ich gemeint und angesprochen bin. So stehe ich nicht mehr draußen, sondern drinnen.

Allein durch den Heiligen Geist ist die Verbindung zu Gott und Jesus Christus möglich. Nur er öffnet uns das Verständnis für die Anliegen Gottes. Und er tut es auch, wenn wir uns ihm öffnen. Das ist nicht selbstverständlich. Denn von uns aus stoßen wir nicht auf Gott. Dazu benötigen wir eine Gebrauchsanweisung, die uns allein der Heilige Geist vermitteln kann. Er führt uns in alle Wahrheiten und Weisheiten über Gott, über uns und alle Lebenszusammenhänge.

Es gibt die praktizierende Gemeine Jesu Christi, die göttliche Vollmachten hat. Es gibt die praktizierenden Christen, die gerade für die Anliegen Gottes den vollen Durchblick haben. Als die Eingeweihten, Geheimnisträger des Reiches Gottes haben sie einen großen Auftrag. Durch sie führt Gott seine Neuschöpfung zur vollen Entfaltung und Vollendung. Die Spötter sehen die Gemeinde nur von außen. Wie bei den Glasfenstern kann man da auch nichts entdecken. Aber wer für die Wahrheit offen ist, der bekommt die Erlaubnis zum Zugang, Eingang in die Geschicke des Reiches Gottes. 1. Korinther 2,9: „Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott bereitet denen, die ihn lieben!“

Der Heilige Geist vermittelt uns nach diesem Text dreierlei: 1) Wir erkennen die wahre Gemeinde Jesu Christi.  2) Wir erkennen unsere Seligpreisung. 3) Wir bekommen den Schlüssel, der zur Lösung unserer Lebenssituationen passt.

 

1) Wir erkennen die wahre Gemeinde Jesu Christi. Viele, auch manche Sekten und Religionen halten Jesus für eine bemerkenswerte Größe. Sie sagen: Er war ein guter, edler Mensch; ein großer Prophet; ein sozialer Revolutionär; ein Religionsstifter; und vieles mehr. Aber darin sind sie sich alle einig: Er ist niemals der Christus, Gottes Sohn. Das war auch der springende Punkt damals zur Lebenszeit Jesu. Aber die Jünger, voran Petrus, erkannten und bekannten: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ Das ist nicht eine so dahin gesagte Floskel, ein gedankenlos ausgesprochenes Gelerntes. Sondern das ist die tiefste Überzeugung und Überwältigung, die ein Mensch haben kann.

Wir Christen erkennen die wahre Gestalt Jesu, der vom Himmel zu uns kommt und uns in die ewig gültigen Wahrheiten einführt. Wir erleben Jesus als den, der im Himmel und auf Erden alle Macht hat. Wir erfahren seine Zufälle und Schicksale. Für uns ist er „die“ herausragende Größe und Person; „der“ Sachverständige für alle Lebensfragen; „der“ Meister und Herr. Auch für uns gelten die sieben „Ich- Birn- Worte“ Jesu: Er allein ist für uns „der“ Weg, „die“ Wahrheit und „das“ Leben; „der“ Weinstock;  „der“ gute Hirte;  „das“ Brot des Lebens;  „das“ Licht der Welt;  „die“ Tür;  „die“ Auferstehung und  „das“ Leben.

Solche Erkenntnis wird zum Bekenntnis! Gleich im nächsten Augenblick versagt Petrus. Da muss Jesus zu ihm sagen: „Weiche von mir Satan, denn du meinst nicht was göttlich, sondern was sehr menschlich ist!“ Als Christen haben wir übergroße und überwältigende Erkenntnisse. Aber es ist ein langer Lebensprozess, bis wir diese in rechter Weise einsetzen und umsetzen können. Wie viel Mist haben wir schon mit unseren Erkenntnissen produziert. Wie oft haben wir das richtig Erkannte in falscher Weise eingesetzt. Gott hat da sehr viel Geduld mit uns. Er gesteht es uns zu, aus Fehlern zu lernen. So langsam dürfen wir dafür ein Gespür bekommen, was diese Erkenntnisse für unser Leben und unseren Alltag bedeuten. Da gilt es, in der Schrift zu forschen und zu suchen; mit Gebet und Meditation auf die wesentlichen Aussagen und Inhalte der göttlichen Verheißungen zu stoßen. Dann können wir die Chancen und Gelegenheiten Gottes nützen und wir erleben die Erfüllung der Zusagen Gottes.

Was Petrus hier vor Jesus bekannte, das bekannte er zu Pfingsten vor 1000-den von Leuten und 1000-de ließen sich taufen. Man soll zwar die Köstlichkeiten des Evangeliums nicht vor die Hunde und Säue werfen. Auch wird man davon sehr wenig in den Medien erfahren. Aber unser Bekenntnis soll alle Menschen erreichen. Es ist die Einladung an unsere Nächsten, selbst auch diesen Glauben zu wagen. Und es ist die Zusicherung, dass solcher Glaube nicht umsonst ist. Auch sie dürfen zu derselben Erkenntnis durchstoßen. Dazu geben wir unserem Glauben eine Stimme; denn Glauben ohne Stimme ist stumm. Jeder darf die wahre Gestalt Jesu Christi erkennen.

 

2) Wir erleben unsere Seligpreisung. Jesus sagt zu Petrus: „Selig bist du, Simon, Jonas Sohn, denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel!“ In der Bibel stehen sehr, sehr viele Seligpreisungen. Diese erleben wir der Reihe nach und kommen damit an kein Ende. Damit verbunden sind Faszinationen, Köstlichkeiten, Schätze, Lebensqualitäten, die uns gerade für unseren Alltag sehr viel bedeuten.

Man kann sagen: Wer sich zu Jesus bekennt, der erfährt, dass sich Jesus auch zu ihm bekennt. Offenbarung 3,20: „Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm feiern und er mit mir!“ Jesus ist nichts lieber, als sich uns zu offenbaren und zu uns zu kommen. Vorausbedingung dazu ist die Öffnung unseres Herzens; unsere Schritte zu ihm. Aber dann ist er nicht mehr aufzuhalten. In der Tiefe unseres Lebens erfahren wir Beglückungen von besonderer Güte. Wir sind die reich Beschenkten und erfreuen uns seiner Dienste und Führung.

Gottesdienst heißt ja, dass Gott uns dient. Wir lassen uns den Dienst Jesu an uns gefallen. Es ist keine Kopfwäsche, sondern eine Fußwäsche. Neben der Erlösung erleben wir auch die von ihm geschenkte Heiligung. In jeder Situation und Lage ist er uns sehr nahe; näher als es je ein Mensch sein kann; ja näher, als wir uns selbst nahe sein können, uns ausstehen können. Damit ist ein Lebensfundament verbunden, das trägt. Wie viele Menschen gehen vor die Hunde. Wir Christen sind da sehr glücklich dran, weil wir die Liebe und Zuwendung Jesu erfahren. Oft wundern wir uns darüber, denn wir selbst können oft nichts Liebenswertes an uns entdecken. Aber das macht Jesus nichts aus. Er legt so quasi eine Seligkeit in unser Leben hinein. Er bringt das alles mit, was uns so liebenswert macht.

Selbst können wir kaum etwas tun. Aber Jesus tut durch uns sehr vieles. Wir erleben, dass er aus dem Nichts etwas schaffen kann, das sehr gut ist. „Gott ruft dem, was nicht ist, dass es sei!“ Es ist dann auch immer sein Geschenk, nie unser Verdienst. Gerade deshalb geben wir unser Äußerstes für dieses Höchste! Wir erleben unsere Seligpreisung, die allein Jesus, kein Mensch, ausspricht.

 

3) Wir bekommen den Schlüssel, der zur Lösung unserer Lebenssituation passt. Auf dieser Erde sind wir der Brückenkopf des Reiches Gottes; Botschafter an Christi Statt. So wie Jesus vom Vater gesandt war, so sendet er uns. Petrus war dazu der Erste, weniger in der Rangstellung, sondern mehr von der Zeitgeschichte her gesehen. Etwas später bekamen alle Jünger denselben Auftrag zu lösen und zu binden in göttlicher Weise. Derselbe Auftrag geht auf alle Jünger zu allen Zeiten über. Es geht dabei um den echten Dienst an den Menschen unserer Zeit. Es geht dabei um die Einladung zum Fest Gottes, wie es manche Jesus Gleichnisse ausdrücken. Es geht nicht um die Vorladung zum Gericht. Denn diese ist dem Jüngsten Tag vorbehalten.

Wir Christen bekommen die Vollmacht zur Einladung. Wir dürfen in überwältigender Art und Weise die Menschen daran erinnern, dass es bei Gott die Erlösung gibt; d.h. die Lösungen all unserer Probleme, Nöte, Fragen und Anliegen. In der Erlösung ist das alles beinhaltet, komprimiert und möglich. Der Schlüssel der Erlösung passt dafür! Er sperrt! Er öffnet uns die Türe zu den Lebensräumen Gottes, zum Schatzhaus Gottes, zur ewigen Herrlichkeit, zur vollen Erfüllung, zum Himmel Gottes, zum Paradies Gottes.

Man darf das aber nicht mit unseren Vorstellungen für das Schlaraffenland verwechseln. Denn Gott erfüllt oft nicht unsere Wünsche und Begierden. Er hat andere Vorstellungen und Ziele, als wir sie normalerweise haben. Aber er will auch nicht willenlose und innerlich tote und träge Menschen haben. Es gilt eben, so wie es uns gegeben ist, unseren Willen deckungsgleich mit Gottes Willen zu bringen. Dazu ist unsere ganze Aufmerksamkeit für die Verheißungen Gottes nötig, die er uns persönlich gibt. Die Bibel nennt das Überwindung. Luther sagt in seiner Auslegung zur Taufe, dass unser Alter Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen bösen Lüsten und allen Sünden. Und wiederum – ebenso – soll täglich ein Neuer Mensch herauskommen und auferstehen, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich lebe.

Dieser Schlüssel, den uns Gott gibt, können wir nie in selbstherrlicher Art anwenden. Aber er gibt uns die Möglichkeit, die rechte Art der Bewältigung des Lebens zu bekommen und zu bezeugen. Und das beste Zeugnis ist immer unser gelebtes Vorbild. Nur was wir selbst erlebt haben, können wir weitergeben. Nur was wir selbst empfangen haben ist das Kapital, das wir weitergeben können. Z.B. die Friedensstifter können nur dann Frieden schaffen, wenn sie selbst Frieden haben. So wie man einen 100-Euro-Schein erst dann stiften kann, wenn man ihn besitzt. Da kann man alle Aussagen der Seligpreisungen hernehmen. Jesus schenkt sie uns. Und sie sind der Schlüssel, der zur Lösung unserer Lebenssituation passt.

 

Wer ist für uns Jesus? Wenn er der Christus, der Sohn Gottes ist, dann erfahren wir so nach und nach, wie bei den großen Glasfenstern der Dome, die Pracht und Herrlichkeit Gottes in den verschiedenst leuchtenden Farben. Was  wir dabei erleben, davon können wir ein Bekenntnis ablegen. Da geben wir unserem Glauben eine Stimme. Da erleben wir der Reihe nach die Seligpreisungen Gottes. Da bekommen wir einen Schlüssel zur Lösung unserer Lebenssituationen, der passt.

Bruder Georg



Römer 8,1f.10f.14-17; Predigt:

 

" So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des To­des. Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen. Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten aufer­weckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt. Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihn habt nicht einen knechti­schen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhe­ben werden."

 

Gerade für uns Christen stellt sich täglich die Frage, die mit einer umfassenden Aufgabe verbunden ist: Leben wir wie die Kinder Gottes, oder leben wir wie die Kinder dieser Welt? Damit sind sehr viele Entscheidungen verbunden, die kleinsten und unauffälligsten, aber auch die großen und erfreulichen.

Auch bei uns Christen lauert täglich der Ungeist vor unserer Le­benstüre und wartet auf Einlass. Abweisen können wir ihn nur dann, wenn wir dem sog. geistlichen Leben den Raum unseres Le­bens überlassen. Da geschieht dann gegenüber dem Ungeist echte Sublimation. Wir haben gar keine Zeit und Lust mehr für das, was in diesem Text mit dem Gesetz der Sünde und des Todes bezeichnet ist. Wer in Jesus Christus gefestigt ist, erlebt seine Freisprechung. So gibt es für ihn wahrhaftig keine Verdammnis mehr.

Wir Christen haben eine total eigene Weltanschauung, über die sich zwar viele Menschen lustig machen, die sich aber als die Richtige entpuppt und als die Einzige Bestand und ewige Gültigkeit hat.

Man kann sich mit dem Neuen aus Gott nur beschenken lassen. Aber dieses Geschenk will täglich angenommen sein. In den Schoß gelegt bekommen wir es nicht. Noch weniger wird es uns aufge­zwungen oder wie ein Korsett angelegt. Die Kunst unseres Christ­seins besteht darin, allezeit das von Gott Geschenkte zu benützen und zu gebrauchen. Je öfter wir das tun, umso besser und konzentrierter können wir Gottes Wege gehen. Da dürfen wir ganz vertrau­ensvoll mit Gott rechnen.

Gott will unser Überleben im irdischen und im zukünftigen Leben. Gott will, dass uns das Leben gelingt, dass es weitergeht und alles eine Zukunft hat, die sich lohnt. Gerade weil Gott »für« uns einge­stellt ist, hat es auch einen Sinn, ihm unser Leben anzubefehlen und zu unterstellen. Denn dann, nur dann, kommen auch allein von ihm die Schicksale und Zufälle. Dann, nur dann, weicht alle Dunkelheit zurück, weil sein Licht zu uns kommt. Dann, nur dann, überwinden wir alle Gottestrennung und erleben seine wahre Gerechtigkeit = Barmherzigkeit.

Zu Gott kommen dürfen wir so, wie wir sind. Dann geschieht das Wunder, dass Gott uns ändert und formt, wie er es will. Dann prägt uns nicht mehr die Sünde. Dann bestimmen uns nicht mehr die Menschen. Nur noch der Dreieinige Gott ist unser Herr und Meister, unser Hirte oder Chef, oder wie man ihn sonst noch bezeichnen könnte.

Unsere Weltanschauung hat drei Inhalte: 1) Christus macht uns frei vom Gesetz der Sünde und des Todes. 2) Er schenkt uns das Gesetz des Geistes mit ganz lebendigen Ordnungen. 3) Durch diese Freiheit können wir als die Kinder Gottes leben, die eine große Erbschaft antreten.

 

1) Der erste Inhalt unserer Weltanschauung: Christus macht uns frei vom Gesetz der Sünde und des Todes! Allein Jesus Christus ermög­licht es uns, das Loch heraus aus den Teufelskreisen zu finden, damit wir in die Gotteskreise geraten können. Allein er kann uns echtes Leben vermitteln. Und das darf jeden Tag neu geschehen. Jemand hat es so ähnlich gesagt: Der Ewigkeitsanfang ist täglich in Jesus Christus gegeben. Alles Streben von uns Menschen nach dem Schönen, Herrlichen, Erfreulichen und Paradiesischen ist uns hier in echter Weise eröffnet.

Äußerlich ändert sich oft nicht viel. Das Große dieser Befreiung besteht darin, dass es inmitten all dessen geschieht, was wir mit dem Kreuz des Lebens bezeichnen. Das kann in allen Situationen unseres Lebens, auch in den schlechtesten, erlebt werden. Denn diese Änderung vollzieht sich zuerst in unseren Herzen. Von da aus durchzieht es dann alle Bereiche unseres Lebens.

Weil damit kein Automatismus verbunden ist, sondern man es am besten mit Freiheit bezeichnen kann, ist unsere ganze Achtsamkeit und Wachheit gefragt und dran. Dass wir das nicht falsch verstehen: Unsere Verantwortung liegt nicht in unseren Leistungen, sondern allein in unserer Herzensverbindung zu Gott, ständig am Wort Got­tes mit seinen Verheißungen zu bleiben. Wenn wir das nicht abrei­ßen lassen, darf uns das Leben gelingen.

Nichts in unserem Leben ist verächtlicher als unsere Eigenmächtig­keit, mit der wir ohne Gott auskommen möchten. Genauso schlimm ist es, wenn wir uns gehen lassen. Als Christen kennen wir die stärkste Gottesbeziehung, die es gibt. Und durch Jesus wissen wir, dass es die einzig echte Gottesbeziehung ist.

Natürlich kennen wir auch das Schlechte und Böse. Und nie können wir sagen, dass wir ohne Sünde wären. Aber durch die Erlösung Je­su ist das alles überwunden. Die Ketten und Gebundenheiten dazu sind durchbrochen. Jesus verschlingt den Tod in seinen Sieg. So dürfen wir dem Guten und Fruchtbarem dienen und leben. Alles Fleisch, sogar unser Leib dient dem Geistlichen Leben. Da kann sich alles in unserem Leben in gesunder Weise entwickeln und entfalten. Christus macht uns frei vom Gesetz der Sünde und des Todes.

 

2) Der zweite Inhalt unserer Weltanschauung: Christus schenkt uns das Gesetz des Geistes mit ganz lebendigen Ordnungen! Als Chris­ten dürfen wir um das Reden und Wirken des Heiligen Geistes wis­sen. Gäbe es nicht den Heiligen Geist, dann wüssten wir zwar etwas von dem historischen Jesus, aber nichts von einem lebendigen Je­sus, der auch heute im Himmel und auf Erden alle Macht hat.

Jesus Christus wirkt und handelt durch den Heiligen Geist. Schwärmer koppeln dies von der Schrift und vom Kreuz ab. Und weil dies nicht geht, erwählen sie sich einen dunklen Geist, der mit dem Heiligen Geist überhaupt nichts mehr zu tun hat.

Gerade der Heilige Geist eröffnet uns die Schrift und die Bedeutung der biblischen Zeugen. Unsere Bibellese, Gottesdienste und Bibel-Freizeiten sind ganz wesentlich. Gerade im Gebet werden uns diese Inhalte vermittelt und mit Leben gefüllt.

Und gerade der Heilige Geist eröffnet uns den Sinn alles Kreuzes und allem Schweren, das wir immer wieder erleben. Nur er kann uns zeigen, wie wir das alles durchgehen und bewältigen dürfen. Es klingt paradox, aber es ist wahr: Nur der, der das Schwere anpackt und bewältigt und nicht abschüttelt, dem kann es nichts mehr anha­ben und keinen Schaden mehr zufügen. Nur dann fesselt es uns nicht mehr und darf uns nicht mehr vom Gott geschenkten Leben abhalten. Es behindert uns nicht mehr in unserem von Gott bekom­menen Auftrag und Wirken.

Der Heilige Geist beschönt nichts und zeigt uns die ganz harten Fronten der Sünden und des Todes. Aber er stellt uns auf die Seite der Sieger und nicht auf die Seite der Verlierer.

Also leben wir nach der Aussage: Die einzige Neuigkeit des Tages ist der Ewigkeitsanfang in Jesus Christus! Was bringen uns die Medien für Neuigkeiten? Es ist doch meistens nur Mord und Tot­schlag, Katastrophen, Qualvolles und Niederschmetterndes. So et­was erschreckt uns mehr, als dass es uns erfreut. Wir Christen ent­ziehen uns nicht den Forderungen, die daraus entspringen. Aber wie gut haben wir es, dass wir in Jesus große Hoffnungen haben für ein neues Leben, das heute schon Realität ist. Und der Heilige Geist vermittelt uns das. Dieses neue Leben voll Zuversicht und Freude ist so groß und gewaltig, dass unser irdisches Leben nicht ausreicht, um es ganz erfahren, erfassen und uns aneignen zu können. Da ist es wahrhaftig vom großen Vorteil, wenn ein Mensch in seiner Ju­gendzeit dieses Leben mit Jesus erfährt und das auch sein ganzes Leben lang durchhält. Christus schenkt uns das Gesetz des Geistes mit ganz lebendigen Ordnungen.

 

3) Der dritte Inhalt unserer Weltanschauung: Durch diese Freiheit können wir als die Kinder Gottes leben, die eine große Erbschaft antreten. Den großen Wert unseres geistlichen Lebens kann man nicht besser bezeichnen, als mit dieser Kind- und Erbschaft. Wer in einem harmonischen Elternhaus aufwächst, der hat auch in seinem späteren Leben die besten Chancen für einen harmonischen Lebens­ablauf. Und wer ein größeres Erbe bekommt, der hat bei rechter Verwendung sein Leben lang ausgesorgt. Beide Bilder, Vergleiche sind die besten Bezeichnungen für das Christenleben. Im Text steht unter anderem: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kin­der und haben einen kindlichen Geist empfangen. Und als diese Kinder sind wir auch Gottes Erben und Miterben Christi.

Es sind geistliche Aussagen und Tatsachen, die dem Sichtbaren und Greifbaren übergeordnet sind. Ein Regenwurm und Maulwurf lebt in sehr irdischen, dunklen Gängen. Ein Vogel erlebt die Kräfte der Lüfte. Der Mensch begreift teilweise die Faszination der Schöpfung. Der Christ erlebt darüber zusätzlich noch die Faszination des Schöpfers, der uns zu seinem Ebenbild geschaffen hat. Wer das ernst nimmt, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Und wir dürfen das täglich ernst nehmen, täglich das Staunen über die Großzügigkeit Gottes lernen.

Paulus will uns Folgendes mit diesem Text vermitteln: Weil Gott für uns eingestellt ist; weil durch Jesus Christus das Urangebot Gottes wieder erneuert wurde; und weil der Heilige Geist uns den alltäglichen Lebensbezug zu Gottes Vaterhaus und Reichtum her­stellt; so lohnt sich für uns in jeder Beziehung die Nachfolge. Unser alltägliches Leben bekommt ganz wertvolle Inhalte, die wir mit Glauben, Vertrauen, Liebe, Freude, Ewigkeit und Lebendigkeit be­zeichnen. In selbstverständlicher Art und Weise - ohne Anmaßung - leben wir diesen neuen Stand der Gotteskindschaft und treten das damit verbundene Erbe an. Wie ein Kinde erobern wir uns so nach und nach die Inhalte solches überwältigenden Lebens.

Gottes Schaffenskraft ist so groß, dass er sogar aus dem Nichts et­was tun kann. Aber am liebsten schafft er doch auf der Basis seiner Schöpfung. Die Wunder, die wir oft als Wunder bezeichnen, tut zwar Gott auch, aber damit sollen wir nicht rechnen. Das eigentli­che Wunder ist der tägliche Ewigkeitsanfang in Jesus Christus. Täglich dürfen wir seine Nähe spüren und erleben, auf seine Zufälle und Schicksale warten, seine Kraft und Liebe empfangen. Das macht unsere Kind- und Erbschaft aus.

 

Leben wir wie die Kinder Gottes, oder leben wir wie die Kinder dieser Welt? Täglich sind hier viele Entscheidungen fällig, die aber weniger auf Leistungen aus sind, sondern für die geistliche Bewälti­gung unseres Lebens gelten. Und der Heilige Geist spielt da eine sehr große Rolle, dem wir uns öffnen dürfen. Dann gibt es auch für uns keine Verdammnis mehr, weil wir in Jesus Christus sind. Wir erleben die Freiheit der Kinder Gottes mit allen Erbschaften.


Bruder Georg



Weitere Predigten finden Sie auf der Homepage von Bruder Georg:     Hier!